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Der Israelit · 1929-04-24 · Heft 17 (24.4.1929) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 17 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 17. Seide 3 24. April 1929_ dem Juden die Kenntnis des Gesetzes heiligste persönliche.Pflicht war und düs jüdische Gericht verpflichtet war, das Studium des Gesetzes zu erzwingen, besaß man bei dem Ger Toschab, der nach Palästina kum und sich dort ansiedelte, keine Sicherheit, daß dieser eine genügende Kenntnis des Gesetzes besaß. Vielmehr mußte man ihm seine Verantwortlichkeit zu Gemüte führen, daß er vor dem jüdischen Gericht eine Entschuldigung nicht geltend wachen konnte, er habe zum Studium keine Gelegenheit gehabt. Nicht anders hat es auch Maimonides gefaßt, wie Guttmann selber es bringt. Es ist m. E. völlig willkürlich, wenn Guttmann behauptet: „Rechtswiffe-nschaftlich definiert ist entweder das vollständige Einbegreifen des Beifaß-Proselyten in das Strafbezw. Asylgesetz am Platze, so wie es beim Sklaven tatsächlich der Fall ist, oder Las vollständige Ausfchliehen. Eine Kombination beider Zustände überschreitet die Grenzen tatsächlichen Rechtslebens und muß demzufolge in das Gebiet der akademischen*) Halacha verwiesen werden." Es ist, um über diesen Satz zu streiten, notwendig, sich erst über den Begriff der Rechtswissenschaft zu einigen. Wenn er den jüdischen Begriff der Rechtswissenschaft zugrunde legt, eines Rechtsgesetzes, das durch und durch voll religiöser Motive ist und nach allen Richtungen auch in das Gebiet des Moralisch- Ethischen übergreift, so gilt seine Behauptung gewiß nicht, und es wäre eher seine Aufgabe gewesen, dieses Eigentümliche des jüdischen Rechtsgesetzes herauszuarbeiten, aus ihm heraus das Asylgesetz in seinen Einzelbestimmungen zu beleuchten, als sich erst ein modern-staatsrechtliches Schema zurechtzumachen und dann die Schwierigkeit einer Halacha damit zu bekämpfen, daß er sie als akademisch oder nur rein exegetisch abweisen dürfe. Wir haben mit Absicht etwas ausführlicher uns über diesen Punkt ausgelassen, weil wir grundsätzlich festgestellt haben möchten, daß eine solche Methode, mit dem Talmud umzugehen, eine ebenso gefährliche wie wissenschaftlich unhaltbare ist. Um es jedoch noch einmal auszusprechen: dennoch bleibt das Buch Guttmanns ein Werk, für das ihm die Gesamtheit im höchsten Grade dankbar sein muß, und wir freuen uns,, daß noch ein zweiter Teil in Aussicht gestellt ist, der die großen allgemeinen Linien des ersten durch Spe? tzralausführung weiter ergänzen soll. Wir möchten nur darauf Hinweisen, daß leider auch verdiente und besonnene Forscher, die, wenn auch nicht auf absolut überlieferungstreuem Standpunkt stehend, dennoch die willkürliche Kritik unsrer Tradition ablehnen, sich selbst zuweilen ähnlicher Verstöße schuldig machen wie der vor- *) Von uns gesperrt. De r I s. r aelit__ her gekennzeichnete des Herrn Prof. Guttmann. So hat Siegmund Jarnpel in seinem Buch: Vorgeschichte des israelitischen Volkes i. TeÜ 1928 S. 160, Folgendes geschrieben: „Selbst der schwerwiegendste und für diese Frage grundlegendste Ausspruch tot, Sanhedrin 99a: *iax ni poBa'fin d'vVN p. nfcj-iYwin na» bleibt in Megilla 31b pamaxs?’sa nwa nun nawaatfr mbbp unbeachtet. Im More Nebuchim 3, 41, stellt Maimuni eine Behauptung auf, für die er im Jad-Hachsaka die Todesstrafe verhängt. (Schem Tow z. St.)