Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1000 schreibfertige Füllfederhalter ■y'> zur Auswahl mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 Ceka, Juwel, Osmia Parker-Duoiold, Wahl, Waterman Montblanc und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren jeder Art Mt oder der Vertretung äußerer Interessen herbeizuführen. Möchte es dem Jub«i,lar vergönnt fein, den reichen Schatz von Vertrauen, den er sich in jahrzehntelanger Mrksamke-it reworben hat, weiter unverkürzt in den Dienst der öffentlichen Arbeit an den« Idealendre Orthodoxie zu stellen. Polen. Die antijüdischen Ausschreitungen in Posen. Posen, 10. Juni. Am Sonnabend nachmittag hielten die nationaldemokratischen Studenten im Akademikerheim eine Versammlung ab, in der sich die Studentenschaft mit der streikenden Leinberger antisemitischen Studentenschaft solidarisch erklärte. Hierauf marschierten etwa 500 Studenten durch di? Straßen und verbreiteten Hetzeaufrufe gegen die Juden, in denen ertlärt wurde, die' Juden haben in Lemberg die katholische Religion verhöhnt und eine katholische Prozession angegriffen. Jüdische Passanten, die den Demonstranten entgegenkamen, wurden umzüngelt, niedergeschlagen und mit Knüppeln und Fußtritten bearbeitet. In vielen jüdischen Eeschäftsläden wurden die Schaufensterscheiben eingeschlagen. Plötzlich, wie auf ein Signal, wandte sich die Menge der Studenten unter den Rufen „Tod den Juden", unterstützt von nichtstudentischen Huligans, gegen das meist von Juden bewohnte Stadtviertel. Es entstand eine ungeheure Panik. Wohnungen und Geschäftsläden der Juden wurden schnell geschlossen. Die Menge stürmte das Haus der jüdischen Gemeinde, schlug alle Fensterscheiben ein, und zertrümmerte die Inneneinrichtung. Zwei große Synagogen wurden mit Steinen bombardiert, sodaß sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Zahlreiche jüdische Restaurants wurden demoliert und in vielen jüdischen Geschäftshäusern wurden die Erkerfenster eingeschlagen. Schwere ankijüdische Ausschreitungen in Lemberg. Lemberg, 4. Juni. In Lemberg kam es am 3. Juni zu schweren antt jüdischen Ausschreitungen, die ihren Ausgangspunkt txuniini hatten, daß antisemitische Provo-- katoren Gerüchte verbreiteten, Juden hätten 'Oiui& den Fenstern ihrer Wohnungen Sterne auf eine katholische Prozession geworfene Es hieß auch, daß -die Schüler des jüdischen Gymnasiums in der ZMNUintowsLg-Gassie Me Prozession mit einem Hagel von- Zie-geMeinen überschüttteen. Die natronaMisch-aMsemiÄschien Zeitungen' gaben diese Gerüchte als Tatsachen wieder und forderten! die Bevölkerung auf, Genugtuung zu verlangen. Daraufhin demonstrierten große Gruppen« natiionaUtischier polnischer Studenten in dm Straßen, mißhandelten, jüdische Passanten!, wobei es zu Zusammenstößen mit Gruppen jüdischer Studenten! kam, die sich den« Huligans entgegenstellten. Am Abend wiederhoWen sich -die Unruhen in noch stärkerem Maße. NationMstische polnische Studenten und andere verhetzte junge Leute drangen in das Gebäude der polüffch-jü-Mschen Dageszerturrg „Chwila" ein UNÄ zerstörten die JnnensiNchchtunU. Zwei andere Gruppen versuchten mit Gewalt in «das jüdische