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Der Israelit · 1929-05-03 · Heft 18 (3.5.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Nr. 18 Der Israelit 3. Mai 1929' Synagogen im Jahre 1927 nur noch 1034 Synagogen übrig geblieben waren. Seit 1927 sind wiederum etwa 100 Synagogen behördlich beschlagnahmt und in Arbeiter- Hubs umgewandelt worden. In Weißrußland" sind bis zum Jahre 1927 100 Synagogen behördlich geschlossen worden. In der gleichen Weise wie die Zahl der Synagogen vermindert sich auch die Zahl der Ortsrabbiner, denen bekanntlich im heutigen Rußland die materielle Grund läge für ihre Existenz fehlt, da Gemeinden nicht bestehen dürfen und die Rabbiner auf Zuwendungen seitens privater Personen angewiesen sind. In den Jahren 1914 bis 1927 verminderte sich denn auch die Zahl der Rabbiner in der Ukraine von 1059 auf 850. In dem gleichen Ver hältnis verminderte sich die Zahl der Rabbiner in Weißrußland. Das Zentralerekutivkomiiee der Sowjetunion veröffentlichte soeben ein neues Gesetz,, das die Rechte und Funk-- tionen religiöser Organisationen in der Sowvetunion um grenzt. Danach behalten religiöse Körperschaften, die mindestens 20 Mitglieder im Alter von über 16 Jahren zählen, ihre Rechte wie bisher, diese sind aber jetzt schärfer definiert. In dem Gesetz ist auch genau das Versah-, ren umschrieben, das bei Schließung von Gotteshäusern angewendet werden soll, Vorgesehen ist auch die Bildung von Gläubigen-Gruppen mit weniger als 20 Erwachsenen in einem Orte. Das Zentralexekutiokomitee hat eine Korn rnission zur lleberwachung der Handhabung des neuen Religionsgesetzes eingesetzt. England. Die Konferenz der englischen Inden und die Iewish Agency. London, 23. April. Am Sonntag, den 21. April, nachmittags, fand in London die vom Iewish Board of Deputies einberufene Konferenz einglisch-jüdischer Organisationen statt, um zur Frage dü> Einrittts von Vertretern der nichtzionistischen englischen Iudenheit in die Iewish Agency Stellung zu nehmen. Die Konferenz war von etwa 200 Delegierten aus London und der Provinz beschickt. Den Vorsitz führte der Präsident des Board of Deputies d'Avigdor Eoldsinid. Einstimmig wurde die folgende Resolution zum Beschluß erhoben: Die Konferenz von Vertretern jüdischer Kongregationen und Institutionen in England ermächtigt den Board of Deputies, sechs Vertreter zu wählen, die die jüdische Gemeinschaft Englands in der Iewish Agency für eine vom Board noch zu bestimmende Zeit vertreten sollen. Jahresversammlung der Anglo-Iewish Association. London, 15. April. In der in London stattgefundenen Jahresversammlung der Anglo-Iewish Association wurde ein Bericht des von der Association und dem Iewish Board of Deputies gemeinsam gebildeten Joint Foreign Committee über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern verlesen. In dem Bericht wird zunächst festgestellt, daß das letzte Jahr ohne explosive Aeußerungen des Antisemitismus in den Ländern Osteuropas verlaufen ist. Diese erfreuliche Feststellung darf seit vielen Jahren jetzt zum ersten Male gemacht werden. In Ungarn und Rumänien, Länder, die dis vor kurzem Gefahrenquellen bildeten, ist nicht allein Ruhe und Ordnung erhalten geblieben, sondern das Werk der gesellschaftlichen Versöhnung zwischen Juden und Christen hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Es wäre übereilt, aus der augenblicklichen Lage Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, aber im Hinblick auf den oft bezeugten guten Willen der betreffenden Negierungen, die heute bejstehenden guten Beziehungen zwischen diesen Regierungen und dem Joint Foreign Committee und die Wachsamkeit des Völkerbundes besteht Grund zu der Hoffnung, daß das letzte Jahr der Ruhe wirklich einen Wendepunkt in dem Schicksal der Juden dieser Länder bedeutet. Dennoch ist der Ausblick auf ^Osteuropa nichts vollkommen unbewölkt. Wenn es auch wahr ist, daß Entrechtungen . der Juden' in Sowjetrußland nicht Vorkommen, und, daß Ausnahmebestimmungen gegen die Juden als solche nicht bestehen, so hat sich ihre Lage dennoch sehr schwierig, ja tragisch gestaltet. Die für die jüdischen Masse nbestehende Unmöglichkeit, sich der Sowjetwirtschast andes Ghetto, bestandene. Die Gesetze über die Beschränkung der religiösen Erziehung, die formell für alle Konfession nen geschaffen wurden, wirken sich gegenüber den Juden infolge des fanatischen Atheismus der sogenannten „Iewsekzia" (jüdische Sektion ver kommunistischen Partei) besonders schlimm aus. Dazu fehlen noch die finanziellen Mittel, die erforderlich sind, um aus . dem vorn Gesetz gestatteten Erleichterungen den bestmöglichen Nutzen zu zie hen. In der letzten Zeit geht unter den Kommunisten eine ungeheuerliche antisemitische Agitation vor sich, die trotz der scharfen Gegenmaßnahmen der Negierung die Zukunft düster erscheinen läßt. Ein großes Gebiet der Be tätigung zugunsten der russischen Juden eröffnet sich auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation und der Unterstützung der Handwerker und Heimarbeiter, ferner in der Beschaffung von Fonds für charititive Institutionen. Auf religiösem Gebiete jedoch scheint die Lage für den Augenblick hoffnungslos. In der letzten Zeit war viel von der Unterdrückung der Juden auf der Halbinsel Aeinen in Südarabien die Rede; es wurden alle möglichen Schritte ergriffen, um die Lage zu erkunden. Die Beziehungen des Joint Foreigl Committee zu ähnlich strebenden Gesellschaften in anderen Ländern haben sich auch in dem Berichtsjahre furchtbar gestaltet. Dies war besonders der Fall bei den Beziehungen zu der Alliance Israelite Universelle in Paris, der Iewish Colonisation Association in Paris und dem American Iewish Committee in New Aork. Herr Louis Marschall, Präsident des American Iewish Committee, besuchte im Sommer o. I. England. Die Leitung des Joint Foreign Committee hat sich bei dieser Gelegenheit mit ihm über die schwebenden Fragen und über ein gemeinsames Vorgehen unterhalten, und es wurde eine engere Zusammenarbeit arrangiert. Die Zusammenarbeit mit der Allst ance und der ICA gestaltete sich ungemein herzlich und zeitigte beträchtliche Erfolge. zupassen, hat sie zu einem Zustand der Verarmung ge führt, der weit schlimmer fst. als der in den alten, Zeiten angeschnittene Frage der späteren Erwägung ddr Agency Die englische Iewish Agency-Konferenz. London, 24. April. Die Iewish Agency-Konferenz, die seit Monaten vorn Board of Deputies in Verbindung mit der englischen zionistischen Federation durch eine enorme Propaganda in der ganzen englischen und jüdischen Presse vorbereitet worden war, kann schwerlich als Erfolg betrachtet wierden. Die großen synagogalen Gruppen, die United Synagogue und die sefardische Synagoge waren nur zu „Informationszwecken" anwesend; die „Liga britischer Juden" mit mit den Rothschilds Swaythlings und Magnus' ebenfalls. Die Gewerkschaften (Drucke unions) waren mit einer einzigen Ausnahme unvertreten, sodaß die Konferenz zweifellos weniger repräsentativ war, als der Board of Deputies selber. Die Londoner Agudas Iisroel hatte bei Annahme der Einladung ausdrücklich erklärt, daß damit für die Teilnahme an der Agency selber nichts gesagt sei, daß diese vielmehr gänzlich von religiösen Erwägungen abhänge. Die Hauptsprecher der Konferenz, Mr. Avigdor G o l d s m i d und Sir Robert Waley. Cohen erklärten, daß sie stolz seien auf ihre.jüdische, Religion und auf ihr britisches Bürgertum. Rabbi Dr. S ch ö n f e l d eröffnest die Debatte mit einem. Appell an,.bie für die Agency verantwortlichen Persönlichkeiten, nicht länger i r r e l i g i ö s e E r z i e h u n g-s i n,st i - tu tionen in Palästina zu. unterstützen. Er wisse aus eigener Erfahrung aus seinem längeren Aufenthalte in Palästina, welche Gefahren das zionistische Erziehungssystem mit sich bringe. Die Traditionen der englischen Iudenheit sollten von Rechts wegen die Teil-i nähme an einer Bewegung verhindern, die nicht in Harmonie stehe mit der jüdischen Tradition und dem jüdischen Gesetz. Die orthodoxen Juden der ganzen Welt würden gerne die Gelegenheit zur Mitarbeit in der Agency ergreifen, aber «t wisse, daß dies unmöglich sei, solange die von ihm ge schilpe r t e n gegenwärtigen Zustände a n d a u e rt e n. Mr. K e ft e n bau m -von der „Union orthodoxer Gemeinden" unterstützte Dr. Schönseld, während' Mr. Goodmann als Vertreter der Londoner Aguda «rklärte, daß die Annahme der von Dr. Schönseld gemachten Vorschläge Unzweifelhaft den evtl. Eintritt der Aguda indie. Agency erleichtern würde. Die Frage sei AochereitS' früher zwischen der Aguda und, der zionistischen Organisation erörKrt^chordön7MM^ehng'en "weiteren Erörterungen erwiderte der Präsident der Konferenz, daß die von Dr. Schönfeld und dem Vertreter der Aguda selber überlassen bleiben müsse. Die Resolutionen wurden dann, i n de m s ich d i e Op Position der Abstimmung enthielt, einstimmig angenommen. 3ngoflm>ien. Die Jüdische Religionsgemeinschaft ln Jugoslawien. B e l g r a d , 14. April. Das vor einigen Tagen mit dem Justizministerium vereinigte Kultusministerium hat einen Entwurf eines besonderen Gesetzes^uber die jüdische Religionsgemeinschaft ausgearbeitet. Das Gesetz soll die volle Gleichberechtigung der jüdischen Religion und die bisher bestehende Autonomie der jüdischen Kultusgemeinden garantieren. Vor der letzten Redaktion dieses Gesetzentwurfs haben bei dem Kultusminister die Delegierten des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden, ferner Delegationen des Rabbiner- und Kantorenverbandes vorgesprochen. Die, legi» time Vertretung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Jugoslawien soll nach dem Entwurf der Verband der jüdischen Kultusgemeinden sein, wogegen der Verband Orthodoxer Gemeinden Einspruch erhebt. Die Kultusgemeinden werden wie bisher das Recht der Besteuerung ihrer Mitglieder haben. Der Entwurf wird nicht früher Gesetz werden, als bis das interkonfessionelle Gesetz proklamiert wird, das im Zusammenhang mit der Frage des Konkordatsabschlusses steht. (I. T. A.) Personalien. Kleinsteinach (Unterst.), 22. April. Frau Lehrer Sichel Ww., Kleinsteinach (Unterst.), beging ihren 75. Geburtstage am 23. April 1929. Königshofen i. Grabfelde, 27. April. Am bv si->nrr nos feiert Frau Gietchen Friedmann, geb. Gutmann, aus Niederwerrn, in seltener geistiger und körperlicher Frische ihren 60. Geburtstag. Mit ihrem 1917 verstorbenen Gatten, Bernhard Friedmann, pflegte sie gemeinsam ein echt jüdisches Familienleben und erzog ihre 7 Kinder zu religiösen, tüchtigen Menschen. Fürth, 26. April. «san npnx -pTa nu'v mssn moy Sellen hat sich im Leben dieser Weisheitsspruch mehr erfüllt, als bei dem in unserer nbrnp hochgeachteten, von allen Seiten verehrten Reb Mordche Faust, dem Vm>- mwa dem Rabbiner unserer alten Fürther Klaus, rrnpn hat ihm die '’ot gegeben am nos bv xn -nos den 95. Geburtstag zu begehen, in aller Stille, in seinem bescheidenen Heime, hinter seinen alten, dicken Folianten, die er eigentlich garnicht mehr benötigt — beherrscht er doch ihren ganzen Inhalt mit seinem Riesengedächtnis klar und auswendig. Ein Leben voll npix, voll Pflichttreue zieht -an uns vorbei, wenn wir diesen ehrwürdigen Greis und sein Schaffen und Tun betrachten. ci'io.r mVv.ai rvruy mw bas sind die drei Edelsteine der r-nasn moy welche ihm das Greisenalter um das edle Haupt gelegt. Ein unermüdlicher Forscher und Lehrer im mrm bv d-> tiefschürfend, beschlagen in all ihren Zweigen und gerne davon gebend, jedem der aus diesem Vorne schöpfen will. Dabei von einem seltenen dw asi» Unsere ni"np freut sich, daß dieser Vvn vom alten Schlage mit dieser Älterskrone in ihren Mauern ausgezeichnet wurde, möge n"2pn seine Jahre verlängern, rw ns» r;' Vermischtes. Kassel, 21. April. Der im Jahre 1773 gegründete Krankenpflegerverein beging seine 150 jährige Jubelfeier unter Vorsitz des Herrn Rüdpls Nußbaum.. Ueber die Aufgaben und Ziele des Vereins verbreitete. sich Herr Landrabbjner Dr .Walter .in einer eindrucksvollen Festansprache.- 'Kranke zu besuchen, Liebestätigkeit/ zu üben, Not und Elend zu lindern, sind die' hehren' Ziele, deren ich im Laufe der 172 Jahrhunderte Mckere Männer" gewidmet haben. Den verstorbenen Mitgliedern, deren Namen verlesen wurden, gedachte man in feierlicher Andacht. Die Vertreter der Behörden und Vereine brachten dem Jubilar Glückwünsche ihrer Auftraggeber dat. Herr Iustizrat Dr. Rothals gratulierte als Vorsitzender des Vorteheramtes der Israeliten und betonte die innere. Verbundenheit mit dem Verein. Sein Vater. Jeremias Rot- HLls, hatte bei der Hundertjahrfeier die Festrede gehalten^ Rechtsanwalt Dr. Kätzenstein, der Vorsitzende des Aeltesten- Kollegiums der Gemeinde, überbrachte, Glückwünsche und dankte für das segensreiche Wirken des Vereins. Für den Israelitischen Armenpslegerverein sprach Eeineindealtester A. Heinemann, während die „Brüderschaft" und andere Wohltätigkeitsvereine durch den Gemeindeältesten Moritz Loeb vertreten waren. .In herrlichen Worten - gedachte A. Fiorino, dessen Urgroßväter zu den verdienten Mitgliedern des. Vereins -'gehörte, als. Ehrenvorsitzender der Humanität und Vorsitzender des Kuratoriums des Israelitischen Weisenhauses, der gemeinnützigen Arbeit durch.. Pen Krankenpflegerverein. Der Vorsitzende Nußbaum dankte allen Rednern. > •. - --- -- - Berlin, 24. April. Die ,Mensa academica judaica" in , Berlin, Rosenthalerstr. 41 (Hacke'scher Hof), wird am Montag, den 6. Mai!-1929 eröffnet! Nähere. Einzelheiten gehenallen Angemeldeten noch direkt, von der Geschäftsstelle: Rosenstr. 2—4 zu.

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