Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 22. ©eilte 3 30. Maß 1929 ___ Talmud Jeruschalnn) früher geordnetwar. Das oerantaßte Len hebräischen Uebersetzer von Graetz, wiederholt an Halevy mit der Bitte heranZutreten, eme Kritik über das Graetzsche Geschichtswerk zu schreiben. Er versicherte Halevy, daß er diese Kritik bei der hebräischen Uebersetzung mit veröffentlichen würde. Halevy gab schließlich diesem Ersuchen nach und schickte eine längere Abhandlung. Der Herausgeber veröffentlichte jedoch nur ein kleines Bruchstück hiervon und schrieb Halevy, daß es unmöglich fei, diese Kritik, die das Lebenswerk eines Forschers erschütterte, zu veröffentlichen? Leider ist, trotz vieler Bemühungen, eltrj Exemplar dieses Graetzschen Bandes, (unseres Wissens handelt es sich um den 8. Band der hebräischen Uebersetzung), in dem sich die Halevysche Kritik befindet, nicht aufzutreiben, und wir wären zufälligen Besitzern dankbar, wenn sie uns diesen Band leihweise überlassen würden. Wir sehen, daß Halevy oft wichtige Dinge, über die wir im Talmud nichts finden, so ganz „nebenbei" beweist. Ihm war der ganze Talmud und die ganze Geschichte des jüdischen Volkes immer gegenwärtig. So kam es, daß Halevy die einzelnen Kapitel seines Y'.tt wie aus einem Guß schreiben konnte. Er pflegte zwar jede Niederschrift, bevor er sie dem Druck übergab, noch mehrere Male abzuschreiben und einzelne Punkte bei der Gelegenheit weiter auszuführen. Die erste und ursprüngliche Niederschrift war aber immer schon völlig druckreif. Der dritte Band des V'.rnder sich mit den Saboräern und Geaunim beschäftigt, wurde zuerst gedruckt. Er schrieb ihn in Preßburg in weniger als einem Jahre. Von dort reiste er nach London und Paris und weiter nach Jassy in Rumänien, wo er im Hause seiner Tochter den zweiten Band zu schreiben begann. Im Jahre 1900 verließ er Jassy, von wo er bei seinem Herzensfreund, dem fel. Dr. Kottek, längere Zeit verweilte und den zweiten Band vollendete und zum Druck brachte. Dort begann er mit dem ersten Band des und im Jahre 1903 kam Halevy nach Hamburg, wo er bis zu seinem Tode weilte. Dort vollendete er diesen ersten Band und schrieb dort den Band IV. — Noch während seines Aufenthaltes in Homburg wurde durch seine Bemühungen die Jüdisch-literarische Gesellschaft in Frankfurt a. M. gegründet, deren Ziel sein sollte, echte jüdische Wissenschaft zu fördern und zu unterstützen. (Schluß folgt.) D e r. I s r a e l i t Vochenrundschau. Jüdische Jugendheime. Immer mehr wird in letzterer Zeit aus Kreisen der Jugend- und der Jugendfreunde der Ruf nach Jugend- und G emeind eheimen laut. In der Breslauer „Jüdischen Zeitung" referiert Paula O l l e n d o r f f, keine Unbekannte in, der Jugendbewegung, über dieses Thema ausführlich, unter Hinweis auf die sog. jüdischen Settlements in Amerika und auf die T o y n b e e h al l e n in London, wo sich das ganze Leben der Jugend, soweit sie Haus und Schule freigeben, konzentriert, wo sie Nachhilfe für die Schulen, später Fortbildung in allen Fächern, die für das Leben ertüchtigen, Gelegenheit zum Sport und Spiel, Anleitung zu einer Lebens- und Weltanschauung, mit einem Worte die leitende Hand erhält, der die Jugend so sehr bedarf, um über die Fährnisse der Uebergangszeit heil und gesund an Geist und Körper hinüberzukommen. Der Gedanke ist uns nicht nur sympatifch, sondern sogar recht vertraut. War es doch von jeher die vornehmste Aufgabe unserer Großen, die Jugend zu sammeln imb1 sie durch onan pnaa und alle anderen Vorteile, die ein geistiger Austausch von Menschen im Werden unter verständiger Und liebevoller Führung gewährleistet, vorwärtsZubringen.. Freilich werden wir hierin keine andere Stellung einnehmen können, als die wir seit Jahr und Tag gegen die I u g e n d v e r e i ul e und Jugendverbände überhaupt einnehmen: Gegen