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Der Israelit · 1929-05-23 · Heft 21 (23.5.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 21 (23.5.1929)
Date
1929-05-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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' Seite 2 Nr. 21 DerJsraelit 23. Mai 1929 durch seinen großen Verstand gelang es ihm mit Gottes Hilfe, den Streit zu schlichten und in kurzer Zeit die Angelegenheit iw einer beide Parteien befriedigenden Weise zu regeln. Dieses Ereignis war der Anlaß zu seiner Wahl als Gaben. Von jener Zeit an wurde in Rußland keine die jüdische Allgemeinheit betreffende Frage mehr gelöst, ohne daß man Halevy hinzuzog und sich seiner Mitarbeit versicherte. Man rechnete überall mit seiner Tatkraft und mit seiner Klugheit. (Als Halevy später von Rußland wegzog, sagte der berühmte Rabbi Jizchok Poniwescher: „Was sind wir ohne Rabbi Eifik? Wie Waisenkinder ohne Vater.") Einst 'fand eine große Versammlungder Wolosiner Gaboim in Minsk statt. Unter ihnen war auch der große Brisker Raw. Halevy war damals sehr in Anspruch genommen und konnte nicht zu der Versammlung kommen. Man schickte ihm zwei Telegramme, daß er kommen möge, er antwortete ablehnend. Dann sandte man ihm ein drittes Telegramm, daß, wenn er nicht käme, die Versammelten, ohne die Versammlung abzuhalten, wieder nach Hause fahren würden. Man erwarte von ihm, daß er diese Verantwortung nicht tragen wollte. Als er dieses Telegramm erhielt, fuhr er nach Minsk zur Versammlung. Sein Lehrer Rabbi Dauses Dowber und der Führer der damaligen Judenheit, Rabbi Jisroel Salanter, waren mit ihm zeit ihres Lebens in innigster Freundschaft und Liebe verbunden. Sein Lehrer pflegte die Briefe an ihn stets mit folgenden Worten einzuleiten: bs tti ’wsa t>"p 'n t»t tnx während Rabbi Jisroel Salanter Wert darauf legte, daß alle Versammlungen, die in Wilna stattfanden, im Hause Halevys veranstaltet wurden. Nachdem er Halevy zum ersten Mal gesehen hatte, schrieb er an Rabbi Jausef Dowber mit folgenden Worten über Halevy: •xa^ro rnp'i nx’x» Im alten Rußland war das Los der Juden von den höchsten Beamten der Regierung abhängig, und wer jüdische Angelegenheiten vertrat, mußte vor den Machthabern der Regierung mit besonderer Vorsicht und besonderer Weisheit operieren. Auch hierin waren Halevys Fähigkeiten groß. Er genoß bei allen Beamten«, mit denen er zu tun hatte, höchstes Ansehen. Zu seiner Zeit war dler Leiter des Bildungsdepartements in Wilna ein bedeutender Mann, namens Smirnow. Dieser Direktor schätzte Halevy außerordentlich, pflegte ihn von Zeit zu Zeit zu besuchen und viele Stunden mit ihm über alle großen Weltfragen zu debattieren'. Seiner Freundschaft zu Halevy war es zu verdanken, daß viele damals auftauchende Bildungsfragen im Sinne des von Halevy und seinen Freunden vertretenen Standpunktes entschieden wurden. Was dies zu bedeuten hatte, versteht man, wenn man erwägt, daß Wilna damals der Mittelpun'kt war, von dem aus alle Erziehungsfragen für ganz Litauen entschieden wurden, denn auch in Petersburg wußte man sehr gut, daß der Schwerpunkt des Judentums damals in Wilna lag. In allen Fragen, die den Unterricht der Juden anlangten', in allen jüdischen Bildungsfragen pflegte das Ministerium in Petersburg seine Berichte bei dem Wilnaer Erziehungsdirektor einzuholen. Von diesen Berichten hingen die Entschließungen des Ministeriums in Petersburg ab. Direktor Smirnow pflegte «niemals seine Berichte der Negierung einzusenden, ohne sie vorher mit Halevy besprochen zu haben, und als späterhin dieser Direktor seinen Posten verließ, pflegte man in Wilna zu sagen, daß Halevy seinen' Posten als Direktor dieses Departements verlassen habe. In den Jahren 5652—53 befahl die Regierung, daß die Melamdim, welche Chadorim leiteten', sich ein gewisses Maß profaner Bildung aneignen müßten, und daß kein Melamed ein Cheder leiten dürfte, der die Prüfung nicht bestanden und das erforderliche Zeugnis erworben hatte. Die Absicht der Regierung war, das Melamdim-System aufzuheben, denn