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Der Israelit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 14 Der Israelit 5. April 1929 Jahrzeitstage des unsterblichen Meisterst; veranstalteten Festlichkeiten mit den bei dieser Gelegenheit gesprochenen schönen Festreden, die teilweise in diesem Blatte veröffentlicht wurden, verklungen sind — nicht ganz unaktuell sein kann! Dieeben ausführlich besprochene Arbeit wurde ganz gewiß in den besten Absichten geschrieben. Wird doch auch der Verfasser nicht müde, in lautesten Tönen die Größe des Meisters zu besingen: „daß der große Sucher der Wahrheit Wahrheiten fand, daß der begeisterte Künder der Wahrheit Begeisterung weckte", und daß „unerschöpflich ist der Reichtum seines Wortes, ewige Werte bietet es dar, und sollte immer neue Freunde und nicht nur in unseren Kreisen finden." Aber diese Arbeit ist zugleich auch em neuer Beweis, wie nötig es wäre, die schier unerschöpfliche Gedankenfülle und denfastunversiegbarenJdeenreichtum dieses großen Weltweisen unserer jüngsten Vergangenheit und eines der größten Denker der ganzen jüdischen Geistesgeschichte in erschöpfender Weise in; e i n wissens cha ftliches System zu bringen! Dieser Wunsch sollte nach dem vierzigsten Jahrzeitsrage mehr als ein bloßer Wunsch sein! Auch sind wir der festen Ueberzeugung, daß beim Vorhandensein eines derartigen Standard-Werkes über S. R. Hirsch irx? unser Autor so manches in seiner Arbeit anders geschrieben hätte und hiermit: »naion um nrri Korrespondenzen « ßacbricDten. Deutsches Reich. Heue wissenschaftliche Gutachten über das Schächten. B e r I i n, 26. März. Im Jahre 1927 wurde eine Reihe von Gutachten erster Autoritäten veröffentlicht, in welchen nachgewiesen wurde, daß im Schächtakt eine Tierquälerei nicht zu erblicken sei. Soeben erscheint eine Fortsetzung dieser Publikation unter dem Titel „Zweite Reihe neuer Gutachten zur Frage der betäubenden Wirkung des Schächtschrntts". Erteilt 1927 und 1928. Die Schrift enthält Aeußerungen folgender Professoren: L. Asher-Bern, U. G. Bijlsma-Utrecht, K. Bürker-Gießen, R. Dittler-Marburg a. L., R. du Bois- Reymond-Berlin, I. Bongert-Berlin, U. Ebbecke-Bonn, U. Gerhard-Halle, W. Klein-Bonn, I. Roos-Utrecht, R. Rosemann-Münster, Sir C. S. Sherrmgton-Oxford, O. Weih-Königsberg (Pr.). Die letzte Warnung des preußischen Innenministers an die radikalen Parteien. Berlin, 25.,März. In dem Aufruf des preußischen Innenministers Grzesinski an die politischen Parteien und Gruppen, der als eine Letzte Warnung an die terroristischen Kreise gilt, wird insbesondere lauch aus die antisemitischen F r ie d h o f S s ch ä n du ngen hingewiesen, vor denen man nicht zurückschreckt. Weiter heißt es: „Große und kleine Anfragen von allen Seiten im Landtag, wie auch weite Kreise der Oeffentlichkeit verlangen von mir dringend Abhilfe und fordern mit Recht vorbeugende Maßnahmen ..." Der Minister wiederholt noch einmal sehr. ernstlich seine Mahnung an . alle politischen Organisationen, Bünde und Führer, ersucht auch die in Frage kommende Presse dringend, durch Abkehr von dem verhetzenden Ton zur Befriedung des öffentlichen Lebens beizutragen. Wenn, dieser letzte Versuch ungehört verhallen sollte, „werde ich zum besten der friedlichen und friedliebenden Bevölkerung gegen die radikalen Organisationen mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln rücksichtslos einschreiten. Dqbei würde ich auch vor