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Der Israelit · 1929-04-24 · Heft 17 (24.4.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 17 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 17 Der J s r a e l t t 24. April 1929 11000 schreibfertige Füllfederhalter zur Auswahl mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 Ceka, Juwel, Osmia f Parker-Duofold, Wahl, Waterman Montblanc und andere Marken CARLKLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren jeder Art nach Orgel, Damenchor und Sonntagsandacht. Diese Exponenten einer rücksichtslosen Plutokratie haben es gewagt, der Gemeinde den Revolver, auf die Brust zu setzen und mit ihrem Austritt zu drohen, wenn das verrottete, aller Gerechtigkeit Hohn sprechende „Aufnahmeverfahren", das nur der FernhaltungMr Ostjuden dient,. endlich abgeschafft werden sollte. Die „ demokratis che V olksp artei " alias Zionistengruppe kämpft mit anerkennenswerter Entschiedenheit für das Recht der Ostjuden und gegen die Plutokratie, hat aber kein Quentchen Liebe und Verständnis übrig für die ideale Aufgabe einer jüdischen Kehilla, der re l i g i ö - s e n Willkür mit ihren lächerlichen Kultus- . reformen den unbeugsamen Ernst des ewigen Thoragefetzes entgegenzuhalten: sie ist vielmehr jeden Augenblick bereit, dem Scheine einer äußerlichen Einheit die innere Einheit mit dem. Gesetzgeber und der vieltausendjährigen Tradition zu opfern. Die sogenannte „ E i n heitspartei " endlich scheint ein wenig ernst zu nehmendes Gebilde zu sein; in ihr sammeln sich diejenigen, denen das herausfordernde Gebühren der unentwegten Plutokraten ebenso unsympathisch ist wie die ostjüdische „Invasion". Die Partei will darum den Kampf um das Aufnahmeverfahren „ruhen lassen" und wird — dessen darf man gewiß sein — letzten Endes den liberalen Forderungen gemeinsam mit der Volkspartei nachgeben. Dieser für die Zustände in den deutschen Einheitsgemeinden symptomatische Parteienkampf, bei dem die religiöse Idee völlig versinkt im Strudel des Ringens ums Steuerzahlen und um politische Rechte, ist gerade in den Hannoverschen Landen geradezu tragisch zu nennen. Dort besteht noch heuteein L ü n d r ä b b i n a b , das der Staat mit starker Autorität ausgestattet hatte und dem es dennoch offenbar nicht gelungen ist, auch nur eme. ck l e hn e Gruppe bewußter Juden heranzubildenj/ die» zur Fahne der Thora schwören. Wenigstens steht und hört man nichts von ihnen. Sie sind offenbar — wi.e in Berlin — von dem guten Magen der Volkspärtei verschluckt und verdaut worden. Zwischen der Scylla der liberalen und der Charybdis der zionistischen Willkür schwankt die dem Untergang geweihte alte Hannoversche Kehilla und was aus dem Chaos des Wahlkampfes emporsteigt, ist die — neutrale Volksgemeinde, mit. einer liberalen und einer konservativen Abteilung. Religion ist Privatsache. Zwei Jahre Jeschiwah zu Montreux. (Siehe Bilder auf Seite 4 der Beilage „Aus Welt und Leben.") , - Don M. tz. Zsolfchko in Wontreür. Am 1. April feierte die Ieschirvah ihren zwei-^. ten Geburtstag. Im April 1927 würde der erste Grundstein, zur Ieschirvah in Montreüx gelegt und deren Eröffnung der Schweiz und der Welt verkündet. Wieviele unter uns haben in dieser Gründung einen Aprilscherz gesehen, ein unerfüllbares, phantastisches Märchen. Wieviele haben, den Begriff und Sinn der Jeschiwah überhaupt nicht verstanden, und als wir den Begriff „Jeschiwah" mit einer Hochschule für Thorastudium definierten, waren sie neuerdings stutzig. Was ist eigentlich Tauroh, wie wäre sie zu studieren! Daß es eine breite und ausgedehnte jüdische Theologie gibt, daß ein zwanzigbändiges, zweitausend Jahre altes Talmudwerk existiert, welches alle Probleme des jüdisch-menschlichen Lebens umfaßt, eine scharfsinnige, tiefverzweigte jüdische Jurisprudenz enthält, in der das ganze Zivil- und Strafrecht, Gesetze über Eheschließung und