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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 25)
Language
German
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C' H t -! -K. ^ll 0—0 H o—o {[o1 g) 3üdiscüer GT ■O 11 O—O ll Q-Q ifjEv Dol h s f v e u n d $utn Organ des Dcrcins für die jüdi/cfteti Jnlcreffcn Stficinfands g.U. t»$n I>r. LVslf in n «r. 3] GE ■o o- ■o onn -o o- 23. Jahrgang Frankfurt a. Al., s8. April ^929 / 8. Nißan 5689 Nr. s Bericht Aber die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands e. V. Köln, 10. März Die diesmalige Familientagung des Rheinlandvereins, wie er kurz im Volksmund heißt, stand der festlichen Vierteljahrhundertfeier im vorigen Jahre an froher Begeisterung nicht nach. Auch diesmal herrschte eine rege Teilnahme. Die Präsenzliste verzeichnete 300 Namen. Sie wurde geschlossen, als der ständige Zustrom die weitere Notierung unmöglich machte. Herr Oberrabbiner Lr. Carlebach-Altona wollte über Bibelkritik und Bibelkunde sprechen. Sowohl der Name des Redners als fein Thema lockte viele, und, um es vorweg zu nehmen, man kam auf seine Kosten. Ein jeder nahm eine .Festigung des Judentums in seiner Brust mit nach Hause. Jeder hatte das beseligende Hochgefühl, eine religiöse Weiheandacht erlebt zu haben, die unverlierbar eigen bleibt. Es war kein Strohfeuer, das da entzündet ward. Bleibendes-Besitztum erhielt ein jeder mit auf seinen Lebensweg. Um 2.45 Uhr eröffnet der Vorsitzende, Herr Nathan Kahn, die Versammlung. Man merkte ihm an, daß er etwas enttäuscht war. Er hatte auf größeren Zuspruch gehofft. Der Saal hatte sich nicht recht gefüllt. Aber während seiner Eröffnungsworte wuchsen die Räume und es dehnte sich das Haus, und seine Worte nahm eine stattliche Versammlung von mehreren Hunderten dankend auf. Vertreter beider Synagogengemeinden mit deren geistigen und fürsorgenden Führern waren zu bemerken- und boten der Tagung Gruß und Interesse. Auch die. nahestehenden Vereine akademischen und sozialen Charakters sowie religiöser Ziele drückten ihre Sympathie aus. Durch den Mund des Vorsitzenden wurde der Tätigkeitsbericht des Vereins mit folgenden Worten erstattet: Sehr geehrte Damen und Herren! Namens und im Aufträge des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands habe ich die Ehre, Sie aufs herzlichste willkommen zu heißen. Es gereicht mir zur besonderen Freude, feststellen zu dürfen, daß Sie unserer Einladung zu der heutigen Tagung trotz des ersten schönen Frühlingstages in so stattlicher Anzahl gefolgt sind. Wenn wir auch gewohnt sind, daß sich auf unseren jährlichen Versammlungen die Mitglieder unseres Vereins und Freunde unserer ideellen Bestrebungen von weit und breit, aus allen Gauen rheinischen Landes brüderlich zusammenfinden, um ihren guten Willen zur Mitarbeit an unfern Ausgaben zu bekunden und neue Kräfte und Begeisterung für die uns allen heilige Sache des traditionellen Judentums zu schöpfen, so gibt doch die Anwesenheit unseres hochverehrten Gastes, des Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach aus Altona unserer heutigen Tagung eine besondere, die geistige Note. Indem ich Ihnen, hochgeschätzter Herr Oberrabbiner, den - herzlichsten Willkommengruß des Vorstandes und aller Anwesenden entbiete, danke ich Ihnen zugleich für die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit der Sie unserer Bitte entsprachen, durch Ihren Vortrag die Stunden unseres Beisammenseins zu verschönen und uns Perlen aus dem Born Ihres Wissens zu spenden. Ihr Ruf als bewährter Meister der Rede ist uns eine sichere Gewähr dafür, daß unser Wunsch und unsere Erwartung, es möge einem Jedem von uns eine Festigung und Erhöhung seines echtjüdischen Bewußtseins aus der Tagung erblühen, sich erfüllt. Ich begrüße weiter die als Gäste erschienenen Herren Rabbiner, die Vertreter der Kölner Synagogen-Gemeinden und aller sonstigen« Körperschaften. Meinen besonderen Willkommengruß aber rufe ich allen Mitgliedern unseres Vereins, unseren treuen Weggenossen zu, die ich gewissermaßen als Stammkunden, als unseren eisernen Fond, als unsere alte Garde bezeichnen darf. Ihnen sei von dieser Stelle aus unser herzlichster Dank für ihre treue Mitarbeit an den Zielen des Vereins zum Ausdruck gebracht und zugleich die Bitte, uns auch weiterhin ihre Liebe zu bewahren. Meine Damen und Herren«! Lasten Sie mich einen Augenblick zurückschauen auf unsere letzte Tagung, die im Zeichen der 25. Wiederkehr des Tages stand, an dem unser Verein begründet wurde. Erhebende und zugleich tiefschmerzliche Gefühle bewegen mich bei der Erinnerung an diesen Tag. Erhebend ob der unerwartet großen Fülle von Teilnehmern und des glänzenden