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Der Israelit · 1929-05-10 · Heft 19 (10.5.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Vor uns liegt ein Artikel der iw Czernowitz erscheinenden „Neuen Jüdischen Rundschau" mit der Ueberschrist „Der Feldzug der Schwarzen" — „Zur Methode der agudistischen Emissäre". Dieser Artikel ist eine Quittung über den Aerger, daß es im Anschluß an die Adar-Attion der Palästina-Zentrale unserem wackeren Glückman-Porusch gelungen ist, auch in Czernowitz das agudistische Leben zu entfachen. Der Wiznitzer Rebbe, Rabbiner Hager, hat im Anschluß daran auch in Wiznitz — wie es ja selbstverständlich ist — erklärt, daß der thoratreue Jude seine eigenen Lebensideale untergräbt, wenn er die zionistischen Fonds stärkt, welcher unjüdische Assimilantenkultur in Erez Jisroel fördere. Der Leitartikler in der „Neuen! Jüdischen Rundschau" schreibt u. a. in einem dreispaltigen haßerfüllten Artikel: „Wir wollen versuchen, uns mit den Agudisten cruseinanderzusehen und den Beweis erbringen, datz sie die Gottlosen sind, da sie allgemein jüdische Interessen schä-i digen, gegen Palästina arbeiten und auch in der Galuth eine geradezu verbrecherische Polltsik führen." Der Artikel schließt mit den Worten: „An uns Zionisten ist es gelegen, in all jenen Orten, wo die Agudah ihr Haupt erhebt, mit der Absicht, unsere Arbeit zu stören und uns zu verleumden, sofort eine Gegenaktion einzuleiten und die Massen über die Lügenpropaganda aufzuklären und die Arbeit ihrer Agenten zu unterbinden. Heute, wo die ganze zivilisierte Welt, wo die größten Männer des Juden tu ms, wo die Einsteins, Melchetts und Wassermanns für uns sind und mit uns arbeiten, muß die Agudah verstummen." Daß man in Czernowitz noch glaubt, mit solchen Dingen Bauernfängerei treiben zu können, daß man -es wagt, einem Wiznitzer Rebbe gegenüber die iw dem Artikel genannten Perösnlichkeiten jüdischer Rasse als die „größten Männer des Judentums" ausspielen zu können, daß man nicht die Gefahr der eigenen Lächerlichkeit fürchtet, beweist, daß wir noch nicht laut und vernehmlich genug unseren Standpunkt in der Erez Jisroel- Frage der jüdischen Welt gekündet haben. Daß es auch heute nach jüdischer Anschauung besser ist, im Galuth zu bleiben, als nach Erez Jisroel zu gehen und dort die Thora zu entweihen, ist bereits in einem Werke zu lesen, das über den Verdacht erhaben ist, aus parteipolitischen Zwekken geschrieben worden zu sein, nämlich im 12 ^2 wo in Kapitel 127 in unzweideutiger Form zum Ausdruck gebracht ist, daß diejenigen, die nicht die Thora halten, besser daran tun», im Galuth zu bleiben, als nach Erez Jisroel zu gehen, denn schwerer werde die Entfremdung vom jüdischen Geiste in Erez Jisroel geahndet als in Chuzo Loorez. Der hebräische Urtext lautet folgendermaßen: px*? q^inn muon ipy fjwfc n'pxVVi omn 2rD" '71121712 712002 Enisow 102 xVx 12'X Vx'lEP imiro 71000 *1103 miso nan 'Vmaiy *?3 Vy 13 pVnio o'p'"i piy Voo inni *jV’xi fX2o Ems nmv mbn oxo nnr> Vay xom ox^ pX2 Tnanun Jinuon io na n ’ryi toti rmix Enn n 0 pxV nsina xon' mo^ i'v^so niD^oo n2io non ia’xi Ton iTirmrni ni^i? o’sm 08^ ooHirr |mxi ^iai poVsV pi 1X12711 ],tV» ’3X XHp H0E7 D01j77in^1 711MS2 VX1 ^2x 'nun oion goto tixt Vp2 *»o unx rix ixovrn «ii2iy^ p px .22.2021 ntynp2 anann1? *^nw '0 Diesen Gedanken gang in aller Deutlichkeit auszusprechen, scheint uns bei der überragenden Bedeutung der Erez Jisrvel-Frage bei dem Gesamt-Fragekomplex, welcher