Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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13. Juni 1929 Der Israelit Nr. 24 Seite 3 vereine" will feine ' ganze Kraft denen, weihen, die für den Sabbat, die Seele des Judentums, die Segensquelle des jüdischen Lebens, sich einsetzen. Daran erkennen wir sie als Frauen von dem Geiste des Biederweibes, dem das Freitagabendlied beim Lichterglanze der Sabbatkerzen gewidmet ist. Man sprach von den A g u n o t h , das find die verlassenen Frauen im Osten, denender Weg zur Wiederherftellung ihres Lebens entweder durch Verschulden treuloser Männer oder durch mangelhafte Registratur in den Aemtern versperrt ist. Es stand diesem Forum zu, von den Rabbinen in Ost und West zu verlangen, daß in dieser Frage, die ungelöst eine Quelle anhaltenden Elends für unzählige Frauen ist, ihre besondere Sorge zuwenden. Die Absicht, eine Interpellation in dieser Sache den zuständigen rabbinischen Autoritäten, die in Wien aus Anlaß der Kenessio gedaulo zusammentreffen werden, zu unterbreiten, ist durchaus zu toben, und wir sind gewiß, daß die berufenen Männer sich den Wünschen im Rahmen des Gesetzes und nach Maßgabe der in ihre Hand gelegten mmn N2 nicht verschließen werden. Ebenso verständlich ist das Verlangen, daß die Rabbiner bei Vornahme von Eheschließungen und Ehescheidungen dafür sorgen, daß dem religiösen Akte die zivilamtliche und staatsrechtliche Grundlage gesichert sei, um spätere Kollisionen, bei denen immer die Frau die Leidtragende ist, zu vermeiden. Wie turmhoch erheben sich doch diese gerechten Forderungen über die Wünsche mancher liberaler Führer, die das komplizierte Rechenexempel damit lösen wollen, daß sie die Grundzahlen streichen, so daß die weitere Berechnung an gar keine Prämisse mehr gebunden ist, Der Staat erkennt nur die gerichtliche und zivilamMche Scheidung an, ergo fei die rabbinifche Scheidung vollkommen überholt undüberflüssig! Freilich müßten so geartete und eingestellte Rabbiner ihre Haud von solchen religiös delikaten Dingen lasten. a™ poy ib xrr brr j'Em'pi a'va ’pa umv? '» Aber die jüdischen Frauen >m Hamburg wußten, daß 'eine vollgültige rabbinifche Ehescheidungserklärung d i e Ehescheidung ist m s"V und es kommt nur darauf an, den Ausgleich mit dem Staatsgesetz zu schassen, damit aus der religiösen Maßnahme kein Schaden für die Frau entsteht. Weniger befriedigen können uns die Verhandlungen und Beschlüsse in Sachen des Frauen, wa hl r e ch t e s. In diesem Punkte sind die Frauenkonserenzen, wo und wie sie auch Zusammentreffen, sterblich,'und hier scheiden sich die Geister. Die Debatte über diese Frage paßte auch nicht so recht in den Rahmen der Verhandlungen, die im Ganzen unverkennbar von einem lebendigen Willen zum Judentum getragen waren. Es entspricht einer höheren Bewertung der Frau und ihrer Aufgaben, wenn ihr in gesetzestreuem Kreis das Wahlrecht in der Gemeinde verweigert, richtiger rächt zugemutet wird, wenn da die Meinung 'vorherrscht, daß bk nv'is na mina zu hoch steht in ihrem Aufgabenkreise für Haus und Jugenderziehung, als daß sie in den öffentlichen Kampf hineingezerrt werden sollte. Vielleicht sollten die Frauen mit der Frage der Agur.oth auch diesen Punkt den berufenen Hüterin des Thorajudentums in der geistigen Leitung der Weltorganisation Agudas Jisroel vertrauensvoll in die Hand legen. Das Minderhettsrecht und die Jude«. Wie vorauszusehen war, haben die Verhandlungen des Völkerbundsrates über die angeregte Verbesserung des Verfahrens zum Schutze der nationalen Minderheiten kein sehr bedeutendes Crgeonls gezeitigt. Solange einzelne Großmächte ein Interesse daran haben, die „Begehrlichkeiten" der nationalen Minderheiten in ihren eigenen Staatsgrenzen möglichst zu dämpfen, wird sich an der kühlen Stellungnahme des Völkerbundes zu den Minoritätsfragen auch -wenig ändern. Immerhin können auch kleine Fortschritte in der Prozedur, nach dem der Völkerbund die Minderheitsbeschwerden behandelt mit Hilfe der öffentlichen Meinung Europas sich, als wohltätig zum Schutze der Minderheiten erweisen. In diesem Zusammenhang sind einige Aeußerungen außerordentlich interessant, die Luc ie n Wolfs aus