Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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©fciffer . kevansgegeben von dee fandcsosganifotion der Agudas-Iisroel in Deutfefiland. (5. Jahrgang Hamburg, 10. Mai ,929 / 30. Mßan 5689 Nummer 9 5chrifileitung: Wdkf S. Jacsüfsn in KamAurg. An die Ortsgruppen der Landesorgamsation der Agudas Zisrsel in Deutschland. Sehr geehrte Herren! Wir überreichen Ihnen in der Anlage die Tagesordnung für den diesjährigen! Delegiertentag und hoffen bestimmt, daß auch Ihre Gruppe aus dem Delegiertentag vertreten sein wird. Aus diesem Grunde bitten wir die Gruppen, welche der Aufforderung auf Abführung der Mitgliedsbeiträge noch nicht entsprochen haben, dies schnellstens nachzuhol-en und für Absendung, der Gelder an uns und Aufgabe der Namen der Namen der von Ihnen gewählten Delegierten postwendend Sorge zu tragen . Wir zeichnen mit verbindlichen Grüßen ' in ausgezeichneter Hochachtung Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschlands gez. Oberrabbiner Dr. Spitzer. Tagesordnung für den deutschen Delegiertentag am 19. und 20. Mai a. c. (Pfingstsonntag und Montag) in Leipzig. Tagungsraum: Künstlerhaus, Nikifchplatz. Sonntag, 1.30 Uhr: Sitzung des Gesamtvorstandes der L. O. 4 Uhr: Eröffnung des Delegierterttages; Begrüßung durch den Vorsitzenden; Bericht des G. A.; Bericht der Landesorganisation; Bericht der Jugendorganisation; Bericht der Palästina-Zentrale; Bericht des deutschen Keren Hatorah; Bericht des Kriegswaisenfonds; Wahl der verschiedenen Kommissionen; Eröffnung der Generaldebatte. Montag, 9.30 Uhr: Referat: „Die 2. Kenessio Gedaulo". Referent: Dr. Lipmann Schlesinger - Hamburg. Diverse Korreferenten. Fortsetzung der Generaldebatte einschl. der Kenessio Gedaulo-Probleme. 1—3 Uhr: Mittagspause; Anträge; Wahlen. 6 Uhr: Schluß des Delegiertentages. 8 Uhr abends: Voraussichtlich öffentliche Kundgebung. Vreisvrckeilung. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel- Frankfurt a. M. weist darauf hm, daß die Verlosung der Preise am Mittwoch, den 5. Jjar (15. Mai) stattfindet. Die Beträge zur Beteiligung müssen bis zu diesem Termin aus das Postscheckkonto der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel Nr. 53 900 Frankfurt a. M. überwiesen sein. Zur Kenessio Gedaulo. Von Dr. Salomo« Ehrmann in Frankfurt a. M. *) Von der v er ehrlichen Leitung der „Jüdischen Presse" in Wien aufgefordert, für die Pessachnummer eine Betrachtung über die Kenessio Gedaulo zur Verfügung zu stellen, blättere ich nachdenklich in de? Hagodo schel Pessach. Und siehe da, der Abschnitt über die arboo bonim scheint Mir wie wenig andere geeignet zu sein, vieles von dem auszudrücken, was über die Kenessio Gedaulo *) Der nachfolgende Aussatz erschwu zu Peßach in der Wiener „Jüd. ■ Presse" und dem Warschauer „Jud", woraus sich (eine Form «klärt. Wir glauben ihn jedoch um des sachlichen Inhaltes willen auch den deutschen Lesern nicht oorenthalten zu dürfen. Red. zu sagen wäre in diesem Stadium, in welchem vön dem g e i st i ge n Inhalt der Keness k o Gedaulo sehr wenig die Rede war. Trotz dieser befremdenden! Schweigsamkeit ist es wohl die Meinung eines nicht unbeträchtlichen Teiles der Agudas Jisroel, daß die Kenessio Gedaulo etwas zu sagen hat und zwar nicht dasjenige, was selbstverständlich ist. Wenn die Kenessio Gedaulo nichts anderes sein sollte als eine bloße Demonstration, als eine Zusammenkunft der Gle-ichgesin'nten, die sich gegenseitig begrüßen und freuen, daß sie da sind, so wäre