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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Seite 2. Nr. 1 Der Israelit Auch im Berichtsjahre konnten wir dafür sorgen, daß Glaubensbrüder, die in Anstalten starben und keine Angehörige mehr besahen, statt in Anstaltssriedhöfen zu Keiwer Jisroel kamen. Wir versorgten sie mit Sterbekleidern. In Düsseldorf, wo Herr Rabbiner Dr. Weyl das Bezirksrabbmat bekleidet, konnte eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet werden. Herr Dr. Weyl wird hierüber berichten. Nach wie vor erteilen unsere Lehrkräfte an den verschiedenen Plätzen Unterricht. In der Eifel und in der Nähe Kölns konnten wir an einzelnen kleinen Plätzen, an denen kein Religionsunterricht erteilt wurde, die Jugend also ohne jüdische Belehrung aufwächst, Lehrer zur Verfügung stellen. Auch in sozialen und Wohlfahrts-Angelegenheiten dürfen wir uns unfern Aufgaben rlicht entziehen. Im Anschluß an die letzte Tagung hatten wir uns mittels Rundschreiben an unsere Mitglieder mit der Bitte gewandt, die im Haushalt und Geschäft entbehrlichen Kleidungsstücke nach Köln zu senden, da sie hier für arme jüdische Durchwanderer und sonstige Hilfsbedürftige dringend benötigt werden. Köln ist die Zentrale der Wanderer, der Schnittpunkt von Ost nach West und von West nach Ost. Tausende jüdische Arme kommen durch Köln, die Kleidung vielfach in einem abgerissenen elenden Zustande. Der jüdische Hilssausschuß in Köln, dem die Fürsorge der jüdischen Wanderer obliegt, läßt Sie durch mich herzlich bitten, seine ungeheure schwere Arbeit durch Zuwendung von Kleidungsstücken Wäsche, Schuhen usw. zu unterstützen. Wir hoffen, daß der heutige Appell nicht ungehört verhallt. Eines der wichtigsten und brennendsten Probleme ist die Unterbringung kaufmännischer Angestellter und Handwerker in sabbatfreien Stellen. Die allgemeine Wirtschaftslage hat sich in einer Weife entwideü, bk zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt. Die Bildung von Einkaufsgemeinschaften, Vertrustung von Betrieben, Ausschaltung und Vernichtung des Großhandels in vielen Geschäftszweigen bringen es mit sich, daß Stellungen, in denen Sabbat frei gegeben wird, immer seltener werden. Die jüdischen Angestellten, denen die Heiligung des Sabbat eine Gewissenssache bedeutet und die lieber hungern; als ihn zu entweihen, kämpfen schwer, um eine! Tätigkeit zu finden, die es ihnen ermöglicht, den! notwendigen Lebensunterhalt bestreiten zu kön-! nen. Hin und wieder gelingt es einmal, junge Leute — zumeist Lehrlinge — in solchen Betrie-' bei?i unterzubringen, die am Schabbos geöffnet' oder in nichtjüdischen Händen sind und die doch freigeben. Doch gehört dies zu den Ausnahmen und diese Stellen bieten zumeist keine Möglichkeit eines Aufstiegs. Es ist die oberste Pflicht jedesSchabbos haltenden Geschäftes, i n erster Linie — soweit dies im Rahmen des Betriebes nur eben möglich ist —, jüdisches Personal zu beschäftigen, d e m d i e Heiligung des Sab - bat Herzenss a ch e ist. WchiJomuchOchichoWhechesakto Bau. Wir müssen alles nur denkbare tun, um diese schwer um ihre Existenz ringenden Angestellten zu stützen! Die Versuchungen und die Gefahren der Sabbatentweihung sind ungeheuer groß geworden. Unser Verein ist sich stets der Schwere und Wichtigkeit des Problems bewußt gewesen und hat sich schon vor dem Kriege und wohl fast in jeder Versammlung in den letzten Jahren und aus dem Wege schriftlicher Ausrufe an seine Mitglieder mit der Bitte gewandt, ihm doch schabbosfreie Stellen mitzuteilen, sei es für kaufmännische Angestellte, Lehrlinge, Handwerker oder sonstige Berufe. Trotz engster Zusammenarbeit mit den Schomrei Schabbos-Vereinen und den jüdischen Arbeitsnachweisen ist es uns nicht möglich, auch nur annähernd den Ansprüchen zu genügen. Die Berufsumschichtung, d. h. die Einfügung jüdischer Menschen in Landwirtschaft und Handwerk ist noch nicht so weit fortgeschritten, daß eine. Lösung des schwierigen Problems für sabbatheiligende Angestellte in naher Aussicht steht, ganz abgesehen von den großen Gefahren, die hinsichtlich des Schabbos mit dieser Berufsumschichtung verbunden sind. Ich richte daher auch heute wiederum die herzliche Bitte