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Der Israelit · 1929-05-23 · Heft 21 (23.5.1929) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 21 (23.5.1929)
Date
1929-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 21 Der Israelit 23. Mai 1929 Iewifh Board of Deputies. London, 13. Mai. Der Jewish Board os Deputies hat in seiner Sonntag Abend abgehaltenen Sitzung ein aus 16 Personen bestehendes Komitee gebildet, welches gemeinsam mit dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und den Schatzmeistern des Board of Deputies als Komitee für Palästina-Arbeit fungieren und mit dem »Jewish Agen cy-Komitee der englischen Juden Zusammenarbeiten soll. Der Board of Deputies befaßte sich sodann mit dem Bericht des Joint Foreign Committee, in welchem mit Befriedigung sestgestellt wird, daß der Entwurf der Revision des Statuts des Permanenten Gerichtshofes des Völkerbundes keine den Minderheiten nachteilige Bestimmung enthält. Mit Bezug auf die Pläne einer Kalenderreform beschloß das Joint Foreign Committee eine Schrift zu veröffentlichen, in der autoritative Persönlichkeiten eine Widerlegung jener Flugschriften der Liga für Kalenderresorm bringen sollen, die jüdische Traditionen und Ansichten in falschem Lichte darstellen. Der Board os Deputies beschloß, in der Angelegenheit der gegen den Richter Einer erhobenen Klagen wegen antisemitischer Ausfälle bei Gerichtsverhandlungen eine Aktion zu unternehmen. Richter Cluer, der als Richter im Whitechapel-Distrikt meist Rechtsfälle von Juden zu behandeln hat, ergeht sich während der Verhandlungen bei jeder möglichen Gelegenheit in Schmähungen gegen die. jüdische Gerichtspartei. Der jüdischen Gerichtspartei wirft er. vor, daß sie die Unwahrheit sage, während der Engländer nichts als dis Wahrheit kennt. Mitglieder des Board ersuchten das Präsidium, die Entfernung Cluers aus seinem Amte zu verlangen. Ein Antrag, die Parteiführer vor den Wahlen über ihre Ansichten bezüglich der Fremden-Eesetzge- 4» u n g und der Einschränkung des Wohnrechtes der Ausländer zu befragen, wurde abgelehnt. FeiMliche Eröffnung der Palästina-Ausstellung in London. London, 14. Mai. Am Montag, den 13. Mai, wurde die Palästina- Ausstellung und - Messe, die von einem Komitee mit der Marquise öf Read'mg, Gattin des Er-Vizekönigs von Indien und Führer der Liberalen Partei, an der Spitze, arrangiert worden war, in der Queen's Hall durch einen feierlichen Akt eröffnet. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die Fortschritte) die Palästina seit Uebernahme des Mandates durch England gemacht hat, zu demonstrieren, die Palästina-Industrie zu fördern, den Handel zwischen Palästina und Großbritanien entwickeln'zu helfen und schließlich 25.020, Pfund für den Jüdischen Nationalfonds auszubringen. Es werden neben den reichen Produkten und Jndustrieerzeugnissen Palästinas auch zahlreiche historisch sehr interessante Ausstellungsstücke gezeigt, so g. B. Webereien, die bei den jüngsten Ausgrabungen in Palästina in einer Synagoge in einer Synagoge gesunden wurden und aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert stammen. Der feierliche Eröffnungsakt wurde durch eine große Rede Lord Melchetts eingeleitet, der seiner Freude darüber Ausdruck gab, neben sich auf der Präsidiumstribüne zwei Männer zu wissen, die mit Palästina so eng verknüpft sind: Lord Allen b y und Lord P lumer. Lord Plumer sprach in bewegten Worten von den drei glücklichen Jahreiy die er in Palästina als Oberkommissar verbracht hat; er regte an, daß als Ergebnis der Ausstellung ein ständiges Lager und eine Agentur für die Unterbringung von Palästinawaren in England errichtet werde. Lord A l l e n b y führte aus, er habe wenig mit dem Nationalheim zu tun gehabt, aber er habe wenig mit dem Nationalheim zu tun gehabt, aber er habe das Loch gegraben, in das der Grundstein gelegt wurde. Den Aufschwung brachten Sir Herbert Samuel und Lord Plumer. Er sei überzeugt, daß der gegenwärtige High Commissioner das begonnene gute Werk erfolgreich fortführen werde. Frankreich. Wettverband für jüdischen Selbstschutz. Paris, 10. Mai. Schalonr Schwarzbart und Advokat Eberlein haben einen Aufruf zur Schaffung eines Weltverbandes für jüdischen Selbstschutz gegen Progrome veröffentlicht. In dem . Aufruf wird an die Schrecken der Pogromjahre .1919/1930. erinnert und betont, daß die Auffassung, es könnte eine solche