Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1929)
- Date
- 1929-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. 2TL, den 27. Ij-r s«89 aliu kill Centralorgan lür das orthodoxe Judentnm |(jö^ Will Begründet von Dr. Lebmann in Mainz. IV1 i Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmark monatlich: Ausland: Mertel» tahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber« savdes) Deutsch-Österreich: Schilling &—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 85 Fr.; Belgien ab 1.7.27.Belga 8; Hollands fl.; Italien ab 1.1.88.18 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.5V Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark »um Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr- Tfchecho-Slowakei 85 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Juli 1937; Dänemark 8.5V Krön.; Norwegen 8.50 Krön.; Schweden 8.50 «ron. Einzelnummer drettzig EowpNnMg«. Der Israelit erscheint teden Donnerstag. Inserat« 50 Goldvf. für die fiebengespÄlteu« Nonparetlle-Zeile. Abonnenten zahlen ber Stellengesuchen und Familienanzeige» nur 40Df. 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Er und sein großer Lehrer Rabbi Jauses Dowber Soloweizik gehörten zu den ersten und tatkräftigsten Palästinaarbeitern der Männer Rußlands. Als jedoch die ursprüngliche Begeisterung verflogen war, und man erkannte, daß die Führung in die Hände der Freien gelegt worden war, zogen sie und die übrigen großen russischen Führer sich von der Bewegung zurück. Zur Gründung einer neuen, auf Basis der Tauroh fundierten Bewegung war die Zeit noch nicht geeignet, auch hätte die russische Regierung unter keinen Umständen die Einwilligung zur 'Gründung zweier Gesellschaften mit gemeinsamem Ziel zugestanden. Im Geheimen jedoch bereitete Halevy eine Sache für Erez Jisroel vor, deren Bedeutung für die Hebung des wirtschaftlichen Standes in Palästina gar nicht genug gewürdigt werden kann. Als er sah, daß die Erez Jisro el-Esraugim sich den russischen Markt nicht erobern konnten, und Alle weiterhin die Esraugim von Korfu, an die man gewöhnt war, nahmen, als er die schädlichen Folgen dieses Umstandes für das immer mehr verarmende Palästina erkannte, bat er Rabbi Jizchok Elchonon in Kowno, die Korfuer Esraugim mit einem scharfen- Cherem zu belegen. Rabbi Jizchok Elchonon willfahrte ihm, und so verschwanden die Korfuer Esraugim in Litauen fast völlig von der Bildfläche. Händler, die zufällig Esraugim dieser Provenienz erstanden hatten, mußten sie im Geheimen verkaufen. Als die „Freie Vereinigung" in Deutschland reorganisiert wurd, sah Halevy die Zeit fiit gekommen, durch diese für das Siedlungswerk im heiligen Lande im Sinne der Ueberlieferung „Das heilige Land unserer Väter hat begonnen, den Staub der Verödung von sich abzuschütteln. Es ersehnt wieder die Zeit seiner Jugendkraft und bietet sich Allen in Liebe dar, welche sich auf seinem heiligen Boden wiedergefunden haben. Seine Städte sollen von neuem aufgebaut, und seine Pfade geebnet werden. Kolonien werden gegründet, und Israels Söhne wollen wieder essen die Früchte seines Landes und sich sättigen an seiner Güte: Während man jedoch sich von allen Seiten! bemüht, den Boden zu bebauen, hat bis heute noch Niemand gesorgt für die Erziehung der Jugend in den Städten undin diesen neuen Kolonien. Die Gefahr ist groß, daß dort ein Geschlecht heranwächst, das von Gottes Gesetz nichts weiß, dem Gottes Lehre nicht leuchtet, Gottes Gebote nicht strahlen. Der große, gewaltige jüdische Geist in seiner ganzen strahlenden Schönheit wird ihm ein Fremdes fein. Das Heranwachseneiner solchen Generation, die ihre Vergangenheit, weil sie sie nicht