Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Nr. 22 Der Isro etIi -und noch immer kein Wagen, dein Bote mit -er Meldung des Sieges. Da roird die Alte unruhig, sie halt es auf ihrem Sitz nicht mehr -aus und «Kt voll böser Ahnungans Fenster, um auf -die Straße zu blicken: darum nspm Ihre Angst drückt das W-cstt aus, die Zähne klappern wie vom Fieberfrost tzefchüttelt. „Was zögert fein Wagen zu kommen? An ein Verlieren der Schl-ächt ist doch nicht zu denken; er Wed doch so stegesgewth." V. 29. Me Lei der alten Fürstin oersammekten DaMen suchen sie zu beruhigen: doch selbst die klügsten 8er Gesellschafterinnen haben nur cmns leere Worte ustd auch an diesen klammert sich die Mutter wie der Ertrinkende am Strohhalm, u-n »irr- Sie macht sich die -beruhigenden Worte zu eigen und spricht: „So muß es wohl sein." Me Worte der Edeldamen lauten: seiner Fibel von 1906 hat der Verfasser alle Wörter weggelassen, die auch für den Lehrer sinnlos sind; aber welchen Sinn hat ein solches Auswahlprinzip? Für die Linder bleiben die Leseübungen sämtlich doch ein Gemenge von sinnlosem Zeug. Levy meint: „Linder dieses Alters begnügen sich noch mit der Geistesarbeit des Aneinanderreihens!" Vor-,-23 Jahren schrieb er aber selbst: „ . . . Das Lind Muß Wörter lesen, die ihm ganz unverständlich sind und stk ertötet man oft schon in dem ABE-Schützen, die Lust an dem hebr. Studiüm überhaupt." Damals fühlte der Verfasser das Richtige; er sah aber keinen gangbaren Weg. Heute aber haben wir breite, gebahnte Straßen, auf welchen das Lind mit Lust und Freude in das Tor des Hebr. hineinschreitet; da ist es eine schwere Verantwortung für den Lehrer, der seine Linder immer noch die steinigen, holprigen Pfade führt! Und der Weg wird weitergebahnt über das erste Schuljahr hinaus, der^vn fw der zum Verständn's, zum lebensvollen Erfassen unserer heiligen Thora geleitet. So-- wohl Mandelbaum als auch Rosenfelder haben den zweiten Teil ihres hebr. Lehrbuches herausgebracht und damit ein Werk weitergeführt, an welchem kein Lollege achtlos rorübergehen darf. Das Buch Mandelbaums lrnin ir nun) wird bereits von anderer Seite besprochen; meine Aufgabe ist es, aus das Werk Rosenfelders etwas einzugehen. Der 2. Teil des Rosenfelderschen Lehrbuches bringt 57, meist öon Llara Unna hübsch illustrierte, hebr. Erzählungen, Schilderungen, Liedchen, deren Inhalt durchweg entweder auf die biblische Geschichte der Unterklasse oder auf das religiöse Jahr Bezug hat. Der Wortlaut der Lehrstücke lehnt sich sehr eng an die Sprache des Pentateuchs oder des Gebetbuches an. Das 'Buch kann übrigens von jeder Fibel aus als Uebergang zum Pentateuch und Gebetunterricht benutzt werden. Für die Ausgestaltung des Unterrichts mit diesem Lehrbuche sind zwei Methoden denkbar. Zur Vorbereitung des Lehrstückes geht ein Lehrgespräch über das betr. Thema voraus. Die Linder erzählen hebr., was sie zum Thema sagen können, wobei der Lehrer durch Hinweise und Fragen nachhilft. Dadurch werden bei den Lindern etwa vergessene und zur Apperzeption notwendige Worte wieder in Erinnerung gebracht. Der Lehrer gibt dann selbst noch einige Sätze mit Wörtern, die in dem Lehrstücke ZUM ersten Mal austreten und übt diese in gewohnter Weise ein. Man braucht den neuauftretenden Worten gegenüber nicht so ängstlich zu sein; das Lind wird sie zum Teil intuitiv erfassen oder kann sie im beigegebenen Wörterverzeichnis aufsuchen. Das Lesen des Textes erfolgt erst still von jedem Linde für sich. Wer er verstanden hat, darf dann laut, mit sinnvoller (möglichst dramatischer) Betonung lesen. Dann schließen sich die verschiedensten Uebungen an: gegenseitiges Abfragen, Darstellen mit verteilten Rollen, Erweiterung der Erzählung, Singen der Lieder, Zeichnen und Schreiben ufw. "Für den Lehrer, der feine Linder nicht bereits km ersten Schuljahr zum Sprechen erzogen hat, kann folgender Weg