London, bekanntlich derjenige jüdische Politiker, dem das Hauptverdienst ander Schaffung der Minderheitsverträge zukommt, anläßlich seines Aufenthaltes in Wien über die Minderheitsfragen getan hat. Dem Schriftleiter der Wiener „Wahrheit" gegenüber. äußerte sich Mr. Wolfs wie folgt: „Stresiemann hat bekainntlich behauptet, daß diiesü Verträge nicht gut sind. Wenn man aber cmfangen würde, sie zu ändern, würden wir nicht nur nichts gewinnen, wir würden sogar verTeven. Wir brauchen nur mehr Oefsenttichkeit, d. h.: Wenn eine Minderheit eine Petition an den Bölkerb-und schickt, wird diese-, wenn sie -in Ordnung ist, ent -die Regiisruug des betresfendsn Staates geschickt. Dieser' Stackt muß in 2V Dcvgen Stellung nehmen. Dann bekommt er drei Monate Frist zur Beantwortung. Diese Antwort geht wieder direkt an den Völkerbund. So weiß die Minderheiit MW, was die eigene Regierung geantwortet hat. Das muß geändert werden. Wenn man nicht weiß, was vorgeht, hat vis Mitglieder der Agudah Jugendorganisation und Angestellten bund erhalten bei jedem Versicherung«-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die Lebensverficherungsgefelifchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. fy2 Milliarde GMk. »Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 man die Befürchtung, daß die Rechte der MinderheAen nicht genug gewahrt sind. Die ganze jetzige Krise kommt nur von dem Zwist zwischen- Deutschland und Polen. Die Deutschen- -in Schlesien sind mit ihrer Lage unzufpbdben, die Polen wieder sind bös darüber, daß sich die deutsche Regierung da einntischb, das ist der ganze Streit. Be>? der nächsten Ratstagung wird diese Frage ent-- schieden. Ich glaube aber nicht, daß diel an den Verträgengeändert werden wird. Ich hoffe, daß der Vorschlag meines Komitees bezüglich der OeffenVichkeit etwas Erfolg haben wird. Die Deutschen- und Ungarn haben große Reformenverlang^ diese sind aber ganz unmöglich. Wenn man diese großen- AendevMlgeN' vornehmen würde, würden' sie nicht gut für die Miniderheitensein-. Seit 1919 haben wir sehr viel mit diesen Dingen zu tun gehabt, wir haben daher eine große Erfahrung in dieser Sache. Auf Grund meiner Erfahrung kaum ich sagen, daß die Lage der Minoriäten jetzt viel besser ist, wir brauchen deshalb keine großen' Aenderungenin den Verträgen. Denn, ich muß wiederholen', es würde eit- Gefahr sein, große Aenderungen vorzunehmen'. Rationale M-tnderheiten.gibt e-s Nicht. Das ist e i n e E r f i n d u n g d e r I i c-;; L'ft e m Alle ihre diesbezüglichen Vorschläge bei den Friedenskonferenzen sind zurückgewiesen worden. Jetzt aber -lesen sie aus den Verträgen etwas -heraus, was nicht -darin steht. Denn man kann -in allen Verträgen nur -diese Desinition finden: „Staatsangehörige, Ne einer Minderheit nach Raffe, Sprache oder Religion angehören." Rationale Minderheiten sind in den Vevträgen nicht anerkannt. Das würde -auch für die Juden schlecht seiin. Denn alle Staaten könnten sagen, sie haben in ihrer Mitte eine zweite Rationaliität, und die Judendementsprechend behandeln. Es ist ein Glück, «daß dies rtöcht der Fall ist. Es gibt auch in den Archivender Friedenskonferenzen einen Brief C-lemenesaus an Pilfudskt, darin wird ausdrücklich erklärt, daß die Verträge eine politisch separate Nati-onaWät nicht anerkennen. Es -ist sehr wichtig, daß das gut verstanden wird, da sehr viel MMrMch dabei getrieben wird." Es ist für all diejenigen Wischen Kreise, die dazu berufen sind, in politischen Organisationen zu arbeiten, außerordentlich wichtig, sich vor allen kleines Feuilleton. ZüdischeFriedhöfe. Verbands-Friedhof Waibstadt. Von Bloch tn Schwetzingen. Am Wege von Waibstadt nach Neckarbifchofsheim liegt oben auf dem "Mühlberg*, von prächtigem Laubwald umgeben, der altehrwürdige israelitische Verbands-Friedhos Waibstadt. Ueber das Alter des Friedhofs können genaue Angaben nicht gemacht werden. Der älteste Grabstein ist vom Jahre 1690. Es ist jedoch anzunehmen, daß die Entstehung der Begräbnisstätte um Jahrzehnte weiter zurückliegt. Viels große jüdische Landgemeinden des Umkreises betteten hier ihre Toten zur letzten Ruhe. Heute sind es blos noch einige, meist zu Zwerggemeinden zusammengeschrumpste