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Der Israelit · 1929-03-21 · Heft 12 (21.3.1929) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 12 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 2. Nr. 6 Der Israelit 28 i d l i € i* Ganzen spüre, als Glied des Ganzen denke, handle und — leiste. Aber sie ist zugleich mehr als Organisation! Wäre sie nichts Anderes als ein „Verband zur Vertretung praktisch-religiöser Interessen", ein Instrument zur Verwirklichung bestimmter, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Zwecke, dann könnte man zweifeln, ob es sich wirklich lohnt, das Individuum mit seinem unmittelbaren und unabhängigen Verhältnis zur Geistigkeit an ein größeres Ganze zu ketten, das mit seinem Mechanismus die Seele erdrückt, statt sie zu befreien. Weil sie aber der wiederbelebte, lebendige Organismus des jüdischen Volkes ist ,w e n n u n d weil Gottes Thora seine Seele ist, darum wird sie selber zum seelischen Zentrum für alle ihr sich hingebenden Individuen der jüdischen Gesamtheit", darum wird sie auch der Jugend, sofern sie der Agudo Sinn begreift, ja, begreifen will, zu mächtigem Förderer, zum Förderer auch auf dem Gebiete wahrer, jüdischer Seelenpflege. Denn der Einzelne und die Gesamtheit, sie brauchen einander, suchen einander, ergänzen einander. Und gewiß der Einzelne aus dem Kreis unserer Jugend, er braucht den Anschluß an Agudas Jisroel. Unsere Jugend im W e st e ni! Zeitlich und räumlich braucht sie die Bindung an die Gesamtheit von #30 bx-nv! Sie sieht sich einer Kultur gegenüber, ja, sie lebt mitten in einer Kultur, die allem, aber auch allem, was das Judentum fordert, gleichgültig, wenn nicht gar feindselig gegenübersteht. Ihre jüdische Aufgabe in Europa, im Europa des 20. Jahrhunderts, zu erfüllen: Vor großen Schwierigkeiten steht unsere Jugend. Da kommt Agudas Jisroel und lehrt unsre Jugend den Sinn unserer Geschichte, unserer Aufgabe, das Golus zu begreifen und als Erziehungszweck zu bejahen, ja, noch mehr, trägt sie auf ihrem Fittig rückwärts durch die Zeiten bis zum Fuß des Sinai und läßt sie sich von dort Kraft holen, ewige Kraft für den Kampf gegen den Tag mit seiner Lockung und Reizung. Andrerseits nimmt sie unseren jungen, westlichen Menschen, verbindet und verbrüdert ihn mit seinem Altersgenossen im Osten, läßt den Westler die naturhafte Jüdischkeit und ungekünstelte, ganz thoraverwurzelte Lebensbetätigung des Oestlers schauen, verstehen und sinnvoll erfüllen als d i e jüdische Ausgabe und Leistung wiederum! Und der I u g e n< b d e s Ostens, wo oft der Zeitgeist mit ungestümer Gewalt an die Pforte des Cheders pocht, ihr zeigt sie unsere Jugend, unsere thoratreue Jugend, die überwunden, unter Opfern. die Auseinandersetzung mit der Zeitkultur bereits vorgenommen hat und lehrt so den jungen Oestler, am Vorbild und Schicksal des Westens, die neu auf ihn strömenden Gewalten kritisch an den Maßstäben der Ueberlieferung messen Doch nicht nur, daß die Einzelnen einander finden und so sich ergänzen und gegenseitig helfen, — und sie finden sich nur durch Agudas Jisroel — nicht nur deshalb braucht unsere Jugend A. I. — der Einzelne braucht sie, daß er sich selber finde, daß seine ganze Persönlichkeit sich entfalte, zu voller Blüte gelange. Sprechen wir es nur deutlich aus: 'ixvLi 'ix ns ’asjfr wenn der Mensch sich in sich selbst verkapselt, verkrustet und verdorrt er. Es bleibt wahr das uralte Wort: xrvw ->» ix xrrron ix: nur die Gemeinschaft ist das Leben und die Vereinzelung die Vereinsamung, auch die bewußt an!