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Der Israelit · 1929-05-30 · Heft 22 (30.5.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 22 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©eite 4. Nr. 22 Ser Israelit 30. MaL 1929 leitung ein wenig aufhielten, entfachten im Odenwalde scharfe Auseinandersetzungen und schufen kritische Momente. Auf die Jugendheime übertragen, so müßte auch hier zunächst darauf gesehen werden, „Gleich und Gleich zu gesellen". Wir wollen das nicht kleinlich und engherzig aufgefaßt wissen, keineswegs als Sperre für die Schar frer Suchenden und Ringenden oder derer, die Alters¬ und Bildungsstadium in die Kategorie des na ib uns versetzt. All diesen seien die Heime weit geöffnet. Nur müssen diejenigen, die nach anderer Richtung arbeiten und! glauben, a wanderen Ufer ihre Weltanschauung festv e ra nk ert zu h a ben , von vornherein wissen, daß jüdische Jugendheime, die zugleich Heim- und Pflegestätten des jüdischen Geistes sein sollen, keine Tummelplätze sind für liberale Mission, religiöse Gemeinplätze oder verblaßte Grundgedanken auf großer weiter Linie, die vom Wesentlichen ablenken. Hier muß strengste Sachlichkeit herrschen, jüdisch-religiöse Sachlichkeit. Man darf wohl sagen, daß den Schöpfern der Agudas Jisroel-Weltorganisation mt der Verlegung des Schwerpunktes auf die Aguda-Jugendgruppen der Gedanke der Jüdischen Jugendheime klar vorgeschwebt hat. In Städten, wo — wie beispielsweise in Wien — die Jugendgruppen auf der Höhe sind, haben sie mit ihren Heimen, die Winter und Sommer, Tag und Abend weit geöffnet sind und Gelegenheit bieten zum Lernen, Lesen, Spielen, sich in Handelsfächern, ja, sogar in Kunstgewerbe fortzubilden, mindestens den Ansatz zu solchen Jugendheimen. Käme noch dazu so etwas wie ein Internat, eine Mensa, eine Art Jugendherberge, und das Jugendheim wäre in idealster Weise komplett. Run fehlt es ja in der Großstadt mit ausgedehntem jüdischen Gemeinwesen auch an solchen Einrichtungen nicht, selbst innerhalb der gesetzestreuen Gemeinschaft. Sprechen wir zum Exempel von Frankfurt, so denken wir an das Jüdische Heim, den Jüdischen Turne r b u n d , unzählige kleine Zirkel zur Pflege von Musik, Literatur und gewiß von intensivem Talmudstudium. Käme es hier zu einem Zusammenschluß, worunter 'Nicht einmal eine Zentralisation in straffen Formen verstanden werden muß, und ein Traum der Besten würde damit in Erfüllung gehen. Wir hätten unser Jugendheim, in dem zwar keine Kanzel stände für schöne Einiheitspredigten, dessen Hallen aber Allen geöffnet wären, die reinen Herzens kommen, um zu hören, zu sehen, zu lernen — vielleicht zunächst auch nur prüfend und abwartend — und mit uns jüdische Arbeit zu leisten. Der Sampf gegen die Religion in ... . „In Rußland ", wird der wissende Leser ergänzen. Dort auch. Aber das vermag uns nicht so sehr zu erschüttern; die rote Inquisition im Lande der Sowjets ist als eine der unvermeidlichen menschlichen Verirrungen zu nehmen und zu tragen, wie sie die Geschichte der Völker in Uebergangsperioden zu neuen Lebensformen häufig kennt. Weinen muß aber die jüdische Seele „über die Kinder, die sich im P a l a st e d e s V aters gegen ihn auflehnen", über die Mißhandlungen und Verfolgungen, denen das religiöse Leben im h e i l i g e n L a n d e, in unserem Nationalheim Tag für Tag ausgesetzt ist. Man glaube ja nicht, daß es den treugesinnten Blättern" eine besondere Freude ist, solche Schreckensbotschaften aus dem heiligen Lande zu bringen und zu verbreiten. Aber hat nicht die religiöse Skandalchronik in Palästina ein Maß