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Der Israelit · 1929-06-13 · Heft 24 (13.6.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 24 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13. Juni 1929 DerJsraelit Nr. 24 Seite 5 diesen 149 Mischehen wird die Anzahl der Mischehen von aus id>er Gemeinde ausgetretenen Juden noch auf 165 bis 70 geschätzt, so daß neben den ermittelten 701 jüdischen Ehen (mit 1402 Personen) die etwa 315 Mischehen (mit 315 jüdischen Personen) 22,5 Proz. der verheirateten jüdischen Personen betragen dürfte. Die Ergebnisse der Enquete gelten i!m allgemeinen nur für die preußischen! Juden in Orten unter 1000 Juden-; das Fehlen der großen Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Köln usw. läßt einen Rückschluß aus Großgemeinden im allgemeinen nicht zu.. Korrespondenzen vacdricbiei». Oeuffdjes Reich. Bund Jüdischer Akademiker. 33 .e Tili in,, 11. Juni. Vom Präsidium des „Bundes Jüdischer Akademiker" wird uns geschrieben: Der Bericht über die Leipziger Deliegileri-entagung der Aguda-s Jisroel hat zu der Ansicht Veranlassung gegeben, daß der Bund Jüdische!r Akademiker (B. I. A.) in deninnerpoMfchen Stveiffragen der Agudas Jisroel eine bestimmte Haltung einnimm.t Das Unterzeichnete Bundespräsidium legt Wert aus Me Feststellung, daß der Bund nachwie vor jede- Stellungnahme zu diesen Fragen ablehnt und -es auch mißbiMg-en würde, wenn eine einzelne Bun-desv-eveini-guntg indieser Beziehung den Grundsatz der Neutralität verletzen sollte. Was in dem genannten Beri-chte -als Meinung des- Bundes wiedergegeben ist, ist demnach als die private Meinung des betreffenden- Redners zu betrachten. Weltkongreß der jüdischen Frauen. Hamburg, 6. Juni. Nach Eröffnung des Kongresses mit Ansprachen und Begrüßungen, über die wir bereits kurz berichtet haben, hielt am Dienstag die englische Delegierte Ms. Hands das erste Referat über „Die jüdischen Heirats- und Scheidungsgesetze". Sie stellt die religiösen und zivilrechtlichen Ehe- und Scheidungsgesetze gegenüber und weist auf die Mißstände hin, die aus staatlich nicht anerkannten, nur religiös vollzogenen Trauungen oder Scheidungen besonders für die Frau entstehen. Sie appelliert an die Rabbiner, sich bei Vornahme solcher Funktionen erst über die zivilrechtliche Sicherheit derselben zu vergewissern. Daß solche Fälle in Polen häufig und oft zu Katastrophen führen, erzählt Frau Reichen sie in aus Polen in einem ergänzenden Referate. Sie spricht auch vom Elende der A g u n o t h. Das Agunoth-Problem sei zwar von den Rabbinern Polens aufgeworfen, aber noch nicht völlig gelöst. Darauf hielt Frau Siddy Wronsky ein groß angelegtes Referat über das Thema „Bevölkerungspolitische Ausgabe der jüdischen Frau". Sie behandelt in der Hauptsache Erziehungsfrägen, soweit sie von der jüdischen Frau und Mutter zu lösen sind. Die Verminderung der Eheschließungen und Geburten bei den Juden sei von katastrophaler Bedeutung. Die Frau könne mit helfender Hand eingreifen, dadurch, daß sie an der Berufsergiehung mitarbeite und zur wirtschaftlichen Kräftigung des Hauses beitrage. Der Nachmittag brachte noch zwei mit großem Interesse angehörte Referate, und zwar über „Settlementsarbeit, Jugendpflege und Jugendbewegung" von Mrs. Basil Henriques aus England und über „Berufsumschichtung" von Frau Ethel Baraczcs aus Ungarn. Erstere antwarf ein anschauliches Bild über die Arbeit und Erfolge auf dem Gebiete der Jugendpflege in England. Die