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Der Israelit · 1929-03-21 · Heft 12 (21.3.1929) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 12 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 12 Der Israelit Stau Jelchett Mrg c Am Sonntag, den 5. 'Mar, verstarb im 86. Lebensjahre 'Frau Teichen V ll rg^ geh. Stern.'' Sks sküttmte aus altangefehener FartWe Westfalens' und führte' ein sehr gutes jüdisches Haus. '« .fix» Agudas Iisroel-Jugend- und Mädchen-Gruppe. Die A. I. Jugend- und Mädchengruppe veranstaltet am iviv Mittwoch den 27. Mar;, abends 8 Uhr, in den Räumen des Cafes Faßbender, Schillerftr., eine fidele Purim-Feier, Es besteht „Kap^n"-Zwang für jeden männlichen und weiblichen Teilnehmer; auch sonnige Verkappungen, Typisierungen, Einfälle und Schnurren werden freudrgst ausgenommen. Für Ueberraschungen aller Art ist gesorgt. Den individuellen Humor, birte, nicht in der Schublade lassen. Komische Gäste von allen Richtungen herzlichst willkommen. Vortrag in der Agudas Iisroel-Iugendgruppe. Am Montag den 8. April spricht aus Veranlassung der Agudas JisroesiJugendgruppe Herr Uri-el Birnbaum, Wien, über das Thema: „Dichtung, Kunst und Religion". Näheres wikd noch bekanntgiegeben. . ° Es wird nochmals auf die vom 30. März bis 1. April ftattsindende Bezlrkstagüng -in KölnveMesen. Interessenten" wolsen sich unverzüglich noch chchm BorsMch 'jWoen." Auskunfterteilt Herr Rechtsanwalt Martin' Äatz. Megillath Esther-Vorträge. Im M -e k o r (t h a ji m (Langestr. 18) setzt S o n n - tag nachm. 6.30 Uhr, Herr sl>r>S. Ehr mann feine Vorträge über Megklath Esther 'fort. Im Li'wjath Chen spricht am Samstag nachm, narb Mincho 4.45 Uhr (Hörsaal Fr-iebbergsr Anlage) Herr Redakteur S. Schachnom-itz^über „Typen und Motive aus dem Estherbuche". 'Gaste willkommen. ' '' Verein Polnisch-jüdischer Studierender. Am Sonntag den 10. März fand die ordentliche Generätve rsammlung des Vereins statt. Herr P. Möllmann eröffnete die Versammlung und erstattete Bericht über did bisherige Tätigkeit des Vereins. Alsdann "hielt Herr Sch. Rofenblürn ein ausführliches ' Restrat ' über „Met und Zweck der Vereinigung", •än das sich ‘<&n& überaus" anrd-' Htznde Diskussion anknüpfte, t^s würde u. a. Ae Gründung Meier' Kommissionen für Billdüng und soziale Zwecke beschlossen^ In den neuen Vorstand würden did Herren SM' Rvsenblüin, I. Ländaü, P. Wollmann, Sch. Zvotnrcki, I?' Brandrys äewählt. Me Geschäftssührüng" d^s Beremö befindet sichln "Händen des Schriftführers Herrn P.' ÄSollMann Fräükfurt M., Jul. Heymannftr. i; ' Purim im 3. L. B. Der Jüdische Turnerbund lädt seine. Mitglieder zu seinem Pürimfeste 'mit einem „Zahlungsbefehl" ein. Der Besetzt muß am Samstag den 28. März, 8.30 Uhr abds., zür ÄUSsüHMrg DjelangM. Gezahlt rvird außer einer Mark in Reichswährung 'ML MmüflichMt und' Frohsinn? Alles ändere^ ergibt sich von selbst.' ' Die Lage der sabbathaltenden Arbeitnehmerschaft. In den-Räumest der SuppsnÄnstalt Theobaldstraße 2 findet atn Sonntag den 24? März, abends 8.30 Uhr, die erste öffentliche Kundgebung ' des AngestelltLN-Bündes „Agudas Jisroel" statt. Me Herren Hartog Hartogs o h n - Köln und David U l l m a n n referieren Wer „Die Lage der sabbachaltend'en Arbeitnehmerschaft". Gäste, Damen und Herren^ willkommen. Jubiläum des Verbandes jüdischer Jugendvereine. Der Hessische Land e s oe r banb im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands und der Verein Montefiore E. V. Frankfurt'a. M. veranstalten am Sonntag den 24. März, 11 Uhr, in der Frankfurt-Loge eine akademische Feier anläßlich dse 20jährigen Bestehens des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, in der neben musikalischer Einleitung Dr. Gustav Löffler über „Deutscher' Juden Herkunft", Ernst G l a ef e r (Autor von Jahrg. 1902) über „Deutscher Jugend Zukunft", Jakäb Jacob s'Wer „Jüdischer Jugend Aufgabe sprechen werden. Einzelheiten sowie- Voroerkaussstellen siehe AnschlagsäWen. ' Wohltätigkeitsfest des Esras Roschim. Am Sonntag'den 17. März Veranstaltest der oMdische Frauenverein' „EsrÜs NoMm"' ist' den SMen des Bolksbildüngsh-eims Äst W ä h f tö t ig k' ie ttsfest - zu Güststen einer Pesfüchaktion für Arme und Bedürftige. "Der Rührigkeit des arheitsfreudrgen Vorstandes ist es zuzuschrelben, daß der