Ehescheidung, alle rituellen Fragen, allfällige Gesetze für die Diaspora und Palästina allseitig und erschöpfend behandelt werden, das wußten nur wenige. Daß ferner um das zwanzigbändige Talmudwerk sich ein Meer von Erklärungen, Responsen aygesammelt hat, davon haben die meisten keine Ahnung, und in den Schweizer Bibliotheken und Museen sind sie leider wenig zu finden. Jeder Väter, und selbst der religiöse, glaubte, daß sein Sohn in der Religionsstunde die ganze Tauroh fertig gelernt habe, und war es nicht der Fall, so war ihm Taurohstudium nicht so ungeheuer wichtig,, daß sein Sohn diesem ein oder zwei Jahre ^Moritz Scharf, der Held des Ritualmordprozess'es von Tisza-Eszlar gestorben.) Amsterdamer Zeitungen " berichten, daß vor einigen Tagen in Amsterdam, wo er seit' Jahrzehnten als Diamantschleifer lebte., und sich kümmere lich ernährtes Moritz Scharf, der einstige Kronzeuge in dem .historisch gewordenen Nitualmordstrozeß von. Tisza- Eszlar, gestorben ist. .;■ Es hat eilre Zeit gegeben, in der Moritz Scharfs Name in allen, fünf Weltteilen Monate hindurch der am häufigsten .Genannte war. Es war die. Zeit des Ritualmordprozesses von Tisza-Eszlar, der vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza im Jahre 1882 und dann vor dem ungarischen Kassationshofe im Jahre 1884 verhandelt wurde. Der Hauptangeklagte :n diesem Prozeß wgr. Moritz.. Scharfs Vattzr, der Schächter von Tisza-Eszlar. Um die Osterzeit war die dortige Bauernmagd Ester Solymosi perschwunden, und es kam das Gerücht auf, sie wäre in der Tisza Eszlarer Synagoge vom Schlächter Scharf unter Mitwirkung mehrerer galizischer Juden zu rituellen Zwecken ermordet worden. Unter dieser Beschuldigung wurden der Vater des zwölfjährigen Moritz, und die übrigen Beschuldigten verhaftet. Der kleine Moritz aber wurde von einem Komitatsbeamten in Pflege genommen. Im Verlaufe des Prozesses irat dann Moritz. Scharf als Kronzeuge auf. Er sagte aus, durch das Schlüsselloch der Synagoge zugesehen zu haben, wie sein. Vater und. die übrigen Beschuldigten/; das Ehristenmädchen abschlachteten.' Der zwölfjährige Junge rezitierte seine Aussage in einer Weise, wie Schulkinder ihre Lektion, herzusagen pflegen- Man sah es dem Knäben an, daß er zu solcher Aussage präpariert worden war. Vom berühmten Verteidiger Karl Eötvös ins. Kreuzverhör genommen, gab" Moritz so konfuse Antworten, daß. die Anklage zusammenbrach. Bekanntlich «tdete der Prozeß mit einem freisprechenden Urteil. Mittlerweile hatte sich aber die antisemitische Be- ^estung .m^ngarn uyterder. Wirkung -der - vöiv Jßoczy und'Verhooah angezettelten Verhetzung dermaßen vergärst, daß die; Regierung in Mehreren Gegeyden des Landes das Standrecht verhängen mußte; um sProgrome zu verhindern. AP nach dem Prozeh die i Person / Moritz Scharfs ihre Wichtigkeit/für'.die antisemilische ^>äche--L erkoren ^shatte, .würde; er „aus der häuslichem Pflege" des erwähstten Beojmteni entlassen, aber begreiflicherweise wär seines,. Bleibens im väterlichen Hause nicht möhr, und so gelängte der Knabe nach /Holland, wo Kr als Lehrling in die Dienste eines Diamantschleifers trat. Nachdem er ^as Handwerk erlernt hatte, lieh er sich' als Arbeiter seines Faches in Amsterdam nieder. Dort lebte er jahrzehntelang in stiller Zurückgezogenheit. — Nach dem erfolgten Freispruch der angeklagten Juden,,wu^dK,,erzählt, Mst d'Sr Knabe Moritz Scharf sich seinem Vater zuFützen. warf. um Verzeihung bat und erzählte, die Gendarmen hätten ihn zu »seiner falschen Aussage mit der Dröhuyg gezwungen, daß sie ihn für Lebenszeit emsperren werdest. 5|ENK[ j^0 ^as unübertroffene Vorbild! Ideales Braten - Backen! Sparsamster Brand! Niedriger Pieis! r Zahlungs - Erleichterung ’f; E. HAGE & Co. Eschenheimer Tos* 3 «rrannoorMch rar oen allgemeinen Teil und da» JfetttQctov S. Schachnowitz, Frankfurt o. 9t.« Inserate t.