Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 24 Dmgen b'i'e letzten Feststellungen Mr. Wolffs vor Augen zu führen. Die internationale zionistische Presse versteht es meisterhaft, die Suggestion zu erzeugen, als feien die Juden auf Gedeih und Verdreb mit dem N a t io n alismusder Minderheiten verbunden. Demgegenüber kam gar nicht oft genug auf die von Mr. Wolfs hervorgehobene Tatsache hinge wiesen werden«, daß die Verträge überhaupt nicht von nationalen Minderheiten sprechen. Auch als religiöse Minderheit können die Juden ohne das ganze Ressentiment der nationalen Leidenschaften der Mehrheitsvölker auf sich zu lenken«, für ihre wirkliche Lebensinteressen eintreten. Die jüdische Bevölkerung Preußens. Der bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat auf.eine Anregung von Dr. Felix A. Theilhaber im zweiten Halbjahr 1928 eitle Enquete bei den dem Verbände angeschlossenen jüdischen Gemeinden veranstaltet, die sehr aufschlußreiches Material über den Aufbau der jüdischen Bevölkerung erbracht hat. Die Ergebnisse sollen zur Unterlage von Maßnahmen der Vevölkerungspol'itik dienen. Neben 23 größeren jüdischen Gemeinden beantworteten die Enquete weitere 40 Gemeinden mit 500—200 Juden- 80 mit 200—100 Juden und 460 mit weniger als 100 jüdischen Einwohnern, insgesamt 603 preu- '#11% 5tiSi±r: Dr. FÄix A. NrS- Haber hat die Ergebnisse der Enquete in einer Schrift verarbeitet, die in einem Sonderheft 'jüdische BevölkerungspoMik", herausgegeben n. u >>, Zentralwohlsahrtsstelle der Deutschen . Örtern Referat, das Dr. Theilhaber -'nü ^'ntzspolitischen Tagung des ‘; er;'-rnfoes gehalten hat, erscheine. Die teils ' k - u. a. den Altersaufbau der preußischen- -.• I r. fassen, und zwar in Orten unter 1000 u. Bei der Durchsicht aller 600 Gemeinden geht die schwächere Besetzung der jugendlichen Altersklassen bis 20 Jahre gegenüber den geschlechtsreisen« deutlich hervor. Nur einige Orte bilden eine Ausnahme. In Gemeinden bis 200 jüdischen' Seelen gibt es gleich viele 20- bis 40jährige, wie 40- bis 60- Jährige. Da ursprünglich vor 30 Jahren noch eine höhere Geburtenziffer auf dem Lande, war, so ist der Ueberfluß durch die Abwanderung verloren gegangm. Der.Zuaana taucht bei denj Großgememoen aus. Trotz des Zuzuges dieser I Erwähnung verdienen die im Hffte veröffentlichten literarischen Perlen aus dem Nachlasse Rabbi Kaplans. Das Doppelheft ist zum Preise vonM. 1.— zu beziehen bei der Redaktion des „Haneemön", Telsiai, P. d. 33 (Litauen). i ''; . " j ■ (Jüdische FaMtiilnforschüng:) Die GeseHschsfä für Familien Forschung.hielt im Brüder-Vereins. Hause eine außerordentliche Generalversammlung ab, ist der zunächst die neuen Satzungen genehmigt wurden. Dann sprach Herr Josua Friedländer über das Thema: „Wie richte ich ein Familienstammbuch ein?" Er schilderte verschiedene Typen der Ahnen- oder Vorfahrentafeln, sowie der Nachsahrentaseln und wies aus seinem eigenen Archiv eine reiche Zahl neuer und alter derartiger Stammtafeln, Urkunden und Chroniken vor. Dann sprach Herr Otto Neumann über „Raumschaffung für jüdischen Nachwuchs". Er stellte auf Grund der vorliegenden Ueberlieferung die Gesamtseelenzahl des jüdischen Volkes vom Beginn seiner Geschichte bis zum heutigen Tage nebeneinander und machte den interessanten Versuch, in einer großen Kurve die Bevölkerungszunahme graphisch darzustellen. Mehrfach folgten so Perioden rascher Zu- und Abnahme, wobei die letztere sowohl durch Taufe, wie auch durch Ehelosigkeit und Geburtenbeschränkung bedingt war: (Früher nie freiwillig, sondern erzwungen durch judenfeindliche Machthaber). Der Vortragende sieht den augenblicklichen Rückgang der westjüdischen Bevölkerung nicht so pessimistisch an wie dies gewöhnlich geschieht, weil die Geschichte ihn von der Elastizität des jüschen Stammes überzeugt hat. Die gleiche Gesellschaft versendet soeben das 16. Heft