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Der Israelit · 1929-05-16 · Heft 20 (16.5.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 20 (16.5.1929)
Date
1929-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Nr. 20 Der Israelit 16. Mai 1929 befchw-erdeführenden Rctt-e gar keine Mitteilung gemacht und diesem keine Gelegenheit zur Replik und weiteren Klarstellung gegeben hat, so wird damit nur deutlich dargetan, wie sehr von dieser ganzen geräuschvollen internationalen Aktion für die Rechte der jüdischen Minderheiten das Wort zutrifft: «noam N02V Wir fürchten, auch diese neue Petition des Rates wird in Genf den Weg alles Papi-er.es, das nicht direkt die L-ebensintevefsen der Mitgli-ederstaaten berührt, wandern. Darum brauchen wir aber die Delegationen und den Rat, nachdem sie einmal da sind, durchaus nicht für überflüssig zu halten. Sie sollten den einzelnen jüdischen Minderheiten mit Rat und Tat beistehen, sie, wenn nötig, in die Schranken weisen, in jedem Fall auf eine E i n h a l t u öi* g der Gren z e dringen, hinter der die polittsche Gefahrenzone anhebt und die doktrinäre Vertretung des Nationalismus zum Selbstmord wird. Gerade für eine solche erfolgverheißende Arbeit nach innen bringt das jetzt durch die ITA. verbreitete Memorandum in seiner umfassenden Zusammenstellung eine große Fülle brauchbaren Materials. Wochenrundschau. Zwanzig Jahre Tel-Awiw. Die erste und einzige jüdische Stadt, Tel- Awiw in Palästina, feiert ihr. 2 0 jähriges Bestehen, was die palästinensischen Zeitungen zu Betrachtungen, Rückblicken und Ausblicken veranlaßt. Man erzählt von der Vergangenheit der Stadt, schildert die Gegenwart und ergeht sich in Kombinationen für die Zukunft. Vor 20 Jahren eine Sandwüste mit einigen wenigen verwaisten und verkümmerten Rebstöcken, bietet sich heute Tel-Awiw dem Auge als stolze, blühende Stadt mit modernen Bauten, modernen Menschen, guten Straßen, herrlichen Anlagen und Gärten, mit all den gesegneten Kultureinrichtungen einer neuzeitlichen europäischen Siedlung. Jüdischer Wille, jüdische Liebe und jüdische Arbeit haben dieses Wunder in 20 Jahren .zustande gebracht. Eine Stadt mit einer Bevölkerung von fast 50 000 Seelen und hundertprozentig jüdisch; von,dem jüdischen Bürgermeister an der Spitze der jüdischen Stadtverwaltutzg bis zu den jüdischen Polizisten und Nachtwächtern! . .... Wer wollte die Verdienste der Pioniere von Tel-Äwiw schmälern, wer den Willen und das zielbewußte Streben der Männer, die um D i - fintzhöff auch heute ihr Bestes zum Ausbau und für die Weiterentwicklung der Stadt geben, verkleinern?! Wir konstatieren auch mit Anerkennung, daß am Sabbat und Feiertag die Hauptstraßen von Tel-Äwiw für den Fuhrverkehr gesperrt sind, so daß es auch Nichtjuden nicht möglich istdie Ruhe und Weihe der heiligen Tage in der jüdischen Stadt zu stören. Und wenn auch nur eine Spielerei, so ist es doch schön und symbolisch bedeutsam, daß am Chanukafeste Abend für Abend am Rathause elektrische Birnen die Zahl der Chanukalichter angeben'. Aber gerade Tel - Awiw zeigt klar und deutlich, wieviele Wege ein starker, jüdischer Wille in Stadt und' Land Palästinas noch zu erschließen hätte. Tel-Awiw selbst hat einen schweren Kampf um den Sabbat hinter sich, und der Sieg ist nicht einmal endgültig. Gegen die Einführung der obligatorischen absoluten Säbbatruhe regte sich starke Opposition von radikal jüdischer Seite. Mit dem vom Stadtrate gewählten Modus der offiziellen Arbeitsruhe, dem Gesetze, der stillschweigend einen Freibrief für private Sabbatverletzung auf der Straße, in Haus und Gesellschaft und besonders auf dem Spielplätze in sich einschloß, konnten sich die