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Der Israelit · 1929-05-30 · Heft 22 (30.5.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 22 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22. Sevte 7 30. Mai 1929 Der Israeli t hen verschiedenen Länidern; 4. a) Mle BÄi«u>tlMg> des Wl-bsrbundes für - den Frauenimfr Mädchenschutz; b) Dis Bede-utung der Kultu-var-bM M Palästina für Äe Frauen; c) NolwendWei-t und A-u-fMb'M eines initernatronabm jüdischen Frauenbundes. In- Hamburg wir-d die WMkonsepenz jüdischer Frauen u. a. vom Senat und der Jüdischen Gemeinde empfangen werden. Ungarn. 70. Geburtstag des Präsidenten der ungarländischen Orthodoxie Adolph Frankl. Budapest, 26. Mai. Am Montag den 17. Isar (27. Mai) -bsginA der in der jüdischen Webt 1>ehr populäre Pväsidvn't des orthodoxen Landeskonüchoes Ungarns, Herr Adolph F r -a n k >l, seiinen 7 0. G eb u rl S'tag. Der Führer der untzarländiischen Orthodoxie war aus diesem Anlaß Gegenstand großer Ehrunigen seibeus der orthodoxen' jüdischen Kreise Ungarns und des Auslandes. Von zahlreichen jüdischen Die Woche. Berlin. Auf Anregung, der Jüdischen Volkspartei wird vom Vorstände der Jüdischen Gemeinde auf einem Grundstück in Pankow ein Jüdisches Ledigenheim errichtet. — Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, der bisher sch on als ReliOonslehrer uns auch in anderen Funktionen in> der Gemeindetätig war, wurde offiziell als Rabbiner und Prediger der Jüdischen Gemeinde mit dem Amtssitz in der Synagoge Kaiserftr. «gewählt. Dr. Lewy ist aus dem Berliner Rabbilnerseminar hervorgegangen und war einer der treuen Hüter des konservative Judentums innerhalb der Gemeinde. — In der letzten Repräsentantenuersammlung wurde der Beschluß des Vorstandes genehmigt, eine große P o l-ik lini k der Jüdischen Gemeinde zu errichten. Die PoMinik wird sich' in der Limenstr. befinden undunter Leitung! von Prof. Dr. Karl Lew in, einem langjährigen Assistenten des Prof. Dr. V. Leyden, gestellt werden-. Dessau. Die letzte Friedhofss ch ä n d u n g betrifft Köthen in Anhabt Dort haben bübische Hände am 23. Mai auf dem alten jüdischen Friedhof gründliche Arbeit geleistet. Kein einziger Stein bliebunbeschädigt. Die heilige Ruhsstä-tte wurde überdies in einer kaum WiederAugebenden Weise geschändet. Reval. Die jüdische Gemeinde von Reval, der Hauptstadt von Estland, hat Rabbiner- Abba Gomer zum Rabbiner gewählt. Herr Rabbiner Gomer hat, aus östlichen Jefchiwaus kommend, fein weiteres Studium zum Teil in Deutschland gemacht und ist unfeven Lesern als Verfasser gutr« Aufsätze über das Kultur- und Bibdungsproblem im Osten, bekannt. Rabbiner Gomer rst Schw'vegersohn von Oberrabbiner Sack in Riga. Riga. Hermann Jadlowk e r, der fast zwei Jahrzehnte Opernsänger war, zuletzt hervorrag'endes Mitglied der Berliner Staatsoper und preußischer Kammersänger, ist, wie er sagt, aus religiösem Triebe zum O m u d zurückgekehrt und hat dieser Tage den Ruf als Oberkantor der Hauptsynagoge in Riga erhalten. - Korporationen langtenherzliche Glückwünsche ein. Auch die Ministerien und Verschiedene nichtjüdische Würdenträger waren unter den Gratulanten. Das Budapefter orthodoxe Organ „Zsido Ukjag" gab-eine Festnummer mit dem Porträt -des Herrn Frankl auf dem Titelblatte heraus. Der Festartikel stammt aus der Feder des Mitgliedes des B-udapester Munizipalausschusses Defider K o rein. Erschreibt u. a.: „Die Leistung des Mustren Präsidenten ist vom Gesichtspunkte der Gesamtsudenhelt zu würdigen. Er hat mittels feiner universellen- Gelehrsamkeit, Klugheit und seines konzilianten Wesens dazu beigetragen, daß die Orthodoxie