ihrer „Mitteilungen". Dr.Czellitzer gibt eine ausführliche statistische Zusammenstellung über die „Berliner Mischehen". zeugungsfähigen Personen, trotz der Anhäufung der Eheschließungen mach dem Krieg, sind in diesen Größgemeinden die Altersklassen von 0 bis 10 Jahren nur mit 70 Proz. der Zahl der 20- bis 30 Jährigen besetzt. Bei einer Berechnung aller Gemeinden zeigt sich, «daß die Jugendlichen von 0 bis 20 Jahren nur 81,4 Proz. der Anzahl der Erwachsenen von 21 bis 40 Jahren ausmachen. Errechnet man die Mortalität im Durchschnitt der Jahre 0—20 und' 20—40 mit etwa 10 Proz., so dürften die Altersklassen 0—20 der erfaßten 600 jüdischen Gemeinden im Durchschnitt mit etwa 25—30 Proz. zu gering besetzt sein. Für Berlin läßt sich d«er Mische Bevölkerungsaufbau vielleicht bald aus der amtlichen« Statistik i errechnen, Eine Beobachtung bietet auch für die Fachleute eine große Ueberraschung: nicht nur in der Stadt, sondern gerade auf dem Lande und in der Kleinstadt, ja, gerade hier, wird' 'erst spät geheiratet. Diese späte Eheschließung betrifft nicht nur die Männer, sondern auch in hohem Maße die Mädchen. Bor dem 25. Jahr gibt es überhaupt fast keine Männer und nur in wenigen Ausnahmen Jüdinnen, die heiraten. Im Alter von 25—30 Jahren waren von jüdischen Männern- 72,5 Proz., also etwa drei Viertel, unverheiratet (aus dem Lande: 75,6 Proz.), mit 30—35 Jahren noch 42 Proz. (in den Meingemeinden bis 200 Juden: 51 Proz.). Verwitwete und Geschiedene wurden den Verheirateten zugerechnet. Einige Beispiele: In Butzweiler ist von 14 Mädchen im Älter von 32—36 Jahren kein einziges verheiratet, von« den acht Männern einer, In Gelsenkirchen unter 25 nur 2. In RhüNNen (Rheinprov.) ist von 19 Jv>^n und Jüdinnen im Alter von 20—-35 fahren kein einziger verheiratet. Die Verspiele lassen sich vervielfachen. In Wittlch wurden unter 37 Personen von 20—35 Jahren keine einzige verheiratet 'angetroffen. Von allen 63 weiblichen Personen über 20 Jahren waren 36 ledig. Die Auswirkung der verspäteten Eheschließung muß noch in Erscheinung treten. Neben einer allgemeirven Spätehe des Mannes stellt sich auch die bei der Jüdin ein. 46 Proz., also fast die Hälfte der gezählten Jüdinnen im Alter von BIOXULTDA PT,r° ®0tt. v»eun Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube Ä Pf. » BI OX - MUND WASSER Flasche i."~ NNd 9t—jJITH. ($egett lockere Zähne. Prob e-Flasche ^. (l., 0rS8aSN -Diese Neigung zur .Mischehe ist km Lauft der letzten.16 Jahrenut?ber den Evangelischen ungefähr gleich geblieben, bec Allen übrigen hat sie während des Krieges eine'starke Steigerung erfahren, um jetzt ungefähr dieselbe Höhe wie vor dem Kriege zu gewinnen. Noch interessanter sind die Untersuchungen über die eheliche Fruch tBar», feit, die er mit einer neuen Methode vergleichend berechnete, wonach sich ergeben hat, daß die ehäiche. Fruchtbarkeit zwar bei sämtlichen Ehen stark abgenommen hat, daß aber diese Abnahme, was sicher niemand erwartete, am stärksten die rein evangelischen Ehen betroffen hat, während die rein katholischen und die rein konfessionslosen lange nicht im selben Maße kinderärmer geworden sind. Die rein jüdischen Ehen nehmen hierbei eine Mittelstellung ein, und nicht, wie man allgemein behauptet, die unterste Stufe. In noch viel höherem Maße haben die Zsämtlichen Mischehen an Fruchbarkeit abgenommen. Der Oberstadtsekretär P e t e r G a n s e n (Siegburg- Rhld.) gibt für die rechtsrheinischen Juden eine Zusammenstellung der sämtlichen Familiennamen, die in den drei Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Koblenz im Jahre 1806 angenommen wurden.— Das Heft enthält ferner eine Liste sämtlicher jüdischer F a m i l i e n ch r öniken, die an das Archiv der Gesellschaft bis.jetzt eingeliefert worden sind. Man wird überrascht sein, eine wie große Zahl derartiger Familiengeschichten bereits gedruckt vorhanden sind. Bücherbesprechungen und das in jedem Hefte enthaltene „Suchblatt" runden den Inhalt des. Heftes ab. Man abonniert die „Mitteilungen", indem man Mitglied der Gesellschaft wiro.