Studentenheim und in das Mische Gymnasium in der Zygmuntowskagasse «inzudringen. Die PMzei zerstreute die Demonstranten und nahm insgesamt 40 Verhaftungen vor. Die nationalistische Presse fahrt in ihrer rücksichtslosen Hetze gegen -die Judenschast! fort und fordert zu einer Manifestation der gesamten katholischen« BevöWerung am tomncenden Sonntag aus, in der den „beleidigten Gefühlen der Einwohnerschaft von Lemberg" Ausdruck ggeieben werden soll. Ein gewisser Teil der katholischen G-e-isMchkeit steht hinder dieser Hetze. Aus jüdischen Kreisen wi«rd die folgende Darstellung gegeben: Während d«ie Fronleichnams pro zefsion« am vergangenen Donnerstag die Zygmuntowsk-a-Gasst passierte, spielten die jüdischen Schüler in einer Pause im Hofe des Gymnasiums. Andere, die sich in den Schulklassen befanden, sahen von den Fensternauf Me Prozession. Plötzlich rief ein Mann aus der Mliie der Prozession, daß Me jüdischen- Schüler die Prozession verhöhnten, und daß aus dem Hofe ein Stein gegen. Me Prozession flog. Niemand anderes hatte davon etwas gemerkt. Einige Prozession-steilwehmeo, dar chden Ruf aufgestachelt, wollten in den Hof des Gymnasiums eindringen; die die Prozession begleitende Polizei verhinderte dies. Erft einige Tage später veröffentUich«te der Lemberger „Curjer Poranni" eine hetzerische Darstellung, Me von den übrigen nationalistischen Zeitungen in Lemberg und Warschau übernommen« wurde, und «Me den Anstoß zuden antisemitischen Unruhen gab. Der Mische Senator- Dr. Schreiber sprach beim Wojw-oMn vor, der zu-sag-ie, daß Versuche zu Exzessen verhindert werden würden. Weiler wird aus Lemberg berichtet: Der katholische Geistliche, der die Prozession führte, erklärte, daß er von einer Verhöhnung der Kirchensahnen von Seilen Mischer Schüler niichts gemerkt hat. Eine Unruhe trat im Zuge ein, als mm Frauim> Gedränge eine Ohnmacht erlitt. Die von polnischen Zeltungen verbre-it-ete Nachricht, die Vorsteher der Mischen Gemeinden hätten beim Episkopat ihr Bedauern- «ausgedrückt, ist völlig aus der Lust gegriffen, da von jüdischer Seite nichts geschehen 'ist, was« bedauert werden müsse. Andererseits würd«e ineiner Sitzung des Vorstandes und des Nabbincttes eine Pro-testresto kuti on gegen die Borg ä n g e angenommen. Für den Wiederaufbau der während der Exzesse verwüsteten jüdischen Institutionen werden Gelder gesammelt. Inzwischen hetzt die nationaldemokratrsche Presse weiter. Die Unru-H«en hab«en aus -die Universität übergeg-riffen. Da sich die Ausschreitungen mehr ge>ge-n Me Regierung richten, so greift Me Po-lzi«e«i, Me aus Warschau Verstärkung bekommen hat, scharf durch. Schweiz. Die Konferenz der schweizerischen Lehrer. Baden, 20. Mai. Das Leben und Streben im Schwet-zerlande hat, wenn nicht alles trügt, in den jüngsten« Jahren -eine Wendung genommen, bie entschieden ekvm Höhpunkt bedeutet, von dem die Rennaissanoe -des Thoragsistes erkennbar «ist. Man denke an die Jefchiwoh -in Montreux, wo unter der zielbewußten Leitung -des Herrn B-otf-chko, un«ter seiner vor keinem Opfer zurückscheuenden Hing«ab-e eine Schweizergarde her-anwächst. Me züm Schutz der jüdischen- Heiligtümer in der Zukunft