Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1929)
- Date
- 1929-05-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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23. Mai 1929 De r Israelit Nr. 21 Seile 5 G. Ä. der Gefamt-Aguda, der allerdings weniger TatfachöNlmaterial als nachdrückliche Mahnungen an die deutsche Aguda zu pflichtgemäßer Rücksichtnahme auf die Anschauungen anderer Länder enthielt. Einen durch starke Selbstkritik und weitgehende Nüchternheit ausfallenden Bericht erstattete Wolf S. Jacob so n - Hamburg namens des Hamburger Vorortes, der mit der Lethargie und^dem lokalen Egoismus der Ortsgruppen scharf abrechnete. ^Für die Jugendorganisation berichtete S ch n e r b - Frankfurt a. M., der die Bitte aussprach, das Problem Esra-Aguda diesmal unerörtert zu lasten. Starken Eindruck machte das Referat Dr. Mofes Auerbach- Berlin für die Palästina-Zentrale. Es wurde beschlossen, das Referat im Wortlaut dem Drucke zu übergeben. Den Schluß der Berichte bildet ein Referat Hermann Schwab- Halberstadt über die erfreulicher Weise trotz aller Schwierigkeiten erfolgreich fortgeführten Arbeit des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. Nachdem die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, begannen die internen Beratungen der Delegierten. Die Generaldebatte, die am Sonntag bis in die spaten Abendstunden hinein sortgeführt wurde, war von zwei Gegenständen beherrscht: der m den „Blättern" stark vorbereiteten Diskussion über den § 4 der Satzungen, und der damit im Zusammenhang gehenden Betätigung der Gemeindeorthodoxie innerhalb der deutschen Agudas Jisroel sowie ferner von den Fragen der A n g e st e l l t e n b e w e g u n g und Stellenvermittlung. An der Debatte nahmen die Herren: Rechtsanwalt K l i b a n s k y- Frankfurt, Strauß -Halberstadt, Dr. D e u t s chl ä n d e x - Wien, Joel Sänger- Frankfurt, Dr. Moses Auerbach- Berlin, Dr. M ö l l e r - Altona, Rabbiner Dr. U nna - Mannheim, und Wolf I a c o b f o n - Hamburg teil. Vor Schluß wurden mehrere Kommissionen gewählt, unter anderen auch eine solche für die Vorbereitung von AbänderungsvorschlägM zu 8 4- Die M o n t a g s s i tz u n g wurde eingeleitet durch ein ausführliches Referat des stellvertretenden Vorsitzenden der deutschen Landesorganisation, Herrn Dr. L. Schl e s i n g e r - Hamburg über die „ Pro b l e m e der K e n e s s i o G edaulo". Der anregende und gründliche Vortrag verbreitete sich über die gesamte Tagesordnung der K. G. und betrachtete die einschlägigein Probleme insbesondere unter dem Gesichtspunkte der deutschen Aguda. Redner wünschte vor allem den frühzeitigen Zusammentritt der Arbeitsk o m m i s s i o n e n zur Vorbereitung des Materials für die K. G. Im Anschluß an das Schlesinger'sche Referat ergriff Dr. Pinchas Kohn- Wien zu grundsätzlichen Ausführungen das Wort, die, gestützt auf den Ansturm gegen § 4, starken Pessimismus hinsichtlich der Anerkennung des Selbständigkeitsgedankens innerhalb der deutschen Orthodoxie atmeten. Ihm trat R o s e n h e i m - Frankfurt mit dem Bekenntnis entgegen, daß er gerade in der Wendung des Selbständigkeitsgedankens ausdem bloß Lokalen und daher naturgemäß auf starke Hemmungen Stoßenden ins Eesamtjüdische, wie sie der Agudagedanke bedeute, die Gewähr für den endlichen Sieg der Idee von der Souveränität des Gottesgesetzes im jüdischen Volke, erblicke. Je weitherziger Agudas Jisroel ihre Tore öffne, und fe mehr Vertrauen sie jedem entgegenbrr'nge, der ihren Grundgedanken prinzipiell bejaht, desto sicherer werde sie eines Tages alle gesetzestreuen Juden für die Idee der Thora-Gemeinschaft in ihrer Reinheit, auch in den Emzelgemeinden, gewinnen. Dr. Eli Munt-Berlin gab eine der Klärung außerordentlich dienliche geschickte Gegenüberstellung