Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1929)
- Date
- 1929-04-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Entschließung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer in Berlin" nach dem Referate des Verbandsvorsitzenden Dr. Heinemann Stern und der Artikel Steinhardts in den „Blättern für Erziehung und Unterricht", Kölner Lehrerbildung", gipfeln in versteckten und offenen Vorwürfen gegen den Minister wegen Zulassung „minderwertiger" Lehrerausbildung in Köln. „Nicht gegen die fortgesetzte Seminarausbildung richtet sich unser Widerspruch", sagt Steinhardt, „sondern einzig und allein gegen die Kürze der Ausbildungszeit." Wir wollen dieses Bekenntnis, wenn es auch reichlich spät kommt, sesthalten und darauf aufmerksam machen, daßdieAusbildungszeitin Köln dieselbe ist (s. u n s e r e l e tz t e A n z e ig e!) wie i n Würzburg. Hier wie dort kommen Abiturienten nach bestandener Aufnahmeprüfung in die oberste Klasse und Primaner in die zweite Klasse. Schüler mit'geringerer Vorbildung nimmt Köln grundsätzlich nicht auf, wenn nicht das Provinzial- Schulkollegium bei besonders Begabten eine Ausnahme macht, wie es alle Schulbehörden tun. Warum also die Verfehmung Kölns und die Herausstreichung Würzburgs? Um diese Ungerechtigkeit etwas schmackhafter zu machen, werden alte Geschichtchen ausgetischt, die schon dutzende Male widerlegt sind. In Würzburg sind zwei Schüler sitzen geblieben und nach langen Verhandlungen zwischen d^n beiden Leitern (Korrespondenz liegt jedermann zur Einsicht offen) in die unterste Klasse des Kölner Seminares ausgenommen worden. Als ob ein derartiger Fall nicht alljährlich und überall vorkäme, daß Schüler in einer Anstalt nicht vorwärts kommen und dann in einer anderen ihr Heil versuchen. Die Behauptungen, man bilde unter Umständen sogar in noch kürzerer Zeit als in einem Jahre Lehrer aus, oder Jungen von 17 bis 18 Jahren würdeni als Lehrer auf die Welt losgelassen, dürsten wohl verspätete Purimwitze sein. Aber Herr Steinhardt, erlauben Sie einmal eine indiskrete Frage: Waren Sie und Ihre Kollegen Stern, Levy usw. bei Ihrer Seminarentlassung älter als 20 Jahre? Auf die Persönlichkeit kommt es an, nicht auf das Alter. -Es gibt keine einzige Großgemeinde in Deutschland, in der sich nicht Schüler des Kölner Seminares, zum Teil in gehobenen Stellungen, aufs beste bewähren. Was mag also der Grund dafür sein, daß die Ausbildung in Köln mit dem ungeheuerlichen Ausdruck „Skandal" bezeichnet wird? Steinhardt lüftet unvorsichtigerweise etwas den Schleier und schreibt: „Wir wollen mit den Kölner Herren nicht rechten. Sie sind stets ihre eigenen Wege gegangen, haben sich nie um uns gekümmert, und die Interessen des jüdischen Lehrerstandes wie der jüdischen Schule werden sie bei der Betrachtung dieser Frage wohl auch jetzt nicht mehr beschweren „als sonst". Hier liegt des Rätsels Lösung. Weil Köln sich dem Lehrerverbande nicht angeschlossen hat, soll es leer ausgehen und Würzburg reichlich bedacht werden. Der Lehrerverband ist aber nicht der Vertreter der gesamten jüdischen Lehrerschaft und man kann es den Kölnern und vielen andren konservativen Lehrern nicht verdenken, wenn sie jenem Verbände nicht angehören wollen, solange ein Referent des Verbandstages für die jüdische Schule öffentlich trefo ißt. Das istes, wasd e n j üdischenLehrerstand herabsetzt. Der Skandal