Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1929)
- Date
- 1929-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 21 Der Israelit 23. Mai 1929 reichte. Aus der großen Reihe von Vorträgen, Standpunkt geäußert hat und der von dem Koninteressiert uns Juden in erster Linie dasjenige, greß gebilligt wurde, was über das Schächten gesagt wurde, zumal im Leiderhat die Tagung des Jnternationalön Programm ein Vortrag des Schlachthofdirektors Tierschutz-Kongresses überhaupt in der Schechita Dr. Klein (Lennep) angekündigt war, der seit Frage eine nicht objektive Stellung eingenom Jahren einen Kampf gegen das rituelle Schlachmen. Bei Gelegenheiten, die es durchaus nicht ten führt. erforderten, haben Redner sich feindlich und ge Die Juden sind, wie selbst Gegner und Feinde hässig geäußert. Herr Professor Johannes Ude zugeben, die einzige Religionsgemeinschaft und (Graz), der über „Alkoholismus und Tierschutz das einzige Volk der Welt, das in einem Altersprach, benützte diese Gelegenheit, was man von tum, in welchem sonst nirgendwo von einem durch ihm nicht hat erwarten können, zu einem gehäs das Religionsgesetz gebotenen Tierschutz die Rede sigen Ausfall. Er wurde in einer halbstündigen war, in seiner schriftlichen und mündlichen Lehre Unterredung, welche Rabbiner Dr. Feuchtwang weitgehende Maßregeln zum Tierschutz getroffen j mit ihm hatte, auf sein Unrecht und auf die Ge hatte. Das hat im Kongresse auch Rabbiner Ell guther (Delegierter des Vereins für Natur- und Tierschutz in Neiße) in einem Referate schön dargestellt. Es braucht weder gesagt noch bewiesen zu werden, daß „Zaar baale Chajim", „Quälerei lebender Wesen" ein strenges religiöses Verbot der Juden war und ist. Die Religion der Menschenliebe, die das große Gesetz der Liebe zum Mitmenschenin dem unsterblichen Satz gefaßt hat: „Liebe deinen Mitmenschen! wie dich selbst sährlichkeit seiner Aeußerungen hingewiesein und versprach, etwa publizistischen Mißbrauch oder feindliche Ausbeutung seiner Worte richtig zu stellen. Im Mittelpunkte der Verhandlungen über!die Schechitafrage stand der Filmvortrag des >Herrn Dr. Klein: „Sind geschlichtete Tiere sofort nach dem Schlachten bewußtlos? Der vorgeführte Film zeigte Schlachtungen 'von Rindern und Hammeln, die sofort nach dem hat auch für die Schonung der Tiere und Pflanj Halsschnitt entfesselt waren, und sollte als Beweis zen gesorgt. Das Gesetz von der Schlachtung der v’ ^" v' " " Tiere, deren Fleisch nach dem Religionsgesetze für den menschlichen Genuß erlaubt wurde, hat u. a. den Zweck, die schonendste Art der Tötung dieser Tiere vorzuschreiben. Zahllose wissenschaftlich einwandfreie Urteile und Gut achten größter Autoritäten erhärten, daß der uralte Schächtschnitt bis zum heutigen Tage nicht überholt ist und in keinem Falle als Tierquälerei waren und außerdem bezeichnet werden darf. Nur feindliche Tendenz >H amme l stehend (!) Ehrenkann das in Abrede stellen. Es ist em Zeugnis für die jüdische Welt, daß sie sich schon so früh mit gesetzmäßig festzulegendem Tierschutz beschäftigte und insbesondere das zum menschlichen Genuß bestimmte Fleisch so früh den Gesetzen der Hygiene unterwarf. Bekenner der jüdischen Religion sind ex officio Mitglieder des größten Tierschutzverems der Welt, der aus den Millionen von Juden besteht, welche gemäß dem Gesetze ihrer Religion leben. Das bedarf keines Beweises mehr, kaniN aber von jedem nicht voreingenommenen Forum bewiesen werden und ist bewiesen worden; vor einem tendenziös eingestellten Forum helfen keine Beweise, insbesondere dann nicht, wenn wissenschaftliche Beweisführung von Haus aus zurück gewiesen wird, wie es vor dem Forum des Wiener Tierschutzvereins der Fall zu sein scheint, dessen Präsident Dr. Melkus wiederholt bcn Maimon, auch „Rambam" genannt) vergangen sein. Dr. Cyrus Adler, der Präsident des Dropsie