- gestrebte, ist der Tod. Es gilt das Wort: nipi a'znn ^'sx-nip narr die Gemeinschaft zu pflegen, gilt es Opfer zu bringen, um so mehr, als es in den meisten Fällen nur angebliche, eingebildete Opfer sind. Diese jüdische Jugend, die ja doch die unsere ist und bleibt, daß sie die Pflicht zur Gesamtheit, daß sie im- Pflicht als heilige Pflicht spürt, dies wollen und dürfen wir nicht bezweifeln. Sie fragt aber: Was ist die Gesamtheit, wo ist das wahre im? Ihren« Unreifen, ihren Oberflächlichen ist Agudas Jisroel ein Verein, ein Klub, ihren Reiferen eine politische Organisation! Und diese und jene lehnen sie. darum, zunächst wenigstens, ab. Mit jenen braucht Agudas Jisroel sich nicht auseinander zu setzen, sie darf hoffen, daß ihnlen mit den Jahren die Kenntnis und damit die Erkenntnis -kommt; doch diesen, den Reiferen, muß sie klipp und klar, wieder und immer wieder sagen, was für eine Bewandtnis es mit dieser „politischen Organisation der Agudas Jisroel" hat. Wieder und immer wieder muß sie ihnen sagen — ich zitiere nun Jacob Rosenheim, dessen Gedankengänge ich schon oben wiedergegeben habe, wörtlich—: „daß für uns A. I. genau in dem gleichen Sinn eine politische Organisation! ist, wie es auch das jüdische Volk als Ganzes ist, in dem reinen Sinn nämlich, daß Politik die Verwirklichung der höchsten sittlichen und religiösen Ideen im öffentlichen Leben bedeutet." Und sie muß dieser Jugend weiter sagen — und darf erwarten, von ernster und reifer Jugend verstanden zu werden, — „daß für A. I. aus diesem reinen Begriff ihrer politischen Idee ein durchaus eindeutiges Organisationsprinzip folgt, das d i e nun in den Mittelpunkt des öffentlichen jüdischen Lebens stellt und daß, weil andere gerade dieses Organisationsxrinzip -nicht anerkennen und nach anderen, ihm widerstrebenden Grundsätzen den Aufbau der jüdischen Gemeinschaft vollziehen, darum harte Zusammenstöße in diesem Kampfe um die Idee der Wahrheit unvermeidlich nsid." A. I. darf hoffen und erwarten, daß eine ernste und reife Jugend sich mit diesem, ihrem Organisationsprinzip und dem, was sich daraus ergibt, auseinandersetzt, so oder so: „Sei für mich oder fei gegen mich, aber um des Himmels wib len fei nicht neutral!" Und wenn wir auch hoffen möchten, daß die leuchtende Kraft der agudistischen Idee unsere Jugend den richtigen! Weg finden, das einzig wahre Organisationsprinzip begreifen und bejahen läßt cnnnQ mw iixvn aviv^so sei es dennoch ausgesprochen: A. I. muß der Jugend helfen im Suchen nach der Wahrheit, im Ringen um die Wahrheit! Sie muß erzieherische Arbeit, auch am Einzelnen, leisten, dies fordert die Jugend von ihr und diese Forderung ist gutes Recht. A. I. darf es sich nicht daran genügen lassen, das Ziel — die Souveränität der min im Einzel- und Gesamtheitsleben — zu zeigen, darf sich nicht darauf beschränken, dien Weg zum Ziel nur dadurch zu bezeichnen, daß sie die agudistische' Organisation aufbaut, agudistische Politik treibt und a g u - distische Aufgab en erfüllt? Schon! deshalb darf sie sich darauf nicht beschränken, weil das wahre Wesen eines politischen Aktes, der tiefe Sinn einer politischen- Notwendigkeit dem Drauhenstehenden sich nur stlten erschließt' und weil dem outsider oft spezifisch "agudistische Aufgaben als allgemein jüdische erscheinen. A. I. muß, will sie auf die Jugend rechnen, dem Ruf der Jugend feinhörig folgen, und so muß sie sich ein Erziehungsprogramm, das agudistische Crziehungsprogramm — freudig und betont einfügen. Wie dies zu geschehen hat? Auf der letzten Zentralratssitzung hat Dr. Nathan Birnbaum die Linie gezeigt, den Weg gewiesen. Es ist hier nicht Zeit und Ort, ein Breites darüber zu sagen, wie A. I. sich das Aulimprogramm einverleiben, dessen gewaltige, erzieherische Gedanken im Rahmen der Organisation« fruchtbar machen kann. Daß die Irrungen und Wirrungen aus geistigem, die betrüblichen Erscheinungen auf sozialem, die konfusen und oft gewiß unjüdischen Anschauungen auf ästhetischem Gebiet, alles Dinge, die dem, welcher offenen Auges die Zeit