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Der Israelit · 1929-04-11 · Heft 15 (11.4.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 15 (11.4.1929)
Date
1929-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15. Seite 7 11. April 1929 ' - Eine Schandtat in Liberias. T c b e ri a s „ 3. April. Am Sabbat ’ripa 's trag sich m der Synagoge zu Tiberias -etwas Unglaubliches zu. Der greife Rabbiner, Rabbi Mosche Kliers, hielt gerade feine Drofcho vor versammelter Gemeinde, als ein Chaluz hin'emstärmts, bis zum Rabbi vordrang und chm einen .kräftigen Faust s ch l a g i n s G e f i ch t v e r fetz t e. Bei dem lähmenden Entsetzen, das die Gemeinde im ersten Augenblick ergriff, versäumte man es, den Angr-sifer zu stellen und er kannte entweichen. Die Aufregung in Tiberias und in ganz Palästina ist unbeschreiblich!. Man empfindet diesen.F-austfchlag als einen Faustischlag ins Gesicht der g-cfetzestreuen Juden, als ein Attentat auf den ganzen alten Jischurv. Man Wird nicht gleich verallgemeinern wollen, man wird sogar nicht fehl gehen in der Annahme, daß dieser Ueberfall den zionistischen Kreisen, und besonders dem Misrachi, sehr unangenehm und peinlich ist. Gewiß hat der junge Attentäter nicht im direkten Aufträge gehandelt. Allein, aus der Atmosphäre, die hier seit Jahr und Tag geschaffen wird, sind solche Taten schon leicht erklärlich. Rabbi Mosche Kliers wird ganz besonders mit dem glühenden Haffe der neuen VoWstzeMck-er bedacht. Ist er doch ein treuer Freund und Mitarbeiter von Rabbi Sonnenseld, gewissermaßen „der Sonnenfeld von Tiberias", der mit klaren Augen und wachen Sinnen dem antijüdischen Treiben der neuen Herren entgegensteht und entgegentritt. Man hatte vor Jahren diesem greisen, verdienten Rabbi sogar eine „jüngere rabbmische Kraft" vonseit-en des Jerusalemer Ob>errabbmates über den Kopf gesetzt. Eine wilde Hetze ging durch die Presse gegen den „Klerikalismus von Tiberias", von der sich auch der Jerusalemer Misrachi nicht ganz ausschloß. Was Wundre, daß unreife Köpfe dabei bis zum Letzten gehen, der ausgestreute Zündstoff einmal explodiert, wie es jetzt, zur S ch a n d e f ü r d e n g a n ze n n e uen Jif ch u w, in der Synagoge zu Tiberias geschehen ist. Was werden jetzt dte Männer des „Keren Hajeffod", mit dessen Geldern all diese Hetzkampagnen finanziert werden, was wird vor allem Misrachi dazu sagen, wenn er nun sieht, wie hoch die Giftsaalen in die Halme treiben? Wir behalten uns eine weitere Stellungnahme zu diesem Skandale, nachdem die Aeußerungen von der anderen Seite erfolgt sein werden, vor. Amerika. Union orthodoxer Kongregationen Amerikas wünscht eine Vertretung in der Agency. N e w y o rk, 25. März. Die Union Orthodoxer Kongregationen Amerikas hielt im Nervyorker Jeschiwah-College >eine Konferenz ab, der Vertreter von 650 orthodoxen jüdischen Kongregationen aus ganz Amerika beiwohnten. Nach einer lebhaften Aussprache über die Frage des Paläsiina-Ausbaus nahm die Union eine Resolution an, in welcher der Plan der Erweiterung der Jewish Agency gebilligt und eine proportionale Vertretung der Union und der anderen orichodaxen Körperschaften Amerikas in der Agency gefordert wird. Der Konferenz wohnte der greise Philantrvp Nathan Straus bei. In einer Ansprache an die Mitglieder der Konferenz führte er aus, er gehöre zwar einer der ersten Resormkongrega klonen von Amerika an>, er sei aber über die Leistungen der zweiten Generation der jüdischen Reformbewegung enttäuscht. Nur eine intensive jüdische Erziehung in orthodoxem Sinne könne die jüdische Jugend für das Judentum begeistern. Es sei wichtig, daß alle drei religiösen Gruppen des amerikanischen Judentums, Reformisten, Konservative und Orthodoxe, diesem Ziele zustreben. Rabbiner Herbert S. Goldstein', Präsident der Union, gab einen Tätigkeitsbericht und schilderte die Rolle der Union bei Durchführung des sogenannten Koscher- Gesetzes im Staate Newyork und ihre Bemühungen zur Sicherung der Durchführung der Fünstage-Arbeitswoche. Dieser Arbeit der Union ist es zu verdanken, daß die National Industrial Conference einen Fonds 'für Propagierung der Fünftage-Arbeitswoche bewilligt halt. Rabbiner Goldstern berichtete auch über die Erziehungsarbeit der Union und wies darauf hm, daß an den höheren Schulen von Newyork City Jugendheime Mbikdet wurden, wo die jüdische Jugend in regelmäßigen Intervallen zusammenkommt, um jüdische Programme zu entwerfen und sie durch zu führen. Die Konvention beschloß, einen Der Israelit zentralen Unterrichtsrat zur Förderung der bei den Synagogen bestehenden Religionsschulen zu begründen und erklärte sich bereit, die Jeschiwoth in den Bereinigten Staaten finanziell zu unterstützen. — In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde gegen den Plan einer Kalenderreform, die der jüdischen Religion abträglich ist, protestiert. — Zürn Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der der Wiederausbauarbeit der Gesellschaft „Ort" die Sympathie ausgedrückt wird. Personalien. Hamburg, 31. März. Ein schier - unübersehbarer Trauerzug bewegte sich in den Nachmittagsstunden des Erew-Schabbos durch die Straßen Hamburgs nach dem allen Friedhof in Langenfelde. Er galt einer frommen Matrone, die plötzlich in die Ewigkeit ab berufen war, der Gattin des Rabbiners Dr. Cohn, früheren Kveisrabbiners in Efchwege, der nach seiner Pensionierung hier in Hamburg in stiller Bescheidenheit eine außerordentlich reiche Tätigkeit entfaltet, lernend und lehrend. Ein Zeugnis seiner großen Beliebtheit, die er sich hier zu erringen gewußt hat, war diese allgemeine Teilnahme bei dem Hintritt seines Weibes. Eine wunderbare jüdische Frauenpersänlichkeit ist mit Amalie Cohn zu Grabe getragen worden. Eine Tochter des Rabbi üöb Guttmann in Beuchen, war sie früh im Elternhause mit dem hohen Pflichten kreis der jüdischen Frau bekannt geworden, und schon als Mädchen entfaltete sie eine rege Tätigkeit als Helferin der Kranken neben ihren zahlreichen häuslichen Aufgaben. Ihr eignete schon damals eine besondere Energie und seelische Kraft, verbunden mit feinster Weiblichkeit und großer Klugheit. Als sie dann an der Seite ihres Mannes das hohe Glück ihres Lebens fand, da wurde sie in der Gemeinde Efchwege als Rebbezin eine echte Mutter der ganzen Gemeinde. Das herrliche Familienleben, das sie begründete, diente allen als Vorbild und Halt, ihr Rat galt allen als eine Richtschnur in schwerem Fragen des Lebens. Bei jedem Kranken war sie als Vorsitzende der Chewra Kadischa stets selbst die Wächterin am Kran-! kenbett, bei Armen sie allein idie Pflegerin und Hausoerwalterin. Aber gleichzeitiig war sie auch eine hohe Trägerin der Geistigkeit in der ganzen Gemeinde. Was sie als Kind einer berühmten Gelehrtenfamilie vor sich gesehen und in sich ausgenommen, das starke Interesse für Thora und jüdische Wissenschaft, das strahlte von ihr aus und ergänzte in seiner Züchtigkeit die Wirksamkeit ihres Gatten. Die ganze Selbstlosigkeit der frommen bm nm, die Kunst der Lebensgeftaltung in den engsten Verhältnissen, der Stolz auf eigene Arbeit, die Fähigkeit, Werte aus dem Nichts zu schaffen, zeichneten sie aus. Auf sie galt das Wort: Das Brot der Trägheit hat sie nicht gegessen. So vereinte sie in sich das Praktische mit dem Idealen, das Kleine mit dem Größen. Und in diesem Geist erzog sie auch ihre eigenen Kinder zur Meisterung des Lebens, zur Verwirklichung jüdischer Ideale. Ein herrliches Glück ward ihr dafür im- Kreise der Ihren zuteil, und ganz besonders die letzten Jahre, die sie nach Hamburg führten mitten hinein in den Kreis der Besten und Frommen, haben ihr viele Stunden reinsten und höchsten Glückes beschert. Schön wie ihr Leben war auch ihr Tod. Bis zum letzten Augenblick im Vollbesitz ihrer geistigen Kraft, ihr kleines Hauswesen in peinlichster Ordnung, in treuer Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzuge, so ging sie in die Ewigkeit ein. Tiefe Dankbarkeit hatte sie ibr Leben lang gegen ihr Elternhaus erfüllt. Dort hatte sie gelernt, wie man am Eigenen spart, um für den Andern übrig zu lassen/und so war es ihr eine blesondere Freude, aus Pfennigen eine beträchtliche Summe für eine Stiftung zur Erinnerung an ihre seligen Eltern erspart zu haben, und eine ihrer letzten Handlungen war die Ordnung dieser Stiftung zum Gedächtnis von Reb Löb Guttmann. Nun ruht sie aus von der rastlosen, unermüdlichen Arbeit ihres fast sieben Jahrzehnte zählenden Lebens. Während der Trauerwoche wurden anaon gehalten von den Herren Oberrabbiner Dr. Spitzer, Hamburg, Rabbiner Dr. Jacobsohn, Oberrabbiner Dr. Carle buch, Altona. Möge dem verehrten Gatten, dem Nestor der Hamburger Rabbinerschaft, der Himmel seinen Trost senden. rr-sn Aurich, 31. März. Herr Ruhelehrer B. Wolfs feiert s. G. w. am 4. Nissan seinen 75. Geburtstag in körperlich geistiger Frische; möge der Jubilar seiner Familie und dem gesetzestreuen Judentum noch recht lange erhalten bleiben. Berlin, 3> April. Unsere brrnv' hat einen großen säst unersetzlichen Verlust erlitten; eine von den wahren nvsp-ns r>?73 — Mathilde Weichselbaum, gab '3 ttk 'n ihre niinv wwsfür deren Vervollkommnung sie ihr ganzes langes Leben hindurch arbeitete, ihrem Schöpfer im 86. Jahre ninvui nvinp3 in Heiligkeit und Reinheit zurück. Einem alten, echt jüdischen Hause entstammend, hatte sie ihr apy> xv>3 mit dem ihr an Frömmigkeit und Gerechtigkeit gleichgesinnten Jacob Weichsrlbaum b"r in Geldersheim bei Schweinsurt, auf den drei Grundseilern, aus denen die Welt ruht, aufgeöäut, by »Hmn Vy t=3iV»n ^>yi i'-tnwobei als der stärkste Pfeiler allezeit besonders hervorragte. Denn „Friede in der Familie, Friede mit allen Menschen ohne Einschränkung, Friede mit ihrem G'tte" ward die Devise ihres geseg- ELEGANTE DAMENTASCHEN PORTEFEUILLES REISEARTIKEL neten Lebens. Um diesen ai^v zu hegen und zu pflegen, ward ihr Haus nniib mna Allen weit geöffnet, o"sy i n»i irrn ’aa und besonders den Armen, die ihre Hausleute und Freunde bildeten. So lebte sie in 36jähriger, glücklichster und mustergültigster Ehe mit ihrem von ihr übe: Alles geschätzten und geliebten Manne, den sie mit 12 Kindern beglückte und von denen sie 5 ins Grab senken mutzte — und war im Begriffe mit ihm zu ihren Kindern nach Berlin überzusiedeln. Da traf sie der schwerste Schlag ihres Lebens — vom ältesten Sohne Abschied nehmend, ward der geliebte Gatte auf der Reise ihr plötzlich vor der Zeit entrissen und das Leben schien auch für sie vorüber zu sein. — Da raffte sie sich in ihrer wahren vvn lurv» auf, siedelte allein näch Berlin^ über und fand hier im Hause und in der Umgebung ihrer Kinder eine zweite Heimat, in der sie von Liebe umgeben, denselben jüdischen Idealen und Pflichterfüllungen leben konnte und tatsächlich lebte wie in der ersten. Ja, noch weit mehr konnte sie in der grotzen nbnp den nnx» leben, von denen ihr ganzes mn dVw als Vorbereitung für «an abis ausgesüllt war und die 28 Jahre, die hier zu leben ihr noch vergönnt waren, bildeten eine ununterbrochene Kette in Ausübung von wahrer o'nvbi v"nb non nb'm, von -v'bin iip>3 ,0'niirr no33n ">2i ni»2 nosarv bis die Körperkräste vor einigen Jahren sie verliesten und sie ans Bett gefesselt ward. Den Lohn ihrer mit so seltener Herzlichkeit geübten nur» sollte sie schon hier teilweise genießen im Hause ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes, die mit aufopfernder Liebe und Hingebung sie warteten und pflegten, datz auch nicht der leiseste Wunsch ihr versagt blieb; so fand sie ihren Hauptwunsch schon mn a^wa erfüllt, daß sie umgeben war oon einer Schar von Kindern, Enkeln und Urenkeln, die alle ohne Ausnahme als gute Jehudin in ihrem Sinne leben und streben und die nnavsni'oanNVa lernend und wachend das Scheiden ihr erleichterten. Schon aus der Ueberführung des i-a konnte man schließen, wer.und was die Dahingeschiedene rry war; so weit in der kurzen Zeit ihr Heimgang bekannt werden konnte, war Jeder aus l>np bemüht, der Verschiedenen oas letzte Geleite bis zur Bahn zu geben, von da aus sie von sämtlichen Kindern, Schwiegersöhnen und Enkeln zu ihrer Ruhestätte Rödelsee bei Kihingen geleitet wurde. Von der rriy'npnian Kihingen und von Verwandten und Bekannten der ganzen Umgebung in Empfang gegenommen, wurde sie in einfach schlichter Weise — ganz so wie sie gelebt — an die Seite ihres Gatten b"\ zu nii2p gebracht. Am Sonntag, nun 3"' hielt Rabbiner Dr. Munk ’>"i im bteröetjaus hier ein tief empfundenes navn, in welchem er des frommen Lebenswandels und der vielen ai3iE> mVyn der Verstorbenen, sowie eines hinteriassenen Briefes gedachte. N"3U3N- Lackenbach; w nin Am 8. Adar wurde unsere Gemeinde durch das Ableben des großen p'ir und n"7i Rabbiner Salomon Jakobovits in tiefe Trauer versetzt. lieber 45 Jahre wirkte er in unserer Gemeinde. Schon in jungen Jahren kam er als Nachfolger der a^na Reb Michael Kornfein und Reb Tobija Schwarz in unsere Kehilloh Doch trotz seiner Jugend war das ihm entgegengebrachte Vertrauen berechtigt. Denn schon seine Meister und Lehrer aus - der N3'M wiesen auf ihn als einen „erleuchteten Torahjünger" hin. Die besondere und seltene mvw und die keusche 'n jikt>, die lies in ihm verwurzelt waren, hielten ihn zurück, außerhalb seines engeren Schülerkreisss von der Größe seines Wissens etwas erahnen zu lassen. Diese ungeheuren Geistesschähe, in emsigen Jugend- und Mannesjahren aufgespeichert, sie blieben ihm köstlichstes und unverlierbares Besitztum, 72 Jahre hindurch bis zur Stunde seines Todes. Noch im letzten Jahr sagte er oftmals min nach, die er als von seinem Rebbe Jims» iv« gehört hatte. Dieselbe nrri'- die ihn hinderte, nach äußeren Erfolgen zu streben, dieselbe nrrrn trieb ihn, wo immer ein Mensch — gleich ob Jude oder Nichtjude — einer Hilfe, einer Gefälligkeit, eines Rates bedurfte, sich mit allen Kräften, oft unter Nichtachtung von - schwersten, persönlichsten Opfern, bei Tag und Nacht dafür einzusetzen. Strengster Gerechtigkeitssinn paarte sich mit dieser seltenen Menschenliebe, UM deren Schwinden von der Erde heute die jüdische und nichijüdische Bewohnerschaft des ganzen Ortes weint. Dazu gesellte sich — wie es nicht anders sein konnte — pünktlichste und schärfste Pflichtttreue. Winter und Sommer ging er nie zur ni>an' wenn er nicht einige Stunden vorher „gelernt" hatte. Für das Lernen und Leben des Gesetzes war er sich vas nai»1; kein Opfer, keine Entbehrung war ihm zu viel, um sich und seine Söhne zu immer größeren N"v zu erziehen. Wenn sie sein Herz nicht an äußeren Lebensgütern hing, und seine Ansprüche sehr bescheiden waren, legte er dagegen auf nnxn und nmn nn um so größeren Wert. Ihm konnten z. B. pi>an nsi« N'i>v nie schön und kostbar genug sein. 46 Jahre lebte er in glücklichster Ehe mit der Tochter des gelehrten pn Rabbi Tobija Schwarz, die ihm oer- KAWETO GOETHESTR. 28 TEL RÖMER 754

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