der von Kohn und Rosenheim vorgetragenen Ideen. Von der einen Seite ergriffen die Herren Dr. G hrm an n und Rabb. Dr. B r es l au e r - Fückh das Wort, um vor jeder Abschwächung; der Tendenz des 8 4 zu warnen, auch wenn man den Wortlaut ändern sollte, weil man die Konsequenzen nicht voraussehen könne. Von der anderen Seite sprachen Rechtsanwalt Klio a n s k y und Rabb. Unna- Mannheim. Elfterer trat der Auffassung entgegen, als ob feine gemeindeorthodore Anschauung ihn etwa verhindere, für den Selbständigkeitsgedanken beim Neuaufbau beispielsweise in Erez Jisroel einzutreten. Man könne die Einzelgemeinde mit ihren alten historischen Gegebenheiten nicht in Vergleich stellen zu der Weltorthodorie in Erez Jisroel und der Diaspora. Die Gemeindeorthodorie werde, wenn sie in k>er Aguda mitarbeite, diese ebensowenig zur Preisgabe ihrer Selbständigkeit zu bewegen versuchen,wie sie andererseits sich in ihren gemeindepoliliHen Ueberzeugungen durch die Aguda beirren lassen werde. Die Vormittagssitzung dauerte bis gegen 3 Uhr. Nach VMndiger Pause trat man in die Beratung der Anträge ein. Die Wiedergabe der zahlreichen angenommenen Beschlüsse muß dem ausführlichen Berichte Vorbehalten bleiben. Die Diskussion über den § 4 spitzte sich schließlich dahin zu, daß die Mehrheit im Sinne des Kommissionsantrages alle Beschränkungen Hins ch lich der Angehörigen fremder Organisationen fallen gelassen sehen,. dagegen dem rabbinischen Rate jedes Landes im Streitfälle das Recht zugestehen wollte, einen vorgeschlagenen Kandidaten seines Landes von der Wahl auszuschließen, um auf diese Weise der von Dr. Ehrmann und Dr. Breslauer vertretenen Ansicht entgegenzukommen. Dem wurde von Dr. Schlesinger das Bedenken entgegengehalten, daß damit dem rabbinischen Rate ein unmögliches Odium hinsichtlich der Bewertung von Einzelpersonen zugeschoben werde. Rabb. Dr. Breslauer legt alsdann einen Antrag vor, wonach von den in die zentralen Organe zu Wählenden ein Bekenntnis zur Selbständigkeit der organisierten Welt-Orlhodorie verlangt werden solle. Rach längeren Reden von Dr. Robert W e i ß und Jacob Landau wurde schließlich eine Resolution vorgelegt, die die gänzliche Streichung der umstrittenen Teile des 8 4 fordert und im Sinne des Antrages Breslauer dem Wahlkörper die individuelle Beurteilung der vorgeschlagenen Kandidaten vom Standpunkte des agudistifchen Prinzipes zur Pflicht macht. Die folgende Resolution wurde, und zwar der letzte Abschnitt e t n st t mmig — unter Stimmenthaltung der Mitglieder des G. A. — angenommen: „Der Leipziger Delegierientag der Deutschen Landesorganisation der A. I. ist der Ueberzeugung, daß eine Revision der Satzungen der Weltorganisation zu den wesentlichen Aufgaben der kommenden K. G. gehört. Die Bestimmungen des § 4 über die Wählbarkeit in die zentralen Verwaltungsorgane der A. I. entsprechen, in der Auslegung, die sie gefunden haben, weder dem Wesen, noch dem Zwecke einer Golus- Organisation im Dienste der Gesamtheit des thoratreuen jüdischen Volkes. Die Beseitigung dieser Bestimnkungen durch die K. G. erscheint dem Delegiertentag als Notwendigkeit für die Erhaltung und Erweiterung der gesamten Aguda, insbesondere aber der deutschen Landesorganisation. Der Delegiertentag empfiehlt die Abänderung von § 4, Abs. 3 u. 4, in dem Sinne, baß die Wählbarkeit aller Agudisten gesichert wird, die den Anforderungen des § 4, Abs. 2, entsprechen und von denen die gewissenhafte Wahrung der Selbständigkeit der Agudas Jisroel zu erwarten ist." Bemerkenswert find von den ferner angenommenen Resolutionen besonders noch die folgenden: 1. Der Delegiertentag begrüßt die Gründung des Angestelltenbundes „Agudas Jisroel" und billigt sein Programm. Der D. T. erwartet von den Mitgliedern der Ortsgruppen und Jugendgruppen, daß sie die Arbeiten des Bundes aufs stärkste fördern. 