Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1929)
- Date
- 1929-05-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 20 Der Israelit 16.^Mai 1929 sich seine Kundschaft durch seine Geschäftsprmzipien ganz von selbst, — und so wird trotz dieser Selbsthilfe der Schaumre Schabbos den Boykott von nicht dem jüdisch-gesetzestreuen Lager Angehörigen nie zu befürchten haben. Leider liegen die Fälle aber häufig so, daß die Schaumre Schabbos gerade auf den gesetzestreuen Bruder vergeblich warten, obgleich sie gerade auf ihn angewiesen sind . . . Die höchste Stufe der jüdischen Wohltätigkeit war stets die, den Verarmenden in eine Lage zu bringen, die ihn davor bewahrt, Almosen zu empfangen. Wir können hier ohne viel Opfer, nur mit etwas gutem Willen, eine doppelte Liebestat vollbringen: indem wir durch unsere Unterstützung unseren Bruder davor bewahren, Almosen zu empfangen, bewahren wir ihn gleichzeitig vor der Versuchung, den Schabbos preiszugeben und tragen dazu bei, den Schabbos wieder in seine Rechte einzusetzen und einen Tag innerer Emkehr und Selbstbesinnung vorzuziehen der uneingeschränkten Freude an materiellen Gütern. 'jjioQe jeder Einzelne durch zähe Kleinarbeit dazu beitragen helfen; mögen die zuständigen Organisationen sofort die nötigen Schritte unternehmen; lieber heute als morgen! C&# Jb$i' A404it' C&&M4444P <{)vi8sM4<xt$£ /Mit A<&g(hfaWö(xji$tiHty Wtii cdltpUr. Merf(AISEfl-Borax muß essein in der bekannten roten Oriffina/packunff. ltberat/ erhatrtich! Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Befreiung isihifcher Schüler vom Ankerricht an Samsiagia in den Fortbildungsschulen. Frankfurt a. M., 15. Mai. Der Angestellten-Bund „Agudas Iisroel" Frankfurt a. M. weist darauf hin, daß jüdische Schüler, die die F o r t b i l d u n g s - und Fachschulen besuchen, gemäß einer Verfügung des Ministers für Handel und Gewerbe vom 9. Juli 1913 X 4. 6493 auf Antrag der Ellern oder gesetzlichen Vertreter vom Schulbesuche an Sonnabend und jüdischen Feiertagen zu befreien sind. Sitzung des Zentralkomitees des deutschen Misrachi. Berlin, 8. Mai. Am 5. Mai fand in Berlin eine Sitzung des Zentralkomitees des deutschen Misrachi statt, an der 27 Delegierte, darunter 10 Delegierte der Zeire-Misrachi, terlnahmen. Gegenstand der Verhandlungen waren die Probleme des kommenden Zionistrnkongresses und die Durchfüsrung der Wahlkompague zum Kongreß. In der Frage der Erweiterung der Iewifh Agency bestand volle Einmütigkeit darüber, daß alle Anstrengungen zu machen seien, um die Agency auf Basis der Verhandlungen Prof. Weiznranns entstehen zu lassen. Der Misrachi müsse bis zum Kongreß dafür eintreten, daß sich große Kreise der Orthodoxie den Arbeiten der Agency zur Verfügung stellen, um den religiös-nationalen Charakter der Palästina-Arbeit gesichert zu erhallen. Auf dem Kongreß müsse er dafür sorgen, daß solche Bedingungen geschaffen werden, dir auch dem «ich'zionistischen Traditionsjudentum einen seiner Stärke entsprechenden Einfluß in der Agency ermöglichen. Vollste Einmütigkeit herrschte in dem Verlangen, daß die Unabhängigkeit des Misrachi-Schulwefsns erhalten bleiben müsse, die großen Erfolge des Misrachi auf diesem Gebiete seiner Tätigkeit rechtfertige das gegenwärtig bestehende System. Die Bestrebungen der misrachistischen Arbeiterschaft sind sowohl innerhalb des Misrachi als auch auf dem Kongreß zu fördern. Es wurde beschlossen, die Schekel- und Wahlpropaganda unter der aesetzestrcuen Iudeuheit Deutschlands mit aller Energie zu fördern unter der Parole, daß dir Tradition es de,m Juden zur Pflicht mache, für nationales Judentum in Erez Israel auf Grundlage des jüdischen Gesetzes voll einz;utrelen. Eine gemeinsame