— (Jahresbeitrag RM. 10.— für Einzelpersonen^ für Korporationen RM. 30—). Zuschriften an den Vorsitzenden Dr. A. Czellitzer, Berlin W.j Potsdamerstraße 5. 25—30 Jahren, waren noch ledig, wobei gerade hier die Großstädte einen etwas niedrigeren Prozentsatz aufwersen; in den Kleingememden waren genau 47 Proz. der Altersklassen 35—30 Jahre unvermählt. Damit fft die Hälfte der Jüdinnen erst nach dem 27. Lebensjahr verheiratet. 50 Proz. der weiblichen jüdischen Personen sind also von der Mutterschaft im ersten Jahrzehnt ihrer Gebärreise ausgeschlossen und gelangen erst in der zweiten Halste ihrer Fmchtbarkeitsperiode zur Ehe. Aber auch von den 30—35J8hrigen sind noch 27,5 Proz. unvermählt, von den 35- bis 40 Jährigen weitere 16 Proz. Die Auszählung nach geschiedenen Personen hat für die Klemgemeinden keine nennenswerten Ziffern ergebenmännliche Personen sind' fast gar nicht vertreten, was auf eine stärkere Wiederverheiratung der geschiedenen Männer deutet. Wichtig ist für die Bevölkerungsentwicklung die ständige Wanderbewegung der deutschen Juden. Für die kleineren Orte bedeutet die Wanderbewegung vornehmlich eine Abwanderung die stellenweise zur langsamen« oder schnelleren Auflösung führt. So bemerkt z. V. die Gemeinde Gronau in Hannover, daß sie noch vor 30 Jahren 100 Seelen und jetzt nur noch 17 zählt, von denen lediglich 4 erwachsene Männer sind. Solcher Beispiele gibt es viele. In der Gemeinde Fraustadt wohnten 1839 noch 565 Indien. Heute nach fast einem Jahrhundert zählt die Gemeinde, trotz Zuzugs aus Posen und Oberschlesien nur ein Fünftel'dieser Zahl. - Der Rückgang der Bevölkerung wirkt sich naturgemäß für das kulturelle Leben der Gemeinde aus. Die Veranstaltung von Gottesdiensten wird vielfach recht schwierig, die Schulen können kaum mehr unterhalten werden'. Von den 600 ausgezählten Gemeinden haben nur die zehn größten soviele Kinder, daß bei einer Einschulung aller jeder Schuljahrgang über 20 Kinder zählen würde; bei nur zwei Orten kamen über 40 Kinder auf den einzelnen Jahrgang. Auch bei einer Reihe von Gemeinden« über 600 jüdische Seelen ergab sich eine Zahl von 3—5 Kindern pro Jahrgang. Die Zahl der Jugendlichen wird stellenweise nur durch die Zuwanderung ausländischer Juden einigermaßen groß erhalten. So erwähnt Rabbiner Dr. Posner von Kottbus, das zu den Orten mit genügendem Nachwuchs zählt, ausdrücklich den Kinderreichtum der Ostjuden. Unter den 45 bis 55 jüdischen Muttern waren 5 Eingewanderte, die 34 Kinder. hatten, während die übrsMN'.. 19 deutschen Mütter nicht wie diese je 7 Kinder, sondern je 3 bezw. insgesamt 55 auswiiessn. Für Kiel bemerkt Rabh. Dr. Arthur Pvsner: Hier ist die relativ, große Kinderzahl nur den sogenannten Offi'uden zu danken: Der Einfluß der Ostjuden auf -, die Erhaltung. vieler jüdischer , Gemeinden Preußens ist bisher noch lange?nicht.bekannt, gewesen. . Die Mischehe Wird.'vielfach:'in,-z-der..Auszählung. berührt. In-. der.Dortmunder Wfftellmlg finhstt man, 149. Mischehen!, an? denen« die Männer *91 mal, also zu drei Fünftel beteiligt -sind. Aus diesen Mischehen stammen 21 Kinder vom juoischen Vater und 10 von jüdischer Mutter, die in jüdischem Glauben erzogen würdem Neben Betreffend Abounemeuk ab 1. Juli 1925. Die Abonnementsgebühr auf den „Israelit" beträgt feit dem 1« Ianugr 1 9 25 uüverändert Alk 1.— monatlich. Inzwischen' sind viermal bet rächtt i che Lohnerhöhungen im Druckereigewerbe eingetreten,;• auch die Preise aller Rohmaterialien sind bedenkend gestiegen. Wir sehen uns daher gezwungendie Äbonnementsgebühr ab 1 Iuti ds. um I0 .P fe in i g zu erhöhen, eine Steigerung, dsii gewiß, dem Einzelnen nicht fühlbar sein, wird, Verlag des „Israelit" ©: M. b. H.