Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1929)
- Date
- 1929-04-18
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- Liepāja 4× ep/1000744
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Seile 2. Nr. 8 heit in Rußland — man hört hier beglaubigte Berichte voller Wunderbarkeiten und man kommt zu ihm und wird liebevoll und herzlich und „poschit" empfangen von einem wunderschönen Mann auf der Höhe des Lebens. Und eine Viertelstunde bei solch einem Großen gibt uns Lohn für viele Mühen, die die Tätigkeit eines„Agadenik" (unser zu einem Ehrentitel zu bringender Schimpfname in Polen!) im Gefolge hat. Und nach dem herzlichen spricht der Rebbe von Rußland, vm der mxa"2tttion, rühmt die Mitarbeit aller Welt an diesem Werk und rühmt besonders die Unermüdlichkeit unseres Dr. Meier Hildesheimer (dessen Popularität in Riga fast so groß zu sein scheint wie in Deutschland!). Auf eine meiner Fragen erhielt ich eine Antwort, die wir uns auch bei uns gut merken sollten: „Mein bbd ist: Itd en nie zu stören, I i - d e n m u ß m a n e r z i e h e n ". Ist der Lubawitscher Rebbe Agudist? Törichte Frage! Er ist der p’nnnnn eines gewaltig großen Kreises von Menschen jnsoiK jn*nnff' alle seine hiesigen wn r»^D sind Agudisten, die Führer der hiesigen rmx* Ob der Rebbe sich in Riga, das sich mit seinem Dortsein in allen seinen Schichten innigst freut, wohlfühlt? Aus seiner Umgebung höre ich: „Der Rebbe sehnt sich nach Rußland zu seinen verfolgten Brüdern, dort ist ihm warm, dort ist chm wohl. Riga ist ihm zu kalt, die Düna ist noch immer voller Eis! Im Rebbe brennt es!" Wahrhaftig: nmon bv 7pin ran m— iv. Alordechai Dubin. Daß der Lubawitscher Rebbe in Riga ist, dankt das Judentum neben anderns 11231 mibvvor allem jenem Mann, dem die lettländische Iudenheit in politischer Hinsicht schlechthin alles verdankt — Dubin. Auf der Heimfahrt fuhr ich mit einem Rigenser Zionisten, jetzt auf der Rückfahrt habe ich soeben eine lebhafte Diskussion mit einem Vundisten geführt — dieser wie jener ließen kein gutes Haar an uns agudistischen Störenfrieden, aber dieser wie jener: Dubin lieben sie, verehren sie! Vor den letzten Wahlen hieß es in Lettland, Dubin wolle nicht kandidieren — aus allen Lägern kam man, ihn zu bestürmen, daß er seine Kandidatur aufrecht halte. Und welche Devise hatten unsere liebenswürdigen zionistischen (misrachistischen) Gegner ausgegeben? „Wählt nicht Dubin, denn Dubin wird ja ohnehin gewählt". Auf diese Weise fingen sie Stimmen für ihre Listen, denn gegen Dubin zu agitieren, hieße die eigene Liste kompromittieren! Wer ist dieser geheimnisvolle Dubin? In der Regierung und im Parlament, bei Juden und bei Christen, bei Agudisten und bei den anderen Parteien, überall ist Dubin die populärste Persönlichkeit. Wodurch? Jedermann weiß, daß dieser 39jährige Mann, der Geld, Geschäft, Essen, Schlafen, gesellschaftlichen Verkehr nicht kennt, nur Eines will: Menschen helfen. Und den gewaltigen Einfluß, den er, der haarscharfe Parlamentsredner, der Vertrauensmann aller Ministerien besitzt, ihn nutzt er aus für ulles, was Not hat. Im Innenministerium hat er fein eigenes Zimmer, das ständig überfüllt ist von Bittsuchenden aus allen Schichten, Gegenden und Glaubensbekenntnissen des Landes, von dort aus hilft er allen, jedem, immer! Sein Sekretär und fein Registrator — beide „selbstverständlich" hmu?' nTix ’-pyx - besuchten mich und ließen mich Einblick in das Tagesjournal nehmen: ich würde „Staatsgeheimnisse" verraten, wenn ich plauderte — nicht ein Ministerium, an das nicht täglich Dubins Gesuche gehen, nicht ein Ministerium, das nicht täglich Dubins Gesuche bewilligte. Ich war am Freitag bei ihm im Ministerium, wollte ihn zu einer noch weiteren Leistung für den K. G.