berüfen -ist. Schon ist die Zahl der Lernenden «auf 50 gediehen, und auch an den Grenzpfählen erscheinen« solche, in beten Paß als Ziel Jefchiwoh Montreux vermerkt ist. Freilich, leicht ist es auch henke noch nicht, in einem Lande, wo «Me Fremdenindustrie immer neue Schönheitenauf Bergbahnen erschließt, eine Verkehrsader zu schaffen«. Me in -das Herz des Iudentums, zum Ewigksitsborn der Thora führt. Leicht war es auch nicht, M«e jüdisch«en Lehrer «und Beamten -der Schweiz in einem Verein zusammenzufafsen, der neben der materiellen Besserstellung sich Me Aufgabe setzt, das jüMsche Leben und Denken in Gemeinde und. Schule zu. heben. Und wer wollte widersprechen, daß dieser Verein^ -eine LebensnotwendlgkM ist? Die jüMsche Elementarschule ist -das Fun«damen«t der Iefchiwoh, sollte es wenigstens fein. Man darf he«u-te sagen-, daß der Schweizerische jüdische Lehrerv«erband dank -der Solidarität feiner Mitglieder zu« einer Organisation geworden ist, Me zum Wohle der jüdischen GesamtheN sich betätigt. Bis a«nhinhat der Kontakt zwischen den« Koller gen- -gefehlt, Me gegenseitige Ausfprach«e, Me Anregung und Förderung -gewährt. Seit zweii Jahren ist dies anders geworden«. In jeder Konfeven«z hört man Referate über berufliche Them«en, Me imvertiefender Diskussion zu geistiger A«nregu«ng, zu fruchtbringendem Nachdenken führen. Als rühmlich -darf hierbei hervorgehoben werden-, -daß «in Mefen Diskussionen allenihalben« der altjüdische Geist sich regt. Es ist jeder einzelne von dem Willen bes«eelt, m irnn großen und HMgen Werke Ser Ertüchtigung unserer jüMfchen Jugend nach Kräftenmitzuarbeiten. Auch in der jüngsten Tagung am 19. Mai kam dieses schöne Streben zum Ausdruck. Zwei- Referate beherrschten die Tagung. Zunächst das -des Herrn M. Amtmann in Zürich über: „Psychologie des Reli-Z,ionsunterrichts". Der Kern«punkt .se«iner Ausführung-en -ist die Becm«twortung der Frage- (er beleuchtet sie unter Heranziehung der modern-wisfenfchafWchen NesUltaie): Welche Seelenkräfte sind zu mobilisieren, um in der jüdischen Schule -ersoglreiche- Arbeit leistenzu können? Bei der Z«dels«etzung ist auf die einzelnen Etappen jugendlicher Entwicklung Rücksicht zu nehmen«. Im zarten Kindesalter sollte vor allem -das religi-öfe Erleben in den Vordergrund der erz«veh«er-ifchen Arbeit treten. Wohl dem Lehrer, wo daselterOch«e Vorbild, der reinsten und tiefsten Offenbarung dieses Erlebens, «ihm den Weg bahnt! Nicht das Ethisch-Soziale, wie die moderne Wssenfchast meint, ist im Gefühlsleb'en« der kindlichen Seele das Pr-i-ore, sondernda>s Religiöse. Darum müssen« Chumefch- und biblisch«e Geschichte diestm erwa«chenden religiösen Leben Zi«el und Richtung im jüMschen« Unterricht geben. In der Zeit aber, wo Me sozial-^ethischen- Fragen vorherrschen, in der Sturm- und Drangperiade (im 11. bis 18. Lebensjahre), sollte unsere Jugen'd mi«t der <rhabenen Denkweife unserer großen- Propheten vertraut gemacht werden, die höchste soziale Gerechtigkeit und Moral verkünden. Darum darf mit der Entlassung aus der Volksschule Me -religiöse Underweiisung nicht aufhör«en, sie muß jetzt -erst recht beginnen, weil gerade in jener kritischen Zei-r