." Ich finde überhaupt keinen Widerspruch zwischen beiden Talmudstellen, so wenig wie Raschi und Taußfaus sie gefunden haben. Das ganze Buch Deuteronomium hat Mosche lass? ’sa gesagt: d. h. als eine Prophetie und nicht wie die anderen vier Bücher alle einfache Ueb ermittln ng des göttlichen Wortes. Aber inwiefern das mit der Stelle in Sanhedrin in Widerspruch steht, ist ganz unerfindlich. Es ist ja am Anfang von Deuteronomium ganz klar gesprochen, Moses begann zu erläutern diese Thora, hat also die seinem Volk mitgeteilte Thora im prophetischen Geiste erläutert. Was ferner die Stelle in More anbetrfift, so ist auch diese vielleicht in der Formulierung ungeheuer kühn, aber ihre Deutung, wie Jampel sie will, ist einfach ein Unding. Rambam sagt, daß das jus talionis, das dem Wortlaut oder dem Buchstaben des Gesetzes entspricht, auch eigentlich die wahre Vergeltung darstellen würde, wenn sie nicht praktisch unausführbar wäre, und infolgedessen in eine Geldstrafe sich im Menschengericht verwandeln muß. Wenn Schemtaub sagt, daß hierin ein Widerspruch liege mit dem Jad hachasaka, so ist er auch «durch die Formulierung erschreckt worden. Aber die Bmeerkungen des Ephodi und des Crescas zeigen, daß sie von einem Widerspruch nichts verspürt haben. Wir fassen zusammen. Jahrzehnte haben wir mit innerer Empörung es mitangesehen, daß die christliche Gelehrtenwelt sich mit einem leichten Achselzucken über die mündliche Lehre des Judentums hinweggesetzt hat. Die ganze Geistesarbeit des jüdischen Volkes, die Tausende mit Aufbietung des höchsten Scharfsmnes in gigantischer Forscherarbeit immer wieder studiert und geprüft und als das höchste und erhabenste Geistesgut erkannt haben, kann ein tiefer Denkender unmöglich in ihrer Zuverlässigkeit und Bedeutsamkeit verkennen. Jüdische Gelehrte aber sollten sich sehr wohl hüten, in diese Tonart gegen die Meister unserer Religion zu verfallen. Wir können sonst nur sagen: *a'n na» ’m *td „Rabbi schlief, als er so redete". Vor dem wachen Auge der Wissenschaft können sie nicht standhalten. . Buch vom Morgentau d", erschienen in R. Voigtländers Verlag in Leipzig (32 Abbildungen und Tafeln. Preis in Ganzleinen Mk. 17.—). Das Buch ist nicht geographisch, sondern nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet und erzählt von Oasen und Moscheen, von Karawanen und Kamelen, von Beduinen, Bazaren, Kaffeehäusern, Trachten und Teppichen, Kamelen und Dragomanen, kurzum von allem, was den Orient kennzeichnet. Es ist ein großes Märchen aus tausend und eine Nacht. Ein Spezialwerk, den Mitgliedern des schweizerischen Palästina-Vereins gewidmet, ist Dr. L. Haefeli's Buch: „Syrien und sein Libanon". Der Verfasser, der als guter Kenner des Josephus in der wissenschaftlichen Welt bekannt ist, läßt uns eine Wissenschaft--, lick.wohl vorbereitete Reise milerleben, die er vor einest Reihe von Jahren mit einem belgischen Kollegen durch den ganzen Libanon unternommen hat. Das Werk enthält eine Menge wertvollen geographischen Materials und bereichert die Palästinakunde und auch die Bibelforschung .durch bemerkenswerte Feststellungen. Jeder, der sich bewußt ist, daß die heilige Schrift sogar noch den Zionsherg als Ausläufer des Libanon bezeichnet, wird gerne sein Interesse einem solchen Werke zuwenden, das Geschichte und Ortskunde Syriens in meisterhafter Weise durchleuchtet. Zwei neuere Werke, die über den vorderen Orient hinweg in das Innere des asiatischen Kontinents führen, legt die Firma F. A. Brockhaus, Leipzig, dem an Reisebefchreibungen