Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1929)
- Date
- 1929-05-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Seite 9 I 23. Mai 1929 Der Israelit Altona, 20. Mm. In seltener körperlicher und geisti>- ger. Rüstigkeit beging Herr Qbetfkmtov Nathanfohn seinen 80jährrg»en Geburtstag,. Dieser Ehrentag des Jubitcrrs gestaltete sich zu einem Festtag der .Gemeinde.. So war es auch nicht verwunderlich, daß sein Haus an diesem Tage nicht, leer wurde von Freunden und Schülern, die dem Meister auf dem Gebiet des Chasonus ihre m-- nigsten Wünsche für einen gesunden und heiteren Lebensabend Aussprachen. Und wahrlich, die alte ehrwürdige nbnp Altona darf stolz sM, einen solchen pn 33 Jahre in treuer Pflichterfüllung besessen zu haben. Als Schüler des genialen pn Weintraube in Königsberg sah Herr Nathansohn seine Ausgabe, wie ihm fein Meister bezeugte, darin, „die Gebete so vorzutragen, daß auch der des Textes Unkundige den Inhalt der Tefilloh erfaßt". Daß dem Jubilar'diese Aufgabe gelungen ist, hat seine Gemeinde stets dankbar anerkannt und ist auch in diesen Blättern häufig berichtet worden. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, Herrn Nathanfohn an den o>x*»:n o»»» zu lauschen, dem wird dieser Eindruck unvergeßlich bleiben. Schwer nur konnte sich die Verwaltung kr Altonaer Gemeinde entschließen, dem Rücktrittsgesuch des Herrn N. zu entsprechen. Wenn nun Chasan Nathanfohn auch nicht mehr der ri'bv seiner Gemeinde ist, so darf er das Bewußtsein haben, daß seine a>:m->3 heiliges Vermächtnis seiner nbnp geworden sind, die. ihm in ihrer Gesamtheit wünscht mB> tut» Ty Meerholz (Krs. Gelnhausen), 20. Mai. Am vergangenen Donnerstag den 16. Mat Mrte Herr Lehrer i. R. S. Birk, feinen 90. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich einer seltenen geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Lehrer Birk ist geboren in Sterbfritz. Seine Ausbildung erhielt er an dem heute nicht mehr bestehenden Lehrerseminar in Schlüchtern. Nach Absolvierung feiner Studien wurde ihm die Stelle in Wachenbuchen bei Hanau übertragen, von wo aus er am 16. Oktober 1874 an die damalige israelitische Volksschule nach Meer-' holz berufen wurde. Dort versah er den Dienst als Lehrer, Vorbeter und Schochet bis- 1. Oktober 1908 in vorbildlicher Weife. Seit dieser Ae-it lebt Hörr Birk, geehrt und geachtet van allen Mitbürgern hier, im Ruhestand. Die Geburtstagsfeier gestaltete sich so recht zu einem Ehrentag. In seiner Bescheidenheit hatte sich der Jubilar die von der israelitischen Gemeinde geplanten Feierlichkeiten verbeten, so daß nur eine familiäre Feier abgehalien wurde. Viele Kollegen aus Nah und Fern, waren gekommen. Der Hessische Lehrervevein ließ durch seinen Vorstand telegraphisch seine Wünsche übermitteln. Neben einem Glückwunschtelegramm des Vorstandes des hessischen jüdischen- Lehreroersins, hatte dieser seinem Mitglied, Lehrer Leoi Mrstein, den Auftrag, erteilt, persönlich die Wünsche der jüdischen Lehrerschaft Hessens zu übermitteln. In seiner Ansprache verglich Lehrer Levi den Jubilar mit unserem Lehrer Mosche, der im hohen Alter nnb oj xbi u»y rmro xb ungebrochen an körperlichen und geistigen Kräften sein 90. Jahr vollendet hat. Selbstverständlich hatten sich die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Meerholz vollzählig eingefunden!, und auch niete andere hatten persönlich oder schriftliche ihre Wünsche ausgesprochen. Die israelitische Gemeinde Hanau ließ durch Herrn Lehrer Weingarten