die Regierung wußte genau, daß kein Melamed imstande war, das von ihr geforderte Zeugnis zu erlangen. Damals befiel die Judenheit große Angst, denn diese Gesero barg ungeheure Gefahren für die Zukunft des echten Judentums in sich. Halevy war einer der Ersten, die die Gefahren erkannten und alle Hebel zur Abwendungdes Unheils in Bewegung setzten. Er war die treibende Kraft aller in Petersburg einsetzenden Bemühungen. Das Vildungsministerium sandte damals einen großen Fragebogen an den Erziehungsdirektor in Wilna. Von der Beantwortung dieser Fragen hing nicht nur das Chederwesen in Rußland ab, auch der Bestand der Jeschiwaus, der Bestand der Tauroh waren aufs höchste gefährdet. Hätte der Wilnaer Erziehungsdirektor diese Fragen aus sich heraus im Sinne der damaligen allgemein gültigen pädagogischen Gedankengänge usw. beantwortet, so wäre ein unabsehbares Ueglück entstanden. Halevy stand aber auf der Warte; sein Freund Smirnow ließ die Fragebogen nach den Weisungen Halevys beantworten, und so wurde das, furchtbare Unglück von Israel abgewendet. Im Gegenteil, hätte bisher das Cheder nur im Geheimen wirken können«, so wurde es jetzt zu einer öffentlichen Institution. Einst kam Smirnow betrübten Gesichtes zu Halevy und sagte ihm, daß sie sich ganz umsonst bemüht hätten,.-daß die Regierung neue Verfügungen vorbereite, die ihre gegebenen Versprechungen illusorisch machten. Sie verlange, daß die Melamdim sich photographieren ließen', und daß sie ihre Photographie auf den von der Regierung ihnen gegebenen Bestätigungsschreiben anheften müßten. Gewiß würden doch die Melamdim das Verbot, sich photographieren zu lassen, nicht übertreten. Was nützten also alle bisher erlassenen Bewilligungen. Gewiß plante die Regierung mit dieser Verfassung, das wieder illusorisch zu machen, was sie eben gebilligt hat,.denn die russische Regierung pflegte stets ihre den Juden günstigen Entschließungen zu/ bereuen. Sie hoffte also auch durch diese Bestimmung, das Melamdimwesen unmöglich zu machen. Sie hatte sich aber geirrt, denn wenn auch die Melamdim niemals einen Jsiur übertreten hätten, so war die Ablehnung des Photographierens doch nur ein Minhog. Diesen konnte man aufheben nach dem bekannten Grundsatz *]min •nsn nws?1? nxr der jetzt, wo die Jugend in Gefahr war, doppelt galt. Auch die Jeschiwo in Wolosin, deren Wohl Halevy sich besonders widmete, konnte nur bestehen durch die große Freundschaft zwischen Halevy und dem Direktor Smirnow. Oftmals waren bei der Regierung in Petersburg gegen die Jeschiwo schwere Beschuldigungen erhoben worden, denn die Jeschiwo konnte nicht die Bedingungen, die das Ministerium von ihr in Bezug auf den äußeren jüdischen Bildungsplcm forderte, erfüllen. Tatsächlich mußte denn auch die Wolosiner Jeschiwo aus diesem Grunde bald nach der Amtsniederlegung Smirnows geschlossen werden. Erst viele, viele Jahre später wurde sie von neuem eröffnet, aber ihren alten Glanz, ihre alte Pracht erreichte sie nie wieder. Als sie noch in alter Blüte stand, wurde sie einst wie durch ein Wunder vor dem Untergang gerettet. Das Erziehungsministerium verlangte von dem Innenministerium ihre Schließung. Man erwirkte bei dem Innenministerium nach vieler Mühe, daß es diesen' Erlaß seitens des Vildungsministers abwende und dem Bildungs- Minister schreibe, daß man dem Beschluß nicht zustimmen könne, weil die Wolosiner Jeschiwo in den Augen der ganzen jüdischen Welt ungeheures Ansehen habe, und ihre Schließung überall gewaltiges Aufsehen erregen würde. Cr empfahl vielmehr, daß man die Jeschiwo gegen ihre ausdrückliche Verpflichtung, den vom Bildungsministerium ergangenen Vorschriften gemäß zu verfahren, weiterführe. Der Bildungsminister stimmte unter dieser Bedingung zu. Weil man« diese Bedingung jedoch niemals erfüllen konnte, war es auch unmöglich, eine Bescheinigung der Regierung für den Bestand der Jeschiwo zu erkurze Bemerkungen zu den «Sprüchen der Väter". ii. Der erste Abschnitt geht von der feststehenden'Ueb er lieserung, von der Kette der Tradition aus, die von