Kongreßwahlliste für den Misrachi und Zeire Misrachi wurde ausgestellt und angenommen. als rein völkisch-deutschnationale Parteiagitation kennzeichnet. So meldet dieser „T-Sonderdien st" beispielsweise unter den: 26. April, daß eine Reihe von Ausländern ihre Einbürgerung in Preußen beantragt, ttnb daß Bayern und Württemberg dagegen Einspruch erhoben hätten: „Leider beanspruchen die Ausschüsse des Reichsrates,, diese Bedenken für unbegründet zu erklären, und die Vollversammlung beschloß in diesem Sinne, sodah wir in Kürze die neuen Freunde im Kaftan oder Polenroä als Mitbürger begrüßen können. Mit Recht wird in einem Berliner Blatt darauf hingewiesen, daß diese östlichen Menschen den Deutschen das ohnehin zu knappe Brot wegnehmen, und wenn sie für ihre Tätigkeit, die sicherlich keine Kulturwerte schafft, keinen günstigen Boden in Deutschland finden, frisch ausgebügelt als Preußen weiter nach Westen, ziehen, wo sie den deutschen Namen in Mißkredit bringen." Das WTB. hat auch kein gutes Gewissen und ist sich der Verwerflichkeit dieser Unternehmung wohl bewußt, denn es sucht die Herkunft der Nachrichten zu vertuschen. Am Kopfe der Nachrichtenblätter obengenannter Art steht nämlich zwar „Eigentum von Wolfss Telegraphen-Büro", darunter aber folgt: „Als Conderdisnst oder Prioattelegramm Ihrer Zeitung, nicht als WTB.-- Nachrichten zu behandeln!" Den Zeitungen wird also auserlegt, di; Quelle dieser völkisch-deutschnationalen PropOagandanachrichten zu verdunkeln. Der „Montag Morgen", dem man diese Enthüllung verdankt, hofft, daß die. Regierung ernschreitet Und notfalls der Reichstag keinen, Anlaß seheil wird, diese Verhetzung auch noch mit öffentlichen Geldern zu unterstützen. Das Wolf ff che Telegraphenbüro in Hitlers Sonderdienfken? Berlin, 15. 3.Rai. Die Reichsregie ung wird sich in den nächsten Tagen mit einenr groben politischen Vertrauensbruch des halbamtlichen W o l f f' scheu Telegraphenbüros zu befassen haben. Diese Telegraphen-Agentur wird bekanntlich von der Regierung subventioniert und ist dafür verpflichtet, einen objektiven, parteipolitisch-neutralen Nachrichtendienst zu pflege«. Wie aus der Provinz gemeldet wird, vertreibt WTB. feit neuerer Zeit aber auch einen sogen. „T-Sonderdienst", der sich nach Ton und Inhalt Proteste. Der Professor der Universität Fünfkirche!», Dr. Edmund W e s z e l y , der als „getaufter Jude" angeführt wird, hat gegen den Verfasser Beileidigungsklage eingereicht und dabei erklärt, die Behauptung, ein „getaufter Jude" zu fein, fei für ihn tief beleidigend. Hätte man ihn als Juden angeführt, er hätte sich nicht darum gekümmert, obwohl er von einer alten wiederum christlichen Familie abstammt. Einige getauf te Juden, die als Juden im Lexikon figurieren, haben durch das Gericht um Richtigstellung angesucht. Es ist wahrlich schwer, sich zurechtzufinden. (Seltene hebräische Drucke.) Das Jüdisch - Theologische Seminar von New Bork hat ein Exemplar des zum ersten Male in Druck hergestellten hebräischen Buches „Arbaah Turim" erworben. Das Buch wurde 25_ Jahre nach Gutenbergs Erfindung der Buchdruckerkunst im Jahre 1452 gedruckt. Das Exemplar enthält die Approbation der Inquisition, der die Zensurierung aller hebräischen Bücher oblag. „Arbaah Turin:" ist bekanntlich von Rabbi Jaakob Ben Ascher versaßt worden und bildete die Grundlage für den „Schulchau Aruch" von Rabbi Joseph Caro. Aus Anlaß des 500jährigen Bestehens, der Nürnberger Stadtbibliothek ist eine Iubiläums-Ausstellung in Vorbereitung, in der Bibliotheksdirektor Dr. Fr. Bock das Wertvollste und Schönste des Bibliotheksbesitzes zeigrn wird. Zu den allerältesten und kostbarsten Handschriften der Bibliothek zählt neben andern Iudaicis