Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450561--75863-2533408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6. Nr. 14 Der Israelit 5. Apri l 1929 lonien hinaus, besichtigten Petach Tikwah und Rischon le Zion und begaben sich darauf nach Jerusalem. Die Fahrt geht bei schönstem Frühkingsroetter vor sich und die Teilnehmer wurden in Jerusalem in den gesetzestrenen Kreisen sehr freundlich ausgenommen. Die Judenverfolgungen im Jemen. Jerusalem, 21. März. Dem „Doar Hajom" werden aus Aden furchtbare Einzelheiten über die wieder neu aufflammenden judenseindlichen Maßnahmen des Imams van Jemen gemeldete Eins neuerliche Verfügung verfügt die gewaltsame Unterbringung aller jüdischen Waisenmädchen in polizeilichen Gewahrsam, damit die Kinder aus diese Weise dem mo hammedanischen Glauben zugseührt werden. Die Polizei hat sich dieser Aufgabe mit aller Energie unterzogen. Die meisten der unglücklichen Kinder bleiben den Ueber redungskünsten der geistlichen Beamten unzugänglich, worauf dann Drohungen und schließlich schwere Gefängnisstrafen mit Fesselung usw. eintreten. Seit dem Dezember sollen auf diese Weise 27 Waisenkinder „bekehrt worden sein. Die Juden sammelten Geld zur Auslösung dieser Gefangenen, ohne daß jedoch auf diesem Wege ein Erfolg zu erzielen war. Eine ähnliche *t»» xvvu wurde vor elf Jahren bereits einmal' vom Imam versucht. Der Kampf um die hebräische Sprache in Palästina. Jerusalem, 23. März. Vor dem höchsten Gerichtshof spielt sich wieder einmal ein Sprachen st reit ab, der von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es handelt sich um die Frage, ob die Postämter verpflichtet sind, Telegramme in hebräischer Sprache und Schrift anzunehmen und zu befördern. Die Postämter verweigern das, ebenso wie sie auch ihre Korrespondenzen ausschließlich in englischer Sprache führen mit der Begründung, - daß die dreisprachige Korrespondenz einen zu kostspieligen Apparat erfordere und Mittel dafür nicht zur Verfügung ständen. Die Beschwerdeführer berufen sich auf das Mandat, das Englisch, Arabisch und, Hebräisch als öffentliche Landessprachen anerkennt und das eine unterschiedliche Behandlung einzelner Bevölkerung st eile verbietet. Die Entscheidung des Gerichtshofes soll in Kürze verkündigt werden. Amerika. Zur Linderung des jüdischen Elends in Europa. Newyork, 31. März. Am 31. März trat das Ädministrativkomitee des American Jewish Congretz zu einer Sondersitzung zusammen, in der über Mittel und Wege zur Linderung des Elends der Juden in den osteuropäischen Ländern beraten wird. Vertreter fast aller jüdischen Organisationen nehmen an der Sitzung teil. Beraten wird über die Schaffung eines Notfonds zur Linderung der Hungersnot der jüdischen Bevölkerung Beßarabiens und der Not großer Teile der jüdischen Bevölkerung in Polen, Litauen usw. Der ursprünglich für den 31. März einberuf-ene amerikanisch-jüdische Kongreß wird wegen der Tagung des Administrativkomitees am 12. Mai d. I. seine Beratungen beginnen. Joint Nothilfs-Fonds für Europa. Newyork, 1. April. Das American Joint Distribution Committee, das bekanntlich auf Grund der Berichte feines europäischen Direktors Dr. Bernhard Kahn vor kurzem eine Summe von 310.000 Dollar als außerordentliche Notstandshilfe für Europa bewilligte, hat soeben 110.000 Dollar auf Konto dieses Fonds nach Europa, und zwar 60.000 Dollar nach Rußland und 50.000 Dollar nach Beßarabien geschickt. Der Verband litauischer Juden in Amerika, der vor kurzem die Aufbringung von 50.000 Dollar für die hungernden Juden in Nordlitauen beschloß, hat soeben als erste Summe 2500 Dollar nach Litauen gesandt. Der Verband beßarabischer Juden in Argentinien sandte weitere 4200 Dollar an das Rettungskomitee in Kifchinew. Damit erhöht sich die Gesamtleistung der argentinischen Juden'für die Hungernden in Beßarabien auf insgesamt 21.038 Dollar. (ITA.) Wie in der vorigen Nummer bereits angekündigk, wird die heutig Nummer infolge der bürgerlichen Feiertage erst am Freitag ausgegeben. Personalien. Studienrat Elias Gut 60 Jahre alt. Köln. 1. April. Am vergangenen Purim vollendete Herr Seminarstudienrat Gut das 60. Jahr