heute allenthalben geachtet wird und daß die Reologie gegenüber der Rechtslage der Orthodoxie vollste Loyalität bekundet." Schweiz. Semesterbeginn an der Ieschiwah. Montreux, 27. Mail. -Bor zahlreichen -begeisterten, freudestrahl!snden Gesichtern und im Beisein' vieler - Eltern und Gäste wurde das Somme.rsemestier eröffnet. Die Eröffnungsfeier wurde durch schöne Gesänge der Bachurim eingel-ertet. Der Gründer und LMer -der Jeschiwcch Hck:r Botschko, begrüßte dte zahlreichen wieder- und neu- -erschl-enenen Schüler sowohl, als auch die versammelte Gäste- und Elte-rn-schar in -einer -lvebevollien und herzlichen -Weise. Er wies eindringlich auf die bisherigen ganz ' außergewöhnlichen Erfolge der Jefchiwah hin und bej tonte vor allem die ungewöhnAchie Zuneigung- und innere ' Berbundenhri-t der Schüler, Mit der sie dem Lernenim allgemetwen und der Montreuxer Jefchrwah im besondern zugetan sind. Er fre-ue sich, daß die Schülerzahl mit diesem Semester die 50 erreicht habe, und er betrachtedies als gutes Vorzeichen' für das weitere glückliche und kraftvolle Gedeihen und Wachsen der Jeschtwah. Hierauf begrüßte Herr Botschko recht freundschaftlich einenneuen Dozenten'. Im Namen der- Dozenten sprach Herr N. Ki-rs ch über -das Lernen- „als logisches Erlebnis im Gegensatz zum zeitlich begrenzten Empfinden". — Kurze Anspm-chenhielten hierauf Herr R-abbtner Tarusktn aus Litauen, Herr A'ltman aus Beuchen- sowie die Herren- Stefanski' und Weinstein (Vertreter des Keren Hathora) aus Zürich. Sie feierten alle das Werk und den Mann, der dieses Werk zustande bringen konnte, und richteten begeisterte Worte an Lehrer und Schüler. Herr Emannek Kaufmann aus Frankfurt üb-erbrachte die Glückwünsche -der Schneibe-rschen Jefchiwah. Mit -Änem Dankes- und Schlußwort d-es Leiters fand diese Frier ihren begeisterten' Abschluß. Die Jefchiwah nimmt >in ihr drittes Lebensjahr mit hinein die Segenswünsche all derer, die ihren' tiefen Wert -erkann-t haben-. S. Personalien. Jrrusalrm, 2. Jjar . Der Frauenverein „Esrath Naschim" in Jerusalem schreibt uns: Am 17. des Monats Jjar 5689 fährt sich der Tag, an dem Frau Eduard Nosenheim, Frankfurt a. M., für ewig entschlummert ist. Ihr Heimgang hat nicht bloß ihre nächsten Angehörigen, sondern vielmehr auch diejenigen betroffen, die in ganz fernem Lande ihre Wohltätigkeit genossen haben. Denn ihr weites, edles Herz begrenzte sich nicht auf ihre engere oder weitere Heimat, sie spendete auch ihre segensreiche Liebe und Hingebung den unglücklichsten aller Mitmenschen, es sind dies die jüdischen Eeistesumnachteten in Erez Israel. Als der Frauenverein „Esrath Nafchim" in Jerusalem vor mehr als 30 Jahren ein Asyl für Unheilbare und Geisteskranke begründet hatte, in welchem die bis dahin verlassenen und verkommenen Kranken eine liebevolle Aufnahme gesunden haben, war es die fei. Frau Rosenheim, die sich mit der ganzen Hingabe ihrer edlen Seele diesem Rettungswerke widmete. Sie warb ihm Freunde und Gönner, sammelte mit dem Fleiße der Biene Spenden für die Anstalt und oeranlaßte andere, für denselben Zweck zu sammeln. In der Vorkriegszeit deckten die Geldsendungen der Frau Rosenheim einen großen Teil der Ausgaben der Anstalt. Während des Krieges, als Palästina von der Außenwelt abgeschnitten war und bloß die Verbindung mit -Deutschland bestand, war es wiederum Frau Rosenheim, dje die unglücklichen Kranken nicht hungern ließ und die Anstalt vor dem Untergange bewahrte. So ist es der edlen Verstorbenen zum großen Teile zu verdanken, daß die Anstalt für Geisteskranke des Frauenvereins „Esrath Naschim" mit 79 Betten gegenwärtig eine bedeutende