Moses bis zum letzten seiner Schüler Leine Unterbrechung erleidet. »Moses empfing die Thora am Sinai", wörtlich vpöa „vom Sinai". Rabbi Eliasar Fleckeles in seinem Hagadahkommentar 'rniwill iznYm in diesem Ausdrucke die Grundbedingung für das Thoralernen sehen: absolute Bescheidenheit. Bon allen ragenden, an Naturreizen, und blühender Vegetation reichen Bergen hat der Weltenschöpfer zur Stätte seiner Offenbarung den weniger hohen und ganz kahlen Sinai mitten in der Wüste gewählt, um. wie Midrasch rabba sagt, der Welt zu zeigen., daß Größe und Schönheit es nicht musmachen; um den Menschen, seinen Menschen, denen die Thora zugedacht war, descheideitett Sinn als erste Voraussetzung für das Lernen und Halten der Thora zu empfehlen. Allein aus der Bescheidenheit schöpfte Moses die Kraft, Lehrer der Menschen „aller Zeiten zu werden, w ntpb V'rrm An der Svitze des Verek wird daraus hingewiesen. was Moses befähigte, die Thora von Gott zu empfangen und sie an die kommenden Generationen weiter zu geben, nämlich die Eigenschaft, für die der Sinai Symbol ist, die Bescheidenheit feines Wesens. ^->0» - min bDp nwo- * * * Am Eingang dieses Sittenbuches ftebt die Thora. Es sind nicht Lehren der guten Sitten, der Gesellschaftsformen, nicht Grundsätze der Ethik, wie sie Menschen erdacht und sich nach Geschmack und Richtung der Zeit ändern. Nein, es sind durchwegs Tüoragesetze. ob ste auch das Haus, die Straße, das Gefellschaftsleben betreffen, ob sie Anstand, Takt, Rücksichtnahme lehren, oder nur gute Ratschläge geben für die Erlangung des inneren Glückes und Aufrechterhaltung des seelischen Gleichgewich es. Gleichwohl, es ist Thora, in der heiligen Ueberlieferung fundiert, die von Gott durch Moses auf uns überkommen ist. Die Männer der Großen Synode sprachen, — unter vielem Anderen — d rei Dingen: „Seid behutsam bei der Urteilsfällung, stellet viele Schüler an und machet einen Zaun um die Thora!" Die ..Männer der Großen Synode bildeten, die jüdische Nationalverfawwlunp noch! dem., Aufban des zweiten Tempels und.der Wiedererrichtung des jüdischen Staates. -Diese Synode, zu deren ersten Mitgliedern noch Esra und die letzten Propheten gehörten, deren letztes Mitglied .aber S ch i m e on der Gerechte (schon der erste Mischnälebrer) war, hatte das geistige Leben, das mit Tempel. Altar und Stadtmauer gewiß noch nicht gesichert war. von Grund auf auszubauen. Der geistige Acker, der 70 Jahre brachgelegen und vorher schon unter den letzten judäischen Königen in Verfall gekommen war, mußte neu bestellt werden. Worauf diese tapferen Baumeister in aller erster Linie ihr Auaenmerk richteten, das war. nach einer talmudifchen Ueberlieferung im Traktat Baba Kama, zunächst die Einführung einer geordnetkn Gericbtsbarkeitin Stadt und Land, sodann die Gründung von Schulen und Lehrhallen, schließlich die Popularisterung und Verbreitung des Thora Wortes durch seine abschnittsweise Verlesung, in den neuerrichteten Synagogen. Danach darf man wohl den hier angeführten dreifachen Spruch der „Männer von der Großen Synode" als ihr groß angelegtes Programm für den geistigen Ausbau nehmen.. Den. überall im Lande wirkenden Richtern rieten sie zu: v'Hn» iin pT2' seid behutsam und vorsichtig bei der Prozeßführung und der Urteilsfällung. Für 'die L e h r e r in den neu errichteten Schulen und Lehrhallen galt das - Wort hanri tnTöbn ii'vpn. ..Stellet viele Schüler aus!" Schließlich war es wichtig, einen weiten.Zaun um die Thora zu ziehen, innerhalb dessen sie geschützt und gesichert war und eines Jeden Anteil und Eigentum werden sollte, minV w*. * * S chi meon der Gere ch t e , als letzter her großen Männer, war Lehrer< Hoh er Priester und Wohltäter 'zugleich, groß als Lehrer, legte er die ersten Steine zum Fundament zUrMisckna. Er ist d er letzte Hohepriester . vom Geiste AhronsvordemEiNbrüch des hell enifchen Gei sie S in di^ heiligen Hallen, was sich daitiit ankünLigte. daß nachseinem Tode,,das Westlicht an der Menörah erlosch. Ach politischer

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