Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450559--75828-2533371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
znjuä -ütj'li Samson Rafael Hirsch Vst im Osten. Im Warschauer „Moment" widmet der bekannte jiddische Publizist Hilel Zeitlin dem 40. Todestag von S. R. Hirsch eine Betrachtung, die in einem links gerichteten Blatte, wie es der „Moment" ist, doppeltes Interesse verdient. Wir geben aus der Abhandlung folgendes wieder: - Vor zehn, fünfzehn Jahren wußten nur einige Wenige in Polen, daß in Deutschland einmäl ein großer Jude namens Samson Rafael Hirsch lebte, daß dieser mit großem Erfolg die Reform bekämpfte und in Frankfurt eine sehr fromme Gemeinde gründete, die heute nioch ein Zentrum der Thora und Gottesfurcht ist/ daß dieser Mann außerdem mehrere ausgezeichnete jüdische Schriften in deutscher Sprache verfaßt hat. Heute ist, dank der Annäherung, die die Aguda zwischen Ost und West in die Wege geleitet, dank der modernen religiösen Agitation und-dem Bedürfnis mit einer orthodox-sozialpolitischen Ideologie, einiges aus den Bücheml von Samson Raphael Hirsch in jiddische Spräche übersetzt worden. Man schreibt über ihn und hält Referate, so daß der Name Hirsch immer mehr Popularität in den jüdisch-religiösen Massen Polens gewinnt. Aber selten einer hat das ganze Wesen jenes Frommen, jenes Großen, des Gelehrten und Forschers ersaßt, der S. R. Hirsch hieß. Keiner konnte ihn erfassen,, wer seine Werke nur aus Neugierde öder des ästhetischen Genusses wegen (Hirsch war auch ein größer-Dichter), oder auch nur der orthodoxen" AKation zuliebe) gelesen, der sie nicht helörnt hat, um die W a h r h e i t zu erkennen, sich zu vertiefen in das Grundwesen des Judentums, um zu erkennen das Licht der Thora und den großen Lebensweg Israels, der da geht von, Ewigkeit zu Ewigkeit; um Hellhörig zu werden für die leisesten Töne in den Worten von Moses und der Propheten: um diesen Lebensbaum', in seiner tiefsten Verchurzelung auf sich einwirken, ließ, weiß, daß Äeser- Münn zu den ganz Großen gehörte, von Henssp her Aulmud sagt: „Der Heilige, gelobt sei EDssäh)/daß der Großen nlur wenige sind, darum/iWWstzte er sie einzeln auf alle Geschlechter". Vk'HHöM zu den Auserwählten, die von einer höheren Vorsehung die Aufgabe erhielten, die Welt zu erleuchten, sie zu wecken und zu erheben und damit von seinem Strahlenglanze auch Völkern und. Ländern zukomnien zü'tässent Die. wahre.. Größe von S. R. Hirsch bestand nicht in der einen oder der anderen Tat, sondern, in seiner ganzen geistigen Physionomie. Er ist nicht allein, wie man gemeiniglich glaubt, der Begründer der .deutschen ^Orthodoxie, sondern der Entdecker des götAichesi Lichtes, daß sogar auf HM einfachen Wortsinn der heiligen Lehre , ausgegossen ist, und der bis auf' den tiefsten Grund der Gebote ging, ohne Adabei Mit Zeichen und Deutungen aus der Geheimlehretzu arbeiten. GgH es doch bis S. R? Hixfchäuf/dE einen' S?ite,;die verschlungen^,Wethode der /geheimen" Lehre sind auf der apdetm das trockene Wort, das nicht erwärmte. MzvHcherv: Her.' ^Drusch*-,' der Logiker nicht befriedigte. Kam iHrsch und bewies, daß schon in der philologischen^ Aufklärung des Tenach alle Erklärungen der schriftlichen Lehre in ihren Grundelementen enthalten find. Das Los der Welt zeigte er uns im Zusammenhänge mit dem Lose und Schicksal des Weltvolkes Israel. Ein Gleiches gilt von seiner Behandlung der Mizwaus. Er bewies, daß man, um die Gründe der .Gebote zu begreifen, nicht nötig hat, die oberen Regionen zu besteigen oder umgekehrt sich zu den rein rationalistischen Methoden herabzulassen. Sie werden vielmehr aus und in sich selbst, in ihrem eigenen höheren Lichte, gezeigt und erklärt. Er hat, wenn