liegtwirklichnichtbei uns, son. dern anderswo. In Würzburg wie in Köln werden Abiturienten in einem Jahre fertig und doch richtet sich die Gegnerschaft wegen der Kürze der Ausbildungszeit nur gegen Köln? Wirklich schwer zu begreifen. Desto leichter aber sind die Fragen zu beantworten, Me Steinhardt an den Minister richtet. Die Gründe, aus denen der Minister das jüdische Seminar trotz der pädagogischen Akademien besteben läßt, sind doch offensichtlich und liegen für jeden mit gesundem Menschenverstand Bedachten klar auf der Hand. Bei den christlichen Lehrern war ein ungeheurer Ueberfluß an Nachwuchs vorhanden, jüdische Junglehrer aber sind heute noch nicht genügend da. Der Minister sah, daß er die christlichen Seminare schließen konnte, ob die pädagogischen Akademien sich bewähren oder nicht. Sie haben sich bewährt. Sobald eine so genügende Anzahl von Akademien vorhanden ist, daß auch auf die Juden eine entfällt, wird er voraussichtlich auch eine jüdische pädagogische Akademie eröffnen. In kluger Einsicht versteht er und alle seine Räte, daß eine simultane Akademie für d as. t h o,r a tr e u e Ju dentum nichtin Frage kommt. Gerade weil dem Minister die jüdische Lehrerbildung so am Herzen liegt, spricht er sich für die Erhaltung des jüdischen konservativen Lehrerseminares in Köln aus. Nicht als endgültige Regelung, sondern als eine vorläufige Notlösung, bis die jüdische Akademie, — hoffentlich recht bald — ins Leben tritt. Mit der eben jetzt vollzogenen Errichtung des Oberbaus der Jawne, aus der s. G. w. in drei Jahren jüdisch-wissenschaftlich geschulte Abiturienten in die akademische Vorbereitung zum Volksschullehrerberuf eintreten werden, hat Köln einen weiteren bedeutungsvollen Schritt zur endgültigen Lösung der jüdischen Lehrerfrage getan. Die wohlwollende Stellungnahme der Schulbehörden zum Jawne-Ausbau, das Ausräumen großer Schwierigkeiten, die sich dabei ergaben, war, wie man uns ausdrücklich betonte, von der Sorge für den künftigen jüdischen Lehrerstand in Preußen getragen, und doch wagt man dem Ministerium schwerwiegende Vorwürfe entgegenzuschleudern. Wenn also Herr Steinhardt und mit ihm der jüdische Lehrerverband von einem „Herabschrauben der jüdischen Lehrerbildung" seitens des preußischen Kultusministers spricht, weil dieser das Kölner Seminar mit Recht bestehen läßt, so ist dies eine von Haß und Fanatismus erzeugte Un-' Wahrheit, ja, ich fasse diese Behauptung als eine bewußte Verkennung der Tatsachen auf. Dank und Anerkennung muß man dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, sowie seinen Mitarbeitern dafür zollen, daß sie den jüdischen Schulangelegenheiten mehr Verständnis entgegenbringen, als manche verblendete Verbandsführer. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß führende Mitglieder des jüdischen Lehrerverbandes sich eifrig darum bemühten, ihnen nahestehende Kandidaten am Kölner Lehrerseminar unterzubringen und sie dort ihre Prüfung ablegen zu lassen. Es dürfte dies der schlagendste Beweis für die Unaufrichtigkeit und Grundlosigkeit ihrer Angriffe sein. . Darum bin ich fest davon überzeugt, daß alle Instanzen des Landesverbandes dem Kölner Lehrerseminar dieselbe warmherzige Förderung werden an gedeihen lassen, wie es die preußischen Schulbehörden in dankenswerter Weise tun zum Wöhle der uns -änvertrauten Jugend und zum Nutzen '-er-EW-MM'Geniemd-en.., ' - 1 * * *