mit der Agency, mit dem Chinuch m Erez Jisroel zusammenhängt, Pflicht der zweiten Kenessio Gedaulo zu sein. Dem yizn' dem bewußten prinzipiellen Gesetzesleugner -antworten wir deutlich, daß wir m i t a l l e n K r ä f t e n e r st r e b e n, in E r e z Jisroel ein wirklich jüdisches Letz e n zu führen« und d afü r auch zu arbeit e n, daß über Erez Jisroel n u r dann für ups Wert und Bedeutung hat, wenn es ein territorriales Werkzeug ist, um den Willen Gottes zu erfüllen. Damals bei dem Auszug aus Mizrajim wäre es auch dem yEn nicht vergönnt gewesen, mit nach Erez Jisroel zu gehen rrh xb de> nn i*?x Vxaani. d n Wohl eine der beträchtlichsten Gruppen in unserer Aguda ist diejenige der naiven schlichten Menschen, welche zwar dem Namen nach der Aguda angehören, aber stets und ständig mit Recht oder Unrecht darüber klagen, daß sie eigentlich nicht wissen, was vorgeht. Sie fragen alle 71x7 no: „was ist das?" Sie wollen informiert sein, sie wollen durch die Presse, durch Borträge, durch persönliche Belehrung unterrichtet werden, worin die agudistifche Betätigung besteht. Und es sei offen« zugestanden, daß hier einer der größten Mängel in unserer Organisation vorliegt. Wir haben Abteilungen für Erez Jisroel, für Thora, für Politik, wir haben aber keine Abteilung für uns selber, nämlich für die Organisation. Es ist sicher nicht das schlechteste Zeichen für eine Organisation, wenn sie an sich selber vergißt angesichts der Fülle von Spezialzwecken, die sie anstrebt. Aber es bedeutet doch letzten Endes eine Unmöglichkeit, wenn man mit der Organisation und Propaganda für die Aguda selber immer erst dann beginnt, wenn eine Kenessio Gedaulo zu erwarten ist. Es dürfte nicht Vorkommen, daß in den« letzten Monaten vor der Kenessio Gedaulo erst ganze Länder bereist werden müssen, um das schlafende agudistische Leben neu zu stärken, um Orts- und Jugendgruppen zu gründen. Mit anderen Worten: die agudistische Ideologie, daß wir leider gezwungen sind, uns zu einer Partei zusammenzuschließew, um das altjüdische Ideal des Herausreißens von aller Tumo mitten im Kulturleben der Gegenwart zu verwirklichen, muß in ganz anderer Weise als bisher verkündet werden. Es muß jeder Fragende eine Antwort finden. Es muß die Kenessio Gedaulo sich darüber klar werden, daß die organisatorische Zukunft der Agudas Jisroel davon abhängt, ob es gelingt, die Lethargie und die Gleichgültigkeit gegenüber der Aguda!cs fi$ in ihren eigenen Reihen durch eine systematisch'^ n durchgeführte organisatorische Abteilung zu be- ^f’ heben. Auf die Frage des oti ist in tausend Variationen zu antworten, daß wir auch heute uns befreien lasten wollen aus der Versklavung durch unjüdische von außen — aus Mizrajim — hergeholter Ideologien^ •onuoo n mxrsin *r» prnn o ■ iv. Var? rrv irat? Gilt das Vorangesagte für die Mitglieder der agudistischen Weltorganisation selberfo. trifft dieses in verstärktem Maße gegenüber der großen Masse des jüdischen Volkes zu, welche überhaupt keine Frage nach der Aguda stellt, die nichts davon weiß, daß es eine Aguda gibt, und wenn sie es weiß, daran achtlos vorbeigeht Man vergleiche einmal beispielsweise rein quantitativ die Berichterstattung über Vorgänge innerhalb der Aguda in der nichtagudistlschen Presse mit dem Raum, der die Berichterstattung über nicht agudistische Dinge in agudistischen Blättern einnimmt. Mag sein, daß nicht immer böser Wille der Wunsch nach Bagatellisierung der Aguda diesem Schrveigen zugrunde