der moderne Ausdruck erlaubt ist, die „Poesie" der Mizwaus an den Tag gefördert. Aber es ist dies ungleich mehr, als das, was wir mit „Poesie" bezeichnen. Es schließt wohl auch die Poesie m> sich ein, aber sie bildet nur einen kleinen Bestandteil in seinem Schaffen. Rabbi Jehuda Halevi war gewiß ein großer Poet, wollte aber jemand sagen, sein Kusari sei ein Dichterwerk nur, so würde er sich auf Irrwegen befinden. Die Gottesforschung, die Jehuda Halevi im Kusari unternimmt, ist hocherhaben über Poesie. So bei S. R. Hirsch. Gewiß atwen seine 19 Brifee, sein Chaurew, die vielen! Abhandlungen im Jeschurun Poesie. Der innere und tiefere Gehalt seines Schaffens ist aber die höhere Wahrheit, erhaben über jeder Richtung und Dichtung. Es ist nur tief zu bedauern, daß die wenigen jüdischen Uebersetzungen der Hirschwerke auf Bestellung angefertigt sind, von Leuten ohne die nötigen Kenntnisse, ohne die literarische Qualifikation, ohne den dichterischen Odem und das religiöse Pathos, das man besitzen muß, um Hirsch zu vermitteln. Vielleicht bringt uns die vierzigste Jahrzeit den berufenen Interpreten der Hirschgedanken.. Es wäre gerade an der Zeit, daß die jüdische Welt im Osten eine komplette und geeignete Hirsch-Ausgabe sowohl in Hebräisch, wie in Jiddisch,'erhält. Die Woche. Schlutzfeier der Samson.Raphael Httisch-Schule. | /.Die Schlußfeier der Samson Raphel Hirsch-^chülje findet am Mittwoch, den 27:r März, 1E30 Uhr Är-'dej: Aüla der Schule statt. Gleichzeitig wird- Herr Studiendirektor Dr. M. "Mas in feSfi. neues Amt eUgtzführi. Die Eltern, der Schüler und Schülevknäen tin# dÜe Freunde der AnWt sind zu dieser Fei-eü'eingeladen. Vereinigung von Schülern und Schülerinnen her Samson Raphael Hirsch-Schule. Die geplante Abendunterhaldung für Mitglieder/ deren Angehörige und alle Freunde der Schule findet nunmehr endgültig am 2. April, abends 8.15 Uhr, ütn Großen Saal« des Zoologischen Gartens statt. Im MüelpuM " der Feier wird eine Rede des Herrn- Hermann S ch.w a b - Halberstadt stehen. Karten a I.Mk. (für Mtglieder unter 20 Jahren zu 50 Psg.) bei Herrn Ludwig- Strauß; Sandweg 3. Die zahlreichen, bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit. Es empfiehlt sich, frühzeitige Bestellung, auch von ganzen Tischen (zu 8 Plätzen). ' ' Gedenkfeier für Isidor Mendel / r Eine stille Feierstunde ehrenden Gedenkens! vereinigte am-Freitag vormittag Mitglieder des Aufsichtsrates, Mitarbeiter, das technische und kaufmännische Personal' dev Hormon-Betriebe, wie mehrere Freunde in der Wirkungsstätte Mendels, in den Räumen her Druckerei, Schützenstraße. Als erster ergriff Herr Jacob R osen - heim das Wort und schilderte/anknüpfend an die gro-' ßen.Werkmeister -des Heiligtums in den laufenden Wochenabschnitten, Wesen und Charakter Mendels, der, eist Berufener, mit so viel glühender, aufopfernder Liebe seinem Werke ergeben war. Als Mensch in seinen menschlichen Cigenschaftew und -als Meister in seinem Fache, als. treuen Wächter der ihm anvertrauten- Aufgaben, sahen wir unfern Mendel noch einmal an unserem Geist-esauge oorübreziehen. Redner schloß mit ergreifenden Worten der Teilnahme und mit Segenswünschen für Gattin und Kind. Darauf sprach Herr Redakteur S, Schachnowitz und dankte dem Freund und Mithelfer, für alles was er ihm und feinem geistigen Schaffen gewesen ist und geleistet hat. Es war keine Freundschaft, die sich in schönen, schalen Worten -äußert, eine Freundschaft, die zuweilen zu Meinungsverschiedenheiten führen konnte, -aber immer im Sachlichen produktiv blieb; im Sachlichen und im Seelischen verankert war. Seine kurze Rede schloß mit einem Dichterworte zum liebenden Gedenken. Ein Freund und Heimatgenosse, Herr Tischler, verlas