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Der Israelit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14. Seite 3 5. April 1929 Für die Orthodoxie üezw. die sie vertretende Körperschaft, die A g u d a s I i s r o ß*I, werden bei der Entscheidung ganz andere Momente maßgebend sein, als für die eben erwähnten Organisationen. In positiver Hinsicht ist für uns-die Verbundenheit . mit Erez Jisroel naturgemäß von ganz anderer Intensität und nicht mit den neuentdeckten und wechselnden Sympathien anderer Kreise zu vergleichen. Aber auch die Bedenken, die g e g e n jede Teilnahme an dem Agency-Unternehmen sprechen und die vor allem auf dem religiösen Gebiet liegen, sind ungleich höher zu werten. Sie werden nach unserer Meinung ohne wesentliche Aenderungon in der Konstruktion und dem Aufgabenkreis der Agency wohl kaum zu überwinden sein. Mazzolsorgen in Rußland. Ist es den Religionsfeinden in Rußland nicht geglückt, den Juden die Mazzoh ganz zu nehmen, so doch wenigstens durch Zollschikanen aller Art die Mazzoheinfuhr so zu beschränken, daß die Tage unter dem Zeichen des ->ri” s's2'7 ^2 ^2X’i zu Tagen des Hungers und der Entbehrung für Hunderttausende in Rußland werden. Trotz anderslautender Versprechungen wurden, wie ITA. mitteilt, die fünf Waggons mit Mazzoth an der russischen Grenze von den sowjetrussischen Zollbehörden angehalten und mit so hohen Zöllen belegt, daß die ganze Aktion ins Wasser zu fallen droht. Die Zollbehörden deklarierten Mazzoth nicht als Brot, sondern als B i sq u i t s und forderten statt eines Brotzolles von 5 Kopeken pro Kilogramm einen Luxuszoll von 2.20 Kopeken (Mk. 4.40) pro Kilogramm. Prominente jüdische Persönlichkeiten Berlins wandten sich, durch Vermittlung der Berliner russischen"Botschaft und, direkt, an die Moskauer Regierung mit der Bitte, für Mazzoth den gewöhnlichen Brotzoll gelten zu lassen. Daraufhin wurde der Mazzoth-Zoll auf 80 Kopeken pro- Kilogramm festgesetzt. Auch dieser Zollsatz übersteigt aber die Kosten-der Mazzothherstellung um das Doppelte und macht die Wetterführung der Aktion unmöglich. Ein neuerliches Gesuch, den Zoll auf ein erträgliches Maß herabzusetzen oder doch wenigstens die Einfuhr von Mehl zum normalen Zoll zu gewähren, wurde endgiltig abschlägig beschieden. Inzwischen war viel kostbare Zeit verstrichen. So entschloß sich denn das Mazzoth-Komitee, sofort 13 Waggon Mazzoth teils > nach Moskau für Zentralruhland, teils in die Ukraine abzuschicken (die Transporte sind bereits unterwegs) und im Uebrigen die Gelder, die in verschiedenen Ländern für die Mazzoth-Aktion gesammelt wurden, in Barbeträgen nach Rußdem Gesichtswinkel der Thora, die hier das Maß aller Dinge ist. Das Buch darf nicht gemeiniglich als Drufchroerk gewertet werden, es ist ein Schatzkästlein, aus dem man immer und immer schöpfen wird. Wer die früheren vier Bände besaß, hat mit Sehnsucht auf diesen letzten Band gewartet und sieht jetzt diese Sehnsucht in schönster Weise erfüllt. Wir behalten uns vor, einige Gedankengänge zu den betreffenden Sidraus in Auszügen wiederzugeben. (Graf Zeppelin in Palästina.) Am Vorabend des 26. März (14. Adar 2), während die Judenheit Palästinas das Purim fest beging und die Stimmung aufs höchste gestiegen war, überflog das deutsche Luftschiff „Graf Zeppein" die palästinensiche Küste und die Städte. Um 4 Uhr 25 Minuten überflog „Graf Zeppelin" den Häfen und die Stadt Haifa, schwebte in hundert Metrn Höhe über dem Karmel und der jüdischen Kolonie Bath Galim. Die Einwohnerschaft von Haifa und die jüdischen und deutschen Kolonisten der Umgebung jubelten dem Zeppelin begeistert zu. Von Haifa wandte sich das Luftschiff die Meeresküste entlang nach dem Süden und . erreichte bei Einbruch der Dunkelheit,/6 Uhr 5 Minuten abends, die jüdische Stadt Tel Aviv,' wo gerade die Purimstimmung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Das hellerleuchtete Luftschiff umkreiste in der Dämmerung und niedrig die Stadt. 