betrachtet, nicht verborgen bleiben, daß sie durch eine Hinfführung des Menschen, des jugendlichen zumal, zu den von Birnbaum aufgezeigten Heiligungsformen überwunden werden, zumindest überwunden werden könnten, wer wollte das leugnen. Wer wollte leugnen, daß das Aulimprogramm mit seiner Forderung des Aufstiegs in den drei Heiligungsormen des Erkennens, des Erbarmens, der jüdischen Pracht nixsnni dwiji ^nsnn num^' mit •21. März 1929 seiner Aktivierung des n'D»-Gedankens, mit sei-' nem Verlangen nach gestraffter, rabbinischer Autorität, mit seiner Hoffnung auf die wahre Allgemeinde der ^x-w» daß all diesem mächtigste erzieherische Werte innewohnen; A. I. muß diese Werte für ihre Jugend ausmünzen, trotz aller Wenn und Aber, mit denen man gerade in unseren Kreisen altneuen Ideen gegenüber nicht zu kargen pflegt. Fassen wir nochmals zusammen: Die A. I. kann, unserer Jugend in ihrem Ringen um die Gestaltung der Persönlichkeit zum treuesten Bundesgenossen werden, die Jugend kann andererseits unserer A. I. zu hingebungsvollstem Bekenner werden, wenn die Jugend die Idee der A. I. in ihrer ganzen Tiefe begreift und erlebt ,und wenn andererseits die A. I. das Sehnen der Jugend erspürt und befriedigt. Hier Vertrauen und dort Verstehen, hier die volle Aufgeschlossenheit jugendlicher Herzen und dort die Führer mit der Fähigkeit des wahren 3iv viis begabt», Bedürfnisse zu ahnen, zu stillen, bevor sie Forderungen wurden, fürwahr, ich weih nicht, auf welcher Seite der größere Gewinn läge, genug, beide Teile gewönnen! Großes und Ewiges! W. S. I. Äußerungen führender Persönlichkeiten über das Schulwerk der Agudas Jisroel in Erez Jisroel. VIII. Erez Jisroel, der Stolz unserer Vergangenheit, die Hoffnung unserer Zukunft, hat, für uns gläubige Juden nur Wert als heiliges Land. Um Erez Jisroel feine Heiligkeit zu bewahren, gibt es nur ein Mittel: Echt jüdischen Chinuch. Die Erziehung der Jugend im Geiste von xavbx-nrn einzig und allein ist im Stande, das Land unserer Väter, in dem die die uns durch die Jahrtausende erhalten hat, die der ganzen Welt den Glauben an den einzigen Gott geoffenbart hat, die als Sittengesetz den fortgeschrittensten Völkern um Jahrtausende voraus ist,, ihre Stätte fand, h e i l i g zu erhalten!. Diesem Ziele dient das Schulwerk der Agudas Jisroel in, Palästina, das vorläufig 1500 Schüler und Schülerinnen zu echten amtr erzieht. Erez Jisroel jüdisch zu erhalten, ist Pflichte jedes Nachkommen unserer großen Ahnen, und dies geschieht am sichersten durch Stützung und Förderung dieses Schulwerkes, das großer Summen bedarf und. schwer kämpfen muh. Wer das Schulwerk der Palästina-Zentrale föerdert, bewahrt unser Kleinod, Erez Jisroel, vordem geistigen, und sittlichen Untergang. Wolf P a pp e n h e i m, Wien. IX. Das Agudo-Schulwerk in Palästina ist fürden religiösen Aufbau des heiligen Landes eine Notwendigkeit. Das Ziel muß sein, dessen Zöglinge zu überzeugungstreuen jüdischen Menschen heranzubilden. Pflicht der thoratreuen Judenheit ist es, der Aguda die geeigneten Persönlichkeiten und die finanziellen Möglichkeiten zur Erhaltung und zum Ausbau des Schulwerks zur Verfügung zu stellen. Moses Auerbach, Berlin. x. Die Spende des halben Schekel, zu welcher der erste Adar auffordert, erinnert uns an die Halbheit, die alle unsere Leistungen kennzeichnet. Der Psalmist sagt: der eine Bruder kann nicht: den anderen aüslösen, V'X NIL' NIL x^> nx er muß aufhören zu sein für immer 0^15^» Aber, fügt der Psalmist hinzu, nxaV tu? 'Ni „Er wird dennoch leben ewiglich." Der Psalmist will sagen, daß das Irdische vergänglich und der Vergänglichkeit unrettbar anheim fällt, das Geistige aber lebt ewig fort und reift über allen Wandel des Irdischen erhaben zur Ewigkeit: hinan.

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