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Der Israelit · 1929-05-30 · Heft 22 (30.5.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 22 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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30. Ma! 1929 Der Israelit Nr 22. Serbe 5 so einfach, ja, ich möchte behaupten, sie ist geradezu irrational. Von weit über 200 Vorschlägen, die beim Völkerbund in betreff dieser Angelegenheit eingereicht wurden, kommt eigentlich nur ein, einziger ernstlich in Betracht (der obige), und dieser einzige ist für uns Juden vollständig unannehmbar, da er zu tief in das Wesen des Judentums eindringen und es gänzlich verwischen würde. Diese zwei dem Jahre, resp. dem Schaltjahre Ende Dezember oder Ende Juni anzufügenden Tage sollen nämlich als Sylvestertag, resp. Schalttag bezeichnet, in der Reihe der Wochentage aber nicht mitgezählt werden, sondern als Blanko-Tage, als Tage ohne e i n b e st i m mt e s Datum gelten. Das kann das Judentum unmöglich mitmachen, es müßte auch diesen Tagen ihr Datum zusprechen, auch diese Tage in die Reihe der laufenden Wochentage aufnehmen, und dadurch würde unser Schabbos von Jahr zu Jahr, im Schaltjahr sogar zweimal in demselben Jahre, immer auf einen andere Tag der Woche fallen und sie so ganz durchwandern: es wäre dieses ein ganz unhaltbarer Zu stand, der zu den größten Mihhelligkeiten führen würde. Aber auch die von einer jüdischen Gruppe gewünschte Einschiebung einer Schaltwoche nach einem Zeiträume van« 5—6 Jahren erscheint mir zur Erreichung eines Ausgleichs als unzweckmäßig und vor allem als undurchführbar. Die Lösung der Aufgabe ist eben für unser Ziel irrational, sie läßt sich absolut nicht bewerkstelligen: es wäre daher das beste, wohin ja tatsächlich jetzt die jüdischen Bestrebungen gerichtet sind, zu bewirken, daß in dieser Beziehung alles beim alten bleibt. Auch das Pehachfest steht als 'historische Er innerung an den Auszug aus Aegypten zeitlich dauernd fest. Irgend eine Verlegung desselben auf einen gewissen Tag, wie es die „Internationale Kalender-Liga" gern herbeiführen möchte, würde unseren jüdischen Kalender, den der weltberühmte Mathematiker Professor Gauß aus Göttmgett geradezu ein wahres Wunderwerk nannte, Äb/r den Haufen werfen. Noch bis heute brauMP WKr einzigartige Kalender, der im ~ g. Z. von dem Patriarchen R. wurde, nicht geändert zu on früher ausgeführt, .haben wrr -EW? heute die alte und doch ewig neue W ochiF - aber auch unsere Monate sind wirkliche Mondmonate, bei deren Beginn die neue Mondsichel sichtbar wird. Damit nun auch die Jahre richtige Sonnenjahre werden und das 'Peßachfest nach der Vorschrift unserer heiligen Thora immer in den Frühling fällt, ist es nötig, in einem Zeiträume von 19 Jahren je 7 Schaltjahre (3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr) mit einem 13. Monate einzufügen und so das Mondjahr mit dem Sonnenjahre wieder auszugleichen; würde wir das nicht tun, so würden unsere Feste, rvke es bei allen zum Islam sich bekennen den Völkern, die ein vom Sonnenlauf ganz ust abhängiges Mondjahr von 12 Mondmonaten haben, durch alle Jahreszeiten wandern. Auch das christliche Osterfest, wurde früher meistenteils mit dem jüdischen Peßachfest zugleich, und zwar an dem vom Synhedrium in Jerusalem festgesetzten Tage gefeiert. Erst im Konzil von Nicaea 325 n. d. g. Z. wurde neben der Verlegung des Sonnabends auf den Sonntag auch eine Verlegung von Ostern auf. den Sonntag angeordnet, und zwar je auf den Sonntag, der auf den ersten Vollmond nach dem Frühlings-Aequinoktium (Tag- und Nachtgleiche) folgen würde. Zuweilen allerdings — aber nur äußerst selten — trifft es sich, daß das jüdische Peßachfest mit demselben Sonntag beginnt, an dem das christliche Osterfest ist. Da nämlich das jüdische Peßachfest stets vom Vollmondstag selbst, auf welchen Wochentag dieser auch fallen möge, das christliche