gratulieren. Es ist nicht möglich, all die Ehrungen einzeln aufzuzählen, die dem Jubilar als Nestor der Lehrerschaft Kur- Hessens zuteil wurden. mv v'-ivyi nx» ns Vermischtes. Berlin, 17. Mai. Das Jugendheim in Seesen, das vom Neichsausfchuß der jüdische JugsndverbänÄe, Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 13/14 unterhalten wird, nimmt Jugendliche beiderlei Geschlechts, im Alter von 14—25 Jahren für die Zeit von 2—4 Wochen auf. Der Tagespreis beträgt Mk. 2.50. In diesen- Preis ist die Unterkunft sowie eine ausreichende und schmackhafte Verpflegung einbegriffen. Aufnahmegesuche für die Monate Mai, Juni und September sind an die Adresse des Reichsausschusses zu richten. Hamburg, 13. Mai. Von der Hapag wird uns geschrieben: Israelitischen Passagieren» der Hamburg- Amerika-Lmte ist es häufig unbekannt, daß sie während der Seereise nach und von Newyork auf Verlangen eine nach rituellen V o r s ch r »i sie »n zubereitete Verpflegung erhalten können. Damit die entsprechende Vorsorge in ausreichendem Umfang getroffen werden kann, empfiehlt es sich jedoch, daß diejenigen Reisenden die auf koschere Zubereitung der Mahlzeiten Wert legen, ihre speziellen Wünsche rechtzeitig vor der Abfahrt bet der Hamburg-Amerika-Lime bekannt geben. Die Einrichtung der rituellen Verpflegung jüdischer Hapag-Passagiere steht unter dauernder Aufsicht des Hamburger Oberrabbiners. Berlin, 17. Mai. In der Zeit vom 8. bis 26. Juli 1929 findet in Berlin ein Fortbildungskursus für Kantoren unter der Leitung der Oberkantoren Magnus Davidsohn und Felix Asch statt. Der Unterrichtsplan sieht Vorlesungen über verschiedene fachliche Wissenschaften von hervorragenden Dozenten vor. Der -technische Unterricht liegt in den Händen der beiden Kantoren. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Reise- und Aufenthaltszuschüsse werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel gewährt. Da nur eine beschränkte Anzahl von Teilnehmern zugelassen werden kann, ist die sofortige Anmeldung bei Oberkgnior Davidsohn Berlin W. 16. Knesebeckstr. 44 erforderlich. (Die Veranstalter bemerken in dem Begleitbrief, daß die Teilnehmer des Fortbildungskursus überwiegend aus streng konstrvatwM» Gemeinden kommen, weshalb dir Dozenten/gleichfalls. Ms den Kreisen der konservativen Rabbiner.gewählt seien. Wir.'wollen hoffen,, daß dies zutrifft und daß die Teilnehmer Mch nicht zum Betreten von Orgelsynagogen veranlaßt werden. R.) Mosbach, 18. Mai. (Bezirkst »agung des Israelitischen Landeswaisenvereins» für Bade n.) Am 12. Mai 1929 fand in Mosbach eine Bezirkstagung des Israelitischen Landeswaisenoereins Mit, die von ca. 50 Teilnehmern aus den Gemeinden des Rabb'inatsbezirkes Mosbach-Merchingen-Wertheim besucht war. Herr Bezirksrabbiner G rei l s h ei m er-Mosbach der die Tagung mit Umsicht und Verständnis leitete, be-» trachtete es in feiner Eröffnungsansprache als eine besondere Fügung, daß an heiliger Stätte die heilige Sache der Waisenfürsorge beraten werden konnte. Hierauf 'ergriff Herr Jacob Oppenheimer- Bruchsal das Wort zum Tätigkeitsbericht. Er gedachte mit ehrenden Worten der Männer aus dem Bezirk, die in der Vereinsgeschichte eine bedeutende Rolle spielten: Dr. Josef Eschelbacher, in Hainstadt geboren, wurde als Bruchsaler Bezirksrabbiner der Gründer des Waisenvereins. Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach wirkte von der Gründung des Vereins an bis zu seinem Tode als eifriges Vorstandsmitglied. Lehrer Driesen in Tauberbrschossheim befand sich unter den» Gründungsmitgliedern. Lehrer Dreifuß daselbst war ein. tätiger Mitarbeiter und der jetzt amtierende Lehrer Kaufmann arbeitet in vorbildlicher Weise für den Vereine Der fetzige Vorsitzende des Bezirkes, Herr Rabbiner Greilsheimer, seit seinem Amtsantritt ein wertvolles Vorstandsmitglied, unterstützt tatkräftig die Bestrebungen. Er pflegt damit Familientradition, dennsein vor kurzem entschlafener Vater, Herr Isaak Greilsheimer in Friesenheim, unterstützte die Waisen in reger Fürsorge. Seit 33 Jahren wirkt Herr A. Vissinger in Mosbach als Rechner und übermittelt die Eingänge. Die Land- und kleinen Stadtgememden sind die Stutze des Waifenveveins. In ihnen wird das Judentum erhalten und die Nächstenliebe gepflegt. Die Gesamtzahl der Bereinspfleglinge beträgt 86, hiervon 22 im Mosbacher Bezirk. Die Schulentlassenen sind in kaufmännischen, pflegerischen, akademischen und Handwerksberufen tätig. Die wichtigste Aufgabe, jedes Kind denseinen Fähigkeiten und Neigungen, entsprechenden Beruf erlernen zu lassen, ist oft mit großen Schwier rigkeiten verbunden. Es.fhelt angeeigneten Lehrstellen und später an auskömmlichen Posten. Für schwächliche und kranke Kinder werden Kuren in geeigneten Erholungsheimen durchgeführt, denn die Gesundheit ist das höchste Gut, das den Kindern unbedingt erhalten werden muß. Alle Mitarbeiter werden um strengste Verschwiegenheit ersucht, damit eine Beschämung der Hilfsbedürftigen vermieden wird. Nur in vertraulicher Aussprache kann' Aufschluß über jeden gewünschten Einzelfall gegeben werden. Herr Oppenheimer schloß mit der Bitte, notleidende Waisenkinder zu melden, denn es ist die Aufgabe des Vereins, zu helfen, und er will feine Pflicht gewissenhaft erfüllen. Das Referat des Herrn Lehrer Kaufmann, Tauberbifchofsheim über: „Jüdische Wohltätigkeit einst und fetzt" beleuchtete die Art des Wohltuns nach jüdischer Auffassung von den Zeiten der. Gesetzgebung an bis auf den heutigen Tag. Die Thora befiehlt: Geben ist. Pflicht, denn wir alle sind Kindre Gottes. Die Propheten mahnen: „Helft rechtzeitig, betrachtet euren Glücksteil als Schuldanweisung". In der Diaspora wurde die Wohltätigkeit zum wichtigsten Bestandteil des religiösen Lebens. Kranken- und Waisenhäuser galten als heilige Einrichtung der Gemeinde. Der Talmud gebietet »den Umgang mit Armen unter Vermeidung ihrer Beschämung, In der New zeit ist der Sinn der Zedokoh geblieebn, doch wandelt sie manchmal aus falschen' Bahnen. Es fehlt die persönliche Fühlungnahme, man sucht auf bequeme Art sich des Notleidenden zu entledigen, die Behandlung der Armen ist häufig eine unwürdige. Manamüsiert sich und tanzt zu Gunsten der Hilfsbedürftigen. Der heilige Zweck der Zedokoh kann aber nur mit reinen Mitteln erreicht werden. Bürokratismus. Parteigeist und Strebertum müssen aus dem Wohlfahrtswesen verschwinden'. Der Umgang mit Armen ist eine Kunst. Die Vertrauensleute müssen vorsichtig und umsichtig, diskret und objektiv sein. Das Referat zeugte von wahrem sozialem Verständnis, von demokratischem Sinn und von echt jüdischer Auffassung. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer dankte für den glänzenden Vortrag und eröffnete die freie Aussprache, an der sich folgende Heren beteiligten: Vorsteher und Bezirksältester Louis Frank, Bezirksrabbrner Grsilshsimer, Lehrer Baracker in Mosbach, Lehrer Scheüermann, Großeicholzheim, Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim, Ausschußmitglied Heinrich Goldschmidt in Adels heim und Jacob Oppenheimer, Bruchsal. Sämtliche Redner waren von dem besten Willen beseelt, im Dienste der Nächstenliebe zu wirken. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer schloß die auf hoher geistiger Warte stehende Versammlung mit dem Wunsche, sie möge den Waisen zum Segen werden. R. M. ———— Briefkasten. Wiener Neustadt. Kotteck „Jüdische Geschichte'. Die Woche. Die Einweihung des neuen Friedhofes der Israelitischen Gemeinde." Sonntag 19. Mat wurde der neue Fried Hof. der Israelitischen Gemeinde (Obere Eckenheimerlandstr.) eröffnet. Man hatte kluger Weise die ganze Sache in die Hand der Chewraus gelegt; so gab es keine eigentliche „Zeremonie", sondern die heiligen.Vereine besorgten die Uebersiedlung nach alten geheiligten Traditionen in einer Weihe und Andacht, wie sie dem historischen Ereignis am besten gerecht wurden. Schon um 8 Uhr morgens fanden sich die Mitglieder der heiligen Bruderschaften auf dem alten Friedhofe ein, machten die vorgeschriebenen Hakofaus, verrichteten »eine große Reihe von Pfalmgebeten und auch »eigene für diesen Zweck bestimmte mn'bo und nb'n»-Formeln nach dem alten pw» nya und anderen Ueberlieferungen. Inzwischen hatten sich auf dem neuen Gelände die Kohanim, die sonst nie Gelegenheit haben, solche Pflicht auszuüben, getroffen, um das erste Grab auszuschaufeln. Alle Beteiligten hatten bis Mittag zu fasten». Um 11 Uhr war eine Gemeinde von vielen Hunderten auf dem ne u e n Friedhose versmamelt. Hier ist alles noch unfertig und im Werden. Die Hallen find noch im Bau begrissen und noch nicht benutzbar, doch zeigen jetzt schon die Linien und Ausmaße, wie geräumig und imposant das Ganze gedacht ist. Das ungemein weite Gelände ist zunächst mit hübschen Heckenpslanzne und kleinen Baumanlagen ausgefüW die der weiten Fläche viel von der Oede und Eintönigkeit nehmen. Alles zeigt strenge, schlichte Sachlichkeit. Zu Grabe kam Fräulein Hülsen (eine Schwester von dem besonders um die Erhaltung des alten Friedhofes auf dem Börneplatz viel verdienten Prof. Hülsen). Alles ging dann ohne besondere Feierlichkeit vor sich. Unter freiem Himmel vor der Halle rezitierte Oberkantor G r o tz in zu Herzen gehender Weise das o-nn -nxrv sodann bewegte sich der gewaltige Trauerzug hinter der Bahre bis zum ersten frischen Grabe. Kaddischgebet vor der Halle und die Menge zerstreute sich. Viele gingen dann zum alten Fri-edhof hinüber, wo um 12 Uhr noch eine Beerdigung stattsand. Der alte Friedhof bleibt in Benutzung, soweit noch die Erb- und reservierten Gräber in Betracht kommen. Nach altem Brauch mußte am Sonntag und in der Nacht zu Montag auf dem neuen Friedhof noch gewacht werden, bis am Montag ein zweites Grab zu dem »ersten kam. Lagbeaumerveransiattung der Agudas Jisroel. Am Montag den 27. Mai findet nach Maariw eine Lagbeaumer-Feier der Agudas Jisroel-Jugendgruppe in dem Vereinslokale Schwanenstraße 12, statt. Unsere Mitglieder und Freunde werden hierzu herzlichst eingeladen. Für reichhaltiges Programm ist gesorgt. Näheres wird noch durch Anschlag bekannt gegeben. Agudas 2»sroel-2ugendgruppe. Am Sonntag dm 26. Mat findet eine Radtour seitens der Agudas Jisroel-Jugendgruppe statt. Treffpunkt Sonntag morgen um 6 Uhr am Hauptbahnhof. Abfahrt 6.28 Uhr »nach Eiserne Hand. Karte kostet Mk. 2.90 zuzügl. Badeapparate besonders gut und J preiswert! 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Als besondere Eilgenschaft hat sie , noch den Vorteil, daß sie selbst im härtesten - Wasser ganz heevorr»agen»d schäumt.