Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1929)
- Date
- 1929-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450568--75999-2533551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Israelit Nr. 21 <5eite3 23. Mai 1929 -; __ halten. So blieb die Angelegenheit lange Zeit in der Schwebe. Halevy beunruhigte dieser Zustand jedoch aufs äußerste, und er ging nach langem Ueberlegen zu seinem Freund Smirnow, um ein Bestätigungsschreiben bittendl. Dieser willfahrte ihm, und Halevy konnte am nächsten Tage schon das Bestätigungsschreiben dem Rabbi Zwi Hirsch Berlin in Wolosin schicken. Wenige Tage, nachdem Berlin in den Besitz dieser Bestätigung gelangt war, fand in der Umgebung mm Wolosin eine große Jagd statt. Unter den Jägern befand sich auch ein hoher Wilnaer Gerichtsbeamter. Als dieser die 400 Jeschiwo-Bachurim lernen hörte, und die Stimme ihres Lernens war weithin vernehmbar, ging er, ohne sich anzumelden, zu Berlin und forderte von ihm das Bestätigungsschreiben. Berlin war in der Lage, ihm das vor einigen Tagen empfangene Dokument vorzeigen zu können.- Hätte Halevy nicht wenige Tage vorher dies Dokument bei Smirnow erwirkt, die Jefchiwo wäre unweigerlich geschlossen worden. (Fortsetzung folgt.) wochenrundschau. Aationalsoziattsten regieimngssShig? Der Ausgang der L a n d t a g s w a h l e n in Sachsen hat den Nationalsozialisten zu fünf Mandaten (gegen zwei im früheren Landtag) verholfen und sie somit auf die Höhe einer w i r tlichen Partei mit Landtagsfraktion gebracht. Man war nun der Meinung in Sachsen, daß bei der Regierungsbildung die Nationalsozialisten nicht mehr zu umgehen sein würden. Die alte OppoMoin«, Sozialisten und Kommunisten, die ihren Attbesitz von 45 Mandaten sich erhalten haben, stehen einer Mehrheit der Bürgerlichen und Altsozialisten gegenüber, welche ohne Mithilfe der Nationalsozialisten kaum noch als Mehrheit anzusprechen wäre. Die Frage war nun: Wollen diese Bürgerlichen und Sozialisten mit den fünf Natiovalsozialisten Zusammengehen, oder eine große K o a l i t i o n mit der bisherigen Opposition von links schließen? Im ersteren Falle kämen die Nationalsozialisten mit ans Regierungsruder, und wir hätten den ersten Fall in Deutschland, daß eine Partei, Führer und Wohltäter der Nation vertrat er sie vor Alexander, dem großen Mazedonier und wandelte dessen Sinn zu Gunsten von Bold und Tempel in Jerusalem. Die drei von ihm im Perek wiedergegebenen Worte sind das.Dreigestirn seiner segensvollen Wirksamkeit: „Aus drei Grundpfeilern steht die Welt*s ist 'der jüdische Stäataüsgebaut ftöij); auf ThD r ä. (so spricht der Lehrer), aus Ab yd a . (hier spricht der Hohepriester) und aus Wohltat (Wohltat Und Liehe. sie zeichnen den politischen Führer). (Fortsetzung folgt.) .Y'MMN Z)ie grammatikalische Anfrage in Nr. 20 des Israelit ist dahin zu beantworten, daß, wie aus roiK 2 Sam. 3. 1 3er. 29 28 Hiob 11.9 hsrvorgeht und wie es llörigen's auch in meMren Gebetbüchern steht. Är-ulrim also mtt Däyesch. zu lesen istallerdings mutz (dann b’3^ik defektiv, also ohne Waw geschrieden werden: 1 Wenn viele: Gebetbücher qwh ohMDagesch und mit Waw schreibest-sh hängt das daMit-Msammtzn, -daß im spätern Hebrälsch plene Schreibungesi' beovrZugt werdett , was -Zur WeglaMnLLes DügeschMhrte,- denn nur. in seltensten AusnaymesWnMsi lös.s oVi^lfesi, 34: fAW eist DaMch. : ' Matz.; (Es ging uns noch eineMejhe von Aeußerungen zu M"? M^GlMes VM ÄeWlichös besagen. HAEen TinfendeM besten Däsik. ' D7RÄ».) die nur m i t z u h a s s e n k o m m t, die gar kein positives Programm hat, es sei denn eine völkische Scharfmacherei, mitregiere. „Völkisch" im Sinne von Ausschluß und Rassenhaß kann» aber nicht als etwas Positives und Tragfähiges für ein Regierungsprogramm angesprochen werden. Nunmehr veröffentlicht der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Straffer