durch Verwirrung d-er Gefühle so viele als Opfer fallen. Herr Lehrer L'ichte nst-e i n aus Bex sprach Mer das Thema: „Religionsfchule und Kunst". Unter l«etzte«rer versteht er nicht Maleret und Plastik, er verschht darunter das Stveb«en-. des Lehrers, dem Kinde Me Schönheit und« Poesie in der Bib-sl zu", offenbaren, durch Melodie und jüdischen G-efang Fr«eu-d-e -in Me- Schule zu «tvagen. Jllustr-ievte Fib«eln, sch«öne Karten des heilig«en- Landes, Bildnisse großer Männer sollen« Jn«teresse und Leb«en v«ermitteln. — In d«er Disku-ssion, Me sich beiden R«e-fe-raten anschloß, betont Herr Rabbiner Dr. L i tt mann-, Zürich, man müsse einen Unterschied mach«en zwischen d«en Forderungen der modernenallgemeinen Pädagoglik und den Zielen des jüdischen Unterriichts. Gewiß ist jede Methode zu bogrüßn«, die uns zu -besseren Resultaten- M« der Religionsschule führt. Aber man dürfe in« dem Stre>b«en, es dem Kinde ang«en«ehm und behaglich zu machenj, -doch auch nicht zu weit- -gehen. Das „Semiraus hoju Dil chukecho" habe nach dem Talmud feine Elnschränkung durch d«en Hinweis auf den Ernst und die - Pflichten, die das jüdische Leben von fs-inen« V-ekenn-ern« fordert, das Kind muß schon frühe auf diesen- Weg der Pflicht verwiesen werden, während allzuviele BemühunM, es dem Ki«nde bequem und schön zu machen«, zu Spielereien«, zu falsch«er Auffassung üb«er Weg und Ziel «des Judentums führten. Herr Rabbiner Brom, Luze«rn, -betrachtet es inerster Linie als unumgänglich, dem Kin-de währ«sn«d der Schutzeiit «ein gründ«lichss jüdisches Wissen -an Hand -unserer Quellenschrfften zu vermitteln, das- Wichtigste zur Erre-ichung dieses Zieles fft ein vonwahrer GotteÄfu«rcht und Berufs freude erfüllter Lehrer, sonst «erweisen sich die besten Lehrmechoden« «als -trügerisch. — Herr PreMtzer Messing-er, Bern, h«at Bedenken«, im >bib«lisch«en Geschiichtsunterricht BilMMe zu v«erwenden. Sie srn«d von man-chen-, sogar Mischen- Künstlern, im Widerspnuch zur Worrschien WahryM -dvirgesteM, und schon deshalb abzulehnen. Das Leben unserer großen Väter bedarf keiner bildhaften Darbiielung, ihr Leben selbst ist geeignet, auf Gefühl und Seele «des Kindes« zu wi«rken>. Bis in den späten Nachmittag h-m-einhattensich die Diskussionen ausge-dehnt, un«ter Anwesenheit «Huer großen Anzahl von Angehöri«gen« «der Luzerner Gemeinde. jjvi juwia/e veyrerverein oer Mywe«lz Meo-r es, oveferare und Diskussionen der jüdischen OeffentlichkM. zugängWch zu machen«, um das allgemeine Jnter«esse zu -erwecken« für die Angelegenhe ilten der MMschen Schuile. Es ist ja heute vor allem wichtige -daß die jüMsche Schule in Ko«ntakt bl-ei«bt mit Gemeinde un«d Mern-Haus, w«si«l der böseste Fetn-d der Schule Me Gloichg-MtilAkeit und Interesselosigkeit ist. — Herr Dr. Robert Guggenh«ei«m>, PrM dent der jüdischen Schulpflege in Luzern, spm-ch. seine besondere Befriedigung aus über die idealen' Bestrebungen Ms jüMfHen- Schweizer Lehrer-verieins. Er, Habs von der heutigen Bersamm'lnng tiefe Einidrücke gewonnen über Leistungen und A-rbeitszisle: des Verbandes und werde auch im Schwätzer IsraeWtischen Gemeinhebund dafür -ein'treten, daß sämtliche jüMföhen 'Beamtm« in der