empfohlen werden. Er schreibt sämtliche Worte, die den Lindern unbekannt sein könnten, mit Uebersetzuug, an die Tafel und fordert sie auf, an Hand dieser Hilfe den Inhalt des Textes still zu erarbeiten. Wer das Lehrstück verstanden hat, darf es — hier selbstverständlich in deutscher Sprache — erzählen; erst auswendig den ungefähren Inhalt, dann inwendig mit genauerer Wiedergabe. Die Uebung und Einprägung darf auch hier nicht in mechanischem Memorieren bestehen, sondern die Linder werden nach mehrmaligem — nichts zu häufigem Wiederholen aufgefordert, auswendig Sätzchen über das Thema zu sagen, zunächst erleichtert durch dis an der Tafel stehenden Worte, später ohne diese Hilfe. Es ist aber keineswegs richtig, solange bei einem Lese--, tücke zu verweilen, bis alle Wörter von allen Lindern behalten werden, sondern durch raschest Fortschreiten mutz das Interesse ioächgehalten werden. In späteren Stücken wiederholen sich', die wichtigen Worte ja wieder. Die Lesestücke des Rosenselderschen' Lehrbyches sinh nach dem Inhalt, nicht nach Schwierigkeit geordnet. Wie bei Benützung eines deutschen Lesebuches, hat der Lehrer die Aufgabe/ jeweils die Stücke herauszusuchen die entsprechend dem Stande seiner Llasse und seines Unterrichts sich am besten zur Behandlung eignen. Manche Stücke des Lesebuches werden überhaupt, nur bei besonders günstigen Verhältnissen zur Darbietung empfohlen 'werden können. Im großen und ganzen dürften weitaus die meisten Lefestüüchen auch unter ungünstigen 'Schulverhältnissen von Lindern des 2. und 3. Schuljahres mit Leichtigkeit erarbeitet werden. Meines Erachtens wird der Lehrer am besten mit Abschnitten aus dem 2. Teil: „Das religiöse Jahr" beginnen, da dort vielfach die Anwendung des TJ-» vermieden wird, während die Erzählungen biblichen Inhalts, die den ersten Teil des Buches ausfüllen, dadurch schwieriger sind, daß die ihnen la» > und n'rw" Formen Vorkommen. Mit Grammatik versäume man nicht allzu viele Zeit; gewisse grammatische Erkenntnisse bahnen sich von selbst an und können dann mit Hilfe der am Schlüsse des Buches angefügten Zusammenstellungen geklärt und gefestigt werden. Das ist eben der große und umwälzende Unterschied zwischen den Rosenfelder und Mandelbaum einerseits und den älteren Uebergangsbüchern von der Fibel zum Ueber- 'etzungsunterricht andererseits. In mechanischer Uebertragung von Methoden des Fremsprachenunterrichts, der auf einer einer viel höheren Altersstufe emsetzt und ganz andere Entwicklung der Muttersprache voraussetzen kann, hat man bisher ineist gekünstelte und sprachlich minderwertige, nach grammatischen Gesichtspunkten zugestutzte, Lehrstücke geboten, an Hand derselben grammatische Regeln V. 30. nre»' s'ri Sitz könnest noch gar> nicht.Zurück sein; denn sie finden immer noch etwas; und banst pVn bbv, die Verteilung der sachlichen Deute nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber noch mehr Zeit erfordert die Verteilung der jüdischen Frauen- und Mädchen, von denen eine Person, vielleicht gar ztvei Persosten äuf -einen Mann kommen. Die Dichterin will die m geschlechtlichem Verkehr vertierte Gesinnung der Hofdamen zum Ausdruck bringen, darum läßt sie sie von am und v'vvni sprechen. Me jüdischen Mädchen sind ihnen gar keine Persönlichkeiten mehr, sind ein Spielzeug Par ipkiV nach dem Sinn ihrer Herrenmenschen. Und nun erst begingen die Tröstungen der Hofdamen für die, — wie man anstehmen muß — etwas schwachsinnige Mutter, da sie sich asthören, als würden sie -einem unruhigen Kinde gegeben, das Man Zufrieden stellen möchte: „Sißra bringt Ar auch was Schönes mit!" Da werden nun, um die Alte von ihren trüben Gedimcken abzulenken, umständlich Kleider und Stoffe genannt, eins noch kostbarer als das andere, einseitist zweiseitig gewebte Ware, was wiederum ein RückfGkstß auf die hohe Stufe der Israeliten in der KunstserKMit des Webe-ns zuläßt. Damit stehen wir am Schluß. TOmn "7, *paYR 1128' p 31. So mögen denn schwind -den Deine Feinde, o Herr! Und Ae, so ihn lieben wie Ae Sonne beim Aufgang durch seine (Gottes) Stärke. 