soziale Aufgabe erfüllt. Seit 5 Jahren unter der Leitung des Pf ch'ali'ers Dr. H'r'mann aus Königr- Lberg, gewährt die Anstalt vielen Geisteskranken Heilung und allen Linderung ihrer Leiden. Dem Namen der seligen Frau Eduard Rosenheim ist in diesem Werke echter Nächstenliebe ein bleibendes, ehrendes Denkmal gesetzt. msy> dw- Rabbiner Leib Bärenfell» W Zaleszezyki, 19. Mai. Am 5. Jjar wurde unsere brriv';rw durch das Hinscheiden von Rabb. Leib Bärenseld in tiefe Trauer versetzt. Beinahe 60 Jahre wirkte er in unserer Gemeinde und war durch seine große Gelehrsamkeit weit über die Grenzen Polens bekannt. Rabbi Leib Bärenfeld war ein Raw alten Stils, einer der letzten Q’Vin Er war in allen Teilen der talmudifchen und rabbinischen Literatur so bewandert, daß er auf Befragen sofort die Stelle mit. absoluter Sicherheit angeben konnte. Der Verewigte. . der' ein Alter von 86 Jahren erreichte, war auch non» einiger wertvoller Kommentare, die leider im Kriege verloren gingen. An der Bahre waren außer seinen Jüngern viele Rabbiner aus den benachbarten Städten versammelt, um in ergreifenden Worten von ihm Abschied zu nehmen. Unter größter Anteilnahme der ganzen Einwohnerschaft fand die Lewojoh am Donnerstag, den 16. ds. Mts. statt, die sich zu einer gewaltigen Trauerkundgebung gestaltete. . mmn Hersfeld, 21. Mai. Ihren 70. Geburtstag beging in größter Rüstigkeit und geistiger Frische die Witwe Amalie Gold schmidt geb. Hahn, am 14. Mai. Abterode, 21. Mai. In unserer nür 86 Seelen zählenden Gemeinde fand die Einweihung einer Ehrentafel für die neun im Weltkrieg gefallenen Helden föhne aus unserem Orte statt, die von Reg^-Baumeister Sichel- Kassel entworfen undvon der Firma Gebr. Hallo-Kassel hergestellt worden war. Die schlichte Feier fantrbe eingeleitet - durch einen Psälmgesang, gesungen von Herrn Lehrer Spier. Daraufhin hielt Herr Kreisräbbmer Dr. 23 aßfre u n d - Efchmege die Weiherede. Anknüpsend an dre nvso Zeit der Erinnerung an jüdische Glaübenshelden, die selbst den Tod nicht gescheut haben, um der Gesamtheit zu dienen, verglich er diese Märtyrer mir den Helden der Neuzeit, dre ebenfalls dem Tode mutig entgegen gingen, um die Heimat zu schützen. Mit der Mahnung an die Gemeinde, die Ehrentafel in ihre besondere Obhut zu nehmen, schloß er seine tiefenlpsundene Weiherede. In eindrucksvoller Weise sang Herr Kantor Vacharach-Eschwege das v>"> -vsro vim- Diebucg, 27. Mai. Wie. man ein verdienstvolles Mitglied zu ehren versteht, hat die Fraüen-Theoro Sonntag Abend bewiesen. Frau Henriette Loeb Wwe. beging vor mehreren Wochen ihren 80. Geburtstag, zu welchem die Cheoro damals einen gemütlichen Abend projektiert hatte, der aber durch bei Frau Loeb eingetretene Familirntrauer nicht staltfinden konnte und nun gestern Abend in ruhiger, würdiger Weise begangen wurde. Sie ehrte Frau L o e b in sinnigster Weise dnrch E rich'ung ci er „Henrielle Lo eb- Stiftun g", deren Zinsen guten Zwecken dienen soll. . Frau Loeb hat die ihr .gewordenen Ehrungen reichlich verdient, denn was sie in der langen Zeit geleistet hat, geht über das Maß des Gewöhnlichen weit hinaus. Sie hatte vor 56 Iah e r die Chev.o gegründet und war Vorstand bis vor wenig Wochen; sie war es, deren echt jüdischer Geist bei jeder Gelegenheit durchdrang und die in selbstloser Weise stets und überall zur Verfügung war, wenn - es galt zu Helsen. Daß man dies würdigt, bewies die gestrige Feier, zu der sich die ganze Gemeinde im oberen Saal des „Weißen Roß" eingesunden hatte. Frau Lehrer Kaufmann und Frau Martin Lehmann hatten sich der Mühe unterzogen und der Jugend Vorträge eingeübt, die alle in vorzüglicher Weise durchgesührt wurden. Herr Lehrer Kaufmann hielt eine der Feier entsprechende tiefempfundene Einsprüche, gratulierte und wünschte der Jubilarin ein glückliches Leben ad mev. veesrim Schono. Herr Abraham Loeb, als Vorsteher und als Sohn, wußte in einer folgenden Ansprache beiden Eigenschaften gerecht zu werden und da?i: schließlich im Namen seiner Mutter .