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Der Israelit · 1929-05-16 · Heft 20 (16.5.1929) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 20 (16.5.1929)
Date
1929-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt cr. 2TL, den 6. zjar 5689 Oer israelif «]| Eil Centralorgan für das orthodoxe Judentum [{[01 I vdääläsBB all Dearündet von Dr. Ledmann in Mainz. \\ \ ralSM&i J Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmark monatlich: Ausland: Bterteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7. 27. Belga 8; Holland 3 fl. r Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslawien 68 Din.; Litauen 7.6g Lit.; Rumänien ab 1. 7. 87. 180 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. TscheSo-Slowaksi 86 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab 1.Juli 1937; Dänemark 3.80 Krön.; Norwegen 8.80 Kro«.; Schweden 3.80 «ron. 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Das ergab eine ewige Quelle von Streit und Unzufriedenheit, die ihren Ausdruck in der Außenpolitik der einzelnen Länder finden und ein gut Teil von der Kraft des Völkerbundes absorbieren. Bei der Neuregelung der Karte Europas gab es bereits einen Zionismus mit einer politischen Geschichte von 30 Jahren; eine jungjüdische Ideologie, die das nationale Moment in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens stellte. Das Wort „Nationale Minderheit", das eine gute Konjunktur hatte, wurde vom Zionismus aller Länder auf den Schild gehoben. Zu der Balfour-Deklaration im Großen kam „der Sieg im Kleinen" durch die Anerkennung der jüdischen nationalen Minderheiten und durch die Gewährleistung der nationalen Mmderheitsrechte an. die Juden in den neuen Klein- und Randstaaten Ost- und Süd- Europas. Dabei stellte sich heraus, daß die Juden zweier Länder dieses Geschenk nicht zu schätzen wußten. In Ungar n sowohl wie in der neuen Türkei erklärten die Führer der jüdischen Parteien, auf irgendwelche Minderheit s r e ch t e verzichten zu wollen. Sie fühlten sich politisch als Ungarn, bezw. als Türke,^ und mit dem Gros des Volkes verbunden, ohne die geringste Neigung zu verspüren, sich bei jeder politischen Verstimmung in den Schmollwinkel der Opposition zurückzuziehen und dort aus Solidarität mit anderen Nationalitäten, die sich im Schutz und Schatten großer Staaten hinter der Grenze diesen Luxus eher leisten können, S t a a t s v e r d r o s s e n h e t t zu markieren. Wir haben nicht ohne Absicht die Schaffung der jüdischen Minderheiten im Zusammenhänge mit dem Balfourmandat genannt. Hier scheint uns der ganze Rechenfehler der jüdischen Minderheitspolitik zu liegen, nämlich in dem Mißverhältnis, das sich dabei zwischen Zentralisation und Dezentralisation des jüdischen Nationalismus ergab. Einzelteile können in einer geistigen Linie zusammengehalten werden, wenn sie vom Zentrum einer großen Gemeinschaft her lebendigen Odem eingehaucht bekommen, von ihm gehalten und getragen werden. Die „Jrredenta" hat einen Sinn, wenn hinter ihr eine große Volksgemeinschaft, ein Staat steht, der mit Argusaugen über ihre Rechte wacht und im gegebenen Falle diese mit Androhung von Vergeltungsmaßregeln erzwingen kann. Aus dem Balfourmandat ist kein Judenstaat in Palästina hervorgegangen. Die Zeit, da, nach einer Weizmannschen Vision, „Palästina jüdisch sein wird, wie England englisch ist," ist wieder in die messianische Zukunft gerückt und das Wort selber wird von einem geschickten Politiker wie Ormsby-Gore ganz gegen die Meinung des Urhebers in eine Art von Achad-Haamismus umgedeutet. Die nationalen Minderheiten in den neuen Kleinstaaten sind geblieben; Aeste ohne Stamm und ohne Wurzel. Daraus ergeben sich die Dissonanzen, die den zuständigen zionistischen Instanzen! immer von neuem die Feder in die Hand drücken zu Denkschriften, Petitionen und Protesten an den Völkerbund. „Baal erhöre uns! . . ." Er aber schweigt. Es mag nicht recht sein und ist ganz gewiß uns und dem Völkerrechte nicht dienlich, daß Genf die Stimme der jüdischen Minderheiten, — wie der Rat derjüdischen M i n d e r h e it e n in einem soeben der Oesfentlichkeit bekanntgegebenen Memorandum an den Völkerbund klagt — so wenig beachtet. Aber schließlich: Der Völkerbund ist eben ein Bund von Völkern und Staaten, nicht aber von Organisationen, Delegationen sind Räten, die sich als Zweckverblndungen selber gebildet haben. Der Völker-! bund hat solchen Gebilden gegenüber keinerlei Verpflichtung, er hat auch keine Zeit und keine Lust, ihnen Rede und Antwort zu stehen. Beklagt sich Woldemoras in Genf über schlechte Behandlung der Litauer in Polen, beschwert sich der polnische Delegierte über Zurücksetzungen von Polen in Deutschland, so muß sie der Völkerbund anhören, die Rechtfertigung der Gegenpartei prüfen. Es sind offizielle Vertreter von Ländern, die Mitglieder des Völkerbundes sind, und er hat das Forum für ihre Auseinandersetzungen abzugeben. Beschwerden von Organisationen, Delegationen, Räten und anderen freiwilligen Gebilden-, die in Genf „um den Völkerbund herum" sich in der Runde bewegen, feratf er nicht. Das werden im Wesentlichenauch die Gründe gewesen sein, die die Judenheit in Ungarn und in der Türkei davon abhielten, den Minderheitstanz mitzumachen. Aus diesen Erwägungen heraus haben wir seinerzeit davor gewarnt, die jüdische Rote bei den Internationalen Minderheitskongressen all zu sehr zu betonen-. Es fei zugegeben, daß hie und da in Ost- und Süd-Europa sich die Bildung einer jüdischen Minderheit nach Lage der Dinge von selbst ergab, oder als besserer Schutzrahmen für das jüdische Recht sich erwies. Allein auch dort durften und dürfen die Dinge nicht überspitzt werden. Der Zionismus, der die nationale S e l b st a ch - tu n g a l s e r st e s P o st u l a t seiner politischen Erziehung verkündet, hätte lehren müssen, daß die jüdische Minderheitspolitik sich nicht darin erschöpfen darf, um jeden Preis für Andere die Kastanien aus d e m Feuer zu holen. In Polen hat man unter Führung Grünbaums eigene Vorteile preisgegeben, ein im Wachsen begriffenes gutes Verhältnis zu den Polen zerstört, aus -Solidarität mit anderen Minderheiten, die vielleicht mehr Grund zur Unzufriedenheit hatten. Die internationalen M i n - dsrheitskongresse, die wiederholte Anrufung des Völkerbundes von Seiten der Jüdischer« Delegation, haben den jüdischen Minderheiten in den einzelnen Ländern wenig genützt, so gut es immer gemeint war. Wenn nun der Rat der jüdischen Minderheiten in seinem neuen Memorandum an den- Völkerbund mitteilt, daß er auf seine Eingaben nie eine Antwort von Genf bekam, daß selbst da, wo er — wie bei den jüngsten Pogromen in Beßarabien —, eine Aeußerung der zuständigen Regierung eingeholt hat, von dieser Aeußerung dern

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