1'3'ik Israels Feinde sind auch Gottes Feinde. Nach 1'2N81 ist t>iv> zu ergänzen. Sinn: Gottes Freunde werden durch ferne Allmacht glänzenwie Ae Sonne bei ihrem Ausgange. Reue Bücher für den hebräischen Anfangsunterricht. 1. I. B. Levy, Hebr. Fibel, I. LauffmanN Frankfurt a. M. 2. Rosenfelder, Hebr. Lehrbuch, 2. Teil, Selbstverlag des Verfassers S. Rosenfelder, Lehrer in Ladenburg a. N. 3. Rosenselder, Hebr. Lehrbuch für die Grundschule, 1. Teil, 2. Ausl. 4. nrmvi ,i-nit ido» •>!& pVn fron ir mi8- Ein Uebergangsbuch für das 2. Schuljahr, der Fibel nnvviniin .2 .Teil. Von Eh. Mandelbaum, E. Mayer und L. Nütschiid. Leipzig, M. W. Laufmann 1929. 5. Dr. Langleben, Lehrbuch der hebräischen Sprache, Verlag Massora, Lodz. Was für einen gewaltigen Fortschritt bas Prinzip des Arbeitsunterrichtes gerade im hebräischen Anfangsunterricht bedeutet, konnte ich bei einem Besuche im 1. Schuljahr der Münchner Israel. Volksschule (Koll. I. Lissinger) mit Freude erleben. Wenn man sieht, wie diese Linder, mit Begeisterung die verschiedenstn hbr. Geschichtchen erzählen, Bilder hebr. beschreiben, hebr. Erzählungen des LeÜ.ers lauschen, mit größtem Vergnügen fließend hebr. lesen und schreiben — selbstverständlich nur verstandene und den Lindern interessante Texte — und wenn man dagegen an den früher üblichen Betrieb denkt, von dem I. B. Levy in seiner ersten Fibelausgabe 1906 sagte: „Erfahrungsgemäß ist der hebr. Leseunterricht für Lehrer und Schüler vielfach eine Qual", dann ist man geneigt zu sagen: vwxn niva -p-o- Aber leider haben sich die Zeiten noch nicht so sehr viel geändert. Obwohl nun eine ganze Reihe von LoUegen an Volks- und Religionsschulen, in Stadt und Land, mit nur zwei und vielen Religionsstunden, durch die Praxis bewiesen haben, daß mit konsequenter Anwendung des Arbei'sbetriebs im hebr. Anfangsunterricht formal oder stofflich aus alle Fälle weit mehr erreicht und dabei eine Verlebendigung des Unterrichts erzielt wird, die an sich schon von unschätzbarem Werte ist, gibt es immer noch viele Lehrer, die ohne einen Versuch gemacht zu haben, eine Modernisierung der Unterrichtsmethode in diesem Fache einfach ablehnen. Besonders schmerzlich muß es aber berühren, wenn ein Lollege, der für den Fortschritt im hebr. Unterricht in der Vergangenheit gewiß anerkennenswertes geleistet hat, beinahe achtlos an den Erruige shaf'en ci e; Iah z h ts rorübergeht. I. B. Levy bringt näm'.ich eine neue F be!: ‘-«ie» ii heraus, dis im Grunde genommen fast noch aus der gleichen Stufe steht, wie seine alte Fibel vom Jahre 1906. Was bedeuten geschmackvoller Einband, schöne V'lder (von Erna Pinne r) klarer Druck — Das Lesen in dieser äußerlich schönen Fibel ist deem Linde dieselbe Qual. Gegenüber 30. Mai 1929 eingepaukt und damit den Lindern den hebr. Unterricht trotz des „systematischen" und „methodischen" Aufbaus gründlich verleidet.'Hier aber wird dem Linde hebr. Sprache geboten, es wird ihm in lebensvoll von äußerlichen Rücksichten unbeschwerten Erzählungen und Schilderungen ein. hebr. Sprachgefühl erzeugt, ein hebr. Wortschatz aufgebaüt: Das Lind, welches schon dürch den Inhalt der Texte an sich angeregt wird, fühlt von Stunde zu Stunde seine Lräfte wachsen und mit ihnen wächst seine Freude an der Arbeit des hebr. Unterrichts. (Rosenfelder bristgt gleichzeitig den ersten Teil seines Lehrbuches in 2. ÄufWe heraus. Die Fibel hat sich nur wenig geändert; neu Ind eine Anzahl von Bildern zur biblichen Geschichte, die dem Buche angefügt sind, deren Wert mir aber nicht recht ersichtlich ist. Die Lesetafel fir den „Einzelunterricht", welche als lose Beilage der ibel mitgegeben wird, ist wohl nichts anderes, als ein Zugeständnis