Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1929)
- Date
- 1929-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 23 markten sie als Saduzäer, die Partei; das wahre Israel trägst nur einen Namen: Klall Jisroel, Judenheit. Darum blieben sie siegreich, die Dörnen verfchwanId'M» langsam aus dem Weinberg Gottes, sie verschwanden», un!d> „Israel schafft Gewaltiges". Deshalb ist das Herz bitter, wennman sieht, daß es in unserer Zeit anders ist. Die Orthodoxen nennen sich selber Partei, Partei der Orthodoxen. Wir sind aber keine Partei der Orthodoxen, so wie uns Israels Feinde bezeichnen und unsere Hasser, die Reformer. W i r s i n d d i e S ö h n e I s r a el s, d a s g a n z e V o l k. Die Reformer, die Unfrommen, die Andern, f i e find ein Partei. Gott schütze uns, daß wir uns nicht selber als Partei bezeichnen. Wir, nur wir, die von der Thora getragen werden, verdienen den Namen Volk. Wenn wir die Andern erwähnen, dann sollen wir nicht ablassen, von ihnen als Partei zu sprechen. Besser noch ist es, daß wir sie überhaupt nicht erwähnen. So machten es die Juden früher mit den Saduzäern, und später mit den Karäern." Diese Erkenntnis. konnte rm Herzender Frommen nur durch eine Vereinigung sämtlicher Gesetzestreuen im Rahmen der Agudas I i sr o e l wied-er lebendig werden. (Auch der Name Agudas Jisroel stammt von Halevy.) In Rußland war es Halevy unmöglich, diesen Gedanken zu verwirklichen wegen der politischen Sonderstellung, die die Juden dorteinncchmen. Als jedoch in» Deutschland die Gesetzestreuen sich enger und enger in der Freien Vereinigung zusammenschlossen und ihre Arbeit für das heilige Land Früchte trug, begann Halevy gemeinsam mit einigen erlesenen Männern den Gedanken der Agudas Jisroel zu verwirklichen, und Gott schenkte ihm Seinen Beistand- Davon zeugt die Homburger Rabbinerversammlung des Jahres 1907 und der Kattowitzer Kongreß des Jahres 1912. Die ungeheure Arbeit Halevys im Dienste der Agudas Jisroel kann man ermessen, wenn einst der Briefwechsel herausgegeben wird, den Halevy in Sachen der Agudas Jisroel schrieb, insbesondere sein Briefwechsel mit den Führern der russischen Judenhelt, welche von einer solchen Zusammenfassung aller Jereim ein Eindringen deutscher Kultur bezw. ihrer Schäden indie kompakte russische Judenheit fürchteten, und darum anfänglich eine Vereinigung von West und Ost verhindern wollten. Nur das Vertrauen, das Halevy bei ihnen» hatte, der Einfluß, den er auf sie besaß, konnten ihre Aengste bannen. Treffend hat dies Meier Berlin, der genaue Kenner der russischen Rabbiner, im „Häuvri" 1912 geschildert. (Siehe Festnummer des Korrespondenzblattes der Der I s r a e l r t Agudas Jisroel-Jugendorganisation, Seite 9, wo diese Schilderung gebracht wird-.) So diente Halevy seinem Gotte, bis zum letzten Atemzuge. Durch seine niiri'Viin. deren Herausgabe eine Ehrenpflicht des jüdischen Volkes fein sollte, durch sie, diese Zeugnisse einer wunderbaren talmud'vschen Genialität, und noch mehr einer unvergleichlichen v'»2N nnax diente er der Lehre; durch den D'jitfKinnnn, in/temer die Vergangenheit des jüdischen Volkes darlegte und von Schlacken befreite, die böser Wille, Irrtum und tendenziöse Fälschung auf sie gehäuft hat, der jüdischen Wissenschaft, unddurch sein Eintreten für das jüdische Volk von frühester Jugend an bis ist die letzten Tage seines Lebens, durch sein unablässiges Sinnen für den Klall Jisroel, und nicht zuletzt durch die Mitgründung der Agudas Jisroel diente er dem Volke. Under hätte uns noch Vieles geben können, er wurde jedoch zu früh von uns genommen im 66. Jahre seines Lebens. Am 20. Jjar des Jahres 5674, in heiliger Sabbatnacht, ging feine Seele von uns, die Himmlischen hatten die Irdischen besiegt. Zweieinhalb Monate vor Ausbruch des großen Weltkrieges starb -er, undso war das jüdische Volk um