«.Schach «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L Kaufmann in Sprendlingen (Nr. Offenbach). — Berlm ,2yraeltt", S.m.b.S., Frankfurt a. M. — Drn« Sermon Brrläg» Aktiengesellschaft. Frankfurt a. R. Schule "opfern sollte; noch vielweniger ein oder zwei Jahre Geschäftszeit. Täuroh soll der Rabbiner lernen, meinte jeder Vater. Dafür wird er doch bezahlt, daß er die Vaalei Battim in allen religiösen Funktionen vertritt, . .; und selbst an die Rabbiner werden keine allzu großen Ansprüche gestellt. Der westliche Rabbiner wird von der Gemeinde nicht verpflichtet, ein großer Talmudgelehrter-zu. sein, alle talmudischen Fragen sind Probleme zü' beherrschen, er muß lediglich akademische Bildung besitzen, mit europäischen Manieren ausgestattet sein, etwas von jüdischer Geschichte verstehen ■— soviel er für den .Unterricht benötigt —, Trauungs- und Trauerreden halten können und in den kleinen Ortschaften.den Gottesdienst selbst zu verrichten in der Lage sein. Es^ ist daher begreiflich, daß die meisten Schweizer/ in der Jeschiwah ein „östliches Produkt" erblickten, welches dem Schweizer Wesen ganz und gar zuwider ist, und daher sträubten sich auch viele dagegen. Denn in vielen Kpeisen gilt ja alles, was östlich ist, äls:etwas Abscheuliches, Kulturloses, veraltetes und Phantastisches. —Darin wirkte die Jeschiwah zu Montreüx geradezu revolutionierend. Sie gab uns die Thora als Erbe wieder,' ein Erbe, das wir, unabhängig von Zeit und Kultur, zu.Witen und zu'mehren .haben. Die JefchlwahexistlM, progressiertist auch finanziell-gewissermaßen fundier^, hat 'in „ den . zwei Jahren. ihres Bestehens Zeugnisvon ihrer Lebensfähigkeit ustd Lebensnotwendigkeit abgelegt Und siD ist Hr Schweizer Jugend unentbehrlich zur, Lebensader und zum Lebensimpuls geworden!. Die. Schweizer Juden können sie nicht mehr ablehnen, verwerfen, desavouieren, sie ist von der ganzen Wdlt anerkannt und freudig begrüßt. GtwcM0.'.MchuM-., zer Jungen wurden bereits durch fie^ geistig Äspeist. 30 Kinder aus allen Gauen dtzx SchwM (215 Ausländer von England, Belgien, - FraHreich, Ungarn und Deutschland) zählen)heute Hi den unseren. ' ' . H Unsere Anstalt, die vor zwei Jahren ins Hben gerufen wurde und die den-ZwWHtte, die Jugend, der eine Gefahr der Entwurzelung drohte, dem. Judentum ganz und lebendig zu erhalten,, kann heute schon auf eine segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Während die Jeschiwah bei Gründung nur 12 Schüler hatte und^es nach einem Jahre auf 24 brachte, zählt sie/heute bereits 36 Bachurim, und für den nächsten- Semast, nach Pessach, sind bereits 50 Schüler angemeldet. Die Erfolge, die unsere Jeschiwah erreicht/hat, sind so nMnnlgfach und so rekordartig, daß sie uns ermutigen, voller Hoffnung und Zuversicht auf dem begonnenen Weg weiter zu schreiten, einer neuen Renaissance entgegen, der Renaisiance der Tauroh. Die Sportkultur, die vorübergeheW unsere Jugend aus dem. Studierzimmer riß und-ihr Denken und geistiges Schaffen paralysierteMat ihren Höhepunkt Überschritten, und allenthalben, sehstt sich hje Jugend chieder nach etwas-ÄeiWDn; Inhaltsvollem ünd spezifisch Jüdischem. Wir habest diesen Moment rechtzeitig erkannt und der Jugend die Möglichkeit gegeben, ihre innere Wandlung auf bestmögliche Weise, durchzuführen und ihren geistigen Stützpunkt wieder zu erhalten, so daß wir mit Sicherheit sagen dürfen!: Die.neue Generation ist für'Ms Judentum gewonnen) Wir sind glücklich, daß unsere anstrengende und gufopfvrnde Arbeit von Erfolg gekrönt war, sie ist.zum wahren Ez Chäjim emporgewachsen. Wochenkaleuder. j v. 27. April/bis 4. Mat 1929 ' v. 17. bis 22. Nitzan 8689. I 1.1 V A 27 17 D'Tsm * *w. armn rn& Sonntag 1 N 28 1 18 Montag 29 19 > tyjan ‘»in vienstag 30 20 J / - •- Mittwoch Mai 1 21 'l 017 HOB t- . n Vönnerstag 2 ' 22 'n :~\ " ' Freitag 3 23 an. Samstag 4 27 vmn P2i3a nmt Mauled Miprvoch nachts ig nfit-w/B <n>

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