seines arbeitsreichen und von Erfolg gesegneten- Lebens. Unter'den heutigen jüdischen Lehrerbildnern wird Herr Gut als die führende Persönlichkeit allgemein anerkannt und die Zahl der von ihm herangebildeten Schüler und Seminarzöglinge dürfte wohl schon vierstellig sein. Er ist Ehrenbezw. Vorstandsmitglied verschiedener Standes-, Wohltätigkeits^ und Jugendoereme. Aus Gvilmtzen (Baden) stammend, besuchte er 1885—1888 das hiesige Seminar, wurde dann Kantor an der Synagogengemeinde Adaß Jefchurun und wirkte von 1892—1901 als Religionslehrer an der Kölner Synagogengemeinde. Dann kam Herr Gut als Lehrer an das Seminar, wo er nunmehr bald 30 Jahre wirkt. Seine Lehrerprüfungen legte er 1889 in Odenkirchen und 1893 in Siegburg ab. 1894 machte er fein Mittelfchullehverexamen in Koblenz und 1898 daselbst seinen Rektor. Für tr-eu-e Arbeit als S-eminarlehrer wurde der Jubilar 1923 zum Seminar-Oberlehrer und 1924 zum Seminar-Studienrat ernannt und feit dem Tode des Rabbiners Dr. Carlebach s. A. ist Herr Gut stellv. Studiendirektor. Bei der Unterbringung der jungen Lehrer sowie bei. späterem Stellenwechsel hat er sich als guter Berater und Organisator erwiesen und die Tatsache, daß seine Kollegen immer Rat heischend sich an ihn wenden konnten, ist die Ursache der Verbundenheit zwischen ihm und dem Lehrerstande, dem er nunmehr über 40 Jahve angehört. Seine gern gehörten und sehr beliebten Ansprachen haben manches Schul- und Gemeindefest verschönt. Seine gerade und ehrliche Art, sein hervorragendes jüdisches und profanes Wissen, seine schlichte Bescheidenheit und Einfachheit, sein besonderes Lehrgeschick, haben ihm nicht nur hier, sondern weit hinaus im Baterlande eine große Schar Freunde und dankbare Schüler erworben und ihn bei den Vorgesetzten Behörden die Anerkennung finden lassen, die für den..Bestand des Seminars von größtem Segen ist. Nachdem der 60. Geburtstag dieses so verdienten Schulmannes wider, feinen Willsn bekannt geworden war, wurde den ganzen Tag das Haus des Jubilars nicht leer von Gratulanten, ununterbrochen von morgens bis abends kamen feine Freunde und Schüler. Während des Vormittags überreichten Religionslehrer Dr. Stein im Namen der Lehrerkollegien von Jawne und Moria, sowie Vertreter der Klassen ihre Geschenke, im Namen der Vereinigung ehemaliger Kölner überbrachte Seminaroberlehrer Dr. Harth mit einer kleinen Ansprache eine wunderbare Adresse für ihr Ehrenmitglied; ein andauerndes Kommen und Gehen, zwischendurch die sich äblösenden Telegraphenboten. Klassenkameraden, Schüler und Freunde telegraphierten und schrieben aus dem In- und Auslande. Am nächsten Morgen richtete in einer Schulfeier der bisherige stellvertretende Leiter der Jawne, Studienassessor Dr. Samuel, warme Worte an den Jubilar: daß man niemals glauben könnte, daß Herr Studienrat Gut nun chon 6.0 Jahre geworden ist, wenn man ihn amtieren ieht. Me er stets mit vollster Arbeitskraft nach moderater Art freudig seinen Unterricht-erteilt, wie innig er dabei , mit der Jugend verbunden ist. Möge dem allseits geschätzten und verehrten Jubilar weiterhin dieselbe Arbeitskraft und Jugendfrische rnnewohnen, daß er schaffensfreudig für sein Ziel und seine Lebensaufgabe wirken kann. . . Mergentheim, 21. März. Nach kurzem.Krankenlager starb im 81. Lebensjahre Frau Helene Sulzb ach e r aus Mergentheim. Sie entstammte der echtfrommen Kaufmannsfamilie Hopfenmeyer aus Erlangen. Schon in jungen Jahren war sie Witwe mit 6 unmündigen Kindern. Gestützt auf felsensestes Gottvertrauen, das einer tiefen, strenggläubigen Religiosität entsprang und auch in Krankheit und Schicksalsschlägen nicht wankte, gelang es der mutigen, gewissenhaften Frau, sich als echtes nust zu bewähren. In rühriger Tätigkeit erzog sie ihre Kinder in Ehren als würdige Schwiegertochter des Reb David Sulzbacher. Herr Rabbiner Dr. Kahn schilderte in ehrenden Worten vor dem Hause das Leben und frommes Wirken der Entschlafenen und am Grabe spracht der Schwiegersohn, Herr Lehrer Heinemann aus Neunkirchen (Saar) ergreifende Worte der Liebe, Dankbarkeit und des Abschieds namens ihrer Kinder. Ihr Andenken wird stets ein gesegnetes fein. n"aL:n- Scharrachbergheim. 