Epoche nicht wiederkehren, falsch sei. Man müsse für alle Fälle gerüstet sein. — Schwarzbart, der mit der Waffe in der Hand die Pogrome nicht abwehrt, sondern nach Jahren rächt, ist u. E. nicht der gegebene Mann für solche Aktionen. Holland. Die Fünftage-Arbeitswoche in Holland. A m st e r d a m, 13. Mai. Zn den Ausführungen in einer der letzten Nummern Ihres Blattes dürfte es die Leser des „Israelit" interessieren zu erfahren, daß das Amsterdamer Rabbin a t schon seit 10 Jahren die Fünftage-Arbeitswoche nachdrücklich propagiert. In den orthodoern Kreisen Hollands würde man es als einen außerordentlichen Segen begrüßen, wenn die Fünftage-Arbeitswoche obligatorisch eingeführt 'werden sollte. So hat ein führendes holländisches Blatt orthodoxer Richtung vorige Woche eine Anregung an die sozialdemokratische Diamantarbeiter-Gewerkschaft gerichtet für die Fünftagewoche einzutreten. Palästina. Tel-Awiw feiert den 20. Geburtstag. I e r u s a l e m, 5. Mai. Auf dem Ausstellungsgelände von Tel-Aviv werfammelte sich am 2. Mai fast die gesamte Einwohnerschaft der Stadt zur Feier des 20. .Jahrestages der Gründung der jüdischen Stadt Tel-Aviv. Der Bürgermeister, Herr Mayer Dizengofs, hielt die Eröffnungsansprache. Nach ihm hielt der Distriktsgouverneur eine Rede in hebräischer Sprache. Es sprachen noch Vertreter der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi, des Keren Hajessod, des Jüdischen Nationalfonds sowie ferner Vertreter der jüdischen Kolonien und der palästinensischen Arbeiterförderition (Histraduth). Den Mittelpunkt der Feier bildete ein Umzug aller in Tel-Aviv Geborenen, die in Gruppen nach dein Geburtsjahr, jede Gruppe mit eigenem Banner, durch die Straßen der Stadt marschierten. Der älteste der Tel-Aviver Jugend hielt im Mittelpunkt der Stadt eine Ansprache, daraufhin händigte ihm der Bürgermeister Dizengofs ein Zertifikat . als dem ersten eingeborenen Bürger von Tel-Aviv aus. Der Oberrabbiner von Tel- Aviv, Uziel, sprach ein Gebet. Ein klagemauer-Alemorandum des Waad Leumi und Agudas Jisroel. I e r u s a l e m , 15. Mai. Der Waad Leumi, die Oberrabiner Kook und Jacob Meir und die palästinensische Agudas Jisroel haben gemeinsam der Palästina-Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem die Einstellung der von den Moslemiten an der Klagemausr vorgenommenen Banarbeiten, die eine eklatante Verletzung des Status quo bedeuten, gefordert wird. In dem Memorandum wird festgestellt, daß die an der Klagemauer rechts gebaute Moschee einen direkten Zugang zur Omar-Moschee an der Klage,nauer vorbei schasst. Personalien. Rabbi Gedalja Beer Holleschau, 15. Mai. Am vergangenenrri Nissan, stand die altehrwürdige Gemeinde Holleschau an der Bahre ihres im Greifenalter von 84 Jahren dahingegangenen Ehrenpräsidenten R. Gedalja Beer. Die tiefe Trauer ob des Hinscheidens dieses hochverdienten Mannes war nur allzuberechtigt, denn mit dem Hintritt dieses rix ist der Glanz und die Pracht dieser alten jüdischen Gemeinde geschwunden, dieser Gemeinde, die die Wirkungsstätte eines und vieler anderer nh-ni ll'.irn von jeher war.. R. Gedalja Beer gehörte noch zu den Ausläufern jener 'bw und B'p'ix, an denen Mähren einst so reich, war; er war in diesem so thoraarmen Zeitalter einer der Von seinen frommen Eltern nm-rn min- ’ana bv erzogen, hat er sich nnmh rmnn nan« bis in feine naiv na-s bewahrt. Als vielbeschäftigter Großindustrieller war er t^ny ynip mmV und hatte täglich seinennivv gelernt. Er war eifriges aktives Mitglied der ri-un v"v- Seine geschwächte Sehkraft zwang ihn dazu, um dem Gebote runi Nachkommen zu können, sich einen Hausrebben zu halten, dev ihm täglich Schiurvortrag hielt. Sein wohltätiges Wirten im Allgemeinen und für '"k im Besonderen war weit und breit bekannt. Den allgemein menschlichen Tugenden gesellte sich eine ungemein große Verehrung alles traditionell Jüdischen hinzu, für dessen« Erhaltung er auch materielle Opfer zu bringen wußte. Ms" vor Jahren die Gemeinde gezwungen war, die tausend Jahre alle Schachschul äüszulassen und ein. neues Gotteshaus zu errichten, spendete er zu dem Bau desselben eine namhafte Summe,' knüpfte aber daran die Bedingung, daß der Wmemor irna in die Mitte der Synagoge gestellt werde, — was auch geschah. 