Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Der Israelit i. ^UNl Seite 2 Nr. 24 genbaum", frei nn'd> froh 'lebten und« zehrten von dem Segen, den ihnen Gott gespendet, dessen „Augen auf Seinen Boden gerichtet waren von Anbeginn des Jahres bis zum Ende des Jahres". Da sammelten sich die Bewohner der Bezirke mit des Bodens ersten und besten Gaben und zogen mit» Scmtz und Klang, mit Hakellied und Harfenspiel und schöngeschmücktem Opferstier nach der heiligen Stadt, wo sie, von den Priestern und Edlen des Volkes empfangen, zum Tempelberg hinaufwallten und unter Worten des Dankes und der Treue Ihm zu Füßen legten, was der Boden zuerst gereist. Das Fest der Sehnsucht dazumal verwandelte sich in ein Fest der A r beit und des g e r u h i g e n G l ü ck e s. Es verhallten im Wandel der Zeiten:, gewiß nicht ohne eigenes Verfchuld>en>, die Lieder, die Saiten an der Harfe sprangen, verflogen war die Freude. Israel gab seine Erstlinge hin dem Schnitter des Hasses auf fremder Erde. Aber das Fest begleitete das Volk ins Golus hinaus, wie das Gesetz, an das es gemahnte. Es lebt nunmehr in unserem Ritus, in Synagoge und Haus vornehmlich als F e ft d e r Gesetz gebu n g. Noch ist die Sehnsucht da, wir nennen das Fest „Schwuaus". Wenig ist ihm vom Biktu: z^vafter geblieben. Als Fest der Gesetzgebung der Tag Symbol und Memento, Wahrzeichen und 'Ausgangspunkt, Quelle aller Erbauung und Aufrichtung, auch des Erbaue n s und E r r i ch t e n s. - f‘ffi[,üv^^, Arbeit und Gesetz: Wer wollte izähligen Pionieren der alten und der Garde, die seit vielen Jahrzehnten im e der Väter mit dem Schweiße ihres An- .; und dem Blute' ihres Herzens bauen;um, die Sehnsucht absprechen? Die Sehn- > ib ihnen die Kraft und die Ausdauer, c zu vollführen, ungeahnte Werte aus; . unwirtlichem Wüstenboden zu zaubern, r: ich die „ Bikkurim " stellten sich ein: * •. <s ten Siedlungen, die Menschen Brot und Obdach, Boden und- Nahrung gaben. Stadt und Dorf prangen in der milden Sonne Erez Jisroels undMsifen m die Weite und in die Breite, brühende Felder und' Plantagen erfreuen das Auge, reifende Aehren wiegen sich im Winde, der vom Hermon und Tabor kommt, mb singen das Lied der jüdischen Arbeit. Sehnsucht und Arbeit feiern ein Fest. Aber was würde uns all das nützen und frommen, käme nicht zu den zwei Momenten das dritte hinzu: das Gesetz! Das Gesetz ist es, was des Festes Ton und Sinn ausmacht; das Gesetz, das der Sehnsucht Ziel und Richtung gibt, daß sie sich nicht verliert, und der ::.i; . 'l< > Arbeit Sinn und Weihe, daß sie nicht erdgebunden auch den Arbeiter tief herabzieht. Nationale Sehnsucht ftmnvten und kennen auch andere Völker ,und sie führt bet ihnen oft genug zu Haß und Engherzigkeit, die dem anderen/der seine nationale Sehnsucht hat, den Platz an der Sonne mißgönnt und' verleidet. Nationale Sehnsucht allein hat in der jüdischen Geschichte unter der Fahne Bar Kochbas zu einer Ueberspannung der Kraft und Faustkultur geführt, die mit der Katastrophe von Bethen endete. Arbeit allem im Rahmen einer Bodenkultur ziemt einem Agrariervolk, das für keine höheren Zwecke berufen ist, das im Völkerchore lediglich den Nährstand zu stellen hat. Ein Volk, das am Sinai gestanden hat, hat vom festen Boden aus, den es selbstverständlich wie alle anderen» Menschen nicht entbehren - kann, den Start in die Höhe zu machen, zu Sinaihöhen, und' den Blick der Welt dahin zu zwingen. Ueber Schwuaus und Vikkunm zu NIM p0' über die Sehnsucht und die Arbeit zum Gesetze!