liegt. Mag sein, daß wir uns selber zu viel bagatellisieren, mag sein, daß wir in urnweiser Selbstbeschränkung glauben, zu schwach zu sein, um in allen jüdischen Fragen (Sowjetrußland, Emigrationsfragen, Zusammenschluß der Sefardim, ideelle Röte im Erziehungswesen Nord- und Südamerikas, Diasporasplitter in Abessinien, Spanien usw.) aktiv Stellung zu nehmen; aber diese Selbstbeschränkung ist dann die Ursache dafür, daß in dem betäubenden Lärm des Tages die Stimme der Aguda ungehört verhallt. Wollen wir uns Beachtung e r z w i n g e n, d a n n d ü rfen wir nicht warten, bis wir irgend w 0 a n g e g r i f f e n w e r d e n, bis man von uns etwas wünscht, sondern wir müssen uns mit unserer Weltanschauung in der geeigneten Form an alle jüdisch interessierten Kreise wenden, um den alten herrlichen Glanz eines reinen unverfälschten« Thorajudentums in jeder Frage, die die Judenheit angeht, zur Geltung zu bringen und zu dieser unbedingt notwendig erhöhten Aktivität der Aguda Stellung nehmen. "p2*? Tnanv Organisation oder Zweckverband? Don I. II. in Arauirfurt a. II. Die Ausführungen meines Freundes und Kollegen, Herrn Dr. S. E h r m a n n, sind trotz der gewählten homiletischen Form — in ihrem ersten Teile — ein ernster und dankenswerter Versuch, eine der grundlegenden Verfassungsfragen der Agudas Jisroel auf eine knappe, die Klärung erleichternde Formel zu bringen. Wer bei solchen Veremsachungsversuchen besteht immer die Gefahr, daß wesentliche Züge verwischt und an die Stelle der objektiven Wahrheit subjektive Formulierungstendenzen gesetzt werden. Zunächst ist es schon rein historisch unrichtig, daß man in K a t t 0 w i tz nur an« einen Zweckverband und nicht an eine ideell eindeutig fundierte Organisation gedacht habe, wie es ebenso auch der historischen Wahrheit widerspricht, in den ß 4 der W i e n e r Verfassung die tiefe Absicht der Umwandlung des Zweckverbandes in eine Organisation hinemzuinterpretieren. Das offizielle programmatische Referat, das in Kattowitz gehalten wurde, unterstreicht bereits mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit, daß um den Aufbau des g e f ch i ch t - jüdischen Volkes mit der Thora als organisiere n d e r S e e l e handelt — also nicht um einen Zweckverband, sondern eben um das „Volk der Thora". Trotzdem hat in Kattowitz niemand beantragt, Misrachisten aus der obersten Leitung auszuschließen. Ausschließen wollten die ungarischen Freunde und mit einer kleinen Abschwächung der Heimgegangene Frankfurter Raw nur diejenigen, die, sofern si e an eiwem Orte mit selb stän d tg er orthodoxer G em e inde wohnen, dieser nicht angehören. Diese Forderung wurde später fallen gelassen, wohl weil man hoffte, daß das Schwergewicht der persönlichen Mitarbeit genügen werde, um die unerwünschten Kreise auch ohne statutarische. Bestimmung vom Eintritt und Einfluß fernhalten zu können. Ebensowenig aber wie m Kattowitz an einen bloßen Zweckverband, hat man in W 2 e n bei Schaffung des § 4 an eine Negation, des Zweckverbandes und an die Verwirklichung^ des straffen, logisch abgerundeten Organisationsbegriffes gedacht.' Vielmehr war es hier q'u s - s ch l i e h l i ch die in den slovakischen Gemeinden. immer'stärker ihr Haupt erhebende misrach- Zahle Deine Rausch Chaudesch.Spende für unsere Schulen in €rez Jisroel« Palästina-Centrale der Agndas-Jisxoel in Frankfurt am Main, postschelkkonko Jlt. 53900 Frankfurt a. Al.;.n

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