treu zum alten Gesetze Haltenden, die aus dem heiligen Schabbos keinen bürgerlichen Sonntag machM> wollten, nicht abfinden.. Auch die Gesetzesbestimmung über die offizielle Arbeitsrühe wurde schließlich von der Rechtsprechung a n n u ll i e rt, als sich herausstellte, daß in der jüdischen Gasse von einer jüdischen Seite die Verordnung durchbrochen wurde. Die Erinnerung, daran und an manches Andere, das nicht bloße Erinnerung ist, wirft Schatten m> die Jubiläumsfreude. Es gibt noch viel zu bauen in Tel-Awiw, am meisten auf geistigem Grunde. Wir denken dabei auch an die S ch u l e n ,. die vielleicht in Tel-Äwiw besser und jüdischer sind, als in manchen Kolonien (Sichraun Jakauw!), aber doch noch weit davon entfernt sind, Pflanzstätten des Genistes zu sein, der aus den Bergen Judäas von den Propheten und Lehrern verkündet wurde. Erkä9tüii|js Rheuma hilft Bestandteile: Phenäc., Phenyldimet^ylp. |J f ojfl Acetylsai., Goff. I.ZU in allen Apotheken Unser Wunsch für Tel-Awiw: Möge MS beschieden sein, in fünf JyHrerr sein Vierteljahr hu n d er^jstbil ä um mit der Feststellung zu feiern, daß die e r st e u n d e i n zig e jüdische Stäht nicht nur numerisch hundertprozentig j ü d i s ch s e i! Voü her . . .. Wie kläglich muß doch das ganze Lügengewebe her Judenfeinde zusammengebrochen sein, wenn sie ins tiefste Mittelalter zurückgreifen müssen, um aus alten Chroniken sich den Koder der Blutmär für das. blindgläubige Volk zu holen. Wie stark muß aber auf der anderen Seite ihr Glauben an die Borniertheit des einfachen Mannes aus dem Volke sein, wenn sie damit rechnen dürfen, ihn mit solchen Lügenmärchen in die Arena zum Rassenkampfe zu locken. In Bayern hat die Spekulation auf die Dummheit großer Teile des Landvolkes ein für die Hetzer gar nicht ungünstiges Resultat gebracht. Schon der Gedanke, daß man sich gegen eine solche schauerliche Beschuldigung verteidigM'.muß, daß Rabbiner mit einem feierlichen Protest erst erklären müssen, daß die jüdische Religion kein Menschenblut verlange, ist so ungeheuerlich, daß man an der Zukunft eines Landes, in dem solches möglich und nötig ist, verzweifeln könnte. Aehnlich, und vielleicht noch schlimmer liegen' die Dinge im Grenzgebiete unseres Vaterlandes,, in M e - mel. „Ja, steht nicht Memel heute unter litauischer Herrschaft?" Das schon, aber die Gerichtsbarkeit ist deutsch geblieben. Und gerade die Gerichte und Behörden sind es dort, die durch die Art der Untersuchung zeigten, daß sie die hirnverbrannte Anschuldigung ernst nehmen' und damit der ganze Hetze Vorschub leisteten. Sie tragen ganz allein die Verantwortung für die geladene Atmosphäre, die dort ein Unglücksfall, wie er beute leider in allen Gauen vorkommt, schaffen konnte. Und die deutsche Justizautonomie .ist gewiß -nicht berufen, im dunklen Litauen die Kultur des Mittelalters zu verbreiten. Was Wunder, daß litauische Blätter den Unlaß wahrnehmen, einen wahren Feldzug getzen die deutsche Justiz in Memel zu veranstalten . . . Auch in litauischen Städtchen ging in letzterer Zeit häufig der böse Spuk des Blutmärchens um. Aber dort ist es immer nur gemeines-und dummes Volk, das nicht einmal den Gerüchten glauben muß, .um sich rauf- und raublustig auf die jüdischen Häuser zu stürzen. Gericht und Verwaltung stehen, nach Angabe,. Manischen Presse, der Sache fern ünh treten den Ausschreitungen des Mobs entgegen, tun auch ihr Mög- -lichstes, solche Wahnideen zu zerstreuen . . . Ob kurze Bemerkungen zu den «Sprüchen der Väter". Einleitend wird vor jedem Pecek (nach Mischna Scmhedrin Abs. 10) beteuert, daß »ganz Israel Anteil h.t an der zukünftigen Welt, wie es heitzt: Und dein Volk, allesamt sind sie Gerechte