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Der Israelit · 1929-05-30 · Heft 22 (30.5.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 22 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 22 Der Israelit ist in der Tat in allen Gesetzbüchern der Nichtjuden gegeben. Nach den Gesetzen aller Völker ist ein Zeuge für feine Aussage, solange er «nicht vereidigt ist, nicht verantwortlich; solange er nicht eidigt ist, strafrechtlich nicht verantwortlich; solange er nicht vereidigt ist, kann man ihn für falsches Zeugnis nricht bestrafen. Nur der Schwur, den er leistet, zwingt ihn zu wahrer Aussage; nicht die falsche Aussage, der falsche Schwur macht ihn straffällig. Bei uns ist es bekanntlich gerade umgekehrt. Ein jüdischer Zeuge, dessen Aussage, nur durch einein« Schwur erhärtet, glaubwürdig' erscheint, ist von vornherein kein Zeuge, er hat nicht die mindeste Glaubwürdigkeit (siehe y'n pizmp rnsoin). Es ist darum ganz klar, daß unsere Gerichtshöfe nach den für sie gültigen Bestimmungen Aussagen von Nichtjuden nicht annehmen können'." Im Jahre 1893 wurde Halevy durch geschäftliche Schwierigkeiten genötigt, Rußland zu verlassen« und nach vielen Irrfahrten kam er nach Preßburg. Dort begann er, an seinem min Diwsin zu schreiben. Ursprünglich war es seine Absicht, dort die.aain'rnin,die er in früheren Zeiten geschrieben hatte, zu ordnen und herauszugeben. Er hatte mit dem Plan schon begonnen, als er sah, daß im fremden Lande ihm die Mittel zu der Drucklegung fehlen würden. Das bestimmte ihn, sich mit dem D'anpmnman zu beschäftigen. Halevy schrieb über die wichtigsten Gebiete des Talmuds und gab den von ihm geschriebenen Arbeiten folgende Titel: pso" "ammm kp’sö" pso" "ins iv" "nrnnwa pso* *]WM psmp nviv pso" "rnpmn bv •j'bpw" "'am 'an« "prnap -"d'i'ipn rni" "pn^n mi" "rixrnv pstn Hätte er das Glück gehabt, seine nun 'inan selbst zu veröffentlichen, sie hätten gewiß in der talmudischen Welt das gleiche Aufsehen erregt, wie der a'mwan mm in der wissenschaftlichen. In der Abhandlung atm'aiKi r p'vv beweist Halevy mit wunderbarem Scharfsinn und mit überzeugender Kraft, daß man umsonst gegen den Rambam streite, wenn man annimmt, daß er lerne, daß rrbip^ xmm*n rrp'sv,- umsonst hat man dagegen geschrieben und gestritten, man hat den Rambam von vornherein falsch aufgefaßt und irrtümlich etwas angenommen, was der heilige Mund des Rambam nie gesprochen, die heilige Hand des Rambam niemals geschrieben hatte. (Das Kapitel xmm*n rrp'sv fyatte Halevy bereits teilweise drucken lassen, seine materielle Situation zwang ihn aber, das Begonnene unvollendet zu lassen. Im ersten Band des a"na Seite 112, erwähnt er dies in einer Anmerkung nebenbei.) Es war Halevys Weife von jeher: Er lehnte es ab, Antworten zu konstruieren, und mochten sie auch noch so geistreich und scharfsinnig sein. Er zitierte oft die Einleitung des am» 'is zu nv'nwma^n,wo dieser auf denRambam fragt und dann hinzufügt: mano pvonw vnanab wrrai panbi aasia pxa prm naa^. raiaannan pVn^ mpa 7*iD3 bN rasn*? *rn prra anx jsiki mpäi mp» baa •u'isV hpk nx Nicht mmn zu geben«, nicht scharfsinnige Antworten zu finden, war Halevys Bestreben, obgleich er zu jeder Zeit auch darin hätte.glänzen können, ihm kam es immer nur auf die ungekünstelte, schlichte, für sich selbst sprechende Wahrheit an: nur darauf kam es ihm an, die Worte unserer Großen, an denen nicht zu . rütteln und nicht zu deuteln« ist, ick ihrer ganzen Klarheit erkennbar zu machen. Halevys Grundsatz war: Wenn an einer Stelle, sei es inv"w' sei es bei den großen a'2wrri' wie z. V. bei dem Kapitel von rrp'sv lurmin, die Schwierigkeiten sich häufen, die Widersprüche sich mehren, daß es sich darum handeln muß, die ursprüngliche Stelle, von der der Streit ausgeht, ins richtige Licht zu setzen, hier die Fehlerquelle zu entdecken und so die Sache zu . klären. Die verschiedenen Schwierigkeiten und Widersprüche einzeln und voneinander losgelöst zu erklären, war nach Halevys Meinung nur dazu