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Der Israelit · 1929-04-24 · Heft 17 (24.4.1929) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 17 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 21)
Language
German
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AusVSJeff umf JLet> 3srae{if” a<je zum F Wie man im alten Frankfurt Pessach machte. HrchrnenLN-gerr von Isaak M. Mainz in Frankfurt a. M. Mt 7 BAdern. Etliche Tag« nach Purkm Sind sie schon mebaDel*) di« Perurim**) Sie tun nicht ruhsn und rasten Schütteln Kisten- und Kasten Di« Frau weist den Mann aus, Aus dem Zimmer hinaus Es gibt auch einen Teih, , Die kaschern auch das Treppenseil. Ja, es war eine schwere Aufgabe, in Altfrankfurt Pesach zu machen. Eng zusammengepreßt war man in der Judengasse; weder Wasser, noch Herde gab es, dagegen genug rauchende Kasserollen, dunkel und kalt das ganze Haus, dunkle Treppen, insbesondere, die von unten bis oben ein sogenanntes „Stegenseil" hatten, das meist von Schmutz ganz überzogen war und, wie oben erwähnt, auf Pesach „gekaschert" wurde. Sonstige für das heutige Geschlecht gar nicht zu fassende Unannehmlichkeiten waren stete Begleiter der täglichen Häuslichkeit an allen Wochentagen. Aber zu Schabbos galt es um so eifriger, das rix irsm 18'2' NV» zu erfüllen. Frühaufstehen, Treppen putzen, die roten Hausplatten mit gelbem Sand bestreuen, die Schabboslampe glänzend machen, neue Dochte und anstatt Rüböl besseres Baumöl einzufüllen-, Fische zu holen, dem Manna gleichende gefüllte Torten herzustellen und sonstige in den Smiros gefeierte Zutaten herbeizuschaffen. Das alles wurde mit Freudigkeit, mit wahrer bv nnaw NIL»' ob auch höchste Not herrschte, nicht versäumt. Denn es ward an jedem Freitag Abend buchstäbliche Wahrheit: „Die Lampe herab, die Zores hinauf". Und gar auf Pesach! Da gingen die Sorgen gleich nach Purim an. Zunächst hatte man sich schon , zu an mns mit Mazz 0 hmehl eintragen lassen, was im Feist'schen Hause geschah und in allen Synagogen durch Anschlag und dreimaliges Ausrufen am Freitag abend vor Borchu bekannt gegeben wurde. „Willst du heute mit ins Mokaum (Stadt) gehen," fragt eine Frau die andere, „ich gehe nicht gern allein". „Jawohl", lautet die Antwort, „ich muß auch in ein gutes Leinengeschäft, um Leinen für meinen großen und kleinen Mazzomehlsack kaufen, ich nehme aber nur seine, denn aus dem großen Mazzösack mache ich immer für den zweiten Abend Roschhaschono ein schönes Hemd wegen Schechejono, den kleinen trenne ich, wenn die Schmure verbacken ist, auf zu drei Taschen¬ *) Vernichten. **) Brotkrumen. Peffach-Vorbereitungen im Mittelalter, a» Wasser-Schöpsen, b. Chomez-Battel. c. Mazzos-Kneten. <l. Mazzos-Backen. Aus einem Sammelband alter jüdischer Kultus-Zeichnungen aus der Sammlung des Herrn Dr. S iegfried Schwarzschild s. A in Frankfurt a. M. tüchern. Vom Leinenladen gehe ich zur Messe, um einen neuen Zuber für das Mazzowasser zu kaufen, denich nach Pesach als Fleischwässereimer verwende." Das Mazzobacken war das schwierigste. Mann und Frau, Kind und Kegel, alles mutzte sich zur Mitarbeit rüsten. Wollene Tücher ehrwürdigen Alters zur Umhüllung der Töchter gegen Wind und Zug beim Abputzen der Mazzos kamen zum Vorschein, manchmal in recht antikem Zustand. Die Prozedur ging auf folgende Weise vor sich. Hinter der Judenmauer, in einem schmalen Gähchen, wo mit Mühe ein Wagen durchfahren konnte, aus einer Seite begrenzt durch die alte Friedhofsmauer, auf der anderen durch eine Reihe kleiner, schmaler, halb verfallener Häuser, lag das Gemeindebackhaus „im roten Hof". Da stand ein Brunnen, mit einem schiefen Stein, meist von reichlichem Unrat umgeben, für tägliche Gebrauchszwecke. Hier schöpfte man auch Mazzowasser, nachdem man den Ausguß mit einem Leinenläppchen fest umbunden hat. In meiner Jugendzeit — die Gestalten stehen noch lebensfrisch vor mir—, waren hier prominente Persönlichkeiten versammelt und mit dem 1'hin rm'V war die Besprechung vieler Pesachvorschriften nicht beendet. Vielmehr fand während des Wasserschöpfens ein reger geistiger Gedankenaustausch zwischen Rabbi Bär Adler, Rabbi ©liefet Posen, Rabbi Mosche Mainz, Rabbi Tewele Bondi und Rabbi Tewele Schames statt. Rabbi Elieser Posen in seiner bescheidenen freundlichen Weise bestand immer darauf, daß mein Vater zuerst pumpen sollte, da er mit dem ersten Ofen morgens um 6 Uhr backe und das Kaschrus für die Nachfolgenden gut gewahrt fei. Nachdem alle Zuber, zugedeckt, in die Mazzenwasierkannen getragen waren, ging es zu man nnyn* Hauptsorge machte das Verbringen des Mazzomehls nach dem Backhaus, insbesondere bei Regenwetter. Wagen hatte man nicht und ein Wachstuch, das man über den Mehlsack legte, war so heimtückisch, etliche Male herunter zu fallen. Die Mazzomehlstube befand sich in einem der kleinen Häusergruppe zugehörigen Hause hinter der Kippestub im 1. Stock. Hier wurde das Mehl gesiebt auf einem großen Billardtisch aufgeschüttet, während die Schmure mit großen Handsieben, gesiebt wurde. Mein Vater .!■ i

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