Verlaufs, den die Versammlung nahm, der uns zeigte, daß Lau Almon Jisroel, daß, wo der Ruf erschallt Mi Laschem Eloi, die große Schar Gleichgesinnter im Gemeinschaftsgedanken fest zusammensteht! Doch schmerzlich die Erinnerung in dem Gedanken, daß der strahlende Glanz und der Schmuck der Tagung, die Krone unseres Hauptes, entschwunden ist und Schatten der Trauer in unsere Herzen einzog. Herr Rabbiner Dr. Emanüel Carlebach, dessen edle Persönlichkeit und rhetorische Meisterschaft die Zuhörer in ihren Bann zog und in stürmische Begeisterung versetzte, ist nicht mehr. Ein Fürst in Jisroel mit königlicher Würde ist von uns gegangen und in die Gefilde der Ewigkeit eingekehrt. Immer, wann und wo wir an ihn herantraten, war er hilfsbereit zur Stelle, streute er mit reichen Gaben des Herzens und des Geistes Segen aus; dafür sei ihm von dieser Stelle aus aufrichtiger Dank nachgerufen. Möge seine Seele immer bei uns weilen. Möge sein Verdienst uns beistehen und uns die Kraft verleihen, seinem Vorbild nachstreben und den von ihm vorgezeigten Weg weiter beschreiten zu dürfen. Wir werden ihn in den Herzen und in der Gesckichte unseres Vereins nimmer vergessen. Meine Damen und Herren! Wenn ich dazu übergehe,. Ihnen einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins während des abgelaufenen Jahres zu geven, so kann ich mich kurz fassen. Sie wissen alle, welche hohen Ziele und Aufgaben uns bei der Begründung des Vereins vor Augen schwebten. Ich weise auf das Ihnen bekannte Programm hin: „Was wir wollen, was wir tun, was wir müssen". Daß nicht allen Vlütenträumen Erfüllung zuteil wurde, brauche ich. nicht, zu sagen. An, gutem Willen, ernstem Streben hat es nicht gefehlt. Viele Punkte des Programms konnten durch den unseligen Krieg und seine Folgen nicht mehr durchgeführt werden, angesammelte Vermögen für wohltätige und erzieherische Zwecke find zu Grunde gegangen. Und doch ist manch Gutes geleistet worden und wenn heute in rheinischen Gauen und insbesondere in kleinen Bezirken, auf dem Lande der jüdische Gedanke noch kräftig lebt und da und dort wieder erstarkt ist, so dürfen wir, unser Verein, ohne Ueberhebung in Anspruch nehmen, daß er sein redlich Teil dazu beigetragen hat. Die jüdische Arbeit, die geleistet wurde, im Stillen geleistet wurde, ist ein ideelles Wirken, die mit Geldeswert nicht aufgewogen werden kann. Ich möchte unsern Verein als eine rheinische Wohlsahrtsstelle für religiöse und geistige jüdische Güter und Werte bezeichnen, deren Segen sich strahlenförmig über die Rheinlande ergießt. In über 160 Reisen im Berichtsjahr, fast alle Sonntage, war unser Vereinsrabbiner bemüht, in den uns angeschlossenen kleineren Gemeinden nach dem Rechten zu sehen, Schütten zu inspizieren. Schochtim zu prüfen, Mikwoaus zu besichtigen. An einer ganzen Anzahl von Plätzen wurden Vorträge gehalten. Cs fanden zwei Bezirkstagungen in Dinslaken und Mayen statt, die sich eines ausgezeichneten Besuches zu erfreuen hatten«. Zu den bereits unter Aufsicht des Vereinsrabbinats stehenden Speiserestaurants kam in den letzten Wochen ein neues hinzu, ein weiteres wird voraussichtlich noch vor Pessach eröffnet. Wie in früheren Jahren, so unterstand auch wiederum die Mazzoth-Bäckerei Marcus unter Aufsicht des Vereinsrabbinats, ebenso einige Nahrungsmittelfabriken. Unser Organ, „Der Volksfreund", der früher allmonatlich erschien, konnte infolge Mangel an Geldmitteln nur hin und wieder gedruckt werden. Es ist bedauerlich, daß unsere Zeitung, die belehrende Artikel und sonstige wissenswerte Berichte über Tagesereignisse in den jüdischen Gemeinden brachte und eine gute Mittlerin unter den Vereinsmitgliedern war, diesem Schicksal verfallen ist. Hoffen wir, daß es uns bald wieder möglich ist, sie Ihnen regelmäßig zusenden zu können; helfen Sie uns dazu. Ein gleich trauriges Los ist unferm Verlag der Bibliothek beschieden gewesen. Sie wissen, daß in ihm eine Reihe erklärender und belehrender Schriften erschienen ist, die zu geringen Preisen abgegeben wurden und in ganz erheblichem Maße dazu beitrugen, Wissen über das Judentum und fein Gesetz zu verbreiten. Eine ganze Anzahl Manuskripte konnte leider nicht gedruckt werden. Die von unserem Vereinsrabbiner herausgegebenen „Dijukim al Hatauroh", Erklärungen auf die Sidros, die in den verschiedenen jüdischen Zeitungen aufs beste begutachtet und deren weiteste Verbreitung für jedes jüdische Haus aufs wärmste empfohlen wurde, konnten ebenfalls leider nicht weiter gedruckt werden, weil das Geld dazu fehlt. Wo sind die edlenSpender, die sich das große Verdienst erwerben, zur Volle ndungdieses Werks

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