einen jener Größten ärmer geworden. Möge sein» Verdienst allenb-eistehen, die für Gottes Lehre und ihre Vertreter, die für Gottes Volk und seine Organisation mannhaft und ehrlich kämpfen. Wochenrundschau. Was ist das Freimaurerei? Die wenigsten unter uns werden darauf Antwort geben können. Und dennoch machen uns Ludendorff und Genossen alle samt und sonders Jod-BadTölz Kurpension Hellmann Bietet bei massigen Preisen das Beste .an Unterkunft und Verpflegung. “ 6. Juni 1929 zu „Freimaurern". Judentum und- Freimaurerei sind für den General im Unruheftand-e Synonyme, gegen die er Bücher schreibt ' / Das hat er, wie die „Weifen von Zion" von den Russen her. Ist doch soeben (im Weimarer Alexander Dunker-Verlage) wieder ein giftiges Buch über Freimaurerei und jüdis ch en Einfluß vom früheren russischen Hochschullehrer Gregor Schwartz-Boftuwitsch erschienen, mit einem Niveautiefstande bis zum Ritualmordmärchen. Nunmehr sagt uns ein „jüdischer Freimaurer" in der E. V.-Zertung, was eigentlich Freimaurerei fei und was es mit diem jüdischen Charakter dieses angeblichen Geheimbundes auf sich hat. Da erfahren wir beispielsweise u. a. auch folgendes: „A-l-s in Pr-euhen im Laufe, -des 18. Ja-hirhmMe-vts die „Große NMVMÄmuitsr'LlWezu >bm Äveiv WMSugM" uind dan-n die „LandesVogie d-er FiveimwuDe-r von Dmitfch- -kmd" giegründet wurde, erstM-en Mchedie BeMimmMg-, daß j-e-fcieir freie Mimn von gutem Ruf iner ßo-gie Kugieführt wr-fcen könne, durch -Ä Bestimmung», daß nur eiin freier Christ MitgMsd ihir-er Log»eN werdenkann. Nur düe dritte „Altpmußi'sche Loge", -dvs Große „Logie von Preußen, Wnannt „Royal Dort zur Msundschafi", ist -als hum-amftifche Loge g»ogründiet worden, und ihr haben auch viele Juden -cvnigiehört. Am -sog. „Jninerien Orveni" nahmen Juden nicht i-eil't,, wieM dort sich positiv christliche Ans-chan-u n g-en geltend machten. Die Großko«gie hat im- Laufe -das Kriisgies die Bezeichnung „Royal Uor-k" aus -iihvem Namen g>eftrich-en und ist nach dem KriLM zum chr-östlichen Prinzip übergegangen. Pvosesso-c Hermann Sette gast,, dev -d«m der FMmaurorei zugehörigien Kailser Friedrichnaheftand und der höchste Würdenträger der Großloge „Royal Ao-r-k zur' Freundschaft" war, -legte am 15. September 1889 Me seine Würden nieder, weil er zu der U-eberzeugung gelangt war, daß -ehrenvollen und wertvollen Juden, lediglich weil sie Inden waren-, die A ufnahm-e in die Logen versagt wurde. Se-ttogast gründet mi>b -einer An-zahl von Freunden eiln-e neue selbständige Großloge, Nie -den- Namen „Große Freimaurerloge von Preußen", genannt „Kaiser Friedrich zur Bundestreue", sich -beiliegbe. Später giin-gen die S e t t e F a st - L o g e n M -die Hamburger Gwßloge üb-er."' Also hat Settegast die Logen, in denenheute Juden — rein humanitär, unpolitisch und religiös farblos — sich hervorragend betätigen, gewissermaßen als Protest gegen den antisemitischen Geist in den großen Freimaurerlogen ins Leben gerufen. So sieht also die Freimaurerei aus. Ludend-orff sollte, statt sie als jüdische Institution zu bekämpfen, Ehrenpräsident ihrer Logen werden. Protest und .... Ein Kreis hebräischer Schriftsteller in Palästina unter Führung Chajiim R-achman B i a - l i k s veröffentlicht folgenden Aufruf: kurze Anweisungen auf tr">- Von A. Mannheimer in Dettelbach. Es kommen vielfach auch in religiös gutgesinnten Familien Verstöße gegen die Vorschriften für fc"' vor. Meistens ist die Fehlerquelle in mangelnder Kenntnis der einschlägigen Gesetzesvorschriften zu suchen, weniger in Unachtsamkeit oder Leichtfertigkeit. Wem es um die rechte Art der Feiertagsheiligung ernstlich zu tun ist, wird dankbar Anweisungen für die religiöse Praxis begrüßen. Wir wollen dier einige bieten, veranlaßt durch jahrzehntelange Beobachtungen bezw. Erfahrungen gerade an kleinen Orten. Die Lichter für aiv öl' zünde die