ein Gedicht, das er dem Heimgegangenen gewidmet hatte, und Herr Werder von der Setzerei sprach eindrucksvolle Worte der Verehrung und des Dankes im Namen der Setzer und Drucker. Damit hatte die in ihrer Schlichtheit doppelt ergreifende Feier ihr Ende erreicht. Frau Recha Schwarzschild rry- Still wie sie gelebt, ging Frau Recha Schwarzschild, geb. Goldschmidt von dannen, heitzbeweint von Mann, Kindern und Schwestern, denen sich ein großer Kreis von Verwandten und Freunden in Trauer verbunden fühlte. Eine Tochter von Selig Goldschmidt Hatte sie an der Seite ihres Gatten des, Herrn Alfred Schwarzschild, all die Traditionen, den Geistes- und Gesinnungsadel des elterlichen Hauses im eigenen Heime treulich gehütet. Liebe und Güte, stille Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit waren die Grundmerkmale ihres Wesens. Mit einem Herzen voll glühender Liebe ftanh sie ihr Lebenlang zu Gatten Kindern und Geschwistern-. Aus einem friedlichen Leben schlummerte sie in den ewigen Frieden hinüber. Wir werden ihr ein liebes Gedenken bewahren. n"axwi Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes teilt mit, daß im zweiten Teil des von ihr veranstalteten Puvimf-estes am 27. März in allen Räumen der Frankfurt-Loge Eschersheimerlandstr. 27 die bekannte Kapelle „The Shoking Boys", Heinz Cichmann spielen wird. Den ersten Teil bildet -ein von Herrn Hanns Benario verfaßtes Festspiel. Für die Pausen sind hübsche Ueb-erraschungen vorgesehen. Einige wenige Karten a 3 Mk. sind noch in der Gefchästssielle Langestr. 30, Zimmer 11, vormittags 10—12.30 Uhr-zu haben-. Außerdem teilt die Ortsgruppe Frankfurt a. M. mit, daß am Samstag den 22. März, abends 8.30 Uhr Frau Grete Bial, Breslau, über: „Die Arbeit des Jüdischen Frauenbundes" spricht. Ortsgruppe Frankfurt des Angeskeltte'nbundes >n „Agudas Iisroel". Axn Montag Abend fand die konstituierende Mtgjfiederversammlung der Ortsgruppe Frankfurt, -des Angeftetmmmntoes statt.. Der Borsrtzenbe des pö-fbeveitenben Komitees begrüßte die sehr-zahlreich Ersch-i-enMn und erstattete Bericht über die' Tätigkeit des Komitees, indem er i-nsb-esond-erk: drei Arbeitsgebiete äüsfühbsich besprach: StellenvermitHung, Rechtsberatung und Angestelltenfürsortze. Die sich daran knüpfende Diskussion, in der nur Fragen der praktischen Arbeit, wie Erwerbslosenfürsorge, Einrichtung von Fortbildungskursen usro. behandelt wurden, gestaltete sich' durchaus lebhaft. Es beteiligtensich an . ihr die Herren Deutsch, Frank, Löwenthal, Ullmann W-acht-sVkönig, Well und Feuchtrvan-ger. - Schließlich wurde zur Wahl des .Vorstandes.geschritten. 'Es wurden per Akklama-tzM die Herren: Joseph Feuchtwanger, -Hermann Hbrs-Werg, Albert Salzmann, Nathan Weiß, Emanuel Wolf und die Damen Tekla Lang und Fanni Werthan gewählt. Wiesbaden nicht antisemitisch.. Herr Robert Rücke-rsberg, Besitzer des Hotel Kronprinz schreibt uns: In einer Notiz des „Israelit" unter der Ueberschrift: „Eine Warnung an Wiesbaden-" wird über nationalsozialistische Einstellungvon Wiesbaden berichtet/was nicht den Tatsachen entspricht. Der gesamte Kurbetrieb hat mit antisemitischer, .Tendenz nichts zu tun-und ist bisher von keinem der jüdischen- Gäste auch nur einmal eine Belästigung, fest-gestellt worden. Sämtliche Hotess und Wirtschaftskreise lehnen jede noch so geartete politische. Einmischung in das Kurleben, ab Und erklären, daß Wiesbaden in jeder Weise international eingestellt war und auch heute noch ist, wo jeder Gast, ganz gleich welcher Nationalität oder Konfession, den Platz der Erholung findet, den. er sucht. Die nationalsozialistische Bewegung ist hier nicht größer wie an anderen Plätzen Deutschlands und gibt absolut keinen- Anlaß, Wiesbaden zu meiden.