Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1929)
- Date
- 1929-04-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 15. Seite 5 11. April 1929 , - : _ Der I s r a e l i t sönlichkeit die ständige Aufsicht darüber führt. Die Kosten für die Einsetzung einer solchen Oberinstanz, schreibt der , abbinische Ausruf, werde von den Mariienbader Kurgästen gemeinsam gerne getragen werden. Das Komitee der Machsike Hadaß will sich nun in den Dienst der Ausführung dieses Gedankens stellen und fordert alle Interessenten aus, sich zu diesem' Zwecke mit ihm in Verbindung zu setzend Schriftliche Anfragen und Mitteilungen sind einstweilen an Herrn Salvmon Paschk usz, Düna j s k a S t re da (Slowakei) zu richten. Die Vorgänge in Hannover. Hannover, 2. April. Die Vorgänge, die sich in unserer Gemeinde während des letzten Jahres abgespielt haben und die am 11. März zur A m t s ni e de rl e gun g de s V>orft-an des und des.Rep rä sen tanten k o llegru m s führten, haben naturgemäß weit über den Kreis unserer Stadt hinaus starkes Aüffehen erregt. Schon aus dem sensationell wirkenden Rundschreiben, das der Vorstand vor einigen Monaten an die Gemeinde versandte, und in dem er mit dem Gespenst einer Auslösung der Gemeinde und des Unterganges aller ihrer Institutionen drohte, war ein deutliches Symptom für die krisenhafte Gestaltung der Verwaltungs-Verhältnisse. Die Grundursache der schweren Konflikte ist der Gegensatz zwischen der kleinen Gruppe re li gi-ö s-libe raler re icher Leu te, die fast das ganze Gemeindebudget tragen, und der g r oßen Masse k o ns e rv a ti v o ter zi o nistisch g esinnter Hannoveraner Juden, die zum Teil innerhalb der Gemeinde, zum größten Teil aber von 'der Mitgliedschaft gewaltsam ausgeschlossen, bisher durchihr Schwergewicht Kultusreformen in Hannover verhinderten. Dazu tritt der entscheidende Einfluß, der nach der alten Hannoverschen Judenversassung dem Landra b bin a t bis auf den heutigen Tag zusteht, das, wenn auch heute nicht mehr streng orthodox, so doch im Sinne der Breslauer Richtung weitgehende gesetzwidrige Reformen nicht duldet. Die Liberalen haben nun bisher mit Erfolg den Standpunkt vertreten, daß nicht jeder in Hannover wohnende Jude nach dem Territorialprinzip von selbst Mitglied der Gemeinde wird, sondern daß -es hierzu eines besonderen Aufnahmeaktes durch die Gemeindeverwaltung bedürfe. Diese Auffassung ist zwar schon durch eine Entscheidung des Negierungspräsidenten vDn Hannover vom 2. April 1912 als rechtswidrig erklärt, später allerdings wieder von der Regierung gedeckt worden und sie ist weder moralisch noch juristisch haltbar; allein nichtsdestoweniger hat man mit Hilfe dieser Vergewaltigungdes Rechtes etwa 1200 in Hannover wohnende Juden zum allergrößten Teile Ostjuden, -ihrer Gemeinschäftsrechte beraubt. In den Sitzungen des Repräsentantenkollegiums vom 7. und 11. März, in denen die Entwürfe eines neuen Wahlstatütes und -eines neuen Verwaltungsstatutes beraten wurde, ist der Konflikt zwischen den auf ihre geldliche Leistung pochenden Liberalen -und den übrigen G^m-eindevertretern so akut geworden, -daß man -keinen anderen Ausweg als. Anberaumung -einer New wähl- -der gesamten Verwaltungskörperfchaftenwußte. Die Liberalen erklärten, daß sie für -den Fall der Abschaffung des Auf nah me-Verfahrens-, d. h. also für,den Fall der He rste-llung des vom Gesetze geforderten Rechts-zustän-des aus der S y n a g -o g e n ge-m ein de Hannover austreten' und uu v.e^üglich alle MaHregeln z ur- Schaffung einer neuen Gemeinde ergreDe-n würden. Von zionifÄscher Seite wurde natürlich ohne werteres die Bereitwilligkeit -erklärt, den Liberalen wenn sie darauf beständen, von Gerneindew e g e n ein e n- - R e s o rmgotte sd i e n st e i n z u - r ich t e n. Allein, es war offenbar zu spät, um mit dieser Maßnahme durchzudringen. Man beschloß einstimmig, daß sämtliche VorständsrNiiglieder und Repräsentanten, bis auf den . ersten Vorsteher, ihre Aemter niederlegen und den Gemeindemi-tgliedern selbst Gelegenheit zur Schaffung neuer Grundlagen für das Hannoversche Gemeindeleben geben soMen. Der Gemeindevorsitzende hat inzwischen, unterstützt von einigen Freunden, für die Wahlen eine „Einheitspartei" gegründet, die im Sinne einer Ausgleichung der Gegensätze tätig sein soll. Leider ist kaum anzun-ehmen, daß sich führende Persönlichkeiten hier finden werden, die den Mut haben, den -einzigen Weg der Wahrhaftigkeit und des wahren Friedens zu gehen und für die Schaffung zweier selbständiger Synagogengemeinden in Hannover, einer u n z w e id -e ut i g orthodoxe -n und -einer l -i be-ra l e n einzutreten. Sicherlich wird -es zu einem dualistischen Gemeindesystem kommen. Me Woche. Berlin. Der amtliche Presse-Dienst teilt mit, daß das Staatsminffterium die Rettungsmedaille am Bande verliehen hat an Leib Fledermaus, Student in Berlin, für Rettung eines Menschen vom Tode des Ertrink-ens. — Das Berliner Komitee zur Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth erhielt aus CHartz in im Fernen Ostenauf telegraphischem Wege -einen größeren Betrag für die Mazzoth-Aktion .überwiesen. Die Charbiner Gemeinde erhielt durch den JTA-Dienst die Kenntnis von der Mazzoth-Aktion. Bochum. Rach.einer nalionalsozialistischeni Versammlung in Arnsberg, in -der der -ehemalige Pfarrer Münchmeyer eine Hetzrede hielt, zog eine Rotte Nationalsozialistenzur Synagoge und schlug dort die Fenster ein. Die Baude drang auch in die jüdische Volksschule -ein, zerbrach Tische und Bänke, riß Bilder und Karten von den Wänden-, und verunreinigte die Schulzirw mer auf nicht wiederzugebende Weise. Polizei hat fünf der Täter festgenommen. Danzig. Die Regierung in Angora hat den Handels-Senator des Freistaates Danzig, Herrn- Julius Jewelowsky,, zum Generalkonsul der Türkei für Danzig und den Sohn von Senator Jewelowsky zum Bizekonful ernannt. London. Die Kuratoren des Wohlfahrtsfonds, der von Sir David Sasioon aus Bombay begründet worden ist, haben 10000 Pfund für die Londoner HoIlan d Park Sy nago - g u e zur Verfügung gestellt. Die Synagoge, die im Dezember 1928 eingeweiht wurde, wird nach dem verstorbenen Barvnet „Knesseth Säst soon David" genannt. — Lord Balfou r, der am 25. Juli d. I. 81 Jahre alt wird, hat sich -infolge sein-es hohen Alters und feines hartnäckigen Leidens entschlossen, sich aus dem ö ff e n-t li ch ein Leben zu-rückzuziehen. Bukarest. Unter den 24 Todesopfern der Katastrophe des Schnellzuges Buk-arest-Kischin-ew befindensich auch einige Juden. Unter den Toten, die bereits agnosziert wurden, befindet sich Aron Kerchiumar aus Chotin, unter den Schwerverletzten' sind Moritz S eg all aus Botofchany und Jeack Simo n aus Bukarest. Moskau. Aus Homel wird gemeldet, daß dort der Raw und berühmte Chafsidim-Rabbi Schneeur Salman Schneeursohn im Alter von 68 Jahren verstorben ist.!' Er gehörte der berühmten Rabbinerfamilie ' Schneeursohn an, der auch der „Lübawi'tfcher Rebbe" entstammt. Mailand. Der Generalrat des Kon s.i.st o r i um s der jüdischen G emeinden Italiens beschloß in feiner soeben in Mailand abgehaltenen Tagung, - mit den Vertretern der znmistifchen Föderation Italiens wegen Ernennung eines Vertreters des Konsistoriums für den mchtMonistifchen Teil der Iewish A g e n c y in Verhandlungen zu treten. Breslauer Gemeiudeangelegenheiten. Breslau, 2. April. In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 27. März wurde der Etat 1929/30 vorgelegt, der in einem ziem¬ Wagener & Schlotel Goethestrasse 9jll Die letzten Ne uhe ite n in Frühjahrs Mänteln, Kostümen Nachmittagsu. Abendkleidern sind jetzt eingetroffen Alle Preislagen, jede Grösse, auch für starke Damen lief) raschen Tempo nach den Berichten des vorberatenden Ausschusses durchgegangen und angenommen wurde. Nur der in die Versammlung berufene und erstmals teilnehmende agudistische Vertreter, Herr Emil Breslauer, brachte eine neue Note in dis Eintönigkeit der Etatsberatung, indem er erklärte, daß er aus rekigronsgefetzlichen Bedenken die Forderung für die Unterhaltung der liberalen Religionsschule ab lehnen müsse. Er mußte erleben, daß der konservative Vertreter, Herr Mendel Hoffmann, ihm das Recht, bestritt, im Namen der Gemeindekonservativen zu sprechen. Herr Breslau könne nur im Namen der „Separatisten" sprechen, die der Breslauer Gemeinde nur zwangsweise anigehörten. Auch di-e Vertreter der übrigen Parteien gerieten in eine nicht geringe Aufregung, als Herr Breslauer Mut'genug zeigte, auch die Bewilligung der Mittel für die Reformsynagoge abzulehnen. Der Zuschlag zur Neichsemkommensteuer wurde auf 11 Proz. festgesetzt, gegen 10 Proz. im Vorjahr. Subventionen wurden der hebräischen Sprachschule, dem Jüdischen Museum, der Mazzothsammlung für Sowjetruß'land und den Hungernden in Beharab-ien bewilligt. Bewilligt wurden -endgültig auch Mk. 12.000 zur Verlegung des Almemors in der alten Synagoge i n die Mitte des Ra u mes. Damit ist jeden-' falls ein bedeutsamer Fortschritt im Interesse der Konservattven in der Breslauer Gemeinde erzielt. Damit die durch das Auftreten des Herrn Breslauer doch ein wenig aufgerüttslten Gewissen nicht eingeschläfert werden, bewilligte man nn selb-en Atemzug eine neue Orgel für die „Neue Synagoge", was allerdings nicht 12.000, sondern 50.000 kostet. Ein Versuch, für den kons-eroativen Reli'- gionsunterricht eine höhere Subvention herauszuschlagen, mit Rücksicht auf die Ersparnisse der Gem-einde durch das selbständige Bestehen der Jüdischen Schule, fand bei' den Liberalen kemen Anklang. Auch an einer zionistischliberaler Auseinandersetzung fehlte es nicht, wozu die Subvention an den Zentralverein Anlaß gab. Zur Unterstützung der - Mittelstan:dshilfe wurde -eine Bürgschaft in Höhe von Mk. 20.000 übernommen. Es ist nicht verwunderlich, -daß die reiche Tagesordnung die Herren der Gemeindevertret-UW Ms Auge nach M'tternacht zufmnmen hielt., 7 ‘ V. Vr. r- J J. Aufmarsch der Hakenkreuzler in Wiesbaden verboten. Wiesbaden, 3. April. Für Sonntag hatten di-e Hakenkveuzler hier einengroßen Aufmarsch ihrer Verbände aus Nassau, Hessen und der Pfalz angekünvigt. Sie hatten den Tag,, an dem hier die vielen hundert Aerzte aus Deutschland zu dem Medizinkongreß eintrefsen, mit Absicht gewählt. Da die Kurinteveffenten aber durch das die Kur schädigende Treiben der Nationalsozialisten sich schon zu der Forderung einer politischen Bannmeile für das Kurviertel veranlaßt gesehen hatten, hat die Polizei d-iefen Aufmarsch verboten, ebenso -eine für den gleichen Tag geplante Kundgebung der SoMldemokraten gegen den Faszismus. die Markender Tqt?germübdeK SchokpladeDfabriK flßodo^ Neu au genommen : -nosm ^3 Alleinvertrieb durch die Firma «J« Anton Alexander. Berlin N018, Landsberger Straße 91.