Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450561--75862-2533407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 14. Seite 5 5. Äpril 1929 _’' __ -er hohen Zollgebühr von 50 Kopeken pro Kilo, der Transport- und anderer Kosten der Preis pro Kilo auf insgesamt 1.10 stellt, so sind MazzothüSendungsn, aus dem Ausland viel vorteilhafter als Bargeldsendungen. Das Mazzoth-Komitee hat die Transporte an die folgenden Orte gehen lassen: vier Waggon-Ladungen nach Moskau,, vier nach Wolhynien, zwei nach' Leningrad, je zwei nach den Gouvernements Kiew, Charkow, Witebst, Minsk und je eine Waggon-Lädung nach den Städten Odessa, Cherson, Nikolajew, Jekaterinoslaw, Kremen tschug, Verditschew, Zitomir, Hornel, Bobruisk, Rostow- Don, Kamenez-Podolsk. Wahrscheinlich werden weitere zwei Waggon-Ladungen nach anderen jüdischen Zentren gehen. Außerdem versendet das Komitee ungefähr taufend Postpakete. Es ist dafür gesorgt, daß die Transporte überall rechtzeitig anlangen und zur Verteilung gelangen können; wo es sich als notwendig erweist, gehen die Transporte mit Eilfrachl. . 1 Ein ansehnlicher Geldbetrag, der aus den Geldsammlungen in verschiedenen Ländern übrig bleibt, wird nach Rußland zwecks Anschaffung von Lebensmitteln zu Pefsach für arme Juden in bar überwiesen. Da infolge-'der fortgeschrittenen. Zeit nicht mehr anzunehmen sei, daß im Postwege gesandte Liebesgabenpakete rechtzeitig. zu dm Pessachiagen einireffen, und da ein Füns-Mopaket an Zoll und Portogebühren mindestens 5 Rubel kostet, empfiehlt das Komitee solchen Personen, die Verwandte oder Bekannte zu den Pessachiagen unterstützen wollen, statt Mazzoth Bargeld zu senden. Polen. Die Abschaffung der Zarengesetze in Polen. Warschau, 25. März. Die Berfassungskommission des Sejm hat den Antrag auf Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen Religionsgemeinschaften insbesondere gegen Juden, angenommen. Der Regierungsvertreter erklärte, das Justizministerium hakte ein solches Gesetz für überflüssig, wolle sich aber dessen Annahme nicht widersetzen. Demgegenüber wies Abg. Grünbaum darauf hin, daß das Oberste Verwaltungsgericht sich' fortgesetzt auf den Standpunkt stellt, daß die Zarengesetze solange gelten, als sie nicht durch ein besonderes Gesetz als aufgehoben veklärt werden und daß demnach diese Gesetze sehr häufig zum Schaden der jüdischen Mitbürger und der jüdischen nationalen und religiösen Interessen angewendet werden. Grünbaum illustrierte seine Behauptungen durch zahlreiche dokumentarisch belegte Tatsachen. Das Gesetz wird erst in der kommenden Session des Sejm zur dritten Lesung gelangen. Iesaja Rosenbamn Warschau, 1. April. Im Älter von '65 Jahren verstarb Jesaja Rosenbäum, der Vizepräsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die bekanntlich die größte jüdische Gemeinde der Alten Welt ist. Der Verstorbene, ein führender Agudist, betätigte sich sehr'stark auf philantropischem Gebiete. Auch gründete er in Warschau -zahlreiche Talmud Thora-Schulen. Er war auch Mitglied der Leitung der Agudas Jisroel. Das jüdische Warschau beteiligte sich massenhaft an der Bestattungsfeier, viele Rabbiner, Abordnungen jüdischer Institutionen; sowie eine unabsehbare Trauergemeinde schritten hinter dem Sarge. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hielt eine Trauersitzung ab, in der Präsident Färb stein dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf hielt. rrrmn, Chaluzim und Touristen aus Polen nach Palästina. Warschau, 29. März. In diesen Tagen reisten 50 Chaluzim aus Warschau nach Palästina ab. Auf dem Wege nach Triest schlossen sich ihnen 10 weiters Chaluzim aus Ostgalizien an. In wenigen Tagen wird eine weitere größere Gruppe Chaluzim aus Polen die Reise nach Palästina antreten. Die Chaluzim werden von größeren und kleineren Gruppen Touristen begleitet, die die Pessachtage in Palästinazubringen öder die Frühjahrsausstellung in Tel-Awiw besuchen wollen. Eine Abordnung der polnisch-palästinensischen Handelskammer begibt sich in diesen Tagen nach Palästina. zum