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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16. Seite 3 18. April 1929_, , _' in der Wigodsky-Partei werden wach auf dem Plane sein, daß sich keiner ihrer Gewaltherrschaft entzieht. Und dennoch wird für Wilna, wie für Vialistock und Lemberg, falls, die Machthaber nicht noch im letzten Augenblicke vor ihrem eigenen traurigen Mute erschrecken und emlenken, k a u m e t - w as a nd er e s üb r i g bleibe n. Die Aussichten für die neue Gemeinde des „Oberrabbiners" würden dann nicht sehr rosig sein. Eine „Sondergemeinde" mit der ganzen Mittelschicht als Rückgrat und dem alten Räbbinate an der Spitze, und auf der anderen Seite eine aus Juristen und Doktoren und einem Oberrabbiner mit amtlicher Machtbefugnis bestehende „Hauptgemeinde". Es kann kein Zweifel fein, welche von beiden Gemeinden d i e Gemeinde repräsentieren wird. Kommt es zur Trennung, fo weiß die Welt wieder einmal, wer die Trennung verschuldet hat. Im Westen hat man es schon bald vergessen. Die Vorgänge in Polen frischen auch die Erinnerung an die Entwicklung der Dinge in Deutschland im vorigen Jahrhundert auf. Wochenrandschau. Kchö«heikskonkurrenz. Das jetzt beliebte Spiel der Schaustellung und Preiskrönung von Frauenschönheiten würde uns unberührt lassen, wäre man nicht darauf gekommen, partout eine jüdische Sache daraus zu machen. Daß der liebe Gott bei der Verteilung der Schönheitsgaben auch in Ungarn und in Polen keinen Numerus clausus einhält, dürfte wohl auch früher bekannt gewesen sein. Um das zu beweisen, hätte sich gewiß nicht die Mühe gelohnt, jüdische Töchter — wie man hört, brave Töchter guter jüdischer Häuser in Ungarn, Wien und Polen — in diesen Wettbewerb zu treiben. Ist es einmal geschehen, so gönne man.den Mädchen die Freude und den Erfolg. Was wollen aber die jüdischen Blätter eigentlich bezwecken mit der Hervorhebung und „Auswertung" dieses „jüdischen Erfolges"? Kann äußere Schönheit apologetischen Zwecken dienen? Die Hoffnung, daß die „Erwachenden" in Ungarn sich durch die schönen, blauen Augen der preisgekrönten Böske Simon zu einer anderen Haltung gegen die Juden _Der Israelit_ verleiten ließen^ ist mit dem wenig freundlichen Empfang der Preisträgerin in ihrer Heimat vernichtet. Man kann noch verstehen, wenn in an der Oberfläche der Dinge hastenden Kreisen von jüdischer Weltmeisterschaft auf Spiel- und Sportplätzen ähnliches erwartet wird, wenn da' angenommen wird, sie könnte für die Juden, sagen wir für ihren Mut, für ihre Tapferkeit Freunde und Bewunderer werben. Wie sollte dieses Schönheit können, die keine Leistung und keine Tugend ist, sondern nur eine Gottesgabe, eher geneigt, den Neid als die Achtung der Feinde auszulösen? Die Schönheitskönigin in der Megilah, hie jüdische „Miß Persia", hat die Erlösung gebracht trotz ihres Schönheitspreises, und nur dadurch, daß die jüdische Note der gewonnenen Schönheitswette bis zum letzten Augenblick peinlich verschwiegen wurdL. Die erzieherische Wirkung dieses vielgepriesenen „jüdischen Erfolges" nach innen muß vollends all diejenigen mit Trauer und Sorge erfüllen, die, nicht allein im gesetzestreuen Kreise, auf eine Verinnerlichung und Vergeistigung des jüdischen Lebens etwas halten und geben. In Paläst i n a steht die von einer Jury gewählte „Schönheitskönigin" im Mittelpunkte des k a r - n e v a l i st i s ch e w Umzuges. In Warschau wird eine von einem Vereine gewählte „Schönheitskönigin" iy. der.Gemeindestube von dem derzeitigen Präsidenten der Kultusgemeinde mit Sätzen aus dem „Hohenliede" begrüßt und gefeiert. Ein verbreitetes jüdisches Blatt in Deutschland darf nicht zurückstehen und veranstaltet so eine Art Kostümschönheitskonk u r r e n z, um nachher die Siegerinnen, die Misses . . . in Wort und Bildzu feiern.' In einer Zeit der Lichtreklam e dürfen die Reklametricks auch aus dem Dunkel irregeleiteten Volksempfindens nicht fehlen ... Wir würden zu all dem nicht so feierlich Stellung Nehmer^, wenn nicht soeben eine gewichtige christliche Stimme aus Amerika mahnend und warnend über den Ozean zu uns hinübergekommen wäre. Nach dem, was eine seichte, gedankenlose Presse aus der Schönheitskonkurrenz in Europa gemacht hat, muß es schon mit als eine Mahnung an Iud eh ei t und Judentu m empfunden wer d e n. Man rüstet sich nämlich zu einer Welts ch ö n h e i t s k o n k u r r e n z in G a l v e st o - n e in Texas, auf der die „Miß Europa" mitkonkurrieren soll. Der Lorbeer wird ihr a priori zugesichert, Miß Europa wird zur Schönheitskönigin der Welt avancieren. Da ist es kein Wagener & Schlötel Goethestrasse 9jll Die letzten Neuheiten in Frühjahrs Mänteln, Kostümen Nachmittagsu.Abendkleidern sind'jetzt eingetroffen \Alle Preislagen, jede Grösse, auch für starke Damen Geringerer als der Bischof B y r n e s in Galvestone, der sich direkt mit einem mahnenden Schreiben an die gekrönten Schönheiten in Ungarn und Oesterreich wendet und sie beschwört, nicht nach Galvestone zu kommen, um sich dort für den Weltschönheitsprsis auszustellen. Er spricht von der Würde der Frauen, der durch die öffentliche Schaustellung und die Art, wie diese vor sich geht, sehr Abbruch getan wird. „Die Schönheitsschau in Galvestone ist ein vulgärer und roher A k t^ g u R e k l a m e z w e ck e n a r r a n g i e r t; unvorstellbar, daß eine F r a u v o n S e l b st - achtung sich zu einem solchen Wettbewerb e h e r g i b t". Wie die ITA. zu berichten weiß, seien sowohl die „Miß Europa" rose die „Miß Austria" (Liefet Goldarbeiter) geneigt, dem Rate des wohlmeinenden Bischofs zu f o l ge n. Aber bedurfte es erst des bischöflichen Zuspruches, um Frauen, und vollends jüdische Frauen und Töchter, an ihre Würde zu gemahnen.? Sie sind auch übrigens nur Objekte, Opfer einer reklame- und sensationslüsternen Zeit. Die Schuld für diese Geschmacksverirrung bleibt haften an den Arrangeuren solcher Schaustellungen, an den Eltern und Freunden, die nicht ihre helfende Hand den Mädchen entgegenstrecken, um sie dem öffentlichen Schönheitsmarkte zu entziehen. Die Schuld haftet doppelt und zehnfach an einer gedankenlos e n P r e s s e, die solche Erfolge wie große Leistungen feiert und verherrlicht und damit Verwirrung nach innen und Beunruhigung nach außen anrichtet. Emigration und Kolonisation. Das letzte Bulletin der Vereinigten jüdischen Emigrationsgesellschäften Hias-Jca-Emigdirekt bringt ausführliche Nachrichten über die Kolonisationsbedingungen in den I ca-Kolonien« Argentini- Bezirk, den die göttliche Erscheinung an unserer Stelle miterfaßte, das Tempelheiligtum war, und daß dieses somit gleichsam eine Erweiterung der himmlischen Region bildete. kleines Feuilleton. Eine Ausstellung von Zaffa-Orangen. Die Orangen-Lultur wurde im Mittelalter vermutlich aus Indien oder Mesopotamien nach Palästina gebracht. Diese Orangen waren damals von nur mittelmäßiger Qualität. Als nun gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Portugiesen den Seeweg nach Indien entdeckten Frachten sie aus ihren Entdeckungsfahrten eine Orangenfrucht mit, die, was Geschmack und Geruch betrifft. weit besser als die. Früchte waren, die man bisher in Europa kannte. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts bürgerte sich nun diese „portugiesische" Orange irr fast allen Ländern des Mittelländischen Meeres ein, einschließlich Syrien und Palästina. Die Orangen, die heute noch.in Spanien und in Südfrankreich und in Italien gezogen werden, gehören tzu diesem Typ. In Palästina aber verschwand dieser Typ und an seine Stelle trat der „Jaffa- Apfel" dessen Ursprung uns nicht bekannt ist, dessen Form ,Geschmack, Aroma und Größe alle anderen bestehenden Sorten in den Schatten stellt. Die Jaffa-Orange ist eine dicke, große Frucht, mit starker Schale und wenig oder meistens überhaupt keinen Lernen. Außerdem ist die Jaffa-Orange besonders saftig, weswegen sie selbst im Verhältnis zur Größe, sehr schwer wiegt. Früher ließ die Methode des Einpackens der Orangen durch die Exporteure sehr zu wünschen übrig, da man Früchte von verschiedener Größe in eine Liste packte, hierin ist in den letzten Jahren eine große Besserung eingetreten. Die meisten Exporteure packen die Früchte besser, das Sortieren geschieht sorgfältiger, und manche Firmen setzen ihre Ehre darein, nur Orangen von einer Größe in eine Liste zu verpacken. Im vergangenen Jahre hat die palästinensische Regierung in den Häfen Jnspektionsstellen errichtet, die dafür sorgen, daß die Waren, die versandt werden, von guter Qualität und gut sortiert sind. Ohne Zweifel haben diese Maßnahmen und die' seit drei Jahren regelmäßig stattfindende Orangen-Ausstellung dazu beigetragen, die Orangenkultur in Palästina gut voranzubringen. Die diesjährige Ausstellung fand Ende Februar statt und wurde durch den Oberkommissar, Sir John ^Chancellor, in aller Feierlichkeit eröffnet. Lady Chancellor teilte die' Preise aus. Die Ausstellung, die in Tel Aviv stattfand, zog, aus Aegypten besonders, einen großen Touristenstram heran. Tel Aviv ist durch seine guten Ausstellungshallen, ,von wundervollen Gärten umgeben, der ideale Platz für dergleichen Ausstellungen. Jaffa und Tel Aviv, umringt von Orangenhainen, die Bäume mit diesen goldenen Früchten schwer behängt, die Akazien in voller Blüte, duftende Blumen überall, kein Wunder, daß immer mehr Touristen ins Land kommen, um die Schönheiten des Landes in sich auszunehmen. (Zwei Berichtigungen.) Herr Dr. Ernst Simon in Jerusalem teilt mit, daß er mit dem in einer der jüngsten Nummern wegen seiner ungezogenen Bemerkungen über Rabbi . Chajim Sonnenfeld zurechtgewiesenen Herrn Simon Ernst (der in Tel Aviv wohnt) nicht identisch fei. . Er pflege politische Aufsätze stets mit vollem Namen in richtiger Reihenfolge von Vor- und Zunamen M zeichnen. Wir bedauern das Mißverständnis und freuen uns, daß nicht Herr Dr. Simon, den wir als ernsten Menschen kennen, sondern der unbekannte Herr Simon Ernst der Attentäter war. Weiter sucht Herr Dr. Simon seine offenherzige Charakteristik der Msrachr-Schüverschast in Erez Jisroel (die Schülerschaft — so schrieb er — sei „weltanschaulich gesehen, bewußt und durchaus liberal; damit allerdings ist sie nicht mehr orthodo x") dadurch zu rechtfertigen, daß er uns mitteilt, er habe von dem Leserkreis der Zeitschrift „Werdendes Zeitalter", in der jene Aeußerung erschien, voraussetzen dürfen, sie verstehe den Unterschied zwischen „weltanschaulich liberal" und „religiös liberal". Die Misrachi-Schülerschaft soll also offenbar weltanschaulich liberal und religiös orthodox sein — sonderbar, höchst sonderbar! Uns fehlt für diese Art von geistiger Verfassung — eine Brandmauer mitten im Gehirn — jedwedes Verständnis. Im übrigen versichert Herr Dr. Simon, er habe nicht im Einverständnis mit der misrachWschen Lehrerschaft geschrieben. Auch nicht in ihrem Sinne?? Wochenkalender. v. so. bis 27. April 1828 / o. 10. bis 17. Nißan 5688. Samstag 20 10 h3» So.intag 21 11 Montag 22 1 ■ 12 vienstag 23 p»3 13, fort i'pila Mittwoch! 24 14j nos 3*iy 311'V vonnerstag 25 15 'r oi» nos Freitag 26 16 '3 " " Samstag 27 17 o’Twn ttp B"7nn J13E7

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