Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1929)
- Date
- 1929-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 23 6. Zunk 1929 | f i jedem Mißbrauche der Festesfeier, gewährt der jüdische Sabbat auch uns, den Handlungsgehilfen, eine für Körper und Seele gleich erfrischende Erholung von mindestens 25stündiger ununterbrochener Dauer. Es besteht nach der durchaus freien unkirchlrchen Organisation des Judentums in Deutschland nicht der geringste Zwang für den Einzelnen, am Sabbat auch nur den Gottesdienst zu besuchen oder sonst sich irgendwie in seinem Belieben bei der Art der Sabbatseier stören zu lassen. Auch Spaziergänge ins Freie sind, wenn auch das Religionsgesetz weitere Reisen und die Benutzung der Eisenbahn untersagt, durchaus möglich und beliebt. So besteht weder vom hygienischen, noch vom sozialen Standpunkte irgendeine Veranlassung, den 25stündigen wöchentlichen Ruhetag für die strenggläubigen jüdischen Handlungsgehilfen als unzureichend zu betrachten und ihnen einen weiteren Ruhetag aüfzuzwingen. Wir ziehen es jedenfalls vor, nach 25ftündiger Ruhezeit einige Stunden am Vormittag zu arbeiten, statt, einer lebensfremden Gleichmacherei zuliebe, unser Brot zu verlieren oder unser Heiligstes preiszugeben. Ganz unberechtigt ist das Bedenken, daß eins Kontrolle unmöglich fei, damit die zu unseren Gunsten von uns vorgeschlagenen Bestimmungen nicht mißbraucht werden. Abgesehen von der durch die Polizeiorgane auszuübenden außerordentlich einfachen Kontrolle, würden wir selbst schon als einzelne dafür sorgen, daß die zugestandene Vergünstigung seitens der Arbeitgeber nicht zu unserem Nachteile ausgenützt wird. Gleich unseren christlichen Standesgenossen betrachten wir die Sonntagsruhe als ein hohes und heiliges Gut, das für die ethische Höherentwicklung des Handelsgehilfenstandes nicht nur, sondern auch für das ganze Geschäftsleben Deutschlands von segensreicher Wirkung sein muß. Hand in Hand mit ihnen wollen wir in kollegialer Brüderlichkeit für die Wirkung dieses Prinzips eintreten. Nur möge man uns, denen kraft ihres Religionsgesetzes die Segnungen des Sonntagsrrchegedankens bereits von Anbeginn an zugute kamen, nicht einen weiteren Ruhetag aufdrängen, der unsere wirtschaftliche Existenz gefährdet, und der gänzlich unnützerweise zu Niemandes Vorteil einen ganzen Stamm wertvoller, staatstreuer Bürger rücksichtslos einer bloßen Theorie opfert." Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 27. MM Am Sonntag den 26. Mai tagte zu Berlin der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Die formale Anerkennung des Preußischen Landesverbandes durch -die Staatsregierung steht zur Zeit immer noch aus. Von der Staatsregierung wurde eine Abänderung der Verfassung des Landesverbandes als Voraussetzung für die Anerkennung, gefordert. Bet dieser Aenderung handelt es sich in der Hauptsache um die Beseitigung des Satzes in Artikel 1: „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ist eine Rsligionsgesellschaft", ferner um die Forderung, daß für das Wahlrecht die deutsche Reichsaugehörigkeit verlangt wird, und daß für Umlagebeschlüsfe, für die Ausnahme von Anleihen und für die Veräußerung von kulturhistorisch wertvollen Gegenständen bestimmte staatliche Aufsichtsbe- Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuipa hilft Bestandteile; Phenac.. Phenyldimethylp.,»i 4 nti Acetylsai., Coff.ffl« 1.l\) in allen Apothekeu fugnisse in der Verfassung vorgesehen werden. Der Rat war in der-Mehrheit der Ansicht, daß