Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-05-23 · Heft 21 (23.5.1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 21 (23.5.1929)
Date
1929-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450568--76002-2533554
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 Nr. 21 Der Israelit 23. Mai 1929 tritt drohte, gelungen, den Vorstand zur Ablehnung dieses Postens zu bewegen, trotzdem man ihm in jeder Weise entgegengekommen ist, und die Wortführer der Kon servatwen Partei ausdrücklich erklärten, daß die Bewilli gung der verlangten Erträge keineswegs eine prinzipielle Anerkennung der Konfessionsschule bedeuten sollten. Der Wortführer der liberalen Mehrheit betonte demgegenüber wieder das segensreiche Wirken der sogen. Emanzipation die die jüdischen Kinder in die allgemeinen Schulen hinein (und damit aus der jüdischen Erziehung heraus) geführt hätten, welcher angebliche Fortschritt nicht rückgängig gemacht werden dürfe. Er beklagte auch die immer zu nehmende Zahl der Abmeldungen von dem Religions unterricht in den öffentlichen Schulen, wodurch dieser auf das schwerste geschädigt werde. Daß dreier sogen. Reli gionsunterricht ungenügend ist und ungenügend bleiben muh, beliebte der Herr Rechtsanwalt natürlich nicht ein zusehen. Nebenbei kam in diesen auherordentlich inter essanten Debatten auch zutage, dah sich l e i st u n g s st a r k e Gemeindemilglieder mit dem Ersuchen an die Gemeinde gewandt hätten, ihre Beiträge zu ermätzigen widrigenfalls sie aus der Gemeinde oder aus dem Judentum austreten würden. (Ein Austritt aus der Gemeinde ohne Austritt aus dem Judentum ist in Bayern nicht möglich.) Solch? Ansprüche wurden natürlich energisch, und nicht nur von konservativer Seite, zurückgewiesen, aber sie sind für die Lage, und für die Auffassung gewisser Kresse höchst bezeichnend. Am 15. Mai fand eine ziemlich gutbesuchte Der sammlung des Bayrischen Siedlungsausschusses statt, in der Herr Rittergutsbesitzer Masse aus Stangenhagen bei Berlin übe,r Berufsumschichtung und Siedlung sprach Der Redner betonte die Notwendigkeit, die Juden zur Landwirtschaft zurückzuführen, und erzählte, dah die Er Werbung eines Lehrgutes in der letzten Minute an dem Mangel bereiter Kapitalien gescheitert sei. Anscheinend ist die Erwerbung dadurch sabotiert worden, dah ein Gut achten nicht erlangt werden konnte, das die jüdische Gemeinde Berlin als Unterlage für die Gewährung eines Darlehens gefordert hatte. Der Redner betonte die Notwendigkeit, einen Fonds von 2—300 000 Mark msizubringen, auf Grund dessen das Reich Darlehen zu Siedlungszwecken in Höhe von 2 Millionen Mark bewilligen würde. Ob bei den Versuchen, Juden in der Landwirtschaft sehhaft zu machen, solche Sabotageakte nicht auch ferner zu befürchten sind, darüber lieh sich der Redner nicht aus. Die Hauptrede, hielt Herr Dr .I. Eutmann von hier, der unter Anführung eines grohen statistischen Materials die Notwendigkeit der Berufsumschichtung aus Landwirtschaft und Handwerk nachwies, die volle Eignung der Juden zur Landwirtschaft betonte und sogar die Wiederaufrichtung der jüdischen Gemeinden auf dem Lande erhoffte. Von den vielen Schwierigkeiten, die sich den gewiß durchaus löblichen Absichten entgegenstellen, war in dieser Propagandaversammlung natürlich keine Rede. Auch die übrigen Redner, sowohl von liberaler wie von zionistischer Seite, empfahlen die Absichten des Siedlungsausschufsts auf das Beste. Ein praktischer Landwirt betonte, dah er mit jüdischen Angestellten immer die besten Erfahrungen gemacht habe, und beklagte, dah die Ellern jungex Leute, die Interesse für Landwirtschaft hätten, diesem Streben immer abgeneigt seien, statt es zu unterstützen. Im Bayrischen Landtage kam am 17. d. M. wieder einmal die Schächtfrage, zur Sprache. Nationalsozialisten und Deutschnationale verlangten die Vorlage des längst fertiggestellten Gesetzes über die obligatorische Betäubung der Schächttiere. Die Regierung lieh erklären, dah das Gesetz noch einmal im Ministerrat besprochen werden müsse, und dah die elektrische Betäubung nach dem jetzigen Stand der Angelegenheit geeignet erscheine. Jedoch hätten sich Zweifel ergeben, ob die Anwendung der Elektrizität eine Betäubung oder eine Lähmung erzzeuge, in welch letzterem Falle sie nach Meinung der jüdischen Sachverständigen unzulässig sei. Es