an Sie alle: Helft m i t a n dieser hochwichtigen A u s g a b e, n e h - met selbst in Euren Geschäften sabb a t heiligende junge Leute auf und weisetunssolcheStellennach. Aber, meine Damen und Herren, unsere Aufmerksamkeit darf sich nicht nur auf die soziale Fürsorge für die Erwachsenen und schulentlassene Jugend erstrecken, die wichtigste und vornehmste Aufgabe unseres Vereins beginnt bei der Seele unserer Kinder, deren Herzen noch für alles Schöne und Edle empfänglich sind. Ihnen eine gute jüdische Neschomoh auf den Lebensweg mitzugeben, ihnen die Schätze unserer Tauroh zu vermitteln, ist einer der ersten Programmpunkte unseres Vereins. Denn: „Chanauch Lanaar al pi Darkau Garn ki Jaskin Lau Josiur Mimenu". Gewöhne die Jugend an den rechten Weg, dann wird sie, wenn sie auch alt geworden, nicht davon lassen. Das Zeitalter des krassesten Rationalis- 18. April 1929. MUS ist zwar G. s. D. vorüber, das Bewußtsein des non ignoramus, des Nichtwissens, ist stark und stärker geworden. Dank zunächst der göttlichen Fügung, dank auch einem irregeleiteten Geschlecht, dessen Nachfahren von heute die Irrwege und die verhängnisvollen Jrrtümer einsieht, die man durch die Vernachlässigung einer thoratreuen Jugenderziehung und durch das Niederreißen von durch Jahrtausende geheiligten Gebräuchen begangen hat, ist vielerorts die Einsicht gekommen. In der Erkenntnis des Wahns und der Mißerfolge, die eine religiöse Leere und Wüste geschaffen haben, geht eine Sehnsucht nach Erfüllung mit positiv jüdischen Werten durch die Reihen unserer jüdischen Brüder, sollen die zerbrochenen Gesetzestafeln in irgendeiner Art wieder erneuert werden. Da will unser Verein auf die Schanzen treten, durch Lehrer und Lehren das Wort Gottes in die kleinste Hütte in Stadt und Land tragen, den glimmenden Funken zur hellen Flamme entfachen, aus den Trümmern neue Werte schaffen. Nicht besser können wir den zersetzenden Geist des Materialismus, nicht wirksamer bei unserer Jugend den Unheilvollen, wahnwitzigen Tanz ums goldene Kalb, von dem unsere vorletzte Sidro berichtet, bekämpfen, als chr die alten geheiligten Gesetzestafeln zu reichen, ihr zu zeigen, daß: WhaluchausMafze ClokimHeimo — daß sie göttliches Werk sind Wh amichtow Mi cht o w E l o k im H u — und daß die Schrift die Schrift Gottes ist. D i e,ss beiden Tafeln, von denen der Midrasch Rabbo zur Stelle sagt, es seien hierunter verstanden: SchomajimWoor e z — Himmel und Erde in ihrer Herrlichkeit — AulomHaseWaulomHabboh — alle Schönheiten dieser und jener Welt — Chossen und Kalloh — sollen uns umschlingen mit dem Band der Liebe gleich Braut und Bräutigam, ein innig Band zwischen Gott und Israel. Und ich möchte noch hinzufügen: Tauroh Uderech E r e z — denn wir wollen unseren Jungen und unseren Alten: Binureinu Uwiskeineinu Neileich — Thorageist in modernem Kleid, in Verbindung mit den weltlichen Wissenschaften geben, weil wir uns dessen bewußt sind, daß die Vermählung echt jüdischen Geistes mit allgemeiner sozialer Bildung das Beste prophylaktische, vorbeugende Schutzmittel gegen Versuchungen bildet. Erschließen wir unserer Jugend das Blumenparadies der jüdischen Lehre und der jüdischen Geschichte, dann wird sie das Wort: Al Tikro Chorus elo C h e i r u s v e r st e h e n. Nicht werden wir dann mehr unser Gesetz als hemmende Fessel empfinden, frei und erhaben werden wir uns glücklich unter seiner Souveränität fühlen. Mit Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes Cöln: Hohenstaufenring 14. Cöln: Hohenstaufenring 14, Postscheckkonto des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands Cöln 50648. „Uebersetzungen und Bemerkungen zum Pentateuch“ rmnn by DW7 von Rabbiner Dr. B. Wolf-Cöln. Der Commentar erscheint in einzelnen Wochenabschnitten. Preis jeder Broschüre Mark 1.— Ganz TV’tPiOÜ geb. zu haben bei Sänger & Friedberg in Frankfurt a.M. - Neu erschienen: ^—— Im Druck: Zu haben in allen Buchhandlungen und direkt beim Verlag des Jüdischen Volksfreundes. ^^:.+266+..../..^$+//2+++81+.++6++6+....:+.D 81637688 01024853538923234848535323912323235323233048235353484802010100532353535300014800004853020100311548000102014848

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