erreicht, das jeden, der die Möglichkeit hätte, zu reden und zu warnen und dennoch schweigt, zum Mitschuldigen macht?! Tel-Awiw feiert das Jubiläum des zwanzigjährigen Bestehens, und wir haben in der vorjüngsten Nummer den Anlaß gewürdigt und all das.hervorgehoben, was in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung uns Del-Awiw bedeutet. Was nützt aber der Aufbau der Außenmauer, wenn nv'8 im Innern Zustände platzgreifen, die die jüdische Stadt immer mehr entjüdischen, wenn sich von hier eine Welle geistiger und religiöser Zerstörung erhebt, die sich über das ganze Land ergießt! Drei Vorkommnisse der letzten Tage, drei unter unzähligen andern, und sie genügen, uns alle Freude an der Aufbauarbeit zu nehmen. Der ewige S a b b a t m a t ch auf dem Sportplatz, von dem man gar nicht mehr reden möchte. Aber wenn sich zum Spielplatz in Petach Tikwa am heiligen Sabbat über siebenzig Automobile, vollbesetzt mit Juden, aus Tel-Awiw begeben und von dort zurück nach Del-Awiw, so mutet schon das Ganze wie ein Städtekampf gegenden Sabbat an. Man sperrt die Straßen Tel- Awiws am Sabbat vor dem nichtjüdischen Fuhrverkehr, und einige und siebenzig jüdische Automobile, besetzt von so und so viel hundert Juden, sausen am Sabbat durch die Stadt. Ihr Sabbatgruß lautet: „Den Becher gewonnen!" Stundenlang durchdröhnt die ganze Stadt die Hupe des Automobils und der Ruf: „Der Becher!" Es ist der K i d d u s ch b e ch e r von Tel-Awiw, mit dem man den Sabbat in der ersten einzigen jüdischen Stadt — entheili g t. Weiter: Man veranstaltete eine Prozession nach dem Grabe von Trumpeldor, einem Manne, der im Kampfe mit den Arabern gefallen ist und den man daher zum Nationalheros macht. Der Spaziergang muß aber unbedingt am Sabbat stattfinden. „Fünfzig vollgefüllte Automobile" konnten die Zeitungen wieder verzeichnen. Es waren zumeist Jünglinge aus der Arbeiterjugendorganisation I2ivn *wan* Dieser Umzug erregte auch den Aerger der lokalen Presse — weil die Jünglinge rote Fahne nt rügen ... Damit hätten sie die nationale Farbe verletzt, die scheinbar hier mehr gilt, als der alte Sabbat. Und ein Drittes (und leider kein Letztes): Tel- Awiw feierte, wie bereits gemeldet, das Jubiläum auch mit einer A u s st e ll u n g , die am Sabbat eröffnet werden mußte. Ein Bewohner Tel-Awiws, der am Sabbat kurz vor der Eröffnung vorbeikam, schreibt: „Ich traute meinen Augen nicht. Alle 39 Arbeiten sah ich an diesem Sabbat auf dem Ausstellungsgelände von jüdischen Händen ausgeführt, .so daß wir uns fragten: „Sind wir eigentlich in Palästina oder in Moskau?" Vielleicht werden die Offiziellen die Verantwortung für die Vorgänge in Petach Tikwa und am Heldengrabe von Tel-Ehai von sich mit der Frage abwälzen: „Was gehen uns die Arbeiter auf der anderen Seite an?" Aber die Arbeit auf dem Ausstellungsplatz war geleistet vo»nj jüdischen Händen im Auftrag der Organisation'. Hier war die Sabbatentweihung eine o f f i z i e l l e , gewissermaßen zur Feier des.großen Tages von Del-Awiw. Tel-Awiw hat ein Rabbinat, ist der Sitz maßgebender Zionistischer Führer. Sie alle wissen um den Skandal, wußten schon vorher darum. Sie schweigen und rühren keinen Finger, ihn zu verhüten? Was nützt da das ewige Lamentieren und Protestieren; was auch die nachträglichen Sendschreiben des Jerusalemer Oberrabbinats? Positive Arbeit m i t dem Sabbat muß einsetzen gegen die Arbeit am und gegen Sabbat. Und dazu ist der Zusammenschluß aller Treugesinnten in Erez Jisroel wie in der Gola unumgänglich. Die Vorschläge der »Jnternaliovalen Kalender-Liga", vom Skandpunkke des Zudenkums