- Wie wollten wir uns mitfreuen und mitfeiern das Fest der Sehnsucht und der Arbeit im heiligen Lande, bliebe die Richtung zu diesem Hähern ziele stets klar und deutlich. Wo man aber die Gemeinde verweltlicht, die heilige Sprache profaniert, die Schule verbürgerlicht, die Bibel zum „Buche von Dichtern und Denkern einer bestimmten Zeitperiode" degradiert, den Sabbat zu einem Sportsonntag macht, wo solches geschieht, da ist der Weg zur Höhe verbaut, führt keine Brücke von der Sehnsucht und der Arbeit, — schließlich nur Sache der Stimmung! und der Kraft — zum Gesetze, das in feiner ewigen Kraft die Generationen zusammenhaltsn soll bis zur Erfüllung der letzten jüdischen Hoffnungen und des damit verbundenen letzten Gottesplanes auf Erden. Ein Volk neben den Völkern! Nur dieser geschichtliche Irrtum, dem unsere modernen-tra DMin in Palästina verfallen sind, kann es erklären, daß solche Antithesen wie „Welt und' Religion", „Leben und Judentum" in Gemeinde und Gemeinschaft überhaupt aufkommen können. Anderswo mögen solche Streitfragen ganz natürliche Konsequenzen' foer geschichtlichen und' politischen Entwicklung sein. In Italien ringen! beide Hauptgewalten um die Seele des Kindes. „Erziehung ist Sache des Staates!" sagt die weltliche Diktatur. „Die Erziehung bleibe in der Hand Jod-Bad Töte Alpenkurho! Parkhotel Erstklassig Behaglich der Eltern und der Kirche!" protestiert der Vatikan. Staat, Eltern und Religion. Ist das nicht bei uns alles ein und dasselbe? An das Haus wendet sich das werbende Wort Gottes an der Pforte des Sinai n'nb *iohii ro- Und das Haus ist die Pflanzstätte, wo in unseren Kindern uns die Zukunft erblüht Vx'W’ 'la8? Tarn. Und die Einzelmenschen, 'aus dem Mischen Haufe erwachsen, sind das Volt, das Volk seiner Liebe, das Volk seiner Wahl und seiner Berufung ftn vismu na sV» bban- In einem Lande, das seine Weihe durch das Gottesgesetz bekommt:, int einem Volke, dessen Anspruch aus die Heimat einzig und allein im heiligen! Gesetze fundiert ist, kann es keinen Scheideweg geben, der anzeigt: Hie Welt! Hie Religion! ... Nur dann könnte es sein, wenn man von den drei Namen unseres Festes d>en dritten, den eigentlichen und unsere Zukunst bedibtzenden, ausschaltet. Daß dem nicht-so sei, dahin ziele unsere geeinte Kraft; daß vielmehr zur Sehnsucht und Arbeit das Gesetz komme, daß mmaw und amisan DVüon iimin pn pt ihre Weihe erhalten. Wochönrundschcru. UM Wellkongretz jüdischer Fronen. Man muß konstatieren, daß das Sehnen der Zeit nach positiver Religion, nach Gläubigkeit und Freudigkeit im Höheren auch aus der jetzt zu Ende gegangenen Hamburger Tagung des Weltkongresses jüdischer Frauen seinen. deutlichen Ausdruck fand. Man sprach viel von religiöser Erziehung, und besonders waren es die Vertreterinnen Amerikas, die die Religion als ersten Erziehungsfaktor zur Sittlichkeit und zu höherem Menschentum gar nicht genug betonen konnten. Sie haben, in Amerika Erfahrung aus diesem Gebiete, im Schlechten und im Guten. Abkehr von der Religion, eine Trennung von Schule und Synagoge, haben geistige Trümmerhausen hinterlassen, Ruinen, aus denen kein Tempel neu erblühen wird. Versuche mit positiven religiösen Mitteln haben aber hie und da ungeahnte Erfolge gezeitigt, haben in Schule, Leben und Jugenderziehung dien Amerikanismus in Amerika überwunden. Man sprach ferner über den Sabbat. Der Kongreß oder der „Weltverband jüdischer Frauen- Israels Priestertum. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. oma spT. 8ov> ■»an 18*? '8. Gäbe es nicht diese Tag vom Sinai . . . .! Wer kann es fager welchen Weg die Menschheit gegangen wäre ohn die Lichtsaat jenes 6. Siwan, an dem Israel mi der Krone des Priestertums geschmückt wurde Und was würde vollends Israel, dieses winzigst und schwächste aller Völker, bedeutet haben, wem ihm nicht der himmlische Vater in seiner Berufun, die besondere Note eines vnp in verliehen! Di ergibt sich wie von selbst, daßr mir, ob wir auch je den Tag dem Schöpfer und Erlöser Israels dafü danken, no8 nun im *iV8, daß er uns die Lehn der Wahrheit gegeben hat, wenn i:n*nn in» p .die Zeit der Gabe unserer Thora" genaht ist, freudß innehalten, um uns auf unsere Eigenwertigkeit zi besinnen und uns zu Bewußtsein zu bringen, das erst nivinVn an «das Fest der Wochen" vollende und gekrönt hat. was lamm pi verheißungsvol begonnen hat... . Erst als Volk der nun. al« Diener Gottes sind wir mit einer Ewigkeitsausgab, betraut worden, hat unser geschichtliches Sein Forn und Gestalt. Wesen und Inhalt, Ziel und Richtunx erlangt. Unsere Weihe am Sinai bedeutet aber auck die Erhebung der ganzen Menschheit aus den Tiefet dunkler Wahnvorstellungen und Verirrungen eine« die Wett vergötternden Götzentums. Unser Gant durch die Geschichte ist ein ewiger fortgesetzter Heils dienst an der Menschheit.v »Allein ist die Erde", — spricht Gott, da er in seine Liebe Israel erwählt und herausstellt als gekrönter Diener seines Willens. Was Israel geworden, if es auch zum Heil und Segen der Menschen unl Völker. Israel soll mit seiner Lehre, die es wi< seinen Augapfel zu wahren hat, das wache Gewisser der Welt darstellen, der ewige Mahner bleiben ar Sitte und Wahrheit, an Menschenliebe und Gerechtigkeit. Das ist sein Priestertum, das Israel verpflichtet als ..heiliges Volk" zu leben, unentwegi den Weg zu gehen, der ihm in der Lehre Gottevorgezeichnet ist . . . Nicht Zufall ist es, daß das Fest der Offenbrung nicht unter Zeichen und Symbolen zu uns fvricht Wie sollten wohl die ewigen Wahrheiten, die an unser Fest geknüpft sind, — zur Darstellung gelangen können! Das ist wobl auch der Sinn jenes Midraschwortes : N112 8^ 11L2 fTYinn 718 N"3pn p2V2 8^8 Vllp 1*108 8^> V'LNV 188 8b Ö'2S18 n*1S 8b 'j?b8 n '228 bipn 82'1 vrnnoi pm nbwn. Als Gott die Thora gab, da sang der Vogel nicht, kein Flügelschlag regte sich, auch die Himmlischen sprachen nicht ihr heilig, heilig. - sondern die ganze Welt schwieg. — die Natur hielt ihren Atem an. — wo Gott sein Donnerwort durch die Lüfte tönen ließ: ..Ich bin der Ewige, Dein Gott." — Heiliges Schweigen des Symbols an unserm Feste ist auch die erhabenste Feier von 1271*1111 ino jor- Wir scharen uns im Geiste um den Sinai. Wir vernehmen Gottes heiliges Wort. Da wachsen die Schwingen unseres Geistes. Unser Wille zum Judentum wird gefestigt. Ueber unsere Lippe drängt sich der Treuschwur unserer Väter: yottui rivsi n w nm bs. Wir wollen Gott uns weihen mit Tat und Gedanke, — in Wort und Gesinnung. Unsere Gesinnung ist ewig, über Zeit und Raum erhaben. * ie ist nicht an Ort und Geschlecht gebunden. Ob uns und unfern Weg die Völker anerkennen» das ist für die Aufgabe, die uns geworden, ohne Entscheidungskraft. Die Sonne leuchtet, so wie es ihr Schöpfer ihr gebeut. Und auch das Licht unserer mm strahlt über alle Menschen, bis sie schließlich erleuchtet und erwärmt werden von ihrem Glanze. Es mag den Menschen nicht immer bewußt werden, daß der göttliche Funke der heiligen Lehre in ihnen gezündet, — wenn die Erde sich allmählich in ein Paradies der Liebe und Versöhnlichkeit wandelt. An uns aber ist es, getreu unserem Dienste in opferfreudiger Hingebung dem heiligen Ziele entgegenzusteuern, da es von einem Ende der Welt bis zu ihrem anderen erklingt das Wort: n ni22 Ym lölpoo. Gepriesen sei Gottes Herrlichkeit in seiner Allgegenwart. Druckfehler-Berichtigung. In meinen Artikel „Kurze Anweisungen aus ö"'* hat sich ein bedauerlicher Druckfehler eingeschlichen. Selbstredend muß es heißen, an den letzten Tagen Pesach unterbleibt beim Entzünden das 12'nnv. (An den ersten Tagen wird es gesagt). Der denkende Leser dürste das von selbst sich gesagt haben. A. Mannheimer, Dettelbach.