jede Amalgamierung, gegen jede Verwischung von festen Gesichtspunkten und gegebenen Richtlinien, auch wenn diese Sammelarbeit — ohne innere Sammlung des Einzelner! und der Gruppe — hinter den schönen Worten von Einheit, Einigung und Neutralität Deckung sucht. Im O de nw a l d traf sich dieser Tage der Verband der jüdischen I u g e n d v e r e i n e Deutschlands, und man hielt am offenen Lagerfeuer recht hübsche Reden über die „Bundesidee", über „Wille u n d T a t i m Ju d e n t u m " und dergleichen mehr. Man feierte in Festreden! die Tatsache, daß die Gruppen „im Geiste der Jugendbewegung" sich zu einem Bunde zusammenschmelzen. Das sind, verzeiht, liebe junge erhalten bei jedem Versicherungs- Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficheriingsgefellicliaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbesf. 1,2 Milliarde GMk. U Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinelcestr. 10 Freunde, Gemeinplätze, die ein Feuer nicht erhalten können, es fei denn ein Strohfeuer für die Dauer, der Sammel- und Feststunde. Eine Jugendbewegung kann nicht Selbstzweck sein, sie ist eine Bewegung zu bestimmten Zielen, so besagt es denn gar nichts, wenn eine Jugend „vom Geiste der Jugendbewegung" beseelt ist, sie muß vom Geiste einer bestimmten Idee fortbewegt werden. Und diese Idee kann nicht schlechthin „Bundesidee" sein, es sei denn, daß man darunter den g r o ß e n, e w i g e n B u n d versteht, den Gott mit seinem Volke geschlossen hat, und zu dem sich die Jugend im Sinne des “jny imi« Vaa •jrv’ia '22 klar und eindeutig bekennen will, bebekennen mit Herz und Hand, mit „Willen und Tat". Das Referat am Lagerfeuer im Odenwald über „Wille und Tat" im Judentum war gewiß sehr hübsch und anfeuernd, aber am S i n a i f e u e r hieß das Bekenntnis, sechshunderttausendstimmig, umgekehrt: T a t und Wille! staun) n&?2- Es soll hier kein Vorwurf ausgesprochen werden. Es k ann! nicht anders sein. Wo unter einem großen Dache sich junge Menschen verschiedener Richtung un!d Einstellung, ja, verschiedener Schulung durch verschieden geartete Verbindungen zusammenfinden, dann kann die Sammelarbert nur von Sammelbegriffen, von der Musik der großen Akkorde begleitet fein. Andere Töne werden nicht gehört und nicht verstanden werden. Die Worte und Themen müssen so gewählt und gehalten sein, daß jede Gruppe den geistigen Gehalt i hres Programmes in sie hineinleiten kann, sollte nicht der ganze Einheitsbau in die Brüche gehen. Grenzbegriffe, d-ie die Sttomein- Jn einer Gemein,defitzung zu P o nie w esch, item' Sitze des großen und weltklugen Rabbi Mosche Jtze-l, kam es einmal zu großen Streitigkeiten über ein Gem-emdean,Kegen. Statt zur Sache zu reden-, wurden, die Streitenden persönlich und jeder brüstete sich nur mit seinen Eigenschaften, seinen Verdiensten und seiner besseren Herkunft. Da nahm der Rabbi das Wort und erzählte unter lautloser Stille folgende Fabel: Einst kamen die Esel vor den Weben Gatt und beschwerten sich über ihr b-itteres Schicksal. „Alte Tiere in Wald und Flur können frei herumlaufen und werben vom lieben Gott genährt, auch -bte Haustiere haben es wesentlich /besser als wir. Uns werden -die schwersten Lasten" ausgetragen, und wir können uns nicht einmal wehren. Sind wir schon, Herr der Welt, zur Last und Plage geschaffen, so gib uns wenigstens einen Mund, damit wir dem Herrn sagen können,, wann, es genug fei unb die Grenze unserer Tragfähigkeit Nicht überschriilen werde." „Gut," sagte der liebe Gott, „ich wills versuchen". Und wirklich bekam ihrer einer ein Mundwerk, nämlich die Eselin van Bileam.. Was sprach sie? Nichts von ihrer Last, überhaupt, nicht zur Sache, sondern nur von ihrem hohen Adel -und ihren Verdiensten: „Siehe, ich bin Deine Eselin, auf der Du geritten bist von jeher usw. usw." „Solche Esel," entschied -der