das große „Machsor" aus dem Jahre 1331, ein 517 Pergamentblätter starker Codex, der auch an Umfang neben den Antiphonarien der Margarete Karthäuferinzu den größten Werken der Bibliothek zählt. Er f muß in der Ausstellung ob seiner Größe offen aufgelegt werden, da ein genügend großer Glaskasten nicht zur Verfügung steht. Das große „Machsor" stellt eine Sammlung hebräischer Gebete in Versform dar. Die Schrift, teils in Farbe, teils in Gold, ist besonders kunstvoll beim Beginn jeder neuen Abteilung. (Die Stellung der Frau im Judentum) In die unter diesem Titel erschienene Besprechung der gleichnamigen Schrift von Schuldirektor F. Götz in .Riga, hat sich ein Fehler eingeschlichen. Das Werk' ist nicht von der Druckerei „Splendid", sondern vom Verfasser selbst in Riga, Schulerstr. 36/12 zu beziehen. Eine Prise Kaiser-Borax dem täglichen Waschwasser beigegeben, desinfiziert die Haut, heilt und verhütet Gesichtsausschläge und sonstige Erkrankungen der Haut und gibt dem Teint den rosigen Schimmer der GU pflegtheit und Gesundheit. Aber Kaiser-Borax muß es sein, der nur in den roten Originalpackungen 'mit auZsührlicher Gebrauchsanweisung von der Firma Heinrich Nachf., Ulm a. D.^ .geliefert wird. Briefkasten. I. W. in Köln. Derartige halachische Fragen derSchächtpraxis beantworten wir grundsätzlich nicht im Briefkasten. St. in Zr. Wcrllerstein, Klingerstr. 17, Emil Stern. Porzellanhofstr. 4, Haas u. Lehmann. Bleichstratze 52. S. Grünebaum. Mainzerlandstr. 87/89. j M. K. Ilrkg. Das Abonnement läuft ohne Abbestellung dauernd weiter. Famillennachrichten. Verlobte: Meta Mayer, Gosmannsdorf, Josef Strautz, Karlstadt a. M., Verlobte. Machtvolle Kundgebung gegen den Antisemitismus. Dortmund, 2. Mai. Die Dortmunder Tagung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" erreichte ihren Höhepunkt in einer Kundgebung im Großen Saale des Gewerbe-Vereins, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Pfarrer T r i b u k a i t, der Vorsitzende der Dortmunder Ortsgruppe, bezsichnete den Antisemitismus als ungerecht, unchristlich und kulturfeindlich. Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Neichsmimster a. D. E o t h e i n , gab eine Geschichte des Antisemitismus und charakterisierte die ersteu Gründer des Abwehrvereins: Rudolf von Gneist, Heinrich Rickert, Theodor Mommsen, Theodor Barth, Franz von Liszt, von. Hering, Gustav Freitag, Hermann Sudermann u. a. m. Die Juden sind deutsch, denn „deutsch" ist kein. Rasse- oder Religionsbegriff; deutsch ist vielmehr, wer deutsch als Muttersprache spricht, wer an deutscher Kultur mitarbeitet und für des deutschen Vaterlandes Wohl sein Leben und sein Gut einsetzt. Pros. Dr. throl. Carl-Maria Kaufmann-Frankfurt a. M. sprach über das Thema: „Katholizismus und Judentum". Die katholische Kirche hat stets im Judentum den Unterbau, die Voraussetzung des ^Christentums gesehen. Der Stifter selbst und seine Jünger waren Juden. Katholike^ und Juden fühlen sich auch durch die Notwendigkeit der Abwehr gegen einen gemeinsamen Feind: die antichristliche und antijüdische, völkische Bewegung. Die deutschen Katholiken schätzen die Verdienste -der jüdi-. schen Mitbürger und treten für ihre Gleichberechtigung ein. Univers.-Prof. Geh. Konfistoriakrat D. Dr. h. c. Baumgarten -Kiel, verwirft den im Antisemitismus zum Ausdruck kommenden Chauvinismus. Mit dem Rassenaberglauben und dem Rassenterror imuß aufgeräumt werden. Er ist das Zeichen ärgster Unkultur, nicht deutschen wesens. Wochenkatenser. v. 18. - 28. Mai 1929 , o. 8 - 15. Jjar 8689 Samstag 18 8 2-N2 P2-I2» So;wtag 19 9 tttontag 20 10 rpiyn Dienstag 21 11 Mittwoch Mai 22 12 Donnerstag 23 13 'v'vn Jh’jyn Freitag 24 14 Samstag 25 15 '*T p“IS ">H3