seien weiter Versuche eingeleitet, deren Ergebnis noch ausstehe. Da der Vertreter der Bayrischen Volkspartei den Wunsch aussprach, auch das Ergebnis dieser Versuche noch abzuwarten, und die Sozialdemokraten erklärten, über die Sache noch einmal Fraktionsberatung halten zu müssen, so wurde die Beschluhfassung über die Eingaben der Tierschutzvereine, die diese Debatten veranlaßt hatten, ausgesetzt. In diesem Zusammenhänge ist es nicht ohne Interesse, daran zu erinnern, dah in einer Debatte, die vor einiger Zeit im Stadtrat über die gleiche Angelegenheit stattfand, einer der Stadträte äußerte, er würde das Schächten lieber heute als morgen verbieten,. jedoch sei der Stadtrat Versammlung der Persönlichkeiten, die sich für Sabbath hierfür nicht zuständig. Und dieser Stadtrat gehört nicht zu den Nationalsozialisten. Die Woche. Berlin. Professor Mbierk Ei n st ei n hat vor einigen Tagen einen Brief an ö-en- Oberbürgermeister von Berlin, Böß, gerichtet, in dem er mitteikt, daß er angesichts der jüngsten Vorkommnisse je g Iiches G efchenk der St adt B e r l i n a b k e h n >e n muffe; er bitte, Weisung zu erteilen, alle Bemühungen um die Beschaffung eines Ruhesitzes für ihn einzustellen. — Vor der Abstimmung im- Reichstagsplenum über die Reichsanleihe mußte sich der Reichstag noch mit einem Antrag der Natiönalfozialisten über „Enteignung der Bank- und Börsen fürsten, der Ostjuden und sonstigen Fremdstämmigen" befassen. Der Antrag wurde mit 382 gegen 8 Stimmen bei einer Enthaltung ab-ge lehnt. Paris. Aus Anlaß des Jahrestages der Schlacht von Carency im Jahre 1915 fand in der überfüllten Synagoge Turnelle -ein Geben kgot-tes dienst statt. Die Teilnehmer bega-ben sich dann unter Vorantragnngder mit Trauerflor umwundenen blau-weiß-roten Bundesfahne mit Daoidsschild. zum Grabe des unbekannten Soldaten am Triumphbogen, wo das heilige Licht angezündet wurde. Jerusalem. Während der Anlage des Kolonisationswerkes in Ti-berias wurde eine neue Springquelle entdeckt. die im Gegensatz zu den bisherigen Spr-in-gquellenkalt ist, aber heilende Salze enthält. Die wissenschaftliche Untersuchungder neuen Quelle ist noch nicht -abgeschlossen. — Die Regierung Palästinas hat dem Ersuchen der Zionistischen Exekutive wegen- Gewährung von 2400 Einwondererzert-ifikaten. für Chaluzirn für die Zeit von April bis Oktober 1929 stattgegeben. kischinew. In Jekaterinoslaw verstarb Dr. Bernstein-Eogan-, einer der Organisatoren des Zionismus i>n Rußland, besonders in Betzarabi-en. Konstantinopel. Der jüdische Journalist Samuel Halevy aus Belgrad ist aus der Türkei ausgewi-esen und an die Grenze abgeschoben worden, weil er Berichte über Judenverfolgungen in d-er Türkei ins Ausland schickte. Wien. Der Landesrabbiner von Steiermark, UmversMtsprofeffor Dr. David Herzog in Graz, wurde ln Anerkennung feiner Verdienste für die Stadt zum Ehrenbür g e r von Graz ernannt. Wilna. Das Städtchen I w i e bei- Wilna istvollständig ab gebrannt. 500 jüdische Familiensind -ohne Brot und Obdach. Sämtliche Geschäfte und Kramläden wurden mitsamt ihrer Warenauslagen ein Raub der Flammen. Budapest. Das vor kurzem erschienene un - ga rif ch - jüdische Lexikon, in bem, wie schon berichtet, die aus dem Judentum ausgetretenen Künstler -und Politiker mit einem Zeichen v-ersehen sind, wurde auf Betreiben der Personen-, die sich da-durch verletzt fühlten, von der Behörde beschlaginahmt. Posen. Auf der Allgemeinen- Landesausstellung in Posen ist ein jüdischer m e d i z i n i s ch -er P -a v i l l o n ei ngeri chtet, der die Leistungen und Erfolge der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden i n Polen veranschaulicht. Moskau. Die Synagoge in Chabarowsk im Fernen Osten, die 1904 von jüdischen- Soldaten des russisch-japanischen Krieges erbaut -wurde, ist -in ein Museum für proletarische Kunst umgewanöelt worden. Reivyock. Unter der Beschuldigung, den jüdischen Friedhof zu Cleoeland geschändet zu haben-, wurden drei- Personen verhaftet, vondenen zwei bereits ein Geständnis abgelegt haben. Sie werden dem- Gericht überantwortet werden-. Die Polizei gibt die Ramien der Verhafteten -nicht an, sondern teilt nur mit, daß es sich um -einen Polen, einen- Slowaken und -einen Deutschen handelt. — Auf einer jüdischen Versammlung wurde mitgeteilt, daß ein -anonymer Herr, ein Katholik, 200 000 Dollar für