usw." Daß diese einleitende Erklärung sich nicht ganz mit dem Inhalt der Dätersprüche deckt, erfahren wir Blatt für Blatt bei der Lektüre der einzelnen Abschnitte. ennt doch manche Mischnalhese eine Anzahl von Vergehen und De-sündigungen' deren jetze dazu angetan ist, den Menschen um sein ewiges Heil, um seinen ...Anteil an der zukünftigen Welt" zu bringen. Die gleiche Schmierigkeit tritt uns auch schon, beim Studium der M icyna an dcr Quelle entgegen. Mutet doch die Fortsetzung der Mischna. fin DnV ■ jnw 1^'NI N"v^>, säst wie eine Desavouierung des ersten vtelvecheitzenden Satzes an. . Man ist vielfach; zur Annahme geneigt, daß mit -te Israel insgesamt, a's Ganzes gemeint ist. In Israels Gesamtheit hat jeder seinen Blatz. wie die schlichte, aller Eigenschaften bare Bachweide zum Lulawbunde gehört, wie das wefllgex gut rjycfonbe jm^rt mit zum heiligen Bär:cd rwerk genommen wird - tqs ist nach den Anfangsbuchstaben eine Zusammensetzung von tpyiipi C’jrnx Q’SJiznv Wo d?r Einzelne ins Auge gef ßt wird, waltet strenges Gericht; in der Mitte der Gesamtheit findet auch der Einzelne Gnade, seine Stimme Gehör. Daran änknvpstnd betonen die alten Lehrer die Wichtigkeit und höhere Bedeutung des gemeinsamen Gebetes inmitten der Gemeinde, im Gegensätze zu .Dem verwaisten Einzclqebete. das schon aus besonderer Andacht geboren sein mutz, um den Weg zur Höh^ zu finden., .Verständlich wird barm bas nach Jesajas 60 anaeführte Bild von Zweig" und Pflanze" 'vp» 'vvv Sxä* D<u Baum und die Pflanze als Ganzes in ihrem Blütenschmuck oder nruchtsülle entzücken unseren Blich. Wollten wir Blättchen für Blättchen im einzelnen beschauen und untersuchen, so wird sich manches Unfertige und Unschöne unserem Auge darbieten. Goit wertet Israel, als Ganzes, ws *?jhbp ^5, und in seiner Gesammiheit ipn j^n on5 up ist ihm die Zukunft sicher und verbürgt.- Aus andere ungemein einleuchtende Weise sucht der bekannte Mischnakommentar rviK&n von Rabbi Israel Lipschütz den Einlet üngssatz zu erklären.- Angenommen, man käme zu Jema b, der seine Sache längst aus Nichts gestellt und saate ihm: .Lebe sparsam -und vernünftig und du könntest dir Haus und Hof erwerben, Ehre und Ansehen erringen". er würde zur Antwort geben: Was sollen mir Haus: und Hof, Ebre und Anschm, Dinge, die ich nie besessen und gekannt.habe. Da zieh ich es schon vor,. di.e Stunde zu genießen und das bisherige Leben fortzüsetzen". Ist aber Jemand im. Besitze einer guten Lebenspdsiiion uNo es ergehe an dn die Warnung, sich so zu führen, daß er diese Position nich t verliert, so würde in einem solchen Falle die Mahnung ganz, gewiß aus fruchtbaren Boden fallen. Es liegt in der- * atur des Menschen, daß er, was er einmal hatt sich auch mit aller Kraft erhalten möchte. Neuland zu erobern, ist nickt Jedermanns Sache. Würde es sich in den Vätersprüchen darum handeln, etwas zu erwerben, was wir uie besessen, alle Mahnungen und Belehrungen, alle Weisheiten und Wahrheiten wären umsonst gesprochen. Es ist aber in Wahrheit so, sagt die Eiw leitun o. daß 'bl &•> wir haben ein heiliges Gut, es ist uns von den Vätern ererbt, wir besitzenes. Es geht nickt um Neuerwerbungen,sondern darum, uns heiligen Altbesitz zu erhalten. Um wieviel mehr haben wir all die weisen Lehren in den »Büchern der Väter" zu beherzigen Es geht um Höchstes und Heiligstes, ureigenen Besitz, es geht um uns selbst! __ (Fortsetzung folgt.) Grammatikalische Anfrage. Warum sagen wir im irmn ibün "no stets D’pvnj D^n? Hieße es nicht bester öbm? Haben wir es nicht mit einer adjektivischen Form (von?pK zu tun? Wird nicht von din aüch ns'M gebildet? E. W Berlin.

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