Hausfrau vor Synagoge an, genau wie am n2B> aiy- Hie und da kann man — besonders in Dörfern — die Beobachtung machen, daß dies erst „nach Schul" vorge-- nommen wird, da man vm v"' ja Licht anzünden darf. Das ist falsch. Freilich, die ,13*12 über das Licht kann man gleich beim Anzünden sagen bezw. unmittelbar vorher; am nnff erst nachher mit ,Händeausbreiten-* Doch haben viele Frauen mit Rücksicht auf den »2V den Gebrauch, es auch am v"' so zu halten wie am Freitag Abend. — Es ist stets an beiden Abenden 11m.1v zu sprechen, nur nicht an den beiden nvü-Tagen. Vor dem Entzünden hat die Frau nrn» zu beten. Am ü"‘i Abend wird das obere Brot angeschnitten, morgens das untere, während am ruty es umgekehrt geschieht. . 2(m d»’ Morgen wird nur iai'i ,1V» ünd der Segensspruch über Wein gesprochen beim Kid dusch. Wenn n2W zugleich ist — wie heuer der 2. Tag des niviiV-fefies — so wird vor 1211 ,1V» auch das ii»Vi gesagt, w;e jeden Sabbat. Das j'^"V27i '211V muß nicht erst vor dem Schulgehen abends besorgt werden, man kann es auch schon mittags, ja vormittags erledigen. Dann vergißt man gewiß nicht daran. Wer das „Lernen" in der nivl2V- Nacht hat. tut gut daran, seinen Gästen nur Minnichsachen zu bieten. Zu Hause hat man doch Fleisch gegessen; so entstehen dadurch grotzs v^Vd» (Fehler). Mit dem Vllp warte man am Erew Schowuaus bis Nacht, was übrigens auch am Pesfach und 111212 geschieht, ebenso am nmi VX1. Kaffeemahlen ist am v"' schwerlich zu erlauben, vielleicht nur aus ungewöhnliche Art und Weise. Darum mahle sich die Hausfrau das nötige Quantum voraus und hebe es in einer Büchse etwa oder in einer Tüte auf. Auch auf das Öffnen der Zichorienpäckchen vor v^-Eingang sei man bedacht. Das Aufreitzen am ü"’ ist meist mit einer Zerstörung von Druckschrift verbunden; das ist am u-"' genau wie am »2V verboten. — Aus dem gleichen Grunde vermeide man auch am ü"' das Anzünden des Feuers mittels Zeitungen. Auch hier wird Schrift zerstört. Man nehme unbedrucktes Papier, das man sich schon am Erew a»-» zurechtlegt. (Auch für das Closet!) Mßs Am v»' soll nur derjenige rauchen, der an anderer Zeit auch ein Raucher ist. Reue Pfeifen, neue Zigarrenspitzen vermeide man; das sogenannte Anrauchen ist eine Art Herstellung eines Gegenstandes. Tabakschneiden, das Aüzwicken der Spitze der Zigarre geschehe am Erew v»\ Man vermeide das Rauchen von Zigaretten, die bedruckt find. Man würde hierdurch Schrift verlöschen. (Kizzur Echulchan Aruch 98.) Neuerzeuguna von Feuer ist verboten, also das Anstreichen von Zündhölzchen, das Einschalten des elektrischen Lichtes, das Ziehen oder Drücken der elektrischen Glocke. Ebenso ist Auslöschen untersagt. Än schon vorhandenem Feuer, an glühenden Kohlen darf man weiter entzünden. Ratsam ist, in der »"'-Nacht ein Oellicht brennen zu lassen, woran man morgens anzünden kann, noch besser ein Reserve-Schwimmerchen im gleichen oder einem anderen Glase, falls das Nachtlicht zu versagen droht. Vielfach besteht der Brauch, am rii^iaV Honig- und Milchspeisen zu genießen, da die hl. Thora mit Milch und Honig verglichen ist. In unseren Gegenden erinnert noch der Käsekuchen an diese altjüdische Sitte. Am letzten Tage unserer Walltahrtssests ist „Matnas Jad". Es wird der Abschnitt 1133,1 ^3 (oder am na# noch itpyn iVV dazu) gelesen, worin die Rede von den Opfern ist, die jeder an den Wallsahrtsseften zu bringen hatte. Da letzteres unmöglich geworden, so spende Nian wenigstens für das heilige Land. Das sollte jeder wissen, der an ^Mainas, Iad" aufgerufen wird.. Wird doch für diese Svender ein Extra-iiaV '» gemacht am letzten Wallsahrtstägel §rötzbem hommt es oft vor, daß in (Öe* meiuden an diesem Tage kein Pfennig für Erez- Iisroel fällt: Das ist. nicht das Richtige.- Gerade für »"' ist die Liebespflicht den Dürftigen gegenüber zu beherzigen, da die heilige Thora