35 Jahve lang war er Vorsteher der Kultusgemeinde und ist es ihm allein zu danken«, daß Holleschau, in rühmlichem Gegensatz zu den allermeisten Gemeinden Mährens, noch in jüdisch-traditionellem Geiste geführt wird. Die Verehrung, die «dem verdienstvollen Manu«e allseitig entgegengebracht wurde, kam auch in dem imposanten Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Sein Name wird zum Segen genannt werden-. rraxan. Hami.-Alünden, 16. Mai. Auf eine 40jährige Tätigkeit als Lehrer und Kultusbeamter konnte Herr Lehrer Theodor W e r t heim dahier' am 1. Mat zurückblicken«. Er ist schon 35 Jahre in« der hiesigen, Gemeinde tätig und unterrichtet bereits die Kinder feiner früheren Schüler. Fritzlar. 16. Mai. Die älteste EiuwohnierM unserer Stadt, Frau Amalie Lö wenstein, die erst im Dezember v. Js. ihren 90. Geburtstag« begehen konnte, wurde am Dienstag zu Grabe getragen. n"axm- Salmünster. 13. Mai. Die h«iefige Gemeinde beklagt den Heimgang eines ihrer beliebtesten Gemeindemitglieder. Moses Grünebaum ist nach schmerzhaftem Krankenlager im Alter von, S7 Jahren gestorben«. Er war aufrechter Jehudi altenguten Schlages. Der Verewigte hat sich in «langen Jahren innerhalb unserer Gemeinde und weit darüber hinaus viel Freundschaft und Verehrung -erworben. Er war überall angesehen und beliebt.' Ein großer Trauerzug gab ihm das letzte Geleite. Wir beklagen herzlichst den Heimgang dieses braven Mannes und versichern ihm ein ehrenvolles Gedenken, masm- Frielendorf, 15. Mai. In seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische feierte am 16. Mai Herr G-erson Moses feinen 70. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich sowohl in Mischen« wie in christlichen Kreisen größter Achtung und Beliebtheit. Seit vielen Jahren« ist er «in seiner Eigenschaft -als Rendant Mitglied des Vorlandes der hiesigen Israelitischen G«emeinde. Tiefinnerliche Frömmigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit, verbunden mit seltener Herzensgüte, unb-edin«gte Redlichkeit und Ehrlichkeit im Handel und Wandel zieren den Charakter des Jubilars. Mit größer Verehrung sehen Verwandte, Freunde -und feine Gemeinde zu ihm hinauf und wünschen ihm einen weiterenfrohen Lebensabend. Dieburg, 15. Mai. Sanft wie ihr ganzes Wesen war, hat eine der ältesten, Frauen der Religionsgefellschast Mainz, Frau Sara Koch, ihre Augen für immer geschlossen-. Schmerzlos schlummerte sie hinüber in jene Gefilde, in denen ewi«ger Frieden herrscht. m? trug man sie zu Grabe. — Abhold allen geräuschvollen Ehrungen, lebte sie auch im höchsten Alter nur der Pflichterfüllung und in ihrer Eigenschaft als Vorsteherinder man erwarb sie sich, die 85jährige Greisin, unsterbliche Verdienste! Aus einem vorbildlich frommen, echt jüdischen Hause stammend, in dem man Großspurigkeit und Selbstüberhebung nicht kannte, hat sie Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit von da mit ins Leben genommen und iDT, jr&’rn und Gastfreundschaft allzeit vorbildlich betätigt. ■ Solche Gestalten sind selten und wenn« eine aus der Mitte ihrer Familie, aus ihrer Gemeinde herausgerissen wird, so bleibt die Lücke -unausfüllbar. n"ax3n. A. L. Vurgpreppach, 16. Mai. Am 14. Jjar feiert der in allen Kreisen beliebte Herr Moses N e u m a tt tt s. G. m.r seinen 8 0. (Beb urtstag. Herr Neumann ist als bnm weit über unfern Ort hinaus bekannt und hat als solcher an vielen Knaben den mia vollzogen. Schwere Schicksalsschläge sind ihm..nicht erspart geblieben: Schon vor 25 Jahren starb seine fromme Lebensgefährtin, in den ersten Wochen des Weltkrieges ein braver Sohn, der die Stütze fein-es Alters werdensollte, vor wenigen Jahren noch ein bereits verheirateter Sohn. Aber all das trug er in der ihn auszeichnenden Frömmigkeit als Schickungen Gottes in unerschütterlicher Ergebung in Seinen heiligen Willen. Herr Reumann war viele Jahre hindurch der Vorsitzende des Rabbinats-Distriktsausfchusses und Mitglied des Kuratoriumsder Talmud Thora-Präparandenschule Vurgpreppach, der eine große Zahl von Lehrern«, «die heute an führen'der Stellung sähen, die Vorbildung für das Seminar verdankt. So werden dem Jubilar sicherlich von vielen Seiten Glückwünsche zugehen, denen wir uns unsererseits von Herzen anschliehen. ' ms? Q-ns?i?i nsa tjr Wochenkalender. v. 25. Mai bis 1. Juni 1929 / v. 15. - 22. Jjar 5689 Samstag 25 15 ~T i?13 * nur Sonntag 26 16 K '■;; Montag 27 17/ •>2& n’jyn Dienstag 28 18 Mittwoch Mai 29 19 Donnerstag 30 20 Freitag 31 21 Samstag Sun 1 22 'il pts

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