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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 16 Der Israelit ens, Brasil ien s und Kanadas. Neukolonisten haben Gelegenheit, sich in diesen Kolonien anzusiedeln, nur muß jede Kolonisten-Fämilie in Argentinien 250, m Brasilien 350 und in Kanada 500 Dollar besitzen und die Kosten der Ueberfahrt selbst tragen. In Argentinien bekommt die Neukolonisten-Familie zuerst ein Areal von 15 bis 25 Hektar Boden und ein Kleinhaus, sowie das notwendige tote und lebende Inventar. Sobald der Kolonist sich eingearbeitet hat, werden ihm 50 Hektar Boden zur Verfügung gestellt. Der Neukolonist hat Gelegenheit, sich eine kleine Milchwirtschaft einzurichten und als landwirtschaftlicher Arbeiter bei den alten Kolonisten tätig zu sein, um sich das Geld für die vergrößerte Kolonisation zu erwerben. Wenn der Neukolonist im Verlauf von drei Jahren keine befriedigenden Resultate erzielen konnte, muß er die Kolonie verlassen. Im Verlauf von 8 Jahren ist der Wert des Inventars und der Gebäude amortisiert und dem Kolonisten wird bescheinigt, daß er Eigentümer des von ihm bearbeiteten Bodens ist. In dem Dokument ist auch die Hypothekensumme genannt, die in den nächsten zehn Jahren amörtisiert rveköen soll. Die JCA setzt den Preis, wenn die Arbeit des Kolonisten als befriedigend angesehen wird,"herab. — In Brasilien erhält der Kolonist sofort 60 Hektar Boden, ein eingerichtetes Haus und das gesamte notwendige tote und lebende Inventar. Der Kolonist entrichtet anfangs 5 Proz. des Bodenwertes, die Höhe der weiteren Leistungen hängt von seiner Arbeitsfähigkeit ab. — In Kanada erhält der Kolonist 65 Hektar Boden, eine Wohnung und das notwendige lebende und tote Inventar. Die Amortifationsbedingungen sind die gleichen wie in Argentinien. —' Außer der Familienkolonisation fördert die JCA. die' Seßhaftmachung lediger . Landarbeiter in den Kolonien!, v. Jm.dem,eben erschienenen Aprilheft des von c^Em.i gdi r ekt -in Berlin in jiddischer Sprache chdtAusgegebenen Journal „Die jüdische Emigration"^ wird'.über neue Einwanderungsmöglichkeiten im Palästina, ferner über moderne Einwanderungspolitik berichtet. Die hier entworfenen Bilder jüdischer Heimlosigkeit, jüdischer Massenemigration und ewiger Wanderung lassen leider in den oben geschilderten Versuchen und Erfolgen das Heil nicht e rblicken. Die Einwanderung und Ansiedlung in Kanada beispielsweise setzt den Besitz eines Vermögens voraus, das in den meisten Fällen genügen würde, um den Wanderstab überhaupt in die Ecke zu stellen. Ulkiges aus Studenkenkreise«. Von A. WarmHerrner in Aetteköach. In Würzburg, wo jüngst auch ein Numerus clausus - Kind zur Welt kam, hat der „Verein Studentenhilfe" ein respektables Gebäude hingestellt, zu dem Judengeld in vielen Tausenden geflossen. Non ölet! In Anwandlung einiger Scham über die Würzburger Studiosi sah man sich bemüßigt, unterm 8. April zu erklären: „Der Verein Studentenhilfe Würzburg bemerkt zu den Zeitungsmeldungen über die Schaffung eines Numerus clausus, daß die Tätigkeit der Studentenhilfe durch Fragen dieser Art nicht berührt wird. Die Abstammung sowie die Bekenntnis-, Partei-, Verbands- oder sonstige Zugehörigkeit ist bei der Arbeit der Studentenhilfe ohne jede Bedeutung. Die Einrichtungen der Studentenhilfe stehen allen Studierenden offen. Bet Gesuchen um Sonderzuwendung, erfolgt die Beurteilung ausschließlich nach der persönlichen Bedürftigkeit und Würdigkeit." , ' Gut! Wir gläubens! Diese Erklärung raubte den teutschen Brüdern der alma Julia in Würzburg den Schlaf Und prompt erklären sie am andern Tage (9. April) Folgendes: „Der Vorstand der Würzburger Studentenschaft ist der allein zuständige Vertreter der Würzburger Studenten. Auf die vom „Deutschen Studentenbunid" am 3. April versandte Notiz vom Numerus clausus an der hiesigen Universität -erwidern wir, daß der Beschluß der Asta-Sitzung in der Frage des Numerus clausus mit Zweidrittelmehrheit gefaßt wurde. Dieser Beschluß, der einen Numerus clausus für jüdische Studierende anregt, istdurchüberz e ug e n d e S t a t i st i k e n b e g*r ii n ö e t. Es geht hier, um eine wichtige, von aller Parteipolitik unabhängige (Wer lacht da?) allgemein-vaterländische Frage." Dann tritt (natürlich, der Vorstand der Würzburger Studentenschaft) scharf polemisierend gegen den Deutschen Stuentenbund auf mit der Schlußsrage: , „Wann zieht der Deutsche Studentenbund die Konsequenz?-=- So geschehen im Adar und April ... Die „allgemein-vaterländische Frage," um die' sich die clauser Sorgen machen, ist jedenfalls die, es könnten öfters am Vormittag jüdische Kommilitonen die Hörsäle füllen, während die BuntbeMützten, Fcrrbengeschmückten den vorhergegangenen feuchtfröhlichen Abend noch ausschlafen. Darum die Kardinalfrage: Wann zieht endlich der Deutsche Studentenbund die. Konsequenzen? Doch weiter. Gerade zwei Tage vor dem Jaminerschreiben der exklusiven Jungen beschloß der Landesverband der französischen Studenten, der in Toulouse tagte, daß die Mitarbeit deutscher Studenten im Internationalen Studentenverband unerwünscht sei: „Der. Landesverband der französischen Studenten beauftragt seine Vertreter, s i ch e n e r g i s ch der Z u l a s s u n g der deutschen Studentenorganisationen großdeutschen Charakters als ordentliches Mitglied der C. I. E. zu w i d e r s e tz e n". Das ist deutlich, wenn auch nicht höflich. Es muß doch etwas Wahres an dem. Sprichwort der Alten sein: Wie sichs jüdelt, christelts sich. Hie Deutsche Studentenschaft ohne Juden, hie Internationale Studentenorganisation ohne ^Deutsche. So geschehen im Adar und April! Megillogeist in der Gegenwart; Chadgadjobilder moderner Kultur; Ulkiges im heutigen Studentenleben! Wie uns Treitfchke an Heine „klar" bewiesen, versteht der Orientale nicht zu zechen nach Germanenart. Heine schied aus der Welt, ohne — nebbich — Trinklieder zu hinterlassen. Nun, jetzt kommt ein Monat, an dem man uns von Religionswegen quasi zwingt zu bechern, zu bechern bis tief in die Nacht hinein. Da aber — schon beim zweiten Pokal, schlagen die schlauen Juden dem Bacchus ein Schnippchen. Sie heben den Pokal voll funkelnden Weines in die Höhe, trinken aber nicht. Sie murmeln nur einige Worte und setzen dabei die Miene gewichtigen Nachdenkens auf: Tn kVk orb? lim nnn vnpni nrn „In jedem Gefchlechte standen Gegner auf, aber der Allgegenwärtige rettete uns aus ihrer Hand." Nach dem Trink-Komment des Abends stellt dann der Jude den Becher unberührt wieder auf den Tisch; denn er soll den Kopf dabei nüchtern haben. So ists jüdischer Brauch, jüdische Art, wenn der Geist im Fluge durch die Jahrtausende eilt. Wir hassen jedwede Umneblung 18. April 1929 der klaren Sinne, des hellen Geistes. Das überlasten wir. der — Deutschen Studentenschaft von 1929. > Die Kalenderreform und das Pessachfest. Die Internationale Liga f ü r d en f e st e n K a len de r veröffentlicht soeben eine Erklärung, in der für die Zusammenlegung desjüdischen Peffachfestes mit den christlichen, Ostertagen eingetreten wird. In der Erklärung heißt es u. a.: Das jüdische Pessachfest fällt im Jahre 1929 infolge. des jüdischen. 13 Mönate-Iahres auf den 25. April, was zur Folge hat, daß das griechisch-orthodoxe Osterfest, welches der Tradition gemäß nach dem jüdischen Pessachfest gefeiert wird, auf den 5. Mai — 35 Tage nach den Ostern der westlichen Kirchen — verlegt wurde. Daraus erwachsen für Juden wie für Angehörige anderer Religionen Verluste infolge Vermehrung, der arbeitsfreien Tage. Die größten Leidträgenden sind die Juden in den Ländern Mittel- und Osteuropas, die ihre Läden und Werkstätten geschloffen halten müssen. Auch können sich Unzukömmlichkeiten daraus ergeben, daß die Hetze gegen die Juden als Ketzer und Christuskreuzi-v gegen die Juden als Ketzer verstärkt würdeso unsinnig es auch wäre, die Juden für Dinge verantwortlich zu machen, die-sich vor 1900 Jahren abfpielten. Während 1927 Peffach und Ostern am gleichen Tage, am 17. April und 1928 in der gleichen Woche (am 5. und am 8. April) begangen wurden, lagen schon im Jahre 1929 zwischen Ostern (31. März) und Peffach (25. April) ganze 25 Tage^ Das bringt es mit sich, daß auch zwischen dem jüdischen Schwuos-Fest und dem christlichen Pfingstfest zum Nachteil beider religiöser Gemeinschaften die gleiche Zeitspanne liegt. Die Divergierung um 25 Tage wird sich 3 Jahre später, 1932, wiederholen. In diesem Jahre fällt der Ostersonntag auf den 27. März, das Pessachfest auf den 21. April. Dies, weil in den Jahren 1929 wie 1932 die Juden ihre archäische Methode der Einschiebung eines 13. Monats durchführen; als ob die Lebensbedingungen und die religiösen Erfahrungen seit der babylonischen Gefangenschaft vor etwa 2500 Jahren unverändert ^geblieben wären. Bor zwei Jahren nahm die rumänische orthodoxe Kirche den neuen Gregorianischen Kalender statt des alten Julianischen Kalenders an. Dies war ein weiser .Akt. In Transsylvanien aber haben in diesem Jahre die Römisch-Katholischen und die Griechisch-Orientalischen und die Juden dreimal Ostertage. Man hat berechnet, daß es dort einschließlich der Sonntage und;öer nationalen Feiertage 150 arbeitsfreie Tage im Jahre gibt. Diese : Kalender-Divergenzen verursachen Armut unter Juden wie unter Angehörigen anderer Konfessionen. Ein Gleiches gilt für Beßarabien." : Das Statement enthält eine Abhandlung von Bastl M a t h e w s, betitelt „Die schwankende Welt des Judentums^, in der behauptet wird, daß allein in Budapest mehr als 40 000 Juden zum Christentum übergetreten seien. Sogar in den neuen zionistischen Kolonien Palästinas sei Unter den jungen Kolonisten die Autorität des Rabbiners erschüttert. In Newyork seien etwa 100 000 Juden zu den Kirchen der Christian Science übergetreten. In dem Statement wird auchauf die Gutachten des britischen Chief Rabbi I. H: Hertz, Marken der Neu aufgenommen nos Alleinvertrieb durch die Firma J> Anton Alexander, Berlin NO 18, Landsberger Sfraße 91.

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