ür alle Liebe und Güte und Aufmerksamkeit, die man ihr heute erwiesen har. Frau Loeb war zu ergrisfsen, um selbst dies zu tun und Herr Loeb verstand es, dieser Ausgabe in humorvoller Weise gerecht zu werden. Von den Gründern leben noch zwei Damen: Frau Karoljne Lorch Ww. und Frau Loeb Ww. Frau L?rch erhielt einen reizenden Delikaießkorb überbracht, denn auch sie ist seit 56 Jahren voröitoliches Mitglied und im Vorstand. So verlies in würdiger Weise dieser Abend, der allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird und auf den ganz besonders die beiden Damen Frau Loeb und Frau Lorch mit Befriedigung zurückblicken können. Den dichterischen Teil des Abends hatten Frau Darmstädter, Frankfurt a. M. und Herr Abraham Loeb bestritten. Vermischtes. Hakberftadt, 26. März. Ein Urteil, das für die Gesetzestreuen Deutschlands von besonderer Bedeutung ist, hat Amlsgerich'ski ektor Knigge am hiesigen Amtsge.icht gefllät. Der Prozeß hat folgende Geschichte. Ejn orthodoxer Rabbiner suchte auf Zeitungsannonce ein streng frommes Mädchen für feine Kinder. Auf diese Anzeige ineldeten sich verschiedene Mädchen. Die Wahl fiel aus ein bestimmtes Mädchen, das sich für st r e n g religiös ausgab. Nun stellte sich nachträglich heraus, daß das Kinderfräulein bis nun den Sabbat nicht gehalten hat und sonst auch von Jüdischkeit wenig Ahnung hatte. Darauf wurde vom Rabbiner das Engagement rückgängig gemacht. Schadenersatzansprüche wurden abgrlehnt, da es sich, nach Meinung des Dienstgebers, um Vorspiegelung falscher Tatsachen handelte. .Das Mädchen bestand darauf, daß ein liberaler Rabbiner sie für fromm erklärte, und verklagte, den orthodoxen Rabbiner. Es kam nun die interessante Frage zum Aüstrage: Darf ich jemand bei Uebernahme eines Dienstes oder Amtes für „sehr fromm" bezeichnen, wenn er bis nun den Sabbat öffentlich verletzt und die Speisegesetze nicht beobachtet, ist dies nicht Vorspiegelung falscher Tatsachen? Ist der Einwand, man habe bis nun nur aus Not den Sabbat verletzt und nur aus Not die Speisegesetze nicht beachtet, berechtigt? Einen Vergleich lehnte der Angellagle aus prmzipiellen religiösen Gründen ab. Es stehe dem Fräulein frei, vonr liberalen Standpunkte aus sich streng fromm zu nennen, es bleibe aber auch dem Angeklagten unbenommen, feine Kinder von einem Mädchen erziehen zu lassen, das die Gesetze der Thora heilig hält. Der orthodoxe Jude versteht unter „fromm" G e'se tz e s t r e u .. Mit große'r Sachkenntnis prüfte der Richter den Fall und kam zum Schlüsse, daß das Mädchen de,m religiösen Leben der gesetzestreuen Juden vollständig fernsteht. Der Richter führte aus: 'War es schon von einer Person, die bis nun keinen Sabbat gehalten hat, ein Unrecht, sich um eine Stelle zu bewerben, wo „Preng fromm" verlangt wurde, so war es em Kapitalverbrechen", an dem heiligsten Festtage der Juden, dem Sabbat, sich als jüdisches Mädchen züm Dienste zu melden. Wie eine katholische Familie keinen proLstantischen Lehrer zur Erziehung ihrer Kinder nimmt; wie eine protestantische Mutter niemals einen katholischen Erzieher ins 'Haus nehmen wird, so wird ein gesetzestreuer jüdischer Dater niemals einen liberalen Juden, der den Sabbat nicht

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