Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1929)
- Date
- 1929-03-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ArmiM Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat April! Wird dies versäumt-, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Die Trauer um Rabbiner Zonas Bondi Vst* Trauerfeier in der Synagoge der Mainzer Israelitischen Religionsgeseüschaft am Sonntag, 24, März. Die Synagoge vollgefüllt, Lichter flackern im abgedunkelten Räum. Männer in tiefem Schwarz Kopf an Kopf. Von den Galerien rundherum schauen die Frauen hinunter. Weihevolle Stille. Jomkippurstimmung! Um 5 Uhr wird das Minchogebet angestimmt und feierlich vorgetragenj. Vor der verwaisten Kanzel ist eine andere ad hoc errichtet und schwarz behängen. Darauf steht jetzt der erste Redner, Herr Rabbiner Dr. Ansbacher, Wiesbaden, der eine Zeitlang den erkrankten Rabbi in Mainz vertreten hatte und jetzt die Feierstunde weihevollen Gedenkens mit dem offiziellen Hefped eröffnet. Anschließend an den, Satz zürn Schluß des zweiten. . Buches nrr n 11221; schilderte er das wandernde Heiligtum in Jonas Bondi V'xt- Alle Geräte des Heiligtumes waren in ihm in idealster Weise vertreten. Sein Herz war ein 021», voller Opferbereitschaft; eine .Wenorah sein geistiges Schaffen, ein Schulchan seine Gastfreundschaft, seine Wohltätigkeit. Aber im Mittelpunkte stand der vnm die Thora und die Liebe zur Thora. Dank sprach der Redner in heißen Worten im Namen der Gemeinde, Dank auch der edlen gleichgearteten Gattin, Mithelferin an seinem großen Werke; zuletzt , auch im Namen der . Freien Bereinigung, der Wiesbadener Schwestergemeinde (die Religionsgesellschast in Wiesbaden war sowohl! bei der Bestattung wie bei der Trauerfeier durch den Vorstand offiziell, vertreten), des Orthodoxen Rabbinerverbandes, des Bi I. Al und der Frankfurter V. j. A. . ' Darauf ergriff der erste Vorsitzende der^Mainzer Israeli t.ischen Rekiigi onsgesellschast, Herr Dr. S ch le s sin ge r, für Vorstand und Gemeinde das Wort zu einer herzlichen Kundgebung der Trauer, der Verehrung und des Dankes. Er erwähnte auch der Orts¬ und Jugendgruppe der. Agudas Jisroel, die im Rabbi ihren Begründer, Leiter und Lehrer verlieren. Mit kraftvollen .Worten schilderte : dann .Herr Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e .E d, Gießen, was ihn mit dem Heimgegangenen Amtsbruder auf dem engen Boden der hessischen Gemeinden wie auf der großen Fläche der jüdischen Organisationen verband. An das rt^u?,i nun rm anknüpfend, betonte er, wie das ganze Leben Bondis d e m nur geweiht war/ 'dem Bleibenden und Seienden, von dem man sagen kann:--Dies i st! Er war ein - nn-> wau p ein Jona, Sohn der WahrhaftvgSeU und Lichtverbreiteb niirr nrr'2.1 run. - Warme Töne schlug Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, an, die den Wegzu den Herzen fanden. Ms man Bondi kurz vor Sabbat still zu Grabe trug, schlossen wir das zweite Buch der Schrift. Das zweite Buch in der Geschichte der Mainzer Israelitischen Religionsgesellschast. sei mit Bondi geschlossen. Das erste war öie Genesis, denn Lehmann V"xr mußte alles erst vom Grund auf schaffen: Bondi, das zweite Buch, konnte schon auf dem gegebenen Boden das Heiligtum errichten und ausbauen. In Anlehnung an die Charakteristik von- Samuel Hakaton im Talmud, schilderte -er die Strenge und die Liebe Bondis. Aller Augen, so heißt es im Talmud, richteten sich auf diesen Samuel, als die Stimme von oben rief: „Einer unter euch verdiene es, Träger der Schechina zu sein!" Aller Augen richteten sich nach Mainz, als es nach dem Ableben von Rektor Dr. Hoffmann galt, einen neuen