in seinem sächsischen Parteiorgane das politische Glaubensbekenntnis der zu neuen Taten ausholenden Nationalsozialisten. Sie wollen« weder mit dem Bürgertum, noch mit den Linkssozialisten etwas zu tun haben. Sie glauben ihrer Sache besser zu dienen, wenn sie außerhalb der Regierung im Parlamente von Fall zu Fall nach Lage der Dinge das Zünglein an der Wage bilden. Sie seien« in der Macht, ganz wie es ihnen nützlicherscheint eine Mehrheit zu erzwingen oder sie zu stürzen. Mit anderen Worten: sie werden den Fortschritt auf dem Wege zu Recht und Freiheit nach Kräften v e r h t n d e r n , den Rückschritt zu völkischer Engherzigkeit fördern. Das genügt ihnen» fürs erste. Vergessen dürfen die Juden m Sachsen und Deutschland nicht, daß die Nationalsozialisten bei den letzten Landtagswahlen rund 60 000 Stimme n m e h r er ob er t haben als bei den letzten Reichstagswahlen. Soviel läßt sich heute in Deutschland mit dem Köder des Judenhasses noch machen! „Zu viele Feiertage!" Das jüdische „Lodzer Tageblatt" ist nicht für das viele Feiern. Wir auch nicht, und fo stimmen wir ihm bei, wenn es in einem Artikel vom 6. Mai das Zuviel an offiziellen Feiertagen als eine der Uebelquellen für die polnische Wirtschaftskrise ansprrcht. Je mehr Feiertage auf der Straße, um so weniger seiertägig sieht es im Geschäftsleben aus. Die Meistbetroffenen, die Opfer dieser Festmame sind natürlich die Indien, bei denen „zu all den vom Staat und der Gesellschaft proklamierten Ruhetagen der Sabbat und die jüdischen Feiertage hinzutommen." Cs sind alte Klagen, die aber im „Lodzer Tageblatt" zu einem ganz neuen, überraschenden Schlüsse führen: „Wir haben zu viele Feiertage in Polen, insbesondere bei den Juden". BeilöpfsibhinepzyZaiinschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile':' Phen: Phenyldimett-ylp.. 11 I Acetylsai., Coff.nl.i. in allen Apothek Kleines Feuilleton. Die Religion der Vernunft. Von Hermann Eohen^s letztem und reifstem Werk „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" hat die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums"*) jetzt die zweite Auflage herausgegeben. Sie Unterscheidet sich von der erstendadurch, daß der Text unter genauer Vergleichung des Original-Manuskriptes bei sorgfäl.'igster Korrektur hergestellt wurde, so d aß der Leser erst jetzt wirklich lesen kann, was Hermann Eohen sagen wollte. Wir haben das bedeutende, mehr 'noch aus - einem watmen Herzen als aus bloßer Refleripn heraus. -geschriebene Werk hei seinem ersten Erscheinen an leitender Stelle besprochen und mochten heute mw einige Bemerkungen hrNzufügen, die uns' jetzt 'zur gründsatzlichen Würdigung der Gedankengänge Cohens angebracht scheinen: Man hat, wenn: man Lohen liest, manchmal:' die -Empfindung — zwei Autoren vor sich zu haben,- deren Worts M «geschickter Redakteur ineinander gearbeitet hat. . Der eine dieser' Autoren liest die Bibel und'die Bücher der Ueberlieferungi 'als kritisch geschulter m'odernqr '-Historiker .mit derst amtlich abgestempelten Glauhenchn die Richtigkeit der blbelkritlschen Theorien. Der DMeröjesäjas ist ihm eine ebAsölchU Eewstoefttändlichkeit Äie die AnwiiMchkeit der überlieferten^ .E des -jüdischen Volkes.: Neben ...'M.Die ,_§& Vernunft aps den Quellen.des 'JuKÄrDns^Mv-.HWtzlM--'Uv'h' e^nA Auflage. UachdMüMtlnusktW de^ Berfassirs neu dürchgeärbeitet ^uiid mitMiemWildedes^Mrfäffers; (von äWar::Liebermann. 