angetan, noch mehr Verwirrung, noch mehr Widersprüche, noch mehr Schwierigkeiten in die Sache zu bringen. Ist die Ausgangsquelle geklärt, dann pflegen alle Schwierigkeiten, Widersprüche usw. in sich selbst zusammenzufallen. Als Halevy 1913 in Krakau weilte, brachte man ihm das Werk em«es berühmten galizischen Großen, in dem dieser eine Schwierigkeit in anal mit 80 verschiedenen Begründungen auflöst. Halevy sagte darauf: Der Unterschied zwischen dem Verfasser dieses Werkes und mir ist nicht groß. Der Verfasser sucht für eine Schwierigkeit 80 Lösungen, ich bemühe mich, für 80 Schwierigkeiten eine Lösung zu finden. Vom Tage an, da Halevy am D’arnannman zu arbeiten begann, schrieb er keine nam 'wian mehr, mit Ausnahme seiner Anmerkungen zu pbin (Er pflegte jeden Schabbos in seinem Hause Jod-Bad Töte Alpenkurhof Parkhofel Erstklassig Behaglich Jod-Bad Tölz Kurpension Hellmann Bietet bei massigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Die Macht des Guten. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Mitten in den Heilsverkündigungen der Segenssülle, die sich über uns aus einem Leben im Geiste unserer heiligen Lehre ergießen soll, lesen wir wie als Höhepunkt der.-7212-Ankündiaung: nV»n aas warn Mi' ,aaaa aas .arr»i nrra- Fünf von euch werden hündert verfolgen —und hundert von euch verfolgen zehntausend. — Daß hier nicht etwa nur an einen Kriegsfall gedacht wird, braucht dem. der den Geist unserer .um erfaßt hat, nicht gesagt werden. Um zu irgend einem Segensziele zu gelangen, gibt es genug der Feinde — innerer und äußerer — zu überwinden. Ueberall gilt der Kampf. Kein Sieg kann errungen werden ohne Anstrengung, ohne Aufbietung aller Kräfte. So im Leben des einzelnen wie der Gesamtheit. Immer bedeutet es einen Sieg, ein Niederringen feindlicher, hinderlicher Gewalten, wenn etwas Gutes erstrebt und erreicht worden ist. Auch von solchen Kämpfern und Siegern ohne Stahl und Eisen redet das Schriftwort und verheißt jedem, der mit edlen Mitteln edle Zwecke und Ziele ersttebt, sicheren Erfolg. Das ist zunächst der Sinn unseres Wortes. Seid ihr. wie ihr sein sollt, — Juden, nicht nur dem Namen nach, sondern mit Herz und Seele euerm Judentum, eurer Thora verbunden. — dann erreicht ihr nach Ueberwindung aller Hindernisse, was ihr erstrebt. Aber es^ liegt noch mehr in diesem Satze mit seinem eigenartigen Rechenexempel. Es lehrt uns die Potenzierung der Macht des Gu en. Dieses ringt sich unter allen Umständen durch. Es müssen dem Guten nur viele Diener erstehen. Je mehr ihrer sind, desto sicherer werden die Widerstände, und mögen diese sich auch noch so sehr häufen, bezwungen. Nicht steigert sich die Kraft des Guten nur nach Verhältnis der Zahl derer, die ihm sich hingeben. Die gesteigerte Zahl vermehrt auch die Energie und Widerstandsfähigkeit der einzelnen und läßt, um mit dem Textworte es auszudrücken, hundert bereits zehntausend überwinden. Das ift's, was unsere Alten meinen (Dgl. ->"fcn zur Stelle) nx» x^x.a»'^ *f'i2 ,v«i xb nbni pnma xin 7a 'ai ptmn pasna nan unt xbx isna' rnabrr aaa nam.a r\x pwiyn pan»*? nainn mv Ist das nicht eine eigenartige Rechnung? Hätte es nicht hetzen müssen: hundert von euch verfolgen zweitausend? Das bedeutet es aber: Nicht gleichet der Erfolg weniger, die der Lehre gemäß wirken dem Erfolge der vielen, die in diesem Geiste leben und streben... Die Wahrheit dieser Ausführungen wird wohl einem jeden einleuchten, der da weiß, was es bedeutet, sich im Bunde mit vielen Gleichstrebenden zu misten. Wie wächst die eigene Energie! ‘»na na ln' ^naa- Wie Eisen Eisen schärft, — so wachsen uns auch die Schwingen, wenn wir das Bewußtsein haben, daß viele das gleiche Ziel wie wtr verfolgen. Ist es da nicht zu beklagen, daß noch immer nicht die Zusammenfassung aller thoratreuen Kreise 30. Mw 1929 in Hamburg einen öffentlichen Schiur ick dieser rrnav» zu geben) und weil pVm eine solche umfassende snac» ist, in der fast alle großen Fragen von ganz 0"E> behandelt. werden, war