Vorsitzenden für den Gesetzestreu-en Rabbineroerband zu wählen. Im Namen dieses Rabbineroerbandes wie des G e s e tz e s t r e u e n Gemeindeverbandes in Hessen sprach der Redner letzten Gruß und Dank und schloß mit ein-em prnmi p;n. Herr Lehrer und Kantor A. Oppenheimer erzählte in schlichten, darum nicht minder eindrucksvollen Worten, was Bondi der Schule gewesen ist, seiner Schule, die er als Kind selber besuchte und die er nun vierzig Jahr« lang als Direktor mit der ganzen Liebe seines Herzens leitete. Ein Fest für Lehrer und Schüler war es, so oft der Direktor seine Schuld betrat. Herr Hugo I. Cahn rief seinem Lehrer und Rabbi die Worte nach, mit denen sich Elisa von Elijahu verabschiedete: venai btntzr> 221 '2« 2«. Schule und Synagoge stehen in enger Nachbarschaft nebeneinander, auch im Herzen Rabbiner Bondis hatten Gotteshaus und Schulhaus ihren Platz nebeneinander. •VISV 'TUI IM’p’ DT>2 D’JSVn IV'N' Zweimal sahen wir den Rabbi aus schwerer Krankheit genesen, das dritte Mal führte ihn die Krankheit zum ewigen Leben hinüber. Sein Andenken möge Ansporn sein für jedes Mitglied, in den von ihm gewiesenen- Wegen zu wandeln. Im Namen des Vorstandes der Israelitischen Rekigionsgesellschaft in Bingen, wo Dr. Bondi seit mehreren Jahren das Rabbinat mitverwaltete, sprach Herr Kann Worte des tiefen Dankes. Sodann betrat, in Tallis gehüllt, einen großen Folianten in der Hand, der Kantor und Schachet der Gemeinde, Herr I. Tschorn i tz k i, das Podium, um in klassischem, scharf pointiertem Hebräisch zu erzählen, was Rabbiner Dr. Bondi der Gemeinde, dem Lirvjath Chen-Verein und ihm selbst ge-, wesen ist. Die Weihe und der Klang der heiligen Worte hielten auch diejenigen in Bann, die den vollen Sinn der Rede-nicht verstanden. Als letzter Redner trat Herr Redakteur S. Schach-' nowrtz, Frankfurt a. M. vor, um im Namen des Frankfurter Wekor Chaim Dank zu sagen und letzten Grußzu entsenden dem Meister >ünd'Lehrer, aus dessen Wort zy lauschen uns Jahrzehnte hindurch vergönnt' war. Ein Lehrer Israels war Rabb. Bondi über Gemeinde und Gemeinden hinaus; wie der erste große Mainzer, Rabbenu Gerschom, freilich nach den verkleinerten Maßstäben unserer Zeit gemessen, ein „Licht der Diaspora". Er teilte unter stiller Ergriffenheit der Trauergemeinds mit, daß in.gleicher Stunde auch in Frankfurt, in den Lehrhallen der Jefchiwa, wo der Verstorbene Jahrzehnte Geschichte und Danach unterrichtet hatte, im Anschluß an udas große Verhör eine große Versammlung sich mit den Mainzern in Trauer vereint fühle und sich, aus dem, Munde des Leiters schildern lasse, was Bondi der Jefchiwa und dve jüdischen Gemeinschaft gewesen ist. Redner spricht dann für die Iü di sch - L i tera r i s ch e Gesellschaft, in der er mit den „Jahrbüchern" eine Kanzel der jüdischen Wissenschaft für'Israel aller Zeiten und Länder miLbegründet und seit bald zehn Jahren, seit dem .Tode Vamberg^rs ganz -allein versorgt hatte. Wie die heiligen Buchstaben einer zerrissenen Thorarolle, nach Midrasch, vor Gott treten und weinen, so weinen die' Buchstaben'/ -die Maunskripte in den Mappen der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft auf dem Schreibtisch, des Ra bbi scheinen mit den Worten Jesajas "121 $>pis? '->« -Äiv wer wird uns zählen! wägen und prüfen, um aus uns, den kleinen-.heiligen Bausteinen, den Bau zu fügen. Ein-' poetisches Wort .Bondis iin vierzehnten Jahrbuch, gewidmet seinem Heimgegangenen Freunde, Rabbiner Dr. Bamberger W in Hanau, zitierte -der Redner,.um dieses-Klagewort auf ihn selbst/ den letzten Steuermann. aus dem Kreise der wackeren Männer, die sich seinerzeit um den großen Halevi