2. Der Delegiertentag appelliert an die Berliner Agudisten, dahin zu wirken, daß die in Bildung begriffene Angestelllengruppe . des Vereins für Stellenvermittlung Schomre Schabbos in Berlin sich korporativ dem Angestelltenbubd Agudas Jisroel.. anschließe. 3. Der Delegiertentag spricht der politischen Leitung der A. J.-Weltorganisation Dank und Anerkennung für die in Erez Jisroel begonnene Organisation der Orthodorie aus und versichert die dortigen Gesinnungsgenossen ihrer wärmsten Sympathie. Er fordert die Aqudaleitung auf. Jede Zersplitterung der agudistischen Kreise in Erez Jisroel zu verhüten und für den Aufbau einer einheitlichen gesetzestreuen Gemeinschaft zu sorgen. Am Montag Abend fand in überfülltem Saale eine öffentliche Kundgebung statt, deren Mittelpunkt ein groß angelegtes, stürmische Beifallssalven auslösendes. Referat des als Gast anwesenden Führers der polnischen Agudas Jisroel, Herrn Oberrabbiner Schapiro aus P i o t r - k o w über „die jüdische Erziehung im Osten" bildete. Zum Schluffe richtete Herr Jacob R o - senheim einige Worte an die Versammlung. Die Kundgebung bildete einen würdigen Abschluß des Delegiertentages. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 16. Mai. Am „Rabbinerseminar zu Berlin" hat der Eröffnung des Sommersemesters am Montag, den 6. Mai, in Anwesenheit der gegenwärtigen und ehemaligen Schüler in der üblichen Weise stattgesunden. Den Eröfsnungsvortrag hielt der Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Herr Dr. Josef Wohlgemuth, über das Thema „Moses Mendelssohn und das thoratreue. Judentum". Hieran schloß er warme Worte der Begrüßung an den als Gast erschienenen Oberrabbiner Pros Dr. Landau aus Johünnisburg (Südafrika) und an die neu eingetretenen Hörer. Neu ausgenommen wurden acht ordentliche Hörer (fünf Deutsche, zwei Ungarn und ein Rumäne), die sämtlich im Besitz eines Reifezeugnisses sind. Am Montag, den 12. Mai, hielt Herr Doz. Dr. I. Weinberg einen halachischen Vortrag als Einleitung zu seinen Talmudvorlesungen unter reger Beteiligung gegenwärtiger und ehemaliger Hörer, sowie anderer bedeutender talmudischer Gelehrten. Der Preußische Landtag genehmigt die Positionen für die jüdischen Gemeinden. Berlin, 17. Mai. Der preußische Landtag hat am 16. Mai abends den Etat des Preußischen Kultusministeriums angenommen. Der Etat schließt die folgenden Positionen ein: „Beihilfen an leistungsschwache Synazogengemeinden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht 400 000 Mark. Widerrufliche BedüJniszufchüsse an Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner und zur Versorgung ihrer Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen ihrer Rabbiner 200 000 Mark." Die Verteilung obliegt bekanntlich den beiden preußischen Landesverbänden jüdischer Gemeinden. Wettverband der jüdischen Handwerker. Berlin, 20. Mai. Die Gründungsversammlung des Weltverbandes jüdischer Handwerker, verbunden mit der Hauptvorstandssitzung, wird am 26. und 27. Mai 1929 in Beuthen (O.-Schl.), Kaisersaal, Bahnhofstraße 34, stattfinden. Am Sonntag, den 26. Mai, vorm. 10,30 Uhr, wird der offizielle Festakt vor sich gehen. Äm Montag, den 27. Mai 1929, vorm. 9 Uhr, findet die Gründungs- und Arbeits-Sitzung statt. ‘ *' Münchener Brief. Munch en , 16. Mai. ' Zu Ihrem letzten Bericht über die Etatsberatung der hiesigen Kultusgemeinde wäre noch nachzutragen, daß die Gemeindevertretung zwar die Zuschüsse fiir die von dem Verein Ohel Jakob unterhaltene jüdische Volksschule genehmigt hat, daß aber der Vorstand diesem Beschlüsse nicht beigetreten ist. Wie man hört, ist es dem liberalen Mitglieds des Vorstandes, der mit seinem Rück- Die v _y Markender Tangermüftder Schokolade rcföbrjk, * vH-1