40,060 Einwohner von Tel Aviv umsäumten die Straßen, alle Dächer. wa en besetzt. Die Bevölkerung brachte dem deutschen Luftschiff begeisterte Ovationen dar, die sich zu Jubel steigerten, als sich vom Luftschiff aus eine Wolke von Konfetti und buntfarbigen Papierschleifen — eine Aufmerksamkeit des Luftschiffs für die das . Purimfest feiernde jüdische Stadt (wie der I. T. A. aus Friedrichshafen unmittelbar vor dem Start mitgeteilt wurde, hatte Dr. Eckener 15 kg Konfetti zum Abwurf über De r I s r a e l i t_. - ■ ■ land-zu schicken, wodurch die ärmere Bevölkerung in die Lage verhetzt werde, sich andere Nahrungsmittel zu verschaffen. Die Verzögerung und schließliche Behinderung der Durchführung der gesamten Mazzoth-Versorgungsaktion infolge der ungeheuerlichen Zollforderung hat unter den jüdischen Gemeinden einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Infolge der Aussicht einer Mazzoth-Einfuhr aus dem Auslande wurde in Rußland die Herstellung von Mazzoth entweder ganz verboten oder nur in sehr geringem Ausmaße gestattet. Die sibirische Sowjetregierung hat die Erlaubnis zur Ausfuhr von Mehl in den übrigen Ländern der Sowjetunion zwecks Herstellung von Mazzoth verweigert. Ein eigenes „Mahnischtano" kommt Heuer zum alten in der Pessach-Haggada in Sowjetrußland hinzu: „Was zeichnet diese rote Golusnacht von der s ch w a r z e n in der Zarenzesi aus? Damals durften wir uns satt essen, heute heißt es: Wollt Ihr Juden fein, dann hungert!" (Nachträglich hat sich dennoch eine Vermehrung der Mazzosfendung auf 30 Waggons durchführen lassen. Siehe den Nachrichtenteil dieser Nummer.) Ein Schlußwort zur Würdigung von S. R. Hirfchs Symbolik. Bon Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. Ungarn. Längere Unpäßlichkeit hat mich bisher verhindert, meine Ausführungen über die von Studienrat Munk gegen gewisse Teile der S. R. Hirsch'schen Symbolik geltend gemachten Bedenken abzuschließen; es sei mir nunmehr ein kurzes Schlußwort gestattet. Der Kernpunkt der vom Verfasser gesuchten grundlegenden Idee des Judentums ist: „ E r (Gott) kennt das Wesen der Dinge. Von ihm müssen die den inneren Menschen betreffenden Gesetze gegebon werden. Der Mensch kann sich keine Ethik und „kein richtiges Recht" für die menschlichen Beziehungen allein schaffen. Das ganze religiöse Gesetz muß mithin von Ihm (Gott) offenbart werden. Diese Forderung fließt ganz unmittelbar aus der Einsicht der jetzigen Begrenztheit menschlichen Erkennens und der Anerkennung Gottes als Schöpfer der Welt. Aus dieser fundamentalen Idee des Judentums heraus muß .demnach die Offenbarung der Tauroh postuliert werden. Der gesamte Gesetzeskomplex muß nunmehr aus dieser Idee heraus verstanden werden können. Ja, wir können »noch einen Schritt weiter gehen. Die schon erwähnte Identität des Jezer Hora in Mensch und Natur, diese Einheit, die be- Tel Aviv mitgenommen) — herabsenkte. Leider war der Abwurf nicht ganz gelungen, da er nicht das Zentrum traf. Auch die Bevölkerung von Jaffa war einige Minuten außer Rand und Band. Um 6 Uhr 30 Minuten abends war „Graf Zeppelin" über Jerusalem. Der Abend war hereingebrochen, man sah nur die dunklen Umrisse des hellerleuchteten Luftschiffs. Die Straßen waren von einer gewaltigen Menschenmenge gefüllt. Touristen aus vielen Ländern der Welt, von Südafrika bis Kanada, brachen in Jubelrufe aus. Von Jerusalem fuhr das Luftschiff nach dem Flugplatz Ramleh weiter, wo die Post abgeworsen wurde. Von dort wandte es sich in nördlicher Richtung nach Syrien. Vom Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin" wurde gemeldet, daß die Stimmung unter den Fahrgästen während des Fluges über dem Heiligen Lande eine sehr freudige war. Von der See aus bot sich den Blicken das gewaltige Bild der hohen Gebirge an der Küste. Während das Luftschiff über dem Lande kreiste, staunten die Fahrgäste über den schnellen Wechsel herrlicher Naturbilder. Weiter wird aus Tel Aviv geschrieben: Als das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" über der jüdischen Stadt Tel Aviv kreiste, sandte der Bürgermeister von Tel Aviv, Herr Dizengoss, einen Funkspruch an Dr. Eckener und lud ihn ein, in Tel Aviv zu landen, er, seine Besatzung und die Fahrgäste können des herzlichsten Empfanges gewiß sein. Dr. Eckener erwiderte durch Radiospruch, es sei ihm zu seinem lebhaften Bedauern unmöglich, in Tel Aviv zu landen und er wünsche, auch im Namen der Besatzung und der Passagiere, der Einwohnerschaft von Teh..Aviv:, ^,Gut Purim". Bürgermeister Dizengoff funkte eist zweites Mal äst Dr. Eckener und erklärte, die 80,000 Seelen zählende Einwohnerschaft von Tel.Aviv, die in