es seine Absicht, diese Anmerkungen zu -'bin mit seinen Arbeiten über die verschiedenen m'iia zusammen herauszugeben. „Vom Himmel aber hatte man anders über ihn beschlossen", und so blieb seine Absicht unverwirklicht. Auch das Werk des' a'iurkan min entstand nicht plötzlich und unvorbereitet. Man kann da sagen nb'nn nawnaa mvp» *jib. Von frühester Jugend an, von seiner Kindheit an, forschte und dachte er schon über die Dinge nach; Mangel an Zeit hinderte ihn aber, seine Gedanken niederzuschreiben, denn er lebte in einer Welt, die ihn täglich mit ihren dringenden Erfordernissen in Anspruch nahm. Alle Sachverständigen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, Fromme wie Unfromme, hielten ihn für besonders geeignet, auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft Hervorragendes zu leisten. Seine doppelte Begabung — umfassende Kenntnis des gesamten Talmuds einerseits, besonderer wissönschaftlicher Sinn andererseits, — prädestinierten ihn, der jüdischen Wissenschaft, die damals im Aergst-en -lag, zu dienen, und selbst solche, mit denen er wegen ihrer aufklärerischen Tendenzen ständig im Kampfe lag, ließen nicht ab, ihn zu ermuntern, seine Kräfte und Fähigkeiten« in den Dienst der jüdischen Wissenschaft zu stellen, und vor allem seine Meisterschaft auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte nicht ungenutzt zu lassen. Halevy konnte, wie erwähnt, wegen seiner vielen sonstigen Inanspruchnahme, solange er in Wilna lebte und die russische Judenheit mitsührte, diesem Ersuchen« nicht entsprechen. Er pflegte sich aber über die Ergebnisse seiner unablässigen Forschungen, auch aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, jahrzehntelang Notizen zu machen. Um so verwunderlicher ist es, daß in seinen Werken hiervon nichts zu spüren ist. Im D'iWKan man finden wir keine Hinweise, keine aphoristischen Notizen, nur fertige, abgerundete Kapitel. Halevy war nämlich solche Art wissenschaftlichen Arbeitens verhaßt, und auf vielen Seiten des rniivma.a man ergießt er seinen Grimm über diese Zettelwirtschaft, die nach seiner Auffassung die Ursache für viele der Inkorrektheiten und Fehler ist, die er anderen Geschichtsforschernim »'inman man nachwies. In diesem Zusammenhang sei auf folgende interessante Tatsache hingewiesen: Im Jahre 1887 veröffentlichte Halevy in der April/Mai-Nummer der Monatsschrift „Ven Ami" -einen langen! Aussatz unter dem Titel: riiarr n^ap über die Frage, welcher der beiden Talmude (Talmud Bawli.- oder erreicht ist? Warum sollte es nicht möglich sein, daß unter Zurückstellung mancher Verschiedenheiten sich alle die in unseren Kreisen zusammenfinden, denen der Wille zum Judentum und die Liebe zu unserer Thora das Primat ihres Lebens ist? Kleines Feuilleton Rabbinifche Geschichten. Rabbi Soel, -inder ganzen rabbinischen Welt gekannt und gefeiert unter -dem Namen „Bach", amti-orie in jungen Äahr-en als Rabbiner ün« Prustn, uro er; diMc Gegner und persönliche Feinde hatte. Als er eüln-mal nachts noch allein beim Thorastudtum faß, verspürt er quälende Zahnschmerzen. Er suchte im Haus nach Alkohol, um den Schmerz zu lindern- und fand nichts. Drüben war ein Wirtshaus, das um diese Nachtstunde noch sehr belebt mar. Ahnungslos ging Rabblil Joel hinüber und ließ sich vom- Schankwirt etwas Schnaps für den kranken Zahn -geben. Er kramte in seiner Tasche, aber sie war leer. Der Wirt gewährte ihm Kredit und schrieb fernen Namen und die Schuld mit Kreide an die Wandtafel. Morgens kämen Leute ins Wirtshaus und sahen unter vielen berüchtigten Namen auch den des Rabbiauf der Tafel. Das kam den Feinden willkommen und böse Zungen streuten ans, R-abbji! Joel pflege nachts in Wirtshaus zu gehen -und stehe -beim Wirte in der Kreide . . . Obwohl Verständige über diese unsinnige Verleumdung nur lachen konnten, nahm sich Rabbi Joel die .Sache so sehr zu Herzen, «daß erbald daraus Prusin verlieh und nach BÄsk gM-g. * * :-r

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