immerhin die Frage berechtigt, ob in unserer Zeit der Wirtschaftsnöte hierfür größere Opfer an Zeit und Geld berechtigt find. Die Nacharbeit nach der ersten Kenessio Gedaulo war ja nicht so, daß das Beispiel sehr ermunternd wäre,, von einer bloßen demonstrativen Versammlung reale praktische Zukunstskonsequenzen zu erhoffen. Immerhin, die erste Kenessio Gedaulo mußte sein und hatte ihre Existenzberechtigung darin, daß sie eben die erste war. Eine zweite Kenessio Gedaulo muß die Bilanz von dem ziehen, was zwischen der ersten und der, zweiten Kenessio Gedaulo in der Stellungnahme zu Agudas Jisroel innerhalb und außerhalb unseres Kreises zu registrieren ist. Und da scheint es ein Gebot der Ehrlichkeit auszusprechen, daß sich die Agudas Jisroel seit der ersten Kenessio Gedaulo noch keineswegs jene Festigung, jene Volkstümlichkeit erworben hat, welche in dem Schwünge der Begeisterung als Nachwirkung von der ersten Kenessio Gedaulo erhofft wurden. Es fehlt uns nicht an Chachomim im Sinne der Hagodo, welche die Frage stellen, wozu es denn der Satzungen so viele in der Aguda bedarf. Wozu denn etwas anderes, als eine Organisation, welche all diejenigen vereint, 'die den Sabbat halten, die Göttlichkeit der Thora anerkennen und dergleichen'. Ein charakteristisches Beispiel .für diese Art von Chachomim bietet ein Artikel, der vor kurzem in einer Betrachtung, welche der Kenessio Gedaulo gewidmet wurde, veröffentlicht wurde. Es fei gestattet, einige Zitate aus diesem Artikel hier anzuführen: „Auch Agudas Jisroel rief einst in Kaltowitz auf zur Sammlung. Inzwischen ist Agudas Jisroel organisatorisch auf den Anstnttsstandpunkt festgenagelt worden. Heute — angesichts der Kenessio Gedaulo — müssen wir in unseren Reihen wieder eine Bewegung zur Samm-i hing entfatfyen. Entfachen? Die Bewegung sit da — sie wagt sich nur noch nicht empor. Die Menschen warten — sie stehen nur zersplittert. Sie fürchten sich noch. Man wird von offizieller Seite erwidern: „Wer immer zu uns kommt, den weisen wir nicht zurück — so war es immer bei uns, fo ist es noch heute!" — Doch damit ist's noch nicht getan! Wir müssen zeigen, datz wir unsere Brüder brauchen, müssen sie he'anholen, müssen sie gern und gleichberechtigt sich bei uns auswirken lassen und zur Wirkung einen. Wie soll dies vorbereitet werden? Fraktionsbildung innerhalb der Agudoh? Möglich, aber der Einh-srt unserer Bewegung unter Umständen gefährlich. Abschaffung des § 4? Mag er bleiben für die Länder, die in Paragravhen Sicherung sehen! Wird in Deutschland ein Rabbinichser Rat es wagen, dem Willen zum Scholaum diese umstrittene an ri-rrs na. wdia' als allgemeinen Pfak entgegenzuhalten? Wenn ja — dann wird Agudas Jisroel für Deutschland erledigt sein." Diese Sätze stehen nicht etwa in einem misrachistischen ° Blatte. Die Ansicht, daß die deutsche Aguda erledigt s e i, wenn der R a b b i n i s ch e Rat es „wage", eine Entscheidung seiner Ueberzeugung gemäß auszusprechen, stammt nicht etwa von einer anti-rablnnischen Feder, sondern dieses alles ist zu lesen in dem' offiziellen Organder Agudas Jisroel-Jugendorgamsatton in Deutschland, und zwar in dessen Jahrgang 3, Heft 1, März 1929. Und alle Indizien sprechen dafür, baß dieses nicht etwa die! Meinung eines outsiders darstellt, sondern diejenige der offiziellen Schriftleitung dieses Blattes. Ein weiterer Passus dieses Artikels glaubt, betonen zu müssen, daß es am einfachsten und leichtesten fei, wenn man ganz rechts in der Agudas Jisroel stünde, denn dann — so meint der Artikel wörtlich —: „brauche man immer nur nach einer Front zu negieren" . . . „So entstehen all die Schlagworte von „Emetz, der über den Scholaum gehe", von der „Prinzipienreinheit der souveränen Orthodorie", von der „taurohgemätzen Austrittspolilik", von der immer bereiten „religiösen' Begründung". All diese Schlagworte — sie schrecken uns nicht. Man mutz nur wissen, wie politische Meinungen psychologisch, affektiv gefärbt sind. Wird nicht heute sogar der Psak in die Niederung der weltanschaulichen Bedingtheiten herabgezerrt? Wagen wir es also — unter der Gefahr, als unlogisch, als unreligiös, als inkonsequent zu gelten —. angesichts der Möglichkeiten, die unsere Generation hätte, aber nicht ausgenutzt hat, bescheiden zu fragen: Wo bleibt der aktive Scholaum? Wo bleibt er in unseren Reihen? Ist nicht auch der Scholaum eine grotze Sache, die man nicht so leicht nehmen soll, um seines Emetz halber? Kann nicht gerade Emetz leicht subjektiv sein, ist nicht aber gerade Scholaum viel objektiver? Ist nicht Emetz nur im Menschen, ist nicht Scholaum z w i s ch en den! Menschen und also fester gegründet?" Diese Fragen erheischen« Antwort, denn es wäre töricht, zu glauben, daß der Artikelschreiber hier seine subjektive Meinung zum Ausdruck bringt. Es sind gewiß viele Agudisten in Deutschland, welche 'innerlich vielleicht den Stil und die Form dieser Ausführung nicht geheißen, sich aber letzten Endes doch mit ihrem Inhalt identifizieren. Schließlich muß aber doch die Kenessio Gedaulo die entscheidende Ansicht der Gesamtagudo wiedergeben. Wenn man die Fragen, die hier gestellt werden, kurz formulieren will; so könnte man sie in die kurze Fassung bringen: entweder Katto witz oder Wien. Das heißt: Ist die Agudas Jisroel bloß ein Zweckverband, in dem auch in den obersten Verwaltungsorganen all diejenigen, welche individuell orthodox sind, zur Leitung und Führung völlige Gleichberechtigung haben? Oder aber ist die Agudas Jisroel nicht bloß ein Zweckverband, sondern eine Organisation, die auf dem Standpunkt steht, daß jedes organisatorische Kompromiß mit Organisationen, Gemeinden oder Parteien, die die Thora nicht als Grundlage kennen, mit dem Ideal der Agudo unvereinbar ist. Wenn die Aguda aber diesen Standpunkt hat, da muß sie sich sorglich davor hüten, durch Verwischung dieses Gegensatzes den Glauben zu erwecken, als ob diese Dinge bloß lokale oder territoriale Angelegenheiten von untergeordneter Bedeutung wären, die aber den Klall Jisroel Nicht weiter angehen. Diese Frage muß entschieden w e r - d e n. Es dürfen nach der zweiten Kenessio Gedaulo nicht wieder Debatten darüber beginnen, was eigentlich der Sinn der Agudo sei. Man wird sich fragen, inwieweit die innerjüdischen Fragen in Crez Jisroel, in Polen (Wilna!) usw. im Bewußtsein der Weltorthodoxie den Eindruck hervorgerufen haben, daß es richtiger sei, die Agudas Jisroel in Zukunft im Sinne von Kattowitz oder im Sinne der ersten Kenessio Gedaulo von Wien zu orientieren. Nach der zweiten Kenessio Gedaulo muß Klarheit darüber sein. Nach diesem Pessach darf nicht nochmals ein N a ch t i s ch .k o m m e n . Auf die Frage des Chochom lautet die Antwort: pip'sx nosn "ins p“>t3SQ )■»»• - n. Leider sind wir noch immer genötigt, Antworten auf Fragen zu geben, die uns von jenem Teile des jüdischen Volkes gestellt werden, die prinzipiell und bewußt sich dem Thoraideal gegenüberstellen. Klarheit über das Wesen der Aguda ist noch keineswegs allüberall verbreitet. •. < : r i i i; 1. c* i: