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Der Israelit · 1929-04-11 · Heft 15 (11.4.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 15 (11.4.1929)
Date
1929-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2. Nr. 16 Der Israelit 11. Aprvl' 1929 Evklävttirs Wir ließen dem Israelitischen Familienblatt in Hamburg folgende Erklärung zugehen: „Mit Entrüstung weisen wir die gehässigen Anwürfe zurück, die Herr Steinhardt -m den Blättern für Erziehung und Unterricht vom 4. April 1929 gegen das Kölner Seminar erhoben hat. Die Kennzeichnung der „Kölner Lehrerbildung", als „Kölner Skandal" überlassen wir der Beurteilung aller rechtlich und jüdisch Denkenden. Die in allen wesentlichen Punkten unrichtigen Argumente des Herrn Steinhardt beweisen nur das eine: mi®n mt nsso- Wir benutzen gern die Gelegenheit, dem Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und dem Provinzialschulkallegium unfern aufrichtigsten Dank auszusprechen dafür, daß diese Behörden in besserem Verständnis für die Belange des jüdischen Lehrerstandes in Preußen und in wahrer Erkenntnis moderner Bildungserfordermfse nicht nur das Kölner Seminar zunächst weiterbestehen lassen, sondern auch alle aus dem gegenwärtigen Uebergangsstadium sich ergebenden Schwierigkeiten in ausreichendem Maße berücksichtigen. Das Kuratorium des Jüdischen Lehrerseminars in Köln i. 23.: I. Dülken, Vorsitzender." Wochenrundschau. . 2fi das zu glauben? Die Verwirrung der Köpfe in Bayern ist bis zum Wahnglauben an das R i t u a l m o r dmärchen gediehen. Am 24. März wurde in M a n a u bei Hofheim in Bayern ein fünfjähriges Kind vermißt, das man spät abends in einem Wald mit durchschnittener Kehle auffand. Die Polizei nahm sich sofort der Sache an und leitete eine energische Untersuchung ein. Die Nürnberger Wochenschrift der, „Stürmer", bemächtigte sich der Angelegenheit und suchte das Verbrechen in einen Ritualmord umzubiegen. Sie brachte folgende Notiz: „Die Kehle war durchschnitten und die Leiche völlig blutleer. Die Aufregung in der Bevölkerung ist ungeheuer. Allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß es sich hier um einen jüdischen Blutmord handle". Die nächste Nummer des „Stürmer" brachte in schreiender Aufmachung einen Leitartikel: „Der Blutmord in Manau. Der blonde Knabe. Der Stich in die Halsschlagader. Der blutleere Körper. Die Wunde am Rückenwirbel. Das geheimnisvolle Auto." In dem Aufsatz selbst heißt es: „Die Sektion der Leiche ergab, daß der Körper völlig ausgeblutet war . . . Kleines Feuilleton. Rabbinische und hebräische Literatur. In talmudisch und agadisch interessierten Kreisen wird die »UN erfolgte Ausgabe des Zweiten Teiles des -OY» aifro von Mosche von Freudigersl-"-: zu den drei letzten Teilen der Thora, berechtigte Freude auslösen. Wer den ersten Teil besitzt, hat aus dessen größeren Bruder mit Sehnsucht gevartet. Eine Fülle von talmudischem und agadischem Wissen ist hier niedergelegt, köstliche Agadablüten zu schriftlichen und tiefgründigen Abhandlungen, we m auch llcrz u.d übersichtlich, zur Halacha und mündlichen Lehre. Auch die 5 Megilloth finden in diesem zweiten Teile ihre Interpretation. Ein Werk wahrer und nutzbringender Pietät ist mit der Ausgabe von den Söhnen des hochgelehrten Verfassers, Jesaja Löb, Abraham und Iekutiel von Freudiger vollzogen. Gedruckt find beide Teile bei S. Katzburg, Budapest, VII. Pob. u. Vom halachischen Werke o"n oisvm iso von Rabbi Lubetzki aus Riga (Lettland) ist der zweite Teil erschienen- ,der in der Hauptsache die leidsr hochaktuelle Frage der Agunoth behandelt. Ein Anhang bringt Sugjoth und halachische Abhandlungen nach Schulchan Arüch Erven Eser. Rabbinen und Dajanim, die sich.mit Agünothsragen befassen, werden aus dem Werke Nutzen ziehen. ■! Weiter ist auf halachischem Gebiete das Werk iso o' '12V». Randglossen, Bemerkungen und Erklärungen zu rersch'ede: en Stellen des Talmud von Räb i er Dr Winklec in Kopenhagen (Verlag I. Schlesinger Wien) erdamit ist der Beweis einwandfrei geliefert, daß es sich hier nur um einen jüdischen Blutmord handeln kann . . . Das Opfer trägt auch noch am Rückenwirbel eine. Wunde, die an den jüdischen Brauch erinnert, am Vorabend des „Schabbos" schwerkranke Juden zu „knicken", damit sie nicht durch den Tod den „Schabbos" entheiligen." Der Schreiber behauptet, überall nur eine Stimme vernommen zu haben: „Es geht auf Ostern zu, es kann nur ein Blutmord sein!" Diese Nummer des „Stürmer" wurde in einer großen Anzahl von Exemplaren in der Manauer Gegend verteilt, nationalsozialistische Agitatoren erregen die Bevölkerung. Drei Versammlungen, die die Nationalsozialisten am 3. April in Hofheim veranstalteten, in denen Landtagsabg. Dr. Hellmuth (Marktbreit) zur „Schächtfrage", Landtagsabg. Holtz zur „Sache", sowie die Krann und Poisel sprachen, waren lange vor Beginn überfüllt. Der Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wirkt auf jede mögliche Weise dieser maßlosen Hetze entgegen, der auch die Geistlichkeit aller Konfessionen und die Behörden aufs, lebhafteste entgegenzutreten gewillt sind. Der Central-Verein hofft, daß die polizeiliche Aufklärung des Verbrechens den Verleumdern den Boden entziehen wird. Inzwischenveröffentlichte die Bo r st a n d - schuft der Bayerischen Rabbinerkonferenz, gezeichnet von sämtlichen Rabbinern Bayerns, im „Boten vom Haßgau" eine Erklärung, in der es heißt: „Das verabscheuungswürdige Verbrechen des Kindermordes bei Manau gibt gewissenlosen Hetzern willkommenen Anlaß, wiederum die schon unzählige Male als Lüge gebrandmarkte Mär eines Ritualmordes in die Bevölkerung zu werfen . . . Wir. empfinden es als Schmach, daß sich das Judentum auch hellte noch gegen einen so schimpflichen Vorwurf, der auch dem oberflächlichsten Leser der Bibel als ein Wahngebilde des Hasses erscheinen muß, verteidigen soll. Wir erklären hiermit feierlichst: Die Quellen der jüdischen Lehre, insbesondere auch des Talmud, enthalten kein Wort, das auch nur entfernt im Sinne dieses teuflischen Vorwurfs gedeutet werden könnte ... Die Ritualmordlüge ist eine Ausgeburt finsteren Hasses, eine Verleumdung unseres Glaubens, die wir in tiefster Entrüstung zurückweisen. Wir sind bereit, die Wahrheit dieser Erklärung gegenüber allen Verleumdern vor jedem Gericht zu erhärten." Für Irregeleitete, denen die Wahrheit verdunkelt wird, dürfte dies genügen. Die Treiber und Hetzer werden sich schwerlich belehren lassen. schienen. Es ist das erste Heft des 3. Teiles. Der Autor ist unseren Lesern als guter Erklärer und kritischer Beleuchter im Agadischen und Exegetischen gut bekannt. In diesem Werke bewährt er sich als vortrefslicher Talmudist und Halachist. Ein Ereignis in der rabbinischen Wissenschaft ist der zweite Teil der omum rrms aus Tosefta von Michael H i e g e r (Verlag Bloch, New Port). Der Verfasser stellte sich zur Aufgabe, alle Agadastellen, die nicht in Midrasch und ' sväter Gemoro. enthalten, sondern in Mischna und Berajta verstreut sind und Tanaiten zu Verfassern haben, zu sammeln und zusammeuzustellen. Hier haben wir eine koniplette Sammlung der in der Tosefta sich befindenden Agadoth. Die Ausgabe ist a m erikanisch, d. h. vorzüglich, auf bestem Papiere.und in hellstem Drucke. Das Gebiet der M i n h a g i m behandelt Rabbi Abraham Klausner in seinem D'aman iso, herausgegeben von Rabbi Ehajim Jehuda Ehrenreich in Deva^ Rumänien. Dieses Minhagbuch ist nur einmal, vor etwa 300 Zähren, erschienen. Die zweite Ausgabe ist gut korrigiert von allen Fehlern des ersten Druckes. Es handelt sich in der Hauptsache um die Mmhagim in der Gemeinde T ri e n t. Das Buch ist bereichert mit einer Einleitung,- Randglossen und vielen Literaturnachweisen. Ebenfalls aus alten Archiven kommt der enpn rrn* benannte Brief des großen Kabbalisten Rabbi Mosche ben Na ch m a n,, zuerst gedruckt in Basel .--und jetzt zum Dertön Mäl in kleiner/Auflage in Amsterdam (Druckerei Joachimsttzal). . -In einer' 'Zeih‘!'bä ' inan-' die heikelsten Fragen,-, als wären sie erst heute'von 'der-Menschheit erfunden, in den Vordergrund dev öffentlichen -Behandlung stellt und'sögar.in der Erziehung , eine gewisse Rolle spielen läßt, sollten sich Lehrer und Erzieher die Stellung eines „Maaffer" Auf der Berkin-er Jahresversammlung des Hi l f s vere ins der deutschen I u den wünschte Max M. Marburg, Hamburg die große Hilfsbereitschaft nach amerikanischem Muster. Die Gelder müssen nach dem altjüd'ischem M a a s s e r - System aufgebracht werden. Marburg sagt: „Die Liebe zu den Armen und Bedrängten, der.Wunsch, ihre Not zu lindern, ist eine alte jüdische Pflicht, ist eine Auswirkung des jüdischen Gedankens: „Liebe Deinen Nächsten", und wir tun nur das, was unsere Vorfahren getan, haben, wenn wir, in diesem Falle durch den Hilfsverein der Deutschen Juden, versuchen, der Not zu steuern. Heute ist es viel schwerer, man kann sagen: komplizierter, Gutes zu tun, als früher. Mit Almosen von Person zu Person ist es nicht mehr getan. Der Kreis, dem wir angehören, ist ein größerer geworden durch die Entwicklung des Verkehrs, durch die Nachbarschaft, die heute die Bewohner der Erde verbindet. Wir glaubten früher, unsere Schuldigkeit getan zu haben, wenn wir das Elend unserer nächsten Nachbarn stillten. Heute liegt es so, daß die Not -irgendeines Menschen, mag er auch fern sein, uns mehr oder weniger ebenso berührt. Wir müssen versuchen, diesem Elend in der ganzen Welt, wie früher dem in unserer nächsten Umgebung, entgegenzutreten, und müssen den zehnten Teil unseres Einkommens dazu hergeben, wie. früher den Maaffer. Viele versuchen, mit dem lieben Gott ein Geschäft zu machen, indem sie vorrechnen, daß sie so und soviel Steuern entrichten, daß der Staat, daß die Gemeinde soviel Wohltätigkeit übt, und daß, wenn man alles dies zusammen addiere, sehr viel mehr als zehn Prozent herauskomme. Diesen möchte ich die . Gutgläubigkeit nehmen. Es ist nie der Gedanke gewesen, zehn Prozent vom Bruttoertrag zu nehmen, aber von dem, was einem-nach allen Ausgaben übrig bleibt, sind noch zehn Prozent zu geben." , , Das sind alte Wahrheiten, di-e darum nicht weniger täglich in Erinnerung gerufen werden müsset. Und sie haben gewiß nicht allein für den „Hilfsverein" ihre Gültigkeit. Sie gelten für jede jüdische Gemeinde, für alle jüdischen Institutionen. Alle haben jetzt einen schweren Lebenskampf zu führen und alle könnten sie bestehen und sich auf ihrer Höhe erhalten, wenn die wirtschaftlich Bevorzugten im jüdischen Kreise allesamt ihrer Maasserpflicht nach altjüdischem Gesetz und Brauch nachkämen. alten Rabbi, der mit reinen Augen, und reinen Sinnen auch allem Menschlichen entgegengehl, ZU all diesen Dingen nicht entgehen lassen. Spricht man schon von Schule, so sei auch das Wörterbuch zu Jeschajo von I. K. (Hamburg, Talmud Thora Realschule) bestens erwähnt und empfohlen. Das Heft zum Selbstkostenpreis von 70 Psg. vom Büro der Talmud Thora-Realschule Hamburg zu beziehen. Von hebräischen Zeitschriften liegt uns die Monatsschrift nw, Heft 1 in hübscher Ausstattung vor (Lemberg, Zolkiewska 27). Es geht ein frischer jüdischer Zug durch das Heft. Programmartikel geben Aufklärung über Weg und Ziele des „Iabne". Halachisch wissenschaftliche und publizistische Artikel füllen in bunter Folge die Sammelschrist. Hervorzuheben ist ein Aussatz von Dr. Nathan Birnbaum über „Religion und Moral". Der feuilletonistische Teil bringt gute Belletristik und Lyrik. Es steckt reiche, fleißige Arbeit hinter dieser literarischen Sammelarbeit. Wir sehen den weiteren Ausgaben gern entgegen. In gewohnt schöner Ausstattung brachte der Eschkol- Verlag, Berlin (Bismarckstraße 106) das Sammelwerk ani'x als Gedenkbuch für den verstorbenen hebräischen Schriftsteller I. N. S i m ch o n i heraus. Simchoni war wertvoller Mitarbeiter der vom Eschkol' herausgegebenen jüdischen Encyklopädie und starbin jungen Jahren mitten in der reichsten Arbeit.. Es. sind in dem Sammelwerk Beitrage enthalten, wissenschaftlicher, belletristischer und lyrischer Art, von B e r nf e ld,V i a l i k, Nachum G o l dmann, H o r o d e tz ki, ' Prof. Mär k ö nj ' Samuel Krau s,- Tf.ch ernicho w.ski und Dr. - Kl ah k i n. Derwissenschaftliche Teil chringt unter o'ipno Beachtenswertes aus Geschichte uiid jüdischer Volkskunde. -' 'DieUniversität und--Akademie von' Jerusalem gibt vierteljährlich-"eine7 Zeitschrift für j ü d i s ch e Bibliographie heraus. Das 4. Heft des 5. Jahrganges

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