Gemeinden, welche dem Friedhossverband angehören. Im Sommer, besonders im Spätsommer, wenn die Herbstfeiertage herannahen, sieht man jüdische Männer und Frauen den Mühlberg hinaus dem Friedhof zusteuern, um dort oben am Grabe des Vaters, der Mutter oder des Kindes zu beten. Ein Steinchen auf dem Grabstein besagt noch lange, daß hier ein Angehöriger ein Stündchen treuen Gedenkens und innigster Andacht verbracht hat- An sonnigen Frühlingstagen lenkt mancher erholungsbedürftige Spaziergänger seine Schritte dem Orte zu. wo feierliche Ruhe ausgebreitet und die Lust durchwürzt ist von frischem Waldesduft. Lustige Vögelein singen da ihre Weisen. Muntere Eichhörnchen hüpftn von Ast zu Ast. Tierchen aller Art tummeln sich, ihres Lebens froh, oben auf den Bäumen oder unten auf bemoostem Boden, nicht wissend, wieviel leblose Körper hier unten im weichen Schoße der Erde ruhen- — Vergebens sucht manch Fremder, der den Friedhof betritt, nach Gräberschmuck. Farbige Rosen, Nelken. Geranien oder Astern würden störend wirken und dem Ganzen das Gepräge eines alten, echt jüdischen Friedhofs nehmen. Männer der Verwaltung nehmen es, dem Beispiel der hier schlummern, den Ahnen folgend, genau mit den religiösen Vorschriften. Sie dulden keinen Blumenschmuck auf Gräbern nach den Worten der heiligen Schrift: 'iin nprn Wahrlich! Nicht durch Nachahmung fremder Sitten und Gebräuche können wir die Toten ehren; eine Ehrung vergangener Geschlechter liegt vielmehr darin, festzuhalten an der Lehre des alten überlieferten Judentums. — iwk» irsaini na km tr»n py — (Dir Laufbahn eines ehemaligen Wilnaer Talmudfchülrrs.) „B. Z. am Mittag" und andere Berliner Zeitungen heben hervor, daß die Einigung zwischen den Gläubigerstaaten und Deutschland, die heute in Paris unterzeichnet werden wird, im Wesentlichen der Jniziative eines Mannes zu verdanken ist, der nicht der Sachverständige--Konferenz angehört, aber trotzdem hinter den Kulissen in Paris die größte Rolle gespielt hat. Es ist dies David S a r n o s f, der Vizepräsident der Radio Corporation von Amerika, einer der intimsten Freunde und Mitarbeiter von Owen Voung. Sarnoff hält sich seit dem März in Parks auf. wo er an der internationalen Radio-Konferenz ieilgenommen hat. Als Owen Poung vor einigen Wochen erkrankte und nur noch offiZiell an den Sitzungen teilzunehmen imstande war, war es Sarnoff, der mit aller Energie sich in die Verhandlungen stürzte und durch seine außerordentlich guten internationalen Beziehungen die Vertreter der verschiedenen Mächte in ihren Anschauungen einander näherzubringen verstand. Die Laufbahn Sarnosfs hört sich wie ein Märchen an. Gehören am 27. Februar 1891 in Uzlian, Rußland, lernte er zuerst in einer Talmud Thora-Schule zu Wilna, kam mit seinen Eltern, als er noch ein ßjähriger Knabe war, nach den vereinigten Staaten. Mit 15 Jahren trat er als Botenjunge in eine der großen Telegraphen-Gesell. schäften ein und kam später als Hilsstelegraphist zur Marconi-Gesellschaft. Er war der Telegraphist, der bei dem Untergang der Titanic, seines Lebens nicht achtend, bis zum Schluß an der drahtlosen Station ausharrte und seine SOS in bk Lüfte sandte. Ihm allein ist es zu verdanken, daß ein Teil der Passagiere gerettet wurde. Nach seiner Rückkehr nach New Pork ging er wieder zu Marconi zurück und trat nach der Verschmelzung der Marconi-Gesellschaft mit der Radio Corporation in die Leitung dieser Gesellschaft ein. Seit 1922 ist er General- Direktor der größten Gesellschaft für drahtlose Telegrapie, der American Radio Corporation, und arbeitet in engster Weise mit den großen Deutschen Konzernen, wie Telesunken, A. E. G., Simens u. Halske, zusammen. (Haneemon.) Diese vortreffliche hebräische Monatsschrift aus der Telfcher Jefchiwo ehrt in einer Doppelnummer für Jjar-Siwan, die bereits im Drucke liegt, . die Manen Rabbi Abraham Elijahu Kaplans aus Anlaß des fünften Jahrzeitstages. Wissenschaftliche und literarische Beiträge aus der Feder von M. Auerbach, Rabbi A. M. Bloch, Dr. N. Birnbaum, Dr. S, Grünberg, Dr. Deutschländer, Rabb. Heller, Rabb. Dr. Weinberg, Dr. Holzberg, Dr. Wohlgemnth, Schinnelowitz u. v. m. sind im Doppelhefte enthalten. Besondere