die Hand zum jüdischen Bunde reich ten, an zu wenden. „Sein Licht wird in den Hallen, wo er gelehrt und in den Büchern, wo jedes Blatt seinen Geist atmet, nicht erloschen fein". Darauf ging man zum Maariwgebete über, dem noch das von Vorbeter und Gemeinde psalmodierte tt6 voranging. Zwischen den Reden trug Herr Kantor %, Oppenheimer überaus stimmungsvoll das v'vnb kV» n vor. Einem alten Mainzer Brauche folgend, setzte sich nach der ersten Rede die ganze Gemeinde zum Zeichen der niederdrückenden Trauer für einige Minuten auf.den Boden. Es war gegen 8 Uhr, als diese ungemein eindrucksvolle Kundgebung zu Ende war. Sie wird historisch bleiben, so wie der Mann, dem sie galt und sein Werk der Geschichte angehören werden. Sie, die Ehrenkundgebung, ist das letzte würdige Schlußblatt im zweiten Buche der Mainzer Israelitischen Religionsgesellschaft. Die Woche Großes Verhör auf der Iefchiwoh. Am Donnerstag begann das große Verhör m den Je schiwo räumen und fand am Sonntag nachmittag mit einer Ansprache des Leiters, Herrn Rabbiner Dr. Jos. Breuer, und einer Gedenkrede auf Rabbiner Dr. Jonas Bondi in Mainz seinen Abschluß. Ausführlicher Bericht auf Seite 4 des Hauptblattes. Schlußfeier und Einführung in der Samson Raphael Hirsch-Schule. Mit der Schlußfeier in der Schule am Mittwoch vormittag war dieses Mal die Einführung des neuen Direktors, Herrn Dr. Elias, verbunden. Mitglieder des Vorstandes, des Gemeinderats, des Schulrates, das gesamte Lehrerkollegium, die abgehenden Schüler und Schülerinnen, sowie eine große Anzahl von geladenen Gästen und Freunden der Schule füllten die Aula bis auf den letzten Platz. Die Feier begann mit einigen Musikstücken unter Mitwirkung von ehemaligen Schülern der Anstalt unter Leitung des Herrn Ne um ann. Darauf hielt eine abgehende Schülerin, Elisabeth Wechsler, eine Abschiedsrede, die in gemeißelten Sätzen und anmutiger Redeweise die Synthese von Thoraglauben und profaner Bildung, wie sie im Schulprogramme verwirklicht und den Schülern als Wehr und Waffe gegen alle Stürme der Zeit fürs Leben gegeben wird, feierte, j Nach weiterem Musikvortrag und einem gut gesprochenem Gedichte (Alice Blumenthal), ergriff der stellvertretende .Direktor/Herr Dr. M. Lange, bas Wort. Anknüpfend an das Jubiläum und die damit verbundene Gründung des „Vereins -ehemaliger Schüler", gab er der Hoffnung Ausdruck, daß der -damals in der Stunde der Begeisterung, gefaßte Beschluß, die Schule zu einer Vollanstalt auszubauen, baldigst durchgeführt wird. Er richtete dann herzliche und überaus eindrucksvolle Worte des Dankes Und des Abschiedes an die ausscheiden-den Herren Direktor Dr. Fink unö'Hrof. Dr. Caro. Insbesondere schilderte er, unter welchen eigenen schwierigen Verhältnissen in der Nachkriegszeit Herr Dir. Dr. Fink sein schweres Amt antrat und wie glänzend er alle an ihn herangetretenen neuen Aufgaben löste. Für ihn, wie für Herrn Pros. Caro, der über vierzig Jahre erfolgreich an der Schule wirkte und jetzt noch -die Leitung der von ihm mit so viel Liebe ausgebauten Bücherei der Schule beibehält, hat er ■ heiße Wünsche weiteren Wohlergehens. Redner gedenkt dann mit Worten der Liebe des -inzwischen verstorbenen verdienstvollen Lehrers Jakob Bendix Das Wort an die abgehenden Schüler und Schülerinnen ertönt mit großer Herzlichkeit in Anknüpfung an . eine Midrafchstelle and daran zeigend, wie die Schule nur den Schlüssel gibt, mit'dem der Jugend, die noch viel an .sich zu arbeiten hat, die Weiterbildung ermöglicht wird: Er begrüßt den neuen Direktor, indem er ihn des Vertrauens des Kollegiums versichert und dankt auch seinerseits den Kollegen Ü:- r-