Weltenschöpfer, ..verdienen kein Mundwerk". * * * Der weltberühmte „Kelmer Magiid" kam nach dem Städtchen Poswel bei Milna und erkundigte sich, wie es seine Art war, beim Stadtraobiner über das Wesen und die Fehler der Stadtbewohner, um feine flammenden Müsfarredenan ,richtiger Stelle anzufetzen. Der Rabbiner klagte ihm, daß die Leute oft. ihre Prozesse bei ihm austragen, daß aber die -verurteilte Partei sich nur selten dem UrbeMe des Bes-Din unterwirft. In der überfüllten- Schul warteten« -die Menschen mit angehaltenem Atem auf. die Worte des gewaltigen Redners. Der Magrd zögerte ein wenig, führte wie mit einem .unsichtbaren Geiste ein leff-es Zwi-egsepräch, und rief dann -laut: „Ach was, wir find ja in Poswel!" Und erst jetzt bestieg er «die Kanzel. Erstaunt und gespannt hörte nun «die Gemeinde, welche Bewandtnis es mit diesem Keinen- Vorspiel Halle. „Rabbaussei!", sing der Magiid an. „Wie ich aus der Reife hierher war, tritt mir Satan in den Weg. „Wohin?" fragte er. „Nach Poswel, wohin sonst", sagte ich,. „Nein," rief er, „Poswel gehört zu, meinem, Bereiche, da hast Du nichts zu schaffen." „Was heißt. Dein Reich," sagte ich. „Ich werde dort reden, zurechtweisen und bessern, wie überall." Aber Satan bestand darauf, Poswel fei ihm verfallen, i-ch hätte dort nichts zu suchen. Wir gingen zu „Din Thora". Und wirklich, Satan, bekam recht, mir war es untersagt, hierher zu gehen. Aber -ich ging dennoch. Und wie ich vor einigen Minuten zum Almemor hinauf wollte, «da stand mir Satan -rm Wege: „Zurück! Verboten-! Din- Thora" schrie er. Ich erschrak ein wenig. Da siel mir aber -ein-, daß wir -in Poswel sind und sagte ihm: „Ach was, hier wird Entscheidung eines „Din Thora" nicht -beachtet!", stieß ihn zur Sette und bestieg, das Almemor. Rabbi Elje Chajim Meifol, der spätere Rabbiner von Lodz, pflegte früher, da er noch kleinere Stellen hatte, die Provinz zu bereisen, um dort nach dem- Rechten zu sehen. Etwas empfindlich, pflegte -er sein eigenes Bettzeug mMzuführen, In einem Städtchen war er gebeten, an der Hochzeitsfeier armer Leute teilzunehmen. Kurz vor der Trauung trat noch ein peinliches Hindernis ein. Die Eltern des Bräutigams weigerten sich, mit ihrem Sohne zur Chuppa zu -gehen,, da die Brautelterndie Ausstattung nicht nach Verabredung lieferten. In aller Stille ging Rabbi Elje Chajim hinaus, gab allesbare Geld, das in seinem Besitze war-, her, und auch das ganze Bettzeug aus dem Wagen. Die Hochzeitsfeier konnte ungestört -ihren Fortgang nehmen. Wie -die Stunde der Weiterfa-hrt kam, stürzte der Kutscher erschrocken zum Rabbi hinein: „Das ganze Bettzeug ist gestohlen!" „Mandarf keinen Juden verdächtigen," mahnte der Rabbi, „wir fahren weiter ohne Bettzeug." Zu Hause angekommen, berichtete der Kutscher der Rebbezm vom Diebstahl. Sie war untröstlich, wollte aber den Rabbi nicht kränken und machte ihm keine Vorwürfe. Er wiederum wagte Nicht, der Fraudenwahren Sachverhalt zu erzählen, im Bewuhtsem, daß sie soviel Selbstverleugnung nicht begreifen, noch billigen würde. , Am Sabbatausgang! faßen wie immer die Gelehrten beim Rabbi zum Tee und u. a. -erzählte er von seinem Erlebnis im Städtchen, wo sich -ein Bräutigam weigerte, zur Chuppo zu gehen, weil die versprochenen Kissen, und Decken -nicht beigeschafft werden konnten. Da platzte die Rabbinersfrau heraus: „Me glücklich wäre ich gewesen. Du hättest ihnen -das Bettzeug geschenkt, statt -daß-" „Sei glücklich, liebe Frau!" unterbrach der Rabbi-, „ich habe es ihnen wirklich geschenkt . . ." (Rach Alfafsi im „Hathor".) BeranrworUtch für Den allgemeine« Teil mb da» __ 6. «chachnowitz, Qrattlfurt a. 9t; Inserate I.9.: LSchach» «»Witz, ebenda. — pt die pädagogische Beilage: Lehrer 8. Kaufmann to Sprendlingen («r- Offenbach). — «erlag Israelit". Frankfurt a. 91. — Druck Sermon «erlag» gMkngefellschast, Franffnrt a. 9t