der Auflösung solcher Verbände und Bereinigungen nicht zurückschrecken, die gleichzeitig die Form politischer Parteien haben. Die Polizeiverwaltungen in Preußen habe ich mit Erlaß vom heutigen Tage mit entsprechenden strikten Anweisungen versehen." Wie steht es in Repzin? Berlin, 31. März. Die von der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" herausgegebene „Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege" veröffentlichte in ihrem Februärhest im Anschluß an die Ausführung des bekannten Dramas von Lampel einen Aufsehen erregenden Aufsatz des Leiters der Wohlfahrtsstelle, Eugen Caspary, der schwerste Vorwürfe gegen das bekannte, vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund uniterhaltene Erziehungsheim in Repzin erhob. Caspary behauptete, daß in Repzin, wohin bekanntlich die jüdischen Zwangserziehungszöglinge gebracht werden, die rückständigsten Erziehungsmethoden herrschten; daß die Prügelstrafe an der Tagesordnung fei, mit Kostentziehung, Hungerstrafe gearbeitet werde und daß infolge dessen bereits Revolten in dem Heime stattgefunden hätten. Gegen diese Anklage verteidigt der Geschäftsführer des D. I. G. V., Dr. Wilhelm N e u m a n n , das Repziner Heim, indem er sich aus einen Jnspektionsbericht des Berliner Obermagistratsrats Knaut vom 26. August 1928 beruft. Dort wird bescheinigt, daß das Essen gut sei, daß Sport getrieben und geistige Anregungen geboten werden. Caspary hält jedoch feine Anklagen aufrecht. Er beschuldigt Dr.. Neumann, daß er es sei, der jede Besserung in Repzin verhindere. Die Vertreter der Stadt Berlin hätten ihm gesagt, daß ein großer Teil der Fürsorgeerziehungsanstalten nichts tauge, die „jüdische Anstalt in Repzin aber d i e a l le r s ch lech t este s ei." , Die Angelegenheit kann mit diesem Gespräch zwischen den Herren Caspary und NeuMann nicht abgetan fein. Die jüdische Oeffentlichkeit und insbesondere die jüdische Presse aller Richtungen muH vielmehr verlangen, daß in die Repziner V er h äl tnis se durch ei ne o b - jektkve Instanz gründlich h ine in g el eü chtet und restlose Klarheit ohne alle persönliche Rücksichtnahme geschaffen wird. Religionslehrerprüfung am Jüdischen Lehrerseminar zu Köln. Köln, 1. April. . Am 27. März ging die diesjährige Religionslehrerprüfung zu Ende, der sich 23 Herren und 11 Damen unterzogen. Bon den 27 Internen bestanden 23, von den 7 Externen 4 dis Prüfung. Als Vertreter des KuratoriumS^tvohnten die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal, Mobitz Leoy und Nathan Rothschild her dreitägigen.müstdli>h;en Prüfung'bei, > die von Herrn Studienrat Gut' gelej-W wurde. , 'M',V Am 3. April findet die Aufnahmeprüfung für das neue Schuljahr statt, zu der 12 Abiturienten und Primaner von der Schulbehörde zugelassen wurden. Preußischer Landesverband gesehestreuer Kynagogengemeinden. Halberstadt, 28. März, Aus dem Büro des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemetnden, Halberstadt, wild uns geschrieben: ' . Es sind uns in letzter Zeit Fälle zur Kenntnis gekommen, daß Eltern in Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen es unterlassen haben, für ihre Kinder, die staatliche Schüler-besuchen, um Befreiung vom, Schreiben und sonstigen am Sabbat verbotenen Tätigkeiten zu ersuchen. Cs sei deshalb jetzt vor Beginn des neuen Schuljahres daraus hingemiesen daß in fast , sämtlichen deutschen Staaten durch Gesetzesvorschriften die Befreiung vom Schreiben und allen sonstigen am Sabbat verbotenen Tätigkeiten für sämtliche Schulen bei entsprechender Benachrichtigung der Schulleitung durchaus einwandfrei gewährleistet ist. Wir lassen zur Erleichterung für die Eltern das Beispiel eines Formulars für das Gesuch, um Befreiung vom Schreiben am Sabbat folgen: Hochgeehrter Herr Direktor! Hierdurch ersuche ich, meinen Sohn (oder Tochter) . . . . .' . . . Schüler der Klasse . . ., vom Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten am Sonnabend und den jüdischen Feiertagen befreien zu wollen. Hochachtungsvoll . . . . Für Preußen ist Ae gesetzliche Befreiung in dem Min. Rescr. vom 6. Mai 1859 und 39. Ina. 1869 ausgesprochen. — Sollte ein Kind bisher in der Schule am Sabbat geschrieben haben, so ist folgender Passus hinzuzufügen: Nachdem mein Sohn das Alter erreicht hat, in dem Verständnis für die religiöse Pflichterfüllung vorausgesetzt werden darf, ist sowohl mein als auch fein Wunsch, daß er das Religionsgesetz, welches das Schreiben an den gedachten Tagen strengstens verbietet, nicht Übertritt. ' Zu weiteren Auskünften ist der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden!, Halberstadt, gern bereit. Von der Dresdner Gemeinde. Dresden, 26. März. Seit den am 20. Januar d. I. durchgeführten Wahlen zum Vorstand und Gemeinderat der Israelitischen Rligionsgemeinde Dresden befand sich diese Körperschaft in einer ernsten Krise. Die Liberalen und die „Volksvereinigung für jüdische Interessen" (im wesentlichen identisch mit dem Veihausoerein Adaß Jeschurun") waren gegenüber der „Jüdischen Volkspartei" eine Liftenverbindung - eingegangen, wobei sich die Liberalen verpflichtet hatten, dem Gemeindego-ttesdienst nach altem Ritus did Signatur „Adaß Jeschurun" und den Vertretern der Volksoereinigung den Vorsitz in der orthodoxen Kultuskommission und in der Kaschruth-Kommission zu geben. Die Volksvereinigung hat aber statt erwarteter 350 Stimmen nur 120 Stimmen aufgebracht und im Vorstand kein Mandat, im Gemeinderat nur 2 Mandate erzielt. Die „Jüdische Volkspartei", die zwei Vorstandssitze und sechs Gemeinderatsmandate errang, wollte sich hiermit nicht einverstanden erklären. Die Liberalen erkannten, schließlich diesen Protest an, und in der letzten Gemsindsratssitzung wurde beschlossen, dem Gemeindegottesdienst nach altem Ritus seinen alten Namen zu belassen. An der Spitze der orthodoxen Kultuskommission verblieb der bisherige Vorsitzende Dr. John Levy (Volkspartei). Den Vorsitz in der Kaschruth-Kommission übernahm Rabbiner Professor Dr. .Wjnter. — Damit ist die Krisis, Ae die Gemeinde mit .Verwicklungen eventt. mit Wahlprotest bedrohte, überwunden. Das Berliner Mazzot-Komitee für Rußland. Berlin, 2. April. Das Berliner Zentral-Komitee zur Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth hat sich entschlossen, nicht, wie beabsichtigt, nur 13 Waggon-Ladungen, sondern rund 30 Waggon-Ladungen Mazzoth in das Innere Rußlands zu senden. 'Nachrichten, die dem Komitee aus Rußland zugingen, besagen, daß der Mangel an Mazzoth in Rußland ungeheuer ist. Der Preis für Mazzoth an Ort und Stelle stellt sich auf 1% Rubel (3 Mark) das Kilo. Da sich nun für aus dem Auslande gesandte Mazzoth trotz Die \ Markender Ta bgerm Lind er Schokoladenfabrik ©■ Neu au genommen nos 7v “itco Alleinvertrieb durch die Firma «JL Anton Alexander^ Berlin N018, Landsberger Straße 91.

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