kennt, verleugnet, wird sich einst an denen selber, die heute nur an den Ausbau des Landes, und nicht an den Aufbau der Menschen denken, schwer rächen, undall ihr Streben wird umsonst sein. Nur auf den Redlichen, die auf den Knieen der Thora erzogen sind, auf ihnen beruht die Hoffnung; sie werden im Lande blühen und' wieder Wurzeln fassen. Wer Palästinas Boden nicht als heiligen Väterboden spürt, wird dort keine Wurzeln schlagen, wer Europas Leben dorthin führt, den wird Europa wieder holen, und statt nach dem heiligen Boden geht feine Sehnsucht nach Kairo, Alexandrien, Marseille uNd Paris. Dort werden sie ihre Ansprüche ans Leben leichter befriedigen können, leichter als im Ländle der Väter, das große Opfer, große Lasten fordert, heilige, brennende Liebe, zu tragen und zu dulden. Nur Gottes Lehre, aus Gottes Mund, sei der Odem unseres Lebens. Sie, die allein unsere Taten bestimmt, sie allein wirduns zum einigen Volk auf heiligem Boden machen, zu Fahnenträgern Gottes: sie allein uns die Kraft geben, das Land der Väter zu besiedeln und dorr zu leben." - In diesem Sinne schrieb damals Halevy. Zum Zwecke der geistigen Kolonisation des heiligen Landes wurde damals eine Versammlung einberusen. Es wurde beschlossenin den jüdischen Siedlungen Talmud Thoras einzurichten, die dem Willen und den Wünschen der Ansiedler und vor allem der großen Männer des heiligen Landes entsprachen'. (Die durch die Gesellschaft niin naw noch vor dem Arbeiten der Freien Vereinigung gegründeten Schulen lösten sich auf, weil sie nicht den Wünschen der Ansiedler entsprachen.) „Jeder Jüngling, den sein Herz treibt, sein Leben der Tauroh zu widmen, er wird aus diesen Schulen hervorgehen, vorbereitet, gut vorbereitet und fähig, sein Leben weiter der Lehre Gottes zu widmen-. Wer sich dem Berufsleben zuwenden will, er wird Gelegenheit haben, in diesen Schulen neben Gottes Lehre profanes Wissen, das ihn für seinen zukünftigen Beruf ertüchtigt, in genügendem Maße sich anzueignen." Aus dieser Arbeit um Palästina, die damals die um die Zukunft des jüdischen Volkes besorgten Führer beschäftigte, entstandnach undnach der große Gedanke der Agudas Jisroel. Während seines ganzen Lebens trug Halevy schwer an dem Gedanken, daß die Jereim zerstreut, und ohne innere Fühlung zueinander lebten. Die Freien verbündeten- und organisierten sich, wurden durch die Einigkeit stark und gründeten große Gemeinschaften, machten sich selber zum Vormund des jüdischen Volkes, sprachen hochmütig „im Namen der gesamten jüdischen Nation" in all den großen Dingen, von denen der Bestand des Volkes abhängig war. Und weil die, Gesetzestreuen sich dies gefallen ließen, weil sie während der ganzen letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts sich um nichts kümmerten, als um ihre lokalen, und bestenfalls Landes-Angelegenheiten, hatte man vergessen, -daß nur das gesetzestreue Judentum das Recht hat, sich als Klall Jisroel zu bezeichnen. Ein Minjan, bleibt nur ein Minjan thoratreuer Juden, so sind sie der Klall Jisroel, so liegt auf ihNjen die Sorge für die Gesamtheit des Volkes. Sie haben in allen Fragen des jüdischen Volkes im Namen des Volkes, des Volkes, das Gott zur Hut Seiner Lehre bestellt hat, zu sprechen. Halevy schreibt an einer Stelle voller Bitterkeit: „Als der Gaon Sadja mit den Karäern kämpfte, da nannte er die Karäer — Karäer. Die Rabbonim bezeichnete er einfach als das jüdische Volk. So war es immer in der jüdischen Vergangenheit. Nur ein Mann wie Josephus, seinem Volke entfremdet, der bezeichnete den Klall Jisroel als Pharisäer und umschrieb sie mit dem Namen Partei. Die wahren Juden haben es anders gehalten. Die Saduzäer brand-