Besuch der Frühjahrsmessem- Tel-Awiw. D e r Israelit_ Ein sensationeller Prozetz. Lemberg, 30. März. Vor kurzem wurde die jüdische Oeffentlichkeit in Polen und Galizien von einem Pamphlet ausgerüttelt, 'das in jü difch-ame r ikanifchen und polnischen Zeitungen, erschienen ist und die schwersten Beschuldigungen gegen den 'verstorbenen „Komorower Rebben" enthielt, angeblich aufgrund eines Testamentes, in dem der Rabbi all diese Sünden bekenne. Lqjder übernahmen sogar, polnische Blätter, unter Berufung auf die jüdischen Quellen, all Berlin. Der Jüdische Frauenbund sieht auf eine 50jährige Tättgkeit zurück und wird sein Jubiläum am 9. Juni in Berlin leiern. Kassel. In R o te n b u r g bei Kassel haben nationalsozialistische Elemente das Rathenau-Denkmal mit Farbe beschmiert und durch Steinwürfe beschädigt. Die Fahndung hat bisher kein Ergebnis gehabt. London. Der ■ Rat der Anglo-Jewifh-Association beschloß gegen die Stimme des Chacham Dr. Gaster, der Einladung zur englischen Jewish Agency-Konierenz Folge zu leisten. Gaster erblickt in der Agency eine Verleugnung der zionistischen Ideale. Die Liberale Synagoge Englands ' (Claude- -Möntefiore)- hat die Beteiligung an der Agency-Konferenz abgelehnt. — Am Sonnabend, den 30. März, wurde der erste Flug des London-Jndien-Luftdienstes, der eine. Station in.Gaza, Palästina, hat, ausgeführt. Fast -10 000 Briefe waren für diesen ersten Flug angemeldet. Wien. Unter 11 Dozenten der Wiener Universität, die zu Universitätsprofessoren ernannt worden sind, sind 6 Juden. Zum ersten Male seit vielen Jahren wurden wiederum jüdische Gelehrte an der Wiener Universttät zu Professoren ernannt. Budapest. Beim Einzug, der „Schönheitskönigin", Frk. Simon, in ihre Heimatsstadt Keszetely spielten sich wüste anttsemittsche Szenen am Bahnhöfe und aus der Straße ab. Bukarest. Der langjährige Präsident der angesehenen jüdischen Gemeinde von Brai'la, Oberstabsarzt Max C o h l, ein bekannter Philantrop, ist nach kurzer Krankheit gestorben. — Das Amtsblatt veröffentlicht ein königliches Dekret über die Ernennung des jüdischen Kaufmanns Jac Gaster zum rumänischen Konsul in Holland. Zagreb. Die in Jugoslavien bisher unbekannte' Feier einer R a b b i n e r p r o m o t r o n fand zum ersten Male in der großen Zagreber Synagoge statt. Unter Assistenz eines dreigliedrigen Rabbinerkollegiums und im Beisein des Großrabbiners 'von Jugoslavien, Dr. Isaak Alkalay, wurde Prof. Dr. M. Freiberger zum Rabbiner promoviert. Warschau. Im Alter von 66 Jahren verstarb der P i l a w e r Rebbe, Rabbi Mausche Mordechai Morgenstern, ein Enkel des weltberühmten Kotzker Rebben. Moskau. Die Zeitung „Krasnaja Gazetta" veröffentlicht "eine Zusammenstellung der im Verlauf des Jahres" 1928 in verschiedenen Teilen Rußlands behördlich enteigneten Synagogen. Aus dem Bericht geht hervor, daß im Jahre 1928 59 Synagogen in Arbeiterklübs umgewandelt worden 'sind. — Die Leningrader Ha u p ts y n ag o g e wurde; auf j Verlangen der Kommunistischen jüdischen ' Arbeiterschaft enteignet und in einen Arbeiter- . klub umgewandelt. Jerusalem. Der Waad Leuchl ernannte Professor Albert Einstein aus' Anlaß seines 50. Geburtstages und in Anerkennung seiner Verdienste-um das Palästina- Werk zum Ehrenmitglied der Kneffeth Israel. — Professor Frankel von der Universität! Kiel wurde zum Direktor des mathematischen Instituts an der hebräischen Universität zu Jerusalem ernannt. Professor Frankel wird fein neues Amt im Herbst antreten. Rewyork. Die Föderation litauischer Juden in Amerika, die heute in Newyork eine Konferenz abhielt, beschloß, 50.000 Dollar für die hungernden Juden in Nordlitauen, wo infolge der Mißernte des Jahres 1928 katastrophaler Brotmangel herrscht und jedes Geschäftsleben ruht, aüfzubringen. diese Ungeheuerlichkeiten. Im „Jud" erschien ein flammendes Dementi, der Komorower Gemeinde, von dem aber die Ankläger gar keine Notiz nahmen. Darauf reichte der in Lemberg wohnende Sohn des Rabbi Klage wegen Verleumdung und Beleidigung ein. Angeklagt find die Journalisten I. I. S i n g e r, Abraham R o s enfeld und Prilutzki als Herausgeher des-„Moment". Dis Verteidigung hat eine große Reihe von Zeugen geladen,-die den-' verstorbenen Rabbi "genau kannten. Die eigentliche Unterlage des Verleumdungsfsldzuges, das Testament, ist jetzt der Oeffentlichkeit unterbreitet. Der Rabbi schreibt darin, daß er sich nicht von Sünden rein wisse und der Sühne bedürfe. Er bittet seine Gemeinde um Verzeihung, wenn er jemand unrecht getan haben oder zu Unrecht etwas als trefe erklärt haben sollte. Aus solchen Aeußerungen tiefer Frömmigkeit eine Anklageschrift zu konstruieren, dazu gehört schon der traurige Mut der Moment-Leute. Trotzdem muh man es von Herzen bedauern, daß die Sache vor den öffentlichen Gerichten zum Austrag kommt, was gewiß nicht zur Verherrlichung des jüdischen Namens beitragen wird. England. palästinensische Bürger und brilische Unlerlanenschast. fionbon, 27. März. Im Unterhaus fragte Colonel Wedgwood, ob geplant fei, die Rechte britischer Staatsbürger auf paläfttnensische Bürger auszudehnen, ebenso den britischen Bürgern in Palästina dort Stimmrecht zu gewähren. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby- Gore, stellte fest, daß paläfttnensische Bürger nicht britische. Staatsbürger sind und die britische Staatsbürgerschaft nur tm Wege der Naturalisation erwerben, können. Der internationale Status von Palästtna ist der Status eines Mandates gemäß einer besonderen Klausel des- Artikels 22 des Völkerbunds-Statuts, der Palästina als einen vorläufig losgetrennten Staat, geleitet und kontrolliert durch Großbritannien, anerkennt. Demgemäß gilt auch das Wahlrecht zu den Stadtverwaltungen in Palästtna nur für paläfttnensische Bürger. Schweiz. Generalversammlung der I. R. G., Zürich. Zürich, 30. März. Am Sonntag fand die ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Religio nsge feilsch a f t im 'Gemeindesaal statt. Nach dem Verlesen des Protokolls der letzten Generalversammlung wurden die Jahresberichte des Präsidenten und der Kommissionen erstattet und die Jahresrechnung abgelegt. .Nach Erteilung der Decharge an Vorstand, Kommissionen und Liegenschaftsverwaltung, wurde das Budget für 1929 behandelt und gutgeheißen. Dem Antrag auf Ankauf des Grundstückes Gerechtigkeitsgasse 30 wurde zugestimmt und nach der Wahl der Gemilus-Chessed-Kommission, Herr R u Ä a als Lehrer und Kantor gewählt. Die übrigen Anträge betreffend Steuerverhältnisse und Statutenänderung wurden angenommen und zum Schlüsse der Jeschrwa IN Montreux eine Subvention bewilligt. Palästina. Jerusalemer Brief.? Jerusalem, 30. Mürz. Das Purimfest wurde mit.großem Pomp gefeiert und hatte in Tel-Awiw, wie -immer einen mehr karnevalistischen Charakte r. Der große „Karnevals- Zug" hatte „Königin Ester", die Purims-Schönheitskönigin von Palästina, im Mittelpunkt. Es gabauch sehr reizende Kinderumzüge. Eine besondere Note bekam die Feier, wie 'an andrer Stelle gemeldet, durch das, Erscheinen des „Graf Zeppelin" am Horizonte. Im „Doar Hajom" wird.über eine Sitzung des A. Z. des „Kneffes Jisroel" mitgeteilt, auf der über eine Neuorganisation des Oberrabbinates beraten wurde. Es wurde der Wunsch.geäußert, daß die Schochtim, die aus der Organisation aus Gewissensgründen ausgetreten sind, nicht einzig aus diesem Grunde aus ihrem Dienste entlassen werdendürfen. Selbstverständlich werden diejenigen, die aus K. I. ausgetreten sind, nicht den Entscheidungen des Oberrabbinates in Sachen von Eheschließung und Ehescheidung unterliegen. Das Oberrabbinat erhielt dieser Tage 17 Thorarollen aus St. Ludwig im Elsaß, die dort während des Krieges aus zerstörten Gemeinden verbracht wurden. 2N" Thoraröllen werden jüdischen Kolonien zugeführt. Die ägudiftlsche Reisegesellschaft, die Anfang März von Frankfurt nach' Palästina abgereist ist, ist in Jaffa gut gelandet und begab..sich von dort gleich nach Tel-Awiw, wo >ie vom Bürgermeister empfangen und begrüßt wurde. Von dort fuhren die Teilnehmer am nächsten Tage in die Ko-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.