dieser Stunde das kämpft werden soll, muh einen Parallelismus zwischen den Gesetzen für den umzuwandelnden Menschen, und den Gesetzen für die Wiedererhebung der Natur aufweisen." Dies alles ist sehr richtig . Aber dies alles ist doch, ein derartig eminenter Kardinalpunkt auch in dem Hirsch'schen Denksystem, daß hierfür viele Beweise zu bringen Eulen nach Athen tragen hieße, und für jeden Kenner des Hirsch'schen Schrifttums eine ganz überflüssige Erweiterung unserer Ausführungen wäre, und so verweisen wir bloß auf den vierten der 19 Briefe und auf Kap. 4 (über Weltanschauung) und Kap. 6 (über Lebensansicht) im Ehaurew, besonders aber Kom. zu iv. V. M. 15, 39, zu ■nrmi 0222^ 'inrr mrin «5i v2'Dv> Auch das, was der Verfasser über den Parallelismus zwischen den Gesetzen für den umzuwandelnden Menschen und den Gesetzen für die Wiedererhebung der Natur sagt, findet sich bereits an unzähligen Stellen in den Schriften des Meisters ausgesprochen. Der Kürze halber erinnern wir bloß an Kom. zu I. B. M. 2, 2, wo es u. a. heißt: dieganzephyfifcheWelt jauchzt aus und blüh tmitdersittl ich heiteren Blüte des Menschengeschlechtes, sie trauert und welkt, wenndasMenschen ge schlechtsittlich w e l k rv i r d u n d e n t art e t." Aber entschieden muß die Einstellung auf S. 156 berichtigt werden, wonach der Geist der zu S. R. Hirschs Zeit herrschendem, idealistischen Philosophie seine symbolische Erklärungsweise erzeugt hätte. Dieser Einstellung gegenüber muß, nicht zufolge einseitiger Parteigängerschaft, sondern der historischen Treue wegen, aufs allerstärkste betont werden, daß die vom Verfasser geschilderten Zeitumstände wohl ganz gewiß viel dazu beigetragen haben, daß Hirsch sich bestrebte, den geistigen Gehalt der Thora herauszuarbeiten, aber im Grunde genommen. floß ihm dieses sein Streben aus dem innersten Drangs seiner Seele und aus seiner tiefsten Ueberzeugung, daß die Erkenntnis der.Tvrnn öes inneren geistigen Gehaltes der Thora mit zur Aufgabe echten Thorastudiums gehört, wie dies auch die feste Ueberzeugung vieler unserer hervorragendsten Größen aus der geschichtlichen. Vergangenheit gewesen ist,*) worauf schon in den 19 Briefen (S. 96 ü. f.) und dem Ehaurew (4. Ausl. S. VIII) hingewiesen wird. Und nun noch eine ganz kurze Bemerkung, die jetzt — nachdem eben erst die zum vierzigsten *) Das bekannte „credo quia absurdum est" hat nicht erst Maim. im Moreh, Hl, 31 aufs schärfste zurückgewiesen. Wjr verweisen bloß auf Saadja in Emunoth v^deoth, III, 1 u. 2, und Juda Halevi im Kusari, II, 26. fröhliche Fest des Purim begeht, bewundere die Taten des Zeppelin und wünscht dem Luftschiff, seinem Führer Dr. Eckener und der Besatzung weitere Erfolge und ein herzliches „Schalom". (Die Darmstädker Pesachhagada.) Im Leipziger Verlag Karl W. Hiersemann ist die weltberühmte Darmstädter Pesach-Hagada m vollendeter Schönheit und Korrektheit herausgekommen. Die Darmstädter Hagada ist bekanntlich, neben der Sarajewoer, das größte Meisterstück mittelalterlicher Graphik. Sie stammt aus dem vierzehnten Jahrhundert. Als Herausgeber zeichnen Bruno Italiener, Aron F r e i m a n n, August L. Mayer und Adolf Schmidt. Die Hagada selbst ist auf Pergamentpapier als getreue Kopie des Originals in einer kleinen Anzahl von Exemplaren hergestellt. Zu dem Original ist ein Textban. d von über 300 Quartseiten mit 20 bisher noch unveröffentlichten Abbildungen auf Lichtdrucktafeln erschienen. Neben wissenschaftlichen Aufsätzen über Entstehung und Geschichte der Darmstädter Hagada finden wir darin auch Verzeichnisse und Abhandlungen über sonstige illustrierte Hagadahandfchriften in öffentlichen Sammlungen, insbesondere italienische, levantimsche, französische, spanische und deutsche Handschriften. Die ganze Ausgabe: ein finniges und wertvolles Pesfachgefchenk für alle Kunstfreunde. Das Hotel Meyer — Villa Bismack — liegt in schönster Lage Neuenahrs, etwa 10 Minuten vom Bahnhof entfernt in nächster Nähe der Brunnen und Kuranlagen und der Sportplätze. Die Verpflegung ist erstllassig, und wird den Verordnungen der Aerzte in weitgehendstem Matze Rechnung getragen. Don Pessach ab steht das Haus unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, Köln. Prospekte gehen jedem aus Wunsch zu.

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