Osterfest aber, wie schon mitgeteilt, immer vom Sonntag im Vollmondsviertel abhängig ist, so ereignet sich ein solches Zusammentreffen nur dann, wenn der faktische Vollmond, nach welchem das christliche Osterfest, und der astronomische Vollmond, nach welchem das jüdische Peßachfest bestimmt wird. Bruderliebe nie verleugnen, sie betätigen, wo wir nur können, einig sein zu jeder Zeit und an jedem Orte. Dann wird der Schabbos, der heute poch eine starke Scheidewand zwischen Israel und den . übrigen Völkern bildet, das Bindeglied werden, das. sie wieder zusammen,fügt, und man wird ein neues Peßachlied singen dem Ewigen, dem Erlöser Israels; von neuem wird sich dann Gott Seinem Volke und der ganzen Menschheit offenbaren, und alle werden in Eintracht miteinander wandeln und inlur Ihn fürchten, den Herrn des Himmels und der Erde. entweder zugleich auf einen Sonntag oder Sonn-, bos die conditio sine qua non für das Peßachabend fallen, oder letzterer auf einen Sonnabend, fest ist, und das Peßachfest wiederum aus die Zu- und elfterer auf den nächstfolgenden Sonntag sammengehörigkeit des jüdischen. Volkes hinweist, fällt. Diese Konkurrenz trifft aber sehr selten ein, j so sollen auch wir stets treu zum Schöpfer der weil die Mondfchaltjahre der Juden mit den Welt, dem alles untertan! ist, stehen und unsere Mondschaltjahren der Gregorianischen- und- Julianischen Zeitrechnung nicht übereinstimmen. Daher kommt es, daß seit Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahre 1582 das jüdische Peßachfest (d. hder erste Tag dieses Festes) mit dem christlichen Ostersonntag bisher erst siebenmal zusammengefallen ist, das letzte Mal im Jahre 1927; in diesem Jahrhundert wird dieses nur -noch zweimal der Fall sein und zwar in den Jahren 1954 und 1981, im nächsten Jahrhundert überhaupt nicht. Im nächsten Jahre 1930 z. B. -trifft das Peßachfest auch auf einen Sonntag, das christliche Ostern jedoch beginnt erst am darausfolgenden Sonntag, also an unserem letzten Peßachtage. Andrerseits aber liegt unser jüdisches Peßachfest hin und wieder zeitlich weit hinter dem christlichen Ostern, wie es auch im laufenden Jahre der Fall war. Das hängt aber nicht immer nur von der Einschiebung der jüdischen Schaltmonate ab, sondern hat auch in der jeweiligen Festsetzung des christlichen Osterfestes feine Begründung. Im Jahre 1940 z. B. wird das jüdische Peßachfest auch sehr spät und zwar auf den 23. April fallen, während das christliche Osterfest >noch später auf den 24. April fällt. Man kann wohl als Regel aufstellen, daß immer im 8. Jahre unseres 19jährigen Schaltzyklus' das späteste jüdische Peßachfest und im 17. Jahre des Zyklus das früheste jüdische Peßachfest ist. Im laufenden Jahre 5689 siel es auf das allerspäteste Datum, an dem bis jetzt irgend -ein Peßachfest stattfand, nämlich auf den 25. April; das war seit dem Jahre 1815 nicht der Fall, wo es das erste M a l seit d e m B e st e h e n unseres jüdischen Kalenders eben so spät emtraf und nur noch einmal in unserem Jahrhundert, nämlich im Jahre 1967, wird es wieder so fällen. Einen Tag früher, also auf den 24. April, siel es bis jetzt in den Jahren 1834 und- 1910 und wird in diesem Jahrhundert in den Jahren 1948 und 1986 auch so fallen!. In allen hier angeführten Daten reicht der letzte Tag des Peßachfestes (in den zuerst angegebenen Beispielen sogar die beiden letzten Tage) noch in den Monat M a i hinein Vom Pehachfest hängt jedoch, wie schon früher angedeutet, das Schewuausfest ab, indem wir bis dahin 49 Tage zählen, und am 50. Tag das neue Fest, das von unseren! Weissn s. A. auch als S ch l u ß f e st des Peßachfestes bezeichnet wird, feiern; ebenso liegen zwischen dem christlichen Ostern und Pfingsten (vom griechischen pentekoste „der . 50.") 