31. März. Nachdem erst vor kaum Jahresfrist ihr frommer Gatte im Tode ihr vorausgeeilt war, hauchte nun auch Frau Caroline Bloch geb. Roos, im 75. Lebensjahre am Purim ihre reine Seele aus. Noch am Vorabende bat sie, man möge ihr' aus dem Buche Esther vorlesen, traf alsdann die letzten Anordnungen und ruhig und still, wie sie lebte, ist sie in die ewigen Gefilde eingegangen. Der Wohltätigkeitssinn dieer frommen Frau kannte keine Grenzen, wo es zu helfen, zu raten und taten galt, stand sie an erster Stelle. Zedoko übte sie im Stillen in reichem Maße und wo ihre eigenen Kräfte zu gering waren, war sie bemüht, andere heranzuziehen. Und noch kurz vor ihrem Heimgang bangte sie und zagte sie sich für eine Familie, die ihr besonders am Herzen lag! Im Verein mit ihrem Heimgegangenen Gatten erzog sie ihre Kinder im Geiste unserer hl. Thora. Aus Nah und Fern (darunter zahlreiche Nichtjuden) waren ie herbeigeeilt, um dieser tugendhaften Frau die letzte Ehre zu erweisen und mit Recht konnte Herr Rabbiner Dr. Bloch in seiner ergreifenden Rede darauf Hinweisen, daß die Verblichene zu den Neschv Chajil zu . zählen sei, die leider immer seltener werden. Sie möge in Frieden ruhen und '~n möge den trauernden Hinterbliebenen seinen gütigen Trost spenden. rrnsan. Reinheim (Hessen), 1. April. Am 27. März verließ die Familie H. Frohmann I. unsere Gemeinde, um zu ihrer Tochter, die in Frankfurt verheiratet ist, zu ziehen. Herr und Frau Frohmann haben sich während ihres Hierseins nicht nur die Liebe und Verehrung der jüdischen Gemeinde, sondern auch aller Bewohner Reinheims und Umgegend erworben, so daß ihr Fortgang allgemein bedauert wird/ Besonders heroorzuheben war ihr ion die Ausübung von Wohltätigkeit an alle Arme und Notleidende. Möge '">1 ihnen «inen glücklichen und zufriedenen Lebensabend bei ihren Kindern zuteil' werden lassen. Alemel, 30. März. Am 16. März 'a ms 't verschied hier im gesegneten Alter von 95 Jahren Frau Aßna F ei nstein, geb. Täubmann, eine wahre nx>i2 von echtem Wohltätigkeitssinn, voller Fürsorge für die Armen und Bedrängten. Die Verklärte warso fromm, daß sie ihr ganzes Leben jeden myn und darüber hinaus, gefastet, zuletzt noch am 0202 mwy dieses Jahres; am Freitag zündete sie noch die Sabbatlichter an und am r-nu darauf hauchte sie ihre edle Seele aus. irasanvermischtes. Essen, 1. April. Eine imposante Purim-Feier veranstaltete die hiesige Talmud-Thora-Schule am Mittwoch cr-ra iMv irn Saale Hardegen. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Talmud-Thöra- Schule, Herrn Adolf Rath, der aus das heilige Ziel der Lehranstalt hinwies, verstanden es die Talmud-Thorä- Schüler durch ihre hübschen Purimgedichte (hebräisch wie deutsch), Rezitationen, Megilöh-Vorleinen und Kinder- Reigea unter Mitwirkung der jüdischen Musikkapelle pov nnvVi die Erschienenen in festfröhliche Stimmung zu bringen. Besonders stimmungsvoll wirkte der von den Talmud-Thora-Schülern aufgeführte Zweiakter „Königin Esther". Den Schluß bildete ein „plastischer Brunnen". Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse 2reparieren. Sie. gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie'. Was i st „Fleisch-Konzentrat Columbus "? Den Bedürfnissen des rituellen Haushalts entsprechend, welchem bisher ein auf ritueller Grundlage hergestellter Fleijchextrakt fehlte, bringt die Fleifchkonzentrat-Gestllschaft, Berlin NW. 87, unter dem Namen „Columbus" Fleisch-Konzentrat" einen solchen auf den Markt. Das Fleisch-Konzentrat „Columbus" wird als Brotaufstrich, als Fleischbrühe,- als Fleischzusatz zu Suppen uns Saucen verwendet. Es ist ungewürzt und wird auch als Krankenkost empfohlen. - ♦I A JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-! N C ü R O ÜWGESIRflSSn IEL HANSA 4641 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353- EINZIGE iHSERATEH-AHHAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VOM INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN. WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL.GESCHKFTE.PRIVATE FÜR DiE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BÜNf-DRUCK