die Errichtung einer jüdischen Universität in Rewyork gestiftet habe. — Unter den 125 Todesopfern bei der Explosion in der Klinik von Cleve l a n, d befinden sich sieben- Juden, davon zwei Aerzte. schütz einsetzen, abgehalten, in der die Frage der Schaffung einer zentralen Organisation der Schomre Schabbos und deren Anschluß an den Weltverband der Schomre Schabbos in Berlin behandelt und' entsprechende Beschlüsse gefaßt wurden. Es wurde Ein Komitee aus 18 Persönlichkeiten (vier Rabbinatsmitglieder, vier Chassidim- Rabbis, fünf Gemeinderäte und fünf Mitglieder der Gruppe Schomre Schabbos) eingesetzt, um eine zentrale Organisation der Schomre Schabbos für ganz Polen zu schaffen. Unglaublicher Ueberfall jüdischer Kommunisten auf eine Synagoge. , Lemberg, 13. Mai. In dem Städtchen Ustrzyki-Dolne, in der Nähe von Sambor drang abends ein Trupp jüdischer Kommunisten in das städtische Bet- und Lehrhaus, wo Bachurim dem Talmud-Studium oblagen, und veranstalteten einen regelrechten Pogrom. Die Bachurim wurden blutig geschlagen und hinausgeworfen, die Inneneinrichtung wurde zerstört. Die Sifre Thora wurden aus dem Oraun Kaudefch heraus- Aus den Bücherschränken wurden die religiösen Bücher herausgeholt, zerissen und angezündet. Um den Scheiterhaufen herunr standen die Kommunisten, sangen die. Internationale und schlossen mit den Rusen: „Nieder mit der Religion, nieder mit der Sklaverei, es lebe die Freiheit!" Am Morgen darauf versammelte der Rabbiner die Gemeinde in dem zerstörten Lehr- und Bethaus und veranstaltete einen Hefped, wobei er gegen die Schänder den religiösen Fluch aus der ., T o ch a ch a h " sprach. Heute, Montag, wurde ein Gemeindefasttag abgehalten. In ganz Galhien herrscht große Erbitterung gegen die kommunistischen Schänder. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. (ITA.) Ein hebräisches Journal in Galizien. L e m b e r g , 17. Mai. Eine Gruppe gesetzestreuer Journalisten und Schriftsteller hat sich zusammengetan, um unter dem Namen wa' eine hebräische Zeitschrift herauszugeben, die die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Interessen der galizischen Judenheit vertreten wird. Die erschienene erste Nuinmer zeigt hohes Niveau. Neben Programmartikeln über die Ziele und Richtlinien der Zeitschrift finden wir talmudjsche, wissenschaftliche und bellestristische Beiträge von bekannten Namen. Als Mitarbeiter präsentieren sich uns im ersten Hefte Dr. M. Birnbaum, S. Schapiro, M. Leiter, Rabb. T. I. Guttentag, Rabb. M. I. Guttmann, S. Nadler, A. M. Ehrlich und S. D. Meisels. Wir wünschen unserem Bruderorgan in Galizien gutes Gedeihen. Krakauer Brief. Krakau, 20. Mai. Die Krakauer Judenheit steht im Zeichen der kommenden Kehilawahlen, und es ist gelungen, sämtliche religiösen Gruppen auf einer Basis zusammenzuführen. Einige Abseitsstehende werden an dem grohen religiösen Block nichts mehr ändern. Der gesetzestreuen Judenheit in Krakau bietet sich mit dieser Einheitsfront eine herrliche Perspektive. Man darf hoffen, daß die Herrschaft der nationalen und liberalen Parteien in der Gemeindeverwaltung ihr Ende erreicht hat. Es sind für die Wahlen 18 Listen aufgestellt. Aus der orthodoxen Liste stehen 49 Kandidaten, darunter bekannte Namen von bestem Klange. Die offizielle Liste hat Raphael Landau, den bisherigen Präses, als Spitzenkandidaten. Zu der orthodoern Liste kommen noch einige Kandidaten der unparteiischen Orthodoxie. Man darf dem Ausgang der Wahlen mit bester Hoffnung entgegensehen. Mit Sommerbeginn strömten viele Talmudjünger hierher, um in der Jeschiwa, i-rrnV' uinon, die von den Ezorikower, Bojaner und Husjatiner Ehasidim erhalten wird, zu lernen. Neben dieser alten Jeschiwa geht der bekannte Rabbi Meier Nappaport daran, eine neue große Jeschiwa unter dem Namen *>n«3 -n»a zu gründen und findet mit seinem Plane viel Sympathie und Unterstützung. Nicht ohne Bedeutung ist der Beschluß, den Daf- Jomi, der bisher täglich in privaten Zirkeln gelernt Polen. Ein Zentralkomitee der Schomre Schabbos für! wurde, nunmehr offiziell abzuhalten. Er wird jetzt tag ganz Polen. I lich in Bis-Hamidrafch N41VX '42 unter großer Be- Warschau, 10. Mai. I teiligung vorgetragen. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Abgeordneter Farbstein, wurde abermals eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.