an jene Lehrer, welche sich zur konsequenten Durchführung des Arbeitsunterrichtes auf der/Fibelstufe nicht entschließen können-. Für die nächste Auflage verspricht er weitere Verbesserungen. Ich rate ihm, die Abteilung „Leseschwierigkeiten" nicht nur zu verringern, sondern vollständig zu entfernen. Dafür wäre die Abteilung: „Sprechübungen" weiter auszubauen.) I. B. Hirnheimer, München (Höchberg). Freudig begrüßen wir den 2. Teil der Mandelbaum- Rothschlld'fchen Fibel. Denn für alle die neueren pädagogischen Versuchs gilt m. E. das Wort: aller Anfang ist leicht, aber die Fortsetzung ist schwer. Die ersten E'emente und Ve suche lassen sch, well das Stoffliche so minimal ist, mit gu+em Willen pädagogisch bewältigen. Dann klafft gewöhnlich ein Abgrund...und man fällt immer wieder in die alte mechanistische Lehrweise zurück. Darum verdient die Fortsetzung des Fibelwerkes für das zweite Schuljahr noch ein lebhafteres boruch habo als der 1. Teiil, und jeder weitere Jahrgang soll immer von uns bewillkommnet werden. Allerdings ist mit Bedacht der Gesamtinhalt dieses Buches mehr der Besinnung und Vertiefung früherer Lenntnisse bestimmt als einem raschen Fortschritt. Aus Weisheit geschah es also. Jeder Pädagoge weiß, daß das erste Schuljahr die Schöpfung aus dem „Nichts" ist, und daß man eigentlich, relativ genommen, in ihm mehr lernt wie sonst in irgend einem Jahre des Lebens. Im zweiten Schuljahr kommt dann die undankbare, aber nicht minder wichtige Aufgabe, das Werk des Vorjahres breiter und gründlicher zu fundieren. Da ist es nun ein besonders glückliches Moment, daß man diese Arbeit des zweiten Schuljahres ganz unter den Gesichtspunkt gestellt hat, zum Lhummoschunterricht vorzudringen. Daher der Titel: Auro sutauro, ein zwar etwas gesucht gelehrter Titel, aber dem Gedanken nach durchaus passend, weil viele kleine biblichen Erzählungen, auf die einfachste Form zurückgeführt, seinen Inhalt bilden? Im Aeußeren besitzt diese Fibel dieselben herzgewinnenden Vorzüge ihrer VorgänMkn, die wir s. Z. beim Erscheinen rühmend und danWak heroorgehoben Laben. Wir bedauern sehr, dieses Mäl 'stnfer?Lob esivas einschränken zu müssen, insofern, als die grammatisches Gewissenhaftigkeit dieses 2. Teiles viel zu wünschen übrig läßt. Es sind geradezu grammatische Fehler darin, Litz. bei einer Neuauflage unbedingt ausgemerzt werden, müsien. Es ist schlechterdings unverzeihlich, wenn Lehrer das Perfekt eines n"b mit einem Segol statt mit einem Lomoz pu k ie en, oder wenn durchweg im Vokabular ta? Verbum du'ch das Part'z'pium wiedergegeben wird. Die Verfasser müssen sich wohl bewußt sein, daß gerade für Linder das Wort des Talmud gilt: „ein Fehler, ist er einmal da, bleibt er da." Was in jungen Jahren sich einprägt, visuell oder durch das Ohr, ist späterhin schwer wieder herauszubekommen. Trotzdem aber zollen wir den künstlerisch hochbegabten Bierfässern? vielen Dank und Anerkennung für!-ihr Werk im Dienste unserer, jüdischen Jugend.?' •"Oberrabb. Dr. Carleb ach, nAltona. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. Wir hatten aus den „Blättern für Erziehung und Unterricht" eine Bemerkung des Herrn Steinhardt übernommen, in welcher er erzählte, daß Herr Seminardirektor S to ll- Würzburg gelegentlich einer Lonferenz in- Berlin mitteilte, in Löln seien zwei Schüler ausgenommen worden, die das Würzburger Seminar infolge mangelhafter Leistungen verlassen hatten (siehe unseren Artikel „Haberseldtreiben" in „Erziehung und Lehre" vom 18. April 1929). Herr Stoll berichtigt diese Bemerkung des Herrn Steinhardt in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" vom 1. Mai dahin, daß nicht er (Stoll), sondern Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer diese Aeußerung getan habe. Die Schriftleitung. Verantwortliche Schristfeituna: S. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach).