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Der Israelit · 1929-04-24 · Heft 17 (24.4.1929) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 17 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2. Nr. 17 Der I-sraekit 24. AprtL 192S schaffte einen großen Regenschirm an, den der Begleiter bei Regenwetter über den Mehlsack aufspannen mußte und mit Vorsicht mußte der Träger in der Straßenmitte gehen, da die Kändeln. der alten Häuser immer tropften. Das Backhaus, ein längliches Gebäude mit Mehl-Beuteln. Bedikas Chomez. Aus der ZU Efch-Hagada von Venedig 8476 (1716). drei großen Vogentüren, die zugleich als Fenster dienten und reichlich für eine nicht immer angenehme Kühle sorgten, barg drei Backöfen, wovon im Laufe des Jahres zwei zum Setzen benutzt wurden, und einer für Pefach reserviert war. Der zweite wurde vor Pefach gekaschert und zum Glühen von eisernen Kröppen sehr stark benützt. Hunderte von solchen mit schweren Deckeln wurden hier mit Kreidebezeichnung versehen. L o e b B o d e w i e s war zur Zeit Inhaber der Mazzobäckerei. Er und fein Bruder Mosche waren Gemeindeschochtim, beide sehr bewandert im Lernen und sehr vertrauenswürdig, aber mit etwas verschrobenen Ansichten. Daher führte seine Frau, Karoline, mit ihren Hilfstruppen das Ruder, während er „Messer" und „Tafel" beaufsichtigte. Abmessungsgefäße''gab es nicht, weshalb oft großes Geschrei um das richtige Maß ertönte. „Der Teig ist zu naß, der Teig ist zu trocken". Reben dem Backofen war eine alte wackelige Bank aufgestellt, vor welche man feine eigenen Mazzokörbe hinstellte, so daß der Schieber die Mazzos beim Herausnehmen gleich in diese Körbe hineinwerfen konnte. Davor sahen die Haustöchter mit Putztüchern und jede einzelne Mazzo wurde, während sie noch ganz heiß war, sorgfältig abgeputzt. Viele Blasen, viele Falten; o weh, was wirds zu Haufe beim Abkühlen und Durchsuchen noch geben! Nachdem das Backen fertig war, wurden,durch bestellte Leute die Körbe, gut zugedeckt, abgeholt und zu Hause, soweit es anging, wurden die Mazzos dann auf Bettücher zur Abkühlung gelegt, alsdann auf Fehler durchsucht, ausgebrochen und zuletzt wurde Chalo genommen. Jedes Pfund Mazzo-Schirste«. Amsterdamer Mtnhagim-Buch 1733. W m Mn k4ul<»; A2W RAW Ara KAra< mws&l fks&ühj Mehl erforderte, zu meiner Zeit, wo schon Maschinenbetrieb und Stuppeleifen gehandhabt wurden, knapp zwei Minuten Backzeit, während früher, wo jede einzelne Mazzo noch mit Wergelhölzern hergerichtet und mit eisernen kleinen Gabeln (auch schon fortschrittlicherweise) gestuppelt wurden, mindestens vier Minuten erforderlich war. 3u Zeiten des Josef O m e z bediente man sich noch der Stuppelhölzchen nach Art unserer Zahnstocher. Viele Geschäftsleute, die keine vier Stunden versäumen konnten, überließen alles ihren Frauen. Die.Tafel war viel breiter und faustdick, im Gegensatz zu den jetzigen, auch die Formen waren viel größer, insbesondere für Mizwos, die auch sehr dick waren, so daß man mit drei Mizwos 10 Personen mit iptd versehen konnte. Nachdem die Gemeinde Herrn Rabbiner Hirsch V'XT die Aufsicht über das Mazzobacken zugestanden hatte, ließ er anstelle der Holztafet diese mit Kupferblech beschlagen. Dieses Kupferblech bewährte sich jedoch nicht, da aus den Vertiefungen durch Stuppeln das Chomez nicht herauszubringen war. Die Religionsgesellschaft verhandelte mit dem Pächter Bodewies um Ueberlassung des Backbetriebes gegen eine lebenslängliche Rente, aber den Eigenheiten der beide Bodewies und insbesondere der an ihre Tätigkeit gewöhnten Frau kam es zu keiner Einigung. Es ^existierte noch eine zweite Bäckerei, Mühlfelder, an der Ecke der Dominikanergasse. Diese genoß jedoch nicht das Vertrauen der Siele bezogen ihre Mazzos erst unmittelbar vor Chomez Battet, weil ihnen der Platz zur Aufbewahrung fehlte; sie liehen sich dann in guten Leinengeschäften saubere Kisten. Auch mit Moraur hatte man viel Last, da auswärtiger Salat in damaliger Zeit nicht, vorhanden^, und der hiesige Mistbeetsalat wegen der vielen Milben oft in Verruf war. Das Besehen nahm viel Zeit in Anspruch. Diejenigen, die kleinen Lattich nach Mainzer Minhag nähmen, hatten es bester. Man bemühte sich, ungewaschene Petersilie zu bekommen, ebenso Kren, und manche Sachsenhäuser trugen dem Rechnung. Zuletzt kam das Glühen der Kasterolen. Man kochte im Ofen und band die Kochstelle über Pefach zu. Manche ließen den ganzen Herd mit Backsteinen überlegen, mit Lehm verschmieren und kochten mit Spänen auf Dreifüßen für den ganzen Haushalt einschließlich der Gemilus Chasodim-Leute und der Orchim. In, früheren Zeiten, bis 1826 etwa, wurde das Chomez auf den Bleichgarten (jetzt Wallgraben) öffentlich verbrannt, und die Jugend schleppte alte Körbe und sonstiges Verbrennbare unter dem größten Radau herbei, um Großfeuer zu machen. Seitens der Gemeinde erhielt der Pfarrturm- Wächter deswegen jedes Jahr'ein Geldgeschenk, damit er keinen Feuerruf ergehen ließ. Handzweelen,*) Ueberkissen holten, die Hausfrauen aus den reservierten Ecken hervor, sowie Schleier zum Jomtowschmuck, die. ungestärkt waren. Spezereien waren immer in beschränktem Quantum gut erhältlich. Man nahm ganzen Pfeffer, ganzen Zimmt. Butter, Käse und Wurst kannte man für den Pesachgebrauch nicht. Daggeen, Pökelfleisch und Fische. Mein Vater trank ganz Pefach keine Milch und nahm ein Ei zum Einrühren in den schwarzen Kaffee. Am Eholhamoed tat man sich etwas zugute: mangingfpazie re n, nicht ohne zuvor ins Geldbeutelchen einige Stückchen Mazzos zu tun. Trotz aller dieser Erschwerungen und Entbehrungen, wurde alles fertig. 'iv!? m»W vnpiLi anp"v» arvinx niaw Möge es auch den Nachfahren bei erhöhten Genüsten und mannigfaltigeren Vergnügungen vergönnt fein, zu jeder Zeit in Mizwohfreuüe, allen ihren jüdischen Pflichten gerecht zu werden' und des Glückes froher Festtage teilhaftig zu sein. *) Handtücher. Reiseelndrücke in Nord-Afrika. Von Louis Lamm in Berlin. Da hat man über den Orient schon so viel gelesem und gehört. Man sah Illustrationen!, unzählige Film-' streifen und versäumte keine sogenannte „Vouerschau". WPS Geschirr-Ausm a schen. Käschern. Aus der ZU Esch-Hagada von Venedig 8476 (1716). Aber schon im ersten Augenblick, in dem man ihn betritt,, wird einem klar, daß man sich keine rechte Vorstellung, gemacht hat und machen konnte und daß die Wirklichkeit ganz anders — erheblich blut- und glutvoller — ist und daß es auf das Verlustkonto des Lebens zu schreiben ist, wenn man ihn überhaupt nicht zu sehen kriegt. Ich hatte den Boden von Afrika, das ich ab Palermo mit dem schmucken Dampfer „Argentina" in zwanzigstündi» ger, herrlicher Seefahrt erreichte, noch nicht -eine Stunde betreten, als ich trotz des Abratens meines Hoteliers allein die Araber- und Judenftadt in Tunis auffuchte. Mir wurde bange gemacht: diese Viertel der Stadt stellten ein Labyrinth von Gassen und Gäßchen vor, in dem. ein Fremder sich unmöglich zurechtsinden könne; es sek auch gefährlich. Da ich nicht ängstlich bin und fast aller Herren Länder schon kenne, ließ ich mir nicht bangemachen und fragte nur nach dem Weg, der leicht zu beschreiben war. Schon beim Landen fielenmir die große Anzahl von Trachten und Menfchentypen auf. Man sieht blasse und braune Araber, Mulatten und Neger, Chinesen, Europäer und, was mich am meisten interessierte, Juden -in prächtigen Gestalten. Und diese Fülle von Trachten! Die Araberinnen in große, weiße Tücher eingeschliagen, und das Gesicht mit einem schwarzen Schleier derart verhüllt, «daß nichts als die Augen sichtbar sind. Ihre Männer teils in kostbare Kaftane teils in einfachere — bis herunter zur sogenannten Sackleinwand und in Lumpen — gehüllt, im roten Fez, im Turban und mit malerischen sonstigen Kopfbedeckungen, die man in Europa nicht kennt, versehen. Da 'ieht man Lastträger mit zentnerschweren Kisten auf dem Rücken, ja, ganze Haushaltungs-Umzüge werden durch Lastträger ohne Benützung von Wagen erledigt. Das unentbehrlichste Tier scheint in Tunis der Esel zu sein. Er dient als Zugtier, trägt den Reiter und chbeppt phantastisch aufgepackte Lasten, die manchmal eine eigene Höhe ums Doppelte überschreiten. Zuweilen ist er störrisch und dann hagelt es unbarmherzig Hiebe. Dieses Bild kann man jeden Augenblick auf der Straße ehen. Nun zurück zur Judenstadtl Man durchschreitet das Französische Tor und eine Fülle von Düften — ma» kann nicht immer von den Wohlgerüchen Arabiens fpve» mim sjr, c iUU\n«v Vor dem Kascher.Kessel. Amsterdamer Minhagim.Buch 1738. chen —. wehen einem entgegen. Auf dem Platz, den ma» nach dem Eintritt durch. das Französische Tor betritt^ rrü«n mehrmals in der Woche Märkte statt ,und es, werden dort hauptsächlich die im Süden so beliebten Süßigkeiten und Eßwaren verkauft. Die letzteren, darunter viele Fische, werden öffentlich gebraten, gebacken» ge»

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