über diese Forderungen weiterhin mit der Regierung verhandelt werden soll. Für Zwecke der Ausbildung konservativer Lehrer war nach Bewilligungvon Mk. 20.000 für den Oberbau der J-awneschule in Köln sowie eine Anzahl von Stipendien an die Lehranstalten Köln, Würzburg, Höchberg und Frankfurt a. M. noch ein Rest von Mk. 20.000 vorhanden; diese wurden nach längerer Debatte dem Seminar Würzburg-Höchb-ergzugesprochen. Zu dem Beschlüsse des Verbandstages vom 3. und 4. Februar d. I., der eine Gesamtrevision der Verfassung des Landesverbandes verlangte, wurde in eingehender Debatte Stellung genommen. Der von der Volkspartei ausgegangene Vorschlag betr. Einrichtung dies Einkammersystems fand bei der Mehrheit keine Zustimmung, dagegen erschien eine Herabsetzung der Zahl der Mitglieder des Verbandstages und Rates erforderlich. Der Rechtsausschuß wurde beauftragt, der nächsten Sitzung! des Großen Rates seine Vorschläge für eine Revision! der Verfassung zu unterbreiten!. Dem Beschluß b>es Verbandstages, beim Landesverband Schiedsstellen zur Schlichtun!g von Streitigkeiten zwischen! verschiedenen Gemeinden, Gemein den und ihren Beamten! usw. zu errichten, wurde zu gestimmt. Das Dezernenten kollegium wurde ersucht, dem Wunsche des Derbandstages auf Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem Halb-erstädter Verband über das Judengesetz nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. An der Berliner Vordereitungsanstalt des Landesverbandes für künftige Lehrer sollen zwes StUdienräte fest angestellt werden. Der Berliner Gemeiudevorstand soll ersucht werden, für Pension- und Relikten- Versorgung die gesetzliche Gewähr zu übernehmen. Der vom Rechtsausschuß sertiggestellte Entwurf einer Geschäftsordnungfür alle Ausschüsse des Landesverbandes wurde mit klen-sn Abänderungen! genehmigt. Eine Anregung der Berliner Jüdischen Gemeinde, die Rabbinergeh älter in den verschiedenen Gemeinden einander anzuglei-echn, soll in der Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände beratenwerden«. Eine Dienstanweisung für jüdische Gesangenenseelsorge soll im Einvernehmen mit dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes vom Preußischen! Landesverband dem Justizministerium erngereicht werden!. Das Dszernsntsukollsglum wurde ermächtigt, die Dienstanweisung für den Fall, daß es keine fachlichen Bedenken gegen sie hat, dem Ministerium zu übersenden. — Dr. Freund erstattete einen ausführlichen Bericht über den Stand der Staatsbeihilfen. Nach! längerer Ansprache wird beschlossen, in Zukunft nur noch diejenigen- Gemeinden aus Staatsfubven-tionen zu unterstützen', die lediglich dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden angehören. Ueber die Uebergaugsbestimmuingen zum Judengesetz für die Provinzen Hannover und Hessen-Kassel fand -eine eingehende Aussprache statt, in der besonders die Vertreter dieser Provinzen' Gelegenheit hatten, sich zu äußern-. Einstimmig wurde beschlossen, jedes So nd regefetz für dkes-e Provinzen! abzulehnen und lediglich Uebergangsbestimmungen zu schaffen, ohne sich jetzt schon daraus festzulegen, für welchen! Zeitraum sie gelten sollen. Von der früher in Aussicht genommenen Gründung einer Kantorenschule durch den Landesverband soll abgesehen werden, dagegen soll die vom Kantorenverband -entworfene Prüfungsordnung allen RatsmilgVedernzur Kenntnis gebracht werden. Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands. Berlin, 29. Mat. Am 21. und 22. Mai fand kn Berliln die Hauptversammlung der „Bereinigung der Mlsralen Rabschienen waren. Zunächst erstattete der Vorsitzende,. Sekigma-nn-Frankfurt a. M., -den- Rechienschaslsbericht, an den sich eine allgemeine Aussprache anschlotz. Am Mittwoch den 22. Mal sprach Dienemanni-Offenbach über das Versammlungsthema „Ehemchiliche Fragen". Am Nachmittag referierte Seligmann-Frantfurt a. M. über das, nunmehr ferckgigesteMe Gebetbuch für liberale Gemeinden/ Die Diskussion' führte zu -einer NesoluKon, in der das -firm Aufträge des Mieralen KuMusaussch-usses des Preußischen- Landesverbandes fer-- tig,gestellte Gebetbuch für -liberale Gemeinden allen Gemeinden zur Einführung empfohlen -wird. Hierauf folgte die B-eratung der neuen Satzungen, die nach dem Vorschläge iileir dazu eingesetzten Kommission mit ger!kngen Aendemngen angenommen wurden. (Wir k-ommen aus die Beschlüsse noch zurück. Red.) Sitzung des Zionistischen A. C. Berlin^ 5. Juni. Die heute zu Cnd>e gegangene Sitzung des Zionistischen A. C beschloß, die IeiwU) Agency nuMMtbar nach dem Zivnistenkongressie im Sommer -einzuberusen. Weltkonserenz der jüdischen Frauen. Hamburg, 5. Juni. Nach einer öffentlichen- Versammlung am Montag wurde Dienstag, den 4. Junik, der Weltkongreß der jü d-i-s ch en Fr ait-en durch Ne Präsidientin, Frau Rebekka K o Hut, eröffnet. Es folg,len Begrüßungen im Namen des Senats, der D e u t s ch - I s r a e t it kschen Gemeinde, der Hamburger Frauenoer e i n e sowie des Ober r a ü b i n a t e s für Schleswig-Holstein durch Herrn Oberrabbiner Car leb ach. Die VerhandliMMN wurdm -eMgeMiiet mit -smiem Refe-rait von rutiß Lizzi Hands aus England über „Die jüdischen Heirats- und Schöbdungsgef-etz-e".. Weiitsre Berichte folgen. Oesterreich. Dundestagung orthodoxer Iugendvereinigungen Oesterreichs. W i e n „ 31. Mal. Auf Anregung der Agudas- Jisroel-Jugendgruppe Wien kamen am 19. Mat 84 Delegierte aus 12 Orts¬ und Beztrksgruppen der' österrekchischen Agudws Jisroel- Jugendorganiisation zusammen«, um -den Boden für -eine kon-zsntrlsvdere g-ems-insame Wlrksam-kieiit zu -schassen. Nachdem dier Vorsitzende, Herr Sitgm. Stern, -die Tagung eröffnet und Äße Delegierten begrüßt hatte,, wurden eine ganze Reihe von Begrüßunigstelegranrme aus dem Jn- und Auslande verlies,M. Namens des Schiffschnlv orstandes hielt Kommerzüenrat Bondk eine Ansprachle, für die A. J.-Ortsgruppe Herr Wolf Pappenheim, fürdie Kultusgemsinde Wien Inspektor Oehker, für den Iugendverein Neunki-rchien« Rabbiner Zimmerma n n. Nach weiiteuen, Begrüßungen erstait., tete Rabbiner Dr. Eli Munk aus Berlin ein Mfernt über jüdkfche Iug-endprvbleme, das starken Beisall fand>. - In der NachmiÄagssitzung reseriieirte R -0 lh s cht l d- Baden über soziale Probleme und schlug die Wahl eines Schlkch-tungsausschufses von llnternehmern und Angestellten vor. Er eröbterie sernler die Frage einer Errichtung einer Krankenkasse und bell kg er rituell e r V e r k ö st i) g u n g. Ueber die bevorstehende K e n e s s ir 0 G e d a u l 0 sprach Thev«dor Klein, über „Jugend- und Welto rth odo xke" Stegm. S te r-n. Auf feinen Anikag wunde -beßhlvss-snl, di-e- Aust merksarnkei't der K. G. aus die MarannenbeweWNg und aus die getstiige und materielle Not der jemenktischen Juden zu lenken. Eine ausgedehnle Debatte folgte. Es wurde beschlossen, aus den 12. Aw nach Wiener Neust a d t ebnen ersten 0 r d >e n t k l ch e n D e l -e gierten- D e rJ s r ae l i t biner Dsutschlands" statt, zu, der über 60 Rabblner er¬ S««. .W, jj ’xf Es gibt nichls Besseres! jföC <;r.>; ' ' t E 3 £ 3 f