interessierten Publikum vor. Das eine entstammt der Feder von Alexandra David- Reel, einer Dame, die schon zum fünften Male in Tibet gewesen ist, und der es bei der fünften Reist, gelungen ist, eine Pilgerfahrt nach der verbotenen Stadt des Dalailama zu unternehmen. Unter dem Titel: „Arj o p a" schildert uns die Verfasserin ihre an aufregenden und romantischen Zwischenfällen reiche Fahrt über die Grenze des verbotenen Landes durch die verschneiten Pässe nach Indien: der Aberglaube der Bevölkerung und die ihr Unwesen treibenden Räuberbanden beschworen wiederholt höchste Lebensgefahr herauf, sodaß sich das ganze wie ein Roman liest. „Auf g ro ß er F a hr 1" heißt das neueste Buch von Swen H e d i n, das bereits in 2. Auflage erschienen ist. Es berichtet in der bekannten, wissenschaftliche Genauigkeit mit künstlerischer Gestaltungskraft vereinenden Meisterschaft Swen Hedins über seine in den Jahren 1927/28 unternommene Expedition durch die Wüste Gobi, Der starke Band von 350 Seiten, der mit 110 ein- und mehrfarbigen Abbildungen ausgestattet ist, stellt doch nur eine vorläufige Abschlagszahlung des Verfassers dar, der in der Vorrede erklärt, daß er das Buch geschrieben habe, weil ihm augenblicklich die Zeit fehle, seine umfangreichen täglichen Aufzeichnungen durchzuarbeiten und zusammenzufassen. Leider fehlt, das Kartenmaterial, das sich noch in Asien befindet. Ein Zeug-; nis der schönen Menschlichkeit des Verfassers ist der Schluß des Vorwortes, in dem er mit Wehmut sogar der treuen Kamele gedenkt, „die ohne zu klagen unsesre Lasten über die endlosen Weiten trugen, und von denen so viele auf dem langen schweren Weg durch die Wüste Gobi für immer liegen blieben." Bücherbesprechungen. nnrnan rn'a-n nrnrnn min So ^ia ‘H K} S *1 tP V7a 'i3i miT »D’Emn .rrnvvin mso ,mso »sninaa ,'abvii'i ’^aa •■ppin pbn h"st "poraa Vmn-' ^"nna jnsma nva ■>"“ no •a’as-^n "rnai" nssin Ein moderner Midrasch! Modern nicht etwa im Inhalt, sondern lediglich in her Form, in der Tendenz der Zusammenstellung. M. P e r l m a n n hat in diesem Werke mit selbstlosem Fleiß und mit hingebender Sorgfalt sämtliche Zitate, die Medizin, Anatomie und Hygiene zum Gegenstand haben aus beiden Talmuden, halachischen und agadischen Midraschim, Sohar usw. zusammengetragen, übersichtlich und geschmackvoll geordnet und kurz und sachlich kommentiert. Ausgenommen sind die Gebiete: B's« und mmtj/ da diese bereits mehrfach geordnet vorliegen, sowie die sogen, ni^iro („übersinnliche Heilverfahren"), weil sie ja mit oder.ohne Systematik gleich mystisch und geheimnisvoll-dunkel bleiben würden. Der vorliegende erste Band, dem übrigens im Anhang wissenschaftlich wertvolle Glossen der Aerzte: Dr. I. L. Katzeneisohn und Dr. M. Masie (Jerusalem) beigefügt sind, enthält 12 Kapitel, deren jedes wiederum in mehrere ^Abschnitte geteilt ist. Diese Kavitel behandeln erschöpfend und lückenlos in der verständniövollen Aneinanderreihung der entsprechenden Sentenzen, Schriftauslegungen, Lehrsätze, Erzählung rsw. die folgenden Themen: 1. Der Bau des menschlichen Körpers; 2. Ueber das Blüt; 3. Nägel und Haare; 4. Die täglichen Mahlzeiten; 5. Zuträglichkeit und Heilkraft diverser Speisen und Getränke. Kräuter, Fleischsorten usw.; 6. Ausscheidungen; 7. Schlaf und Traum; 8. Reinheit der Wohnung und frische Luft; 9. Bewegung und En.soannung; 10. Hygiene der- Kleider; 11. Hygiene des Körpers; 12. Askese und Entbehrung. Die Einleitung (rmai>/ii rmis-in