629Seistp, ürosch> Mft IK^f älyMpen gest AÜ. 20^-: S K a uf f m ait ri. Vörlag, Frankfurt a. M. Mit dieser separatst und gesperrten Zeile biegt das Blatt die Klage in eine Selbstanklage um und stellt das ganze Problem auf den Kopf. Weiß das Blatt nichts von der derzeitigen Weltbewegung für den Sabbat? Weiß es nichts von den schweren Anstrengungen, uns und der Zukunft in der Flut des Wirtschaftslebens die Ruheinsel des Sabbat zu rettein«? Weiß es das Blatt, dann hätten seine Ausführungen in den Worten zu gipfeln: Zu dem Sabbat und den jüdischen Feiertagen, die uns von Gott gegeben sind, kommen noch die Festtage des Staates, der Kirche und der Gesellschaft, die den doppelt schwer ringenden Juden mehrere Tage im Monate der Arbeit entziehen. In einem Lande wie Polen, wo das Nationalitätenrecht gilt und auch für die Juden gewährleistet und in Anspruch genommen ist, müßte oberster Grundsatz sein: „Jedem das Seine". Man zwinge daher dein« Juden, der seinen Sabbat und seine religiösen Feiertage hält) keine anderen Feste auf, oder man schasse durch. Gewährung von Arbeitsstunden an Sabbathaltende wenigstens einen kleinen Ausgleich. Andere Schlüsse aus der Darstellung des „Lodzer Tageblattes" sind Trugschlüsse. Vollends in einer jüdischen Zeitung hüte man« sich vor solchen Bemerkungen, will man nicht anders den ehrlichen und.unentwegten Kämpfern um das heilige Sabbatgut in den Rücken fallen. Der Internationale Tierschuhkongretz and die Schächtfrage. Der Internationale Tierschutzkongreß tagte in Wien vom 12. bis 17. Mai d. & Einberufen war er vom Wiener Tierschutzverein und stand unter dem Ehrenschutze des Herren Vundespräsidenten Wilhelm Miklas, Dem Ehrenpräsidium gehörten der Bundeskanzler Dr. Seipel, der Alt- Bundespräsident Dr. Hämisch und der Polizeipräsident Dr. Schober an. Im Ehrenkomitee waren viele prominente Persönlichkeiten, Diplomaten und auch der Oberrabbmer-Stellvertreter Dr. David Feuchtwang und Vertreter der Presse. Vorsitzender war der Präsident des Wiener Tierschutzverems, Herr Dr. Eduard Melkus. In der Leitung saßen hervorragende Dertreter der Tierschutzverbände des In- und Auslandes. Versammelt war eine imposante Zahl man Vertretern aus der ganzen Welt und Einzelpersonen. Ein reiches Programm mit einer Fülle von Vorträgen und Referaten über alle in den Tierschutz fallenden Themata lag vor, so daß die Zeit der Tagung, kaum zur Absolvierugn ausdresem, - der Welt der Erscheinung verhafteten Autor aber hat sich m den Spalten dieses Werkes ein anderer angesiedelt, der gerade so redet, als ob er ein alter gläubiger Jude sei, gerade so, als sei jedes Wort, jeder Buchstabe des Goiteswortes wirklich .Gottes Wort und als seien Sn die höchsten und tiefsten Gedanken der an Wisaft gereiften Vernunft auf der Höhe des 20. Jahrhunderts.-aus ihnen ableitbar. Das letztere ist das entscheidende Merkmal des Buches. Die „Religion der Vernunft", europäischer Wellweisheit letzter Schluß, liegt verbrieft und versiegelt in den alten Urkunden aus dem, Orient. Der einen , der beiden Seelen des Autors ist die radikalste Leugnung F o r m a 1 p r i n z i p , der anderen ein ebenso radikaler, man möchte sagen grundloser Glaubean die innere Wahrheit der historisch preisgegebenen Wahrheitsquellen. Der Widerspruch ist nur psychologisch lösbar. Die Liebe zur Religion seiner Zftndheit, zu den heiligen Büchern seiner Jugendzeit, hat Eöhens Denken geleitet und ihn nach einer Lehenswallfahrt durch, die Höhen und -Tiefen wissenschaftlichen Denkens in Bchei und Talmud Dinge schauen lassen, die eigentlich nur der wirkliche i'vuv änzuerkennen vermag, die aber zur bloßen Phantasie werden, wenn man sie auf die „wissenschaftlichen" Prämissen des Autors selber gründen will. Soist das Büch für den gerefften, weltanschaulich in sich gefesteten Juden eine Fundgrube herrlichster, anregendster Ideen, während es naturgemäß in jugendlichen Köpfen, denen es an-Rüstzeug zur Abwehr der bibelkritischen Angriffe fehlt, schweren Schaden anrichten kann. Aber für Kinder hat Eohen schon im Hinblick auf die Schwere seiner individuellen Diktion ohnedies nicht-gefchrieben. j($p0. .Geburtstag des AMbayt.) Im Jahre 1935 werden 800 Jahre seit der Geburt d^s großen.HjebraWen Philosophen, Astronomen und Arztes Maimönides (Mose»