Tätigkeit werde von außen auf interkonfessionellen Boden geführt, doch bleibe die Jnnenarbeit gut jüdisch und religiös. Diese Prinzipien wurden in der Diskussion auch für andere Länder gutgeheißen und empfohlen. ' In 'der Aussprache betonten amerikanische Delegierte den religiösen Charakter der amerikanischen Jugenderziehung. Eine Vertreterin Oesterreichs wünscht auch eine nationale Erziehung der Jugend. Zur Frage der Agunoth wird angeregt, der Weltkonferenz der Agudas Jisroel, der Kenessio Gedaulo, eine Resoluton zu unterb eiten, in der die rabbinischen Autoritäten ersucht werden, sich der Lösung dieser für unzählige Frauen schicksalsschweren Fragen zuzuwenden. In der Nachmittagssitzung referierte Frau Paula Ollendorsf über Soziale Frauenarbeit, insbesondere über die, Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Ausbildung der jüdischen Mädchen. In der Debatte kommen Vertreterinnen verschiedener Länder zu Wort. Frau E. P o l l a k macht interessante Angaben über die Organisation der Berufsberatung für Mädchen in Amerika. Auch dort herrschen große Vorurteile gegen jüdische Mädchen, die sogar in jüdischen Betrieben weniger berücksichtigt werden, als ihre christlichen Kolleginnen. Die Woche. Berlin. Der Jüdische Frauenbund fe-verde fein- 2 5 jährig-es Bestehen mit einem- W-eiheakte -in -der Musikhochschule Anschließend fand eine Konferenz des Frauenbundes statt. Wien. In Verbindung, mit den Lemberger Exzessen fandenauch in Wien ernste Stud e n t-enunr uhen statt, wobeimehrere Juden verletzt wurden. Das Rektorat hat scharfe Maßnahmen ergriffen. Genf. Die litauische Regierung hak den Leon- So l o weits ch-i k, einen Bruder des früh-even Ministers für jüdische Angelegenheiten, zu -ihrem Vertreter auf der Internationalen Arb-eitskonf-eren-z -ernannt. London. Der frühere Oberk-ommstfar von Palästina, Lord Ptlumer, wurde aus- Anlaß des Geburtstages des Königs zum Vis - coun-t erhoben. — Zu den bereits gienannten jüdischen Mitgliedern, des neuen englischen Parlamentes kommt noch Rechtsanwalt Michael Marcus aus Edinburgh hinzu, der aus dem Prozesse des Oskar Sla-tter wohl b'ekannt ist. Cs sind nun im Ganze-n 15 jüdische Abgeordnete. In die Regierungdre Arbeiterpartei wird wahrscheinlich Eman-uel S h i n w e l l als Minister für den Bergbau elntreten. Warschau. In Z l a -t o pol in der Ukraine starb Rabbi Mordechai Josef Tversky, ein von vielen taufenden Chafsidim gefeierter Rabbi, im Alter von 68 Jahren. Jerusalem. Gegen den Jerusalemer Pobize-iinspektor Duff, der sich schon bei dem Zwischenfall an der Klagemauer sehr unrühmlich hervorgetan hakte, ist von Waad leumi b-e-t der Regierungeine Aktion eingeleitet worden. Er hat nämlich die üblichen und friedlichen' Lagbeaumer-Kmderfestzüg-e in brutaler und judenfeind-l-icher Weste gestört. Man hofft, en-dMch diesen Beamten-, der in Palästina fehl am Orte ist, los zu werden. Rewyork. Die Organisation „Äsung- Judae" errichtete -ein-en A h o r nb a u mzu Ehren von Albert Einstein. Bei -der Feierlich- Mt Hi-M d-er Bürgermeister von Newyv-rk eine Rede, in der die Verdienste der Juden für Kunst und Wissenschaft in hohen- Tönen feierte. — Henri N. Goldfogle ist im Alter von 73 Jahren g-esto-rben. Goldfogle ha-tte vor Jahren als Kongreßmitglied die Kündigungder Verträge mit Rußland als Protest gegen die Judenverfo-lgung'Lnin ■ Rußlanddurchg-efetz-t. Größeres Interesse erweckt das Referat der Frau Ottilie S ch ö n w a l d über Gleichberechtigung und