50 Tage., Aber auch hier ist trotz -der Gleichzahl der Tage ein zeitlicher Unterschied vorhanden, der selbst bei - gemeinsamer Festlegung des Oster n mit dem P a s s a h f e st e bei P f i n g st e in! doch wieder eine Differenz Hervorrufen würde; während wir Juden nämlich nach der Vorschrift der Thora erst vom zweiten Tage des Peßachfestes zu zählen beginnen, rechnen die Tage des ch r ist l t ch e n Kalenders schon vom ersten Ostertage ab, so daß also Pfingsten immer einen Tag früher als das Schewuausfest eintreffen würde. Wir sehen also, daß die Grundlegung des j ü d i sch e n Kalenders gurtz verschieden von der des ch r i st l i ch e n Kalenders ist. Man kann bei dem so tiefgründig, so kunstvoll und doch dabei so natürlich ausgebauten jüdischen Kalender, wo alles Wirklichkeit atmet, dessen Fundament im Judentum fest verankert ist, nicht mit einem Federstriche etwas ändern, ohne dem Ganzen zu schaden. Der Schabbos und das Peßachfest sind die Pfeiler, auf denen der Bau des Judentums ruht, mit denen es steht oder fällt. Nur in ihnen kann es leben und weben, nur in ihnen seine wirksame Kraft entfalten, nur in ih-nien mit dem sich daran anschließenden " ' ‘ . Korrespondenzen Deutsches Reich. Tagung der Vereinigung kradikionell-geseheslceuec Rabbiner Deutschland» in Rerli». - (BolWuMer Bericht.) . Am Dienstags nnd Mittwoch, den- 21. und 22.^Mai fand in Berlin die Jahresversammlung der Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner DsusiHlands in der Aula des-Mealgymnasiums der Adaß Jisroel am Siegmundshöf statt. An Stelle des leider verstorbenen Vorsitzenden, des Herrn Rabbiner' Dr. Bondi, Mainz, dessen Verdienste m e-mem warmen Nachruf gefeiert wur-- den, erösfnete Herr Rabbiner Dr. Esra Munk die Tagung mit herzlichen Worten der Begrüßung. Als Versammlungsleiter wurde Herr Rabbiner Dr. Cohn; Breslau, gewählt. Der erste Punk/ der Beratungen -bildete die Frage der Schechita. Als Referent beleuchtete Rabbiner Dr. Silberberg, Berlin, halachisch alle di-e Fragenkomplexe, die sich durch die neueren Betäubungsoersuche auf elektrischem und chemischem Wege ergeben. Eine interessante Debatte knüpfte sich;an dieses- Referat, das Herr Rabbiner Dr. Munk durch wichtige Mitteilungen des Schlichtbüros unterstützte und^zu dem allen Teilnehmern mehrere außerordentlich wertvölls Gutachtensammkungen- und Exposees vom Schächtbüro zugegangen waren. Einmütig herrschte die Auffassung, daß bis heute noch kein Verfahren zur Betäubung'gefunden sei, das unbedenklich die Anerkennung und Billigung der Halacha finden könnte. Nach kurzer Mittagspause galt dann der Nachmittag der Besprechung zweier grundlegender Fragen der Gegew wart und zwar 1. der Frage der Geburtenbeschränkung und 2. der der Sabbatheiligung. Unter größter Spannung der Anwesenden sprachenzum ersten- Thema Herr Dr. med. Jakob Levy als.Gast, der die Frage der Empfängnisverhütung vom medizinischen Standpunkt aus behandelte und Herr Rabbiner Dr. Klein, Berlin, der sie von der religiös-talmudischen Seite aus beleuchtete. Beide überaus aufschlußreichen' Referate sollten der weitesten Oeffentlichkeit der Rabbinen und Führer unserer Gemeinden zugänglig gemacht werden-, weil sie von dem hohen Ernst für die Zukunft des deutschen Judentums getragen waren und bei reiner Sachlichkeit der Forschung Es ist möglich, daß die Frankfurter Hausfrauen noch nicht alle wissen, daß sie ihre Wäsche preiswert und forgfältigst in der Dampf Wäscherei mit Rasenbleiche A. Bar te l me tz, Bergerstr. 38 (man benutze Telefon Carolus 42 795) gewaschen bekommen! Jedoch nicht möglich ist, daß eine -gnte Hausfrau nicht weiß, was Rasenbleiche für ihre Wäsche bedeutet. Daher wird eine jede gerne einen Versuch machen und der obigen Firma vertrauensvoll ihren Wäschefchatz anvertrauen, der sie mit ziemlicher Sicherheit zum dauernden- Kunden derselben machen wird. Die Wäscherei A. BarthÄmeß übernimmt jede Art von Wäsche (sieh-e Inserat). In Bad Schwalb ach bei Wiesbaden ist Hotel- Pension Rosenthal neu eröffnet. 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