aus belrachkek. Von S. Kuttner in Berlin. Das Pehachfest ist vorüber, längst sind wir in die Tage des Zählers eingetreten, die uns zum Schewuausfeste hinführen; noch kurze Zeit — und das Schewuausfest selbst ist da. Das Peßach- und das Schewuausfest bilden eine E i nheit; am ersteren wurde durch die Erlösung aus Aegypten der jüdische Volkskörper, am letzteren durch die Offenbarung am Berge Sinai die jüdische Volksseele gegründet. - Die Voraussetzung beider Feste hinwiederum ist unser heiligen Schabbostag. Bei einer Reform des bürgerlichen Kalenders durch den» Völkerbund und einer dabei gleichzeitig stattsind end en Festlegung des Osterfestes auf einen b e st i m m t e n Tag würden aber gerade die oben genannten jüdischen Feste^ sowie vor allem der Sabbat selbst vollständig aus den Fugen gehoben werden und ein unentwirrbares Zerrbild sich ergeben. Jede Religion jedoch muß, wenn sie sich nicht selbst aufgeben will, das ihr eigenartige Gepräge zu erhalten suchen und Wesensfremdes ausschalten; es ist durchaus notwendig, daß die geschichtliche Wahrheit erhalten bleibt. Im folgenden soll »nun die geschichtliche- und kalendarische Bedeutung des Schabbos und des Peßachfestes, der beiden Grundsäulen des Judentums, sowie davon abhängig auch die des Schewuausfestes dem Leser vor Augen geführt und im Hinblick auf die Vorschläge der „Internationalen Kalender-Liga" näher erörtert werden. Während der Sabbattag uns überhaupt den Glauben» an ein höheres Wesen, an den Schöpfer der Welt verkündet, lehrt uns das Peßachfeft den Gott anzubeten, der uns nach dem erst e n der 10 Gebote aus Aegypten geführt und uns dadurch zum Gottesvolke gemacht hat. Der Gott der Natur, der das All geschaffen, ist auch gleichzeitig der Gott der Geschichte, der die Welt nach Seinem Willen lenkt und leitet. Der Schabbos war von jeher — nach einer genauen Ueberlieferung — der siebente Tag der Woche, der, völlig unabhängig und losgelöst von den abrollenden Tagen des Monats, ein einheitliches Band für die Juden der ganzen Welt bildet; von allen Völkern des Altertums kannten nur die Juden allein (die Babylonier nicht ausgenommmen) den Begriff der sieben tägigen Woche. Der Schabbos steht heute -nach als Merkmal und Merkstein für die gange Judenheit da; er offenbart rein und klar den Gottesbegriff. Während die christliche K v r ch e nun im Concil von Nicaea 325 n. d. g. Z. in Anknüpfung an das Neue Testament den Sabbat, den sie bisher mit den Juden zusammen gefeiert hatte, auf den Sonntag als den A u f e r ft e h u n g s - t a g verlegte, behielt das I u d e n t u m den alten Schabbos als den siebente n Tag der Woche, der uns an die Weltfchöpfung durch den einzigen Gott erinnert, bei; daß er wirklich der siebente Tag der Woche ist, beweisen ja schon die heute gebräuchlichen Namen der sieben Wochentage. Die „Internationale Kalender-Liga" will Nun auf vielfache Anregung hin es bewirken, daß der erste Tag in jedem der vier Jahresquartale immer auf einen Sonntag fällt (der praktischen Folgerungen halber) und zu diesem Zwecke jedem Quartale 91 Tage zuteilen (30, 30 und 31 Tage). Da nun aber auf diese Weise das Jahr nur 364 Tage zählen würde, so suchte man nach einer Lösung, um diesen e i ne n noch fehlenden Tag, resp. im Schaltjahre 2 Tage zu ergänzen. Diese Lösung ist nun über gar nicht Sarantievt nur aus reinen {Pflanzenölen hergestellt 100 Gramm-Stück 15 Pfg. 200 Gramm-Stück 30 Pfg. Verlangen Sie beim Einkauf ausdrücklich dif&psfi’cw fliWhsMkchaileintgt Hersteller. GünfhertffaussnerM QbmaitiHäppd >1.

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