man) enthält gleichfalls eine geschickte Zusammenstellung der talmudischen und midraschischen Aussprüche über die religiöse Berechtigung und das Studium der Medizin. Diesem Buche wird der Laie sowohl wie der Sachverständige enorm viel Interessantes entnehmen können, wenn es auch dem talmudisch Belesenen nicht überall Neues zu bieten vermag. Nicht epigonenhaftes „Abschreioermäßiges" ist in diesem Buche, keine spießige Sammlerfreude, die ordnungsliebend hübsch Sätzchen an Sätzchen fügt, sondern es ist vielmehr die ungetrübte Erkenntnis des ns’nn n min die Anerkennung der Universalität der Talmud- und Midrasch ve'sen, die den gleichen starken und klaren Blick besaßen für das metaphysische Gebäude der jüdischen Weltanschauung wie für die menschlich-allzumenschtichen Schwächen und Krankheiten des Körpers, es ist somit dasin unserer Zeit doppelt mutige Bekenntnis der waan mias, dem dieses Werk letzten Endes seine Entstehung verdankt. Erstaunlich bleibt es, welch reichhaltiges Material hier zu Tage gefördert wird. Dis meisten dieser Zitate vertragen keine homiletischen Erklärungen, sondern wollen wörtlich gewertet werden; wenn dies auch' die Kluft zwischen „Glaube und Wissen" noch um ein Beträchtliches erweitern würde. Es geht einfach nicht mehr an, die Stellen, die nach dem heutigen Stande der medizinischen Wissenschaft unbegreiflich oder absurd und überwunden erscheinen in die homiletische Rumpelkammer zu werfen und sie ihres natürlichen Wortsinnes zu berauben. Vielmehr ist es die beruhigende Gewißheit, die die Lektüre dieses Sammelwerkes in uns reisen läßt, daß dieselben Weisen, die ohne Mikroskop und ohne Sektion, ohne alle sonstigen modernen Hilfsmittel zu wissenschaftlichen Ergebnissen gekommen sind, die heute erst staunend und bewundernd anerkannt werden, daß dieselben Weisen auch für jene anscheinend so sinnlosen und widerspruchsvollen Zitate verantwortlich zeichnen, über die wir manchmal mit eingebildetem Lächeln nur zu -leicht zur Tagesordnung überzugehen geneigt sind. Die Mediziner im V. I. A. sollten diesen sma „durchlernen", eingehend studieren, in Verbindung mit dem diesjährigen Bundestag in Berlin, auf welchem bekanntlich das Thema: „Glaube und Wissen" erneut zur Diskussion gestellt worden ist. Die Mediziner im B. I. A. und mit ihnen alle wissenschaftlich interessierten d'st sollen' sich einmal — anhand des »na nsisn — grundsätzlich und überzeugend kraft eigenen Nachdenkens darüber informieren, wie seltsam zeitgemäß der immerhin nicht unbeträchtliche Teil des „Wissens" ist, das der „Glaube" selbst gezeugt und geboren hat und mit dem dir W ssrnschaft der Jetztzeit heute schon in bestem Einvernehmen zu leben vermag. Wir hoffen zuversichtlich auf baldiges Erscheinen des zweiten Bandes; der vorliegende 155 Seiten starke und geschmackvoll gebundene erste Band ist außer beim Verlag, beim Verfasser M. Perlmann (Telsiai, Litauen) erhältlich. Welkanschauungskrise und Wege zu ihrer Lösung. Auch eine Einführung in die Philosophie der Gegenwart. Von Professor Dr. Georg, Burckhardt. II. Teil, Leipzig, Universitätsverlag Robert N o s k e. Dem seinerzeit an dieser Stelle besprochenen I. Teil seines großangelegten Werkes hat der Verfasser, Professor der Philosophie an der UniversitÄt Frankfurt, nunmehr einen II. Band erfolgen lassen, der in drei großen Abschnitten die gesamte neuere Entwickelung der N a - turphilophie, der Metaphysik und Mystik

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