-Fonds „erpressen" — ich zog beschämt ab, über 40 Menschen warteten auf den Retter in der Not — und mir verging die Sprache. Nebenbei ist Dubin der Vertrauensmann des Rebben, der Vertrauensmann des Rigaer an — feine Besuchszeiten dort sind nachts von 12—4 — nebenbei der Vor-! Der Israelit B i ö i i « c sitzende des Rigaer flbnp und die Geschäfte, die er hier führt und mit denen unsere Gemeindeparnossim sich so gewaltig wichtig machen,, die erledigt er „inzwischen" buchstäblich: im» lob» nonii nix 'ib'vb und darum habe ich von ihm hier berichtet. V. Libau. Libau ist eine tote'Stadt, auf einen großen Handel eingestellt, sein Hafen wurde vom alten Zarenregime als der einzige, immer eisfreie großartig ausgebaut, seine direkte Eisenbahnverbindung geht bis an die Ostküste Asiens, jetzt ist der Handel durch die nahen, Landesgrenzen abgeschnürt, was geblieben ist, wird meistens über Riga geleitet — und der Hafen ist leer, leer die Lagerhäuser, die Kommissionäre, meist Juden, zu hunderten beschäftigungslos, die Einwohnerzahl auf die Hälfte der Vorkriegszeit gesunken — und alles ist deprimiert. Und die Agudas Jisroel? Auch dort ist eine von den gegründete „Tora im Derech Erez", wo sich der Direktor Zofnas redlich mit gleichgesinnten Lehrern um eine Schar von ca. 150 Kindern müht, sie zu echter Jüdischkeit in einem unjüdischen Milieu zu erziehen — ich wohnte dem x->03 Unterricht bei Knaben, die seit drei Monaten erst lernen, bei, und war erstaunt, wie schnell und tief die Kinder auffassen — aber es fehlt dort ein Lewitas, der die Schule großzügig fördert. Auch dort ist eine bxiv n*nX' die emsig strebt, zu halten, was zu halten ist, deren Männer den Ernst der Situation begreifen — aber es fehlt die frohe, zukunftsgewisse und selbstsichere Art des Rigaer Kreises, auch dort sind bxiv max ■»‘vyx — z. T. „Produktion" der Rigaer Schule. — aber es fehlt das alle spornende Feuer eines Rabbi Iauel Baranfchik, — in einem Wort: Libaus Orthodoxie braucht eine besondere xny’O' soll sie ihren Kreis erhalten und erweitern. Libau hat auch eine apsp wa-Schule, klein, auch in furchtbarer, materieller Not, aber sie lebt, weil ein Mann ihr sein Herz gegeben hat: ein Herr Schalman, selber ein unbegüterter Mann, Besitzer einer „Kaufbude", hat sie gegründet, unterrichtet dort umsonst und finanziert sie — ganz allein. Und wie? Tag und Nacht sammelt er für seine Schule, pfennigweise . . . Klingt es nicht wie eine chassidifche Geschichte, was sich da im Jahre 1929 in Libau zugetragen? Kommt da ein Amerikaner nach Libau, Schalmann bittet ihn um einen Betrag für Bais Jaakauw. Jener lehnt ab und klingelt — es ist bei seiner Abreise — nach einem Gepäckdiener . . . „Ich bringe Ihnen Ihr Gepäck zur Bahn", sagt Schalmann. Und das kleine Männchen schleppt die schweren Koffer zur Bahn und kassiert alsdann die Taxe: 2 lats (Mk. 1.60) für fein Bais Jaakauw! Libau ist tot, hätten es mehrere solcher Schalmann, trotz aller wirtschaftlichen und sonstigen Nöte: Libau lebte. VI. Ein kl 2IP in Riga. Als Erholung von anstrengender Wochenarbeit — neben Besuchen, Konferenzen, Empfang der Presse, die außerordentlich agudafreundliche Berichte gab, Reden, von denen zwei in großen Versammlungen, bei denen hier die Redezeit von VA Stunden fast obligatorisch, absolviert wurden — war ich am naw wieder in Riga! Hätte ich gewußt, daß die dortigen Freunde so bedürftig sind, dann hätte ich von vornherein meine Hoffnung auf Ausruhen nicht so hoch geschraubt. Arn nnw Morgen hatte ich die dem Agudovertreter gezollte Ehre, in einer der großen Ge-! meindesynagogen (Chorsynagogen) eine nuni zu halten — ein bei uns unfaßbarer Gedanke, daß ein „Unzünftiger", em Fremder ins Heiligtum der Rabbiner, auf die Kanzel kommt —• mittags sprach ich imap'n'a-das ist die Agudas Jisroel- Frauen- und Mädchengruppe Rigas — und abends war ich zur n'w'bw?myo bei den mi'vX' im Kreise 200 gleichgestimmter Menschen. Und an diesem Tage spürte ich die Wahrheit des, Wortes, daß. der Geist den Körper baut. Alle 18. April 1929 Anstrengungen fielen von mir ab, in dem Gefühl! der großen Freude, meine Brüder und Schwestern gesucht und gefunden zu haben, jener großen Freude des Sichfindens, über alle Verschiedenheiten hinweg, in dem einen großen, hohen und stolzen Gedanken: Agudas Jisroel7 Riga steht in einer kritischen Zeit: das, was wir schon überwunden oder erreicht haben, wird dort noch erforscht oder erkämpft. Wenn die lettländische Iudenheit durch die Krisis hindurchkommt, mit Gottes Hilfe sich findet und behaupt tet, dann darf ihre Agudas Jisroel ruhig dieses Ergebnis als ihr Verdienst buchen. Ihre Menschen erfüllen: mm b$ *pno pxi m> sie meistern den Tag, die Zeit, lassen sich von der Zeit und ihren Lockungen und Lockerungen nicht besiegen, sie verneinen auch nicht das Leben, sie stellen seine erlaubten Freuden und Genüsse in den Dienst der höheren Idee und erfüllen so: Vap» ito 13012 Vinn nx “paan bi Wer das Neue in seiner Zeit zu segnen und so zu heiligen weiß, den grüßt Seines Gottes Majestät. Glückwunsch-Karken der Palästina-Zentrale. Im Anschluß an die diesjährige A d a r - A k t i o n hat die Palästina-Zentrale künstlerisch ausgeführte Karten nach untenstehendem Muster Herstellen lassen. Durch diese Karten soll Gelegenheit gegeben werden, bei Familienfeiern (Geburtstagen, Verlobungen, Jubiläen und dergl.) auf sinnige, echt jüdische Weise der Mitfreude Ausdruck zu verleihen. Frankfurt am Main.. Schwanens/r. 12 Anläßlich der Feier Ihre ... wird im Aufträge oon Herrn I Frau. auf Ihren werten Namen ein Kind in Erej Jisroel eine Woche unterrichtet, gespeist und gekleidet- Mit vorzüglicher Hochachtung?alanlna Leimale üer flauflas Karten mit eigens dazu hergestellten Umschlägen werden von der Palästina-Zentrale auf Wunsch versandt. Die Kosten für die Verpflegung eines Kindes betragen: pro Woche Mk. 3.— pro 2 Wochen Mk. 5.— pro Monat Mk. 10.—. Einem vielfach geäußerten Wunsche Folge leistend, sind für jeden Betrag einzelne Karten angefertigt worden. Agud-H — Esra. Auf die Ausführungen von Harry Abt in den letzten Nummer der Aguda-Blätter erklärt die Bundesleitung des Esra: 1. Wir haben in die Diskussion der Frage Agudoh-Esra mit Absicht nicht eingegriffen, um einer Klärung dieser Frage auf dem nächsten Führertag nicht vorzugreifen. Wir halten ferner eine Behandlung dieser Frage in Form einer Pressepolemik nicht für zweckmäßig und verweisen auf die sachlichen Ausführungen über das Verhältnis des Esra zur Politik im neue* sten Führerblatt des Esra. 2. Wir müssen es uns hier versagen, die Art der Vorwürfe von Harry Abt gegen Mitglieder der Esrabundesleitung zu - charakterisieren und bemerken, daß die Richtigkeit der Vorwürfe von den zuständigen Bundesinstanzen geprüft werden wird.