Mitarbeit der Frau in der jüdischen Gemeinde. Sie beklagt sich darüber, daß im Gegensatz zu England, wo die Frauen in der Gemeinde aktives und passives Wahlrecht haben, sie in den meisten Gemeinden Deutschlands vollkommen rechtlos seien. Das preußische Kultusministerium fördere das Frauenwahlrecht nicht. Sie erhofft von dem in Vorbereitung befindlichen neuen Judengesetz darin eine Besserung. Sie zählt dann alle Länder Europas auf, in denen das Frauenwahlrecht in den jüdischen Gemeinden ganz oder zum Teile oder garnrcht besteht. In der Aussprache entwickelt und rechtfertigt Oberrabbiner Dr. Earlebach den Standpunkt der Gesetzestreuen, der, in höherer Bewertung der Frau und ihrer Aufgaben, ihr das Wahlrecht nicht einräumt. (Schluß folgt.) PUFF Nähmaschinen unübertroffen PF AFF NähmaschineB-Haus IIHII Martin Decker G mbH. Gr. Friedbergerstr. 18/20 Oesterreich. Urlaub zur Kenessio Gedauloh. Wien, 9. Juni. Da die Kenessio Gedauloh in der schönen Spätsommerzeit vom 5.—12 Elul (10.—17. September 1929) staltfinden wird, empfiehlt es sich für Besucher des Kongresses, ihre Sommererholung oder ihren Urlaub schon jetzt für September einzuteilen, um auf diese Weise nicht nur in Wien sich zu erholen, sondern gleichzeitig auch durch Teilnahme an diesem der Ehre der Thora gewidmeten Kongresse selbst zur größeren Ehre der Thora beizutragen. Ungarn. Adolf Frankl 70 Jahre all. B >udape st, 9. Juni-, Der in der ganzenjüdischen Welk rüh-mlüchst bekannte Präsides der ungar-rsch-en Orthodoxie, Adolf Frankl, beging am 17. Jjar seinen 70. Gebu-rkstag. Wenn es eines Beweises bedurft HWe, welch unbegrenzter Verehrung und Beliebthebt sich „Rabbi Awrohom Frankl" in -allen Kreisen der jüdischen' 33ev-ölkerung feines- Landes erfreut, so legten hiervon -die Ova-ii-on-en Zeugnis ab, die ihm an-läß-lich des Jubel-t-ag-es dar-gebrachtwurden. Frankl stammt aus Debr-eczin u-nd erwarb sich schonin jungen Jahren auf mehreren Jeschiwoth, insbesondere -in Preßburg als Schüler des Kfaf Säufer, ein bedeutendes talmudifches Wissen, dem er -umfassende profane Kenntnisse zu-zugesellen verstand. Man kann Frankl mit Fug und Recht einen Polyhistor nennen, so vielseitig stt feine Beschlagenheit auf allen- Gebieten menschlichen Wissens. Cr -stt imfta-n-de-, mi-tten in -e-imm großen Kreise Adolf Frrrntt. von Besuchern gleichzeitig eine Unterhaltung in mehreren europäischen Sprachen mit. de-rsleben Sicherheit -und Gewandheit zu führen, wie er zwischendurch einem Talmudgele-hrl-en ge-gen-über e-i-n-en schweren rr"vi,i» recht machen wird. Was -aber Frankl vor allen Dingen auszeichnet, -ist die Devb-indung von unb-vu-gfame-r Prm-zipien-tr-eu-e mit einer meisterhaften Kunst des- Bermit-teln-s und der M-enfchenbehandlung. Diesen Eigenschaften verdankt die ungarische Orthodoxie bis zum heutigen Tage -ihre Einheit und Geschlossenheit, obgleich es anauseinanderstrebenden Strömungen, insbesondere zwischen Chafsidim und M-isnagd-im, niemals fehlte. Unter der Rot der durch den- Krieg heraufbefchworenen Zustände hat es Frankl auch verstanden, die Beziehungen! zur N-solog-ie freundlicher zugestalten und oftmals einfruchtbares Zusammenwirkenauf dem Gebiete der Wohltätig- Wochenkalender. v. 15. - >2. Juni 1929 / ». 7. 14 Etwa« 5639 Samstag 15 7 '1 Dl’ J1WD27 ni*l So antag 16 8 an nox Montag 17 9 Oienstag Mittwoch Jun 18 19 p’O 10 11 Donnerstag 20 12 Freitag 21 13 Samstag 22 14 'i rr Pis ihm (■ 1, I;

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