College (Lehranstalt für hebräische und orientalische Wissenschaften) in Philadelphia, hat in einer Ansprache am Eründungstag defes College den Vorschlag gemacht, daß ans ' Anlaß des 600. Geburtstages des Rambam eine kritische Ausgabe seiner Werke,, von denen viele noch unveröffentlicht sind, veranstalteti werde. Herausgeber sollen Männer der arabischen und der hebräischen Wissenschaft sein. Die Ausgabe soll enthalten die s vier Bände der hebräischen „Mischneh-Thora" oder „Jad Hachafakah",- sechs Bände seines arabischen Kommentars zur Mischnah, einen Band „Sefer haMizwotb", einen Bvnö' „Dalalat al-Ha'irjn", einen Band Briese und ..Msponsen, vier Bände medizinischer und astronomischer Werke und einen Band kleinerer Abhandlungen. Eine kritische Ausgabe aller dieser Werke, sagte Dr. Adler, werde eine Ermunterung für alle jene sein, die sich für jüdische Wissenschaft interessierten. / (Zwei SMilaonen Moslenriten betrachten sich lUs Iuden.> Äer gegenwärtig auf der Durchreise nach Mekka in Palästina weilende Dr. Barg aus Punjab, einer der Führer der indischen Mo-Iemiten, sagte in ejnem Gespräch mit dem I t a - Vertreter: Ich und mehr als zwei Millionen Moslems in Afghanistan, Beludschistan und Indien betrachten uns als Juden der Nationalität nach, rdeil wir von Ismail, dem Sohne Abrahams, abpammen. Wir befolgen den abrahamitifchen Ritus' der Befchneidung am 8. Tage nach der Gehurt, wir beobachten die jüdischen Gesetze der Scheidung und der. Cha-'f liza und sehen in der Bibel ein heiliges Buch. (Freitag-Abendgebete.) Aus der Feder des Herrn Rabb. Dr. P o s n e r in Kiel erscheint demnächst im Selbstverlag des Verfassers eine Uebersetzung und Erläuterung der Freitag-Abendgebete. Bestellungen nimmt der Verfasser entgegen. dienen, daß die „rituelle Schlachtung" wegen Tierquälerei zu verwerfen sei. Diese Schlachtungen wurden von ernem des rituellen Schl achtens u n k u n d i g e n N i ch t j u d e n v o r g e n> o m men, w i e D r. Klein s e l b st s a g t e , ser n-er mit Schlachtmessern', die nich v o n j ü d i s ch e n F a chm ä n n e r n g e p r ü f wurden die geschlachtet Diese im Film d a r g e st e l l t e n, völlig abnormen Schlachtungen können also keinerlei Grundlage für irgend ein Urteil über die jüdischrituelle Schlachtung b i l d e n. Das w u r d e a u ch v o n R a b b i n e r Dr. F eu chtw a in g in seiner sich an den F i l m v o rtrag anschließenden Rede festgest e l l t u n d von D r. K l e in nicht widerlegt. Professor Max Müller aus München führte anschließend an den Vortrag Kleins die neuesten Versuche elektrischer Betäubung vor. Als Einleitung hielt Dr. Müller eine ausgesprochen judenfeindliche Rede. Er wiederholte und ergänzte diese Rede im Kongreß. Es muß öffentlich festg estellt werden, daß Prof. Mülle r stein Ausführungen mi t a n g e b l i dj, wissenschaftlichen, kulturumd religionsg es chichtlich e n Bem er kungen verbrämte, d ie j ed er Wissenschaftlichkeit Hohn sprachen und oberflächliche Dinge au ssagten. Auf keiner Seite w a r d i e böswillige Tendenz f o.Jl a r wie auf dieser und es e r s chi-e n v ö l I i g zwecklos, Her r n Prof. Müller, der auf diesem Kongreß seine a 11 e iw u n d o f t widerlegt e n u,n w i s s e nfch a f t l i ch e n B e haup - tu n g e,n wiederholte,, mit Waffen der W a h r h e i t u n d W i s s e n s ch a f t e' n t - gegenzutreten. Der für den Kongreß als Delegierter anwesende Schlachthofdirektor Dr. Basel aus Stettin berichtete, daß seine an 73 von jüdischen Schächtern rituell geschachteten Tieren gemachte Beobachtungen das Resultat zeitigten, daß eine Tierquälerei nicht vorliegt. Auch er hatte der Beweisführung halber sofort nach dem Halsschnitt entfesseln lassen. . Im gleichen Sinne brachte Herr Stadtobertierarzt Dr. Platschet aus Berlin wesentliche Gesichtspunkte zum Vortrag. Beide Herren wurden, von den Kongreßteilnehmern von Haus aus unfreundlich gehört Und in so lärmender Weise unterbrochen, daß ihre Ausführungen vollkommen wirkungslos bleiben mußten. Die Wogen der Feindlichkeit gingen immer höher und jeder Versuch einer sachlichen, objektiven Auseinandersetzung war vergeblichi Der Präsident versagte an dieser Stelle und trat aus seiner Reserve heraus, was ihn leider zu Aeußerungen hinriß, die mit der vom Präsidenten mit Recht zu fordernden Objektivität nichts vereinbar waren. Die Forderung des Kongresses gipfelte darin, jede Schlachtung einschließlich des Schächtens ohne vorhergegangene Betäubung als Tierquälerei zu verbieten. Als Betäubungsmittel wurden seit langer Zeit verschiedene Methoden vorgeschlagen, besonders der Bolzenschuß, der von jüdischer Seite aus religionsgesetzlichen Gründen abgelehnt werden muß; in neuester Zeit sind elektrische Betäubungsmethoden versucht worden, deren Effekte noch nicht genügend erprobt sind. Wir Juden sind weit entfernt, eiin>e mit dem Inhalte der Religions-Codices vereinbarte humane Art der Vorbereitung zum Schächten abzulehnen. Im Gegenteil: Tierschutz ist uns r e l i g i ö sie P f l i ch t. Verbietet doch unser Religionsgesetz die Jagd und hat sogar im Gegensatz zu den bei Nichtjuden gebräuchlichen Methoden für die humane Tötung von Geflügel seit Jahrtausenden vorgesorgt. Die vom Kongreß beschlossene Resolution geht dahin, zu erwirken, daß jedes Schlachten (einfchl. des Schächtens) ohne vorhergehende Betäubung zu verbieten sei. Die von zahlreichen autoritativsten Fachleuten nachgewiesene Tatsache, daß das Schächten a n f i ch ein V e t ä u b u n g s m i t t e I darstellt, soll also unberücksichtigt bleiben. Der französische Delegierte Maitre Lespine hatte eine Resolution vorbereitet, welche die humanste Art der Schlachtung forderte. Sie wurde nicht angenommen, obzwar sie vollkommen genügt hätte. Der weitaus größere Teil der Kongreßmitglieder hatte sich mit Wucht auf die Schächtfrage geworfen, ohne jede tiefere Ueberlegung und Besonnenheit und ohne zu bedenken, daß ein uraltes Gesetz unrechtmäßig angegriffen und eine Religionsgemeinschaft an der Ausübung religiöser Pflicht gehindert werden ollte. Das Judentum wird nach wie vor im hohen Dienste der Liebespflichten gegen alle Menschen und des Schutzes der Tiere vor aller Qual und unhumaner Behandlung verharren, sich aber gegen ungerechten Angriff und Beleidigung seiner religiösen Gefühle zu schützen wissen. Delegierkenkag der deutschen Landesorganisation der Agudas Iisroel. (Vorläufiger Bericht.) Leipzig, 20. Mai. Der im Künstlerhaus in Leipzig gestern und stattgehabte Delegiertentag der deutschen Agudas Jisroel war zwar, -wie bei den herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen nicht verwunch, numerisch nicht gerade stark besucht," stellte aber ein offenbar recht, getreues Spiegelbild der der deutschen Aguda herrschendengeistigen« Strömungen dar. und zeitigte Verhandlungen,-die durchweg auf einemaußerordentlich hohen Niveau tanden und die schließlich in der wichtigsten-, die ganze Tagung beherrschenden Frage zu einem die Einheit der Bewegung sichernden Verständigungsbeschluß führten. Der Delegiertentag wurde Sonntag Nachmittag in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums aus allen Schichten der Leipziger Bevölkerung im großen Saale des Künstlerhauses von Herrn Oberrabbiner Dr. S pitze r -Hamburg eröffnet, der in längerer Rede die Grundgedanken der Aguda entwickelte. Ins Präsidium wurden außerdem die Herren Rabbiner Dr. Hoffm a x\ n - Breslau und Julius Löwenthal - Efchwege berufen. Nach warmen Begrüßungen durch-Herrn Rabbiner Dr. Carl e b ach-Leipzig namens des Rabbinates, Dr. Lipfchitz- Leipzig für die Ortsgruppe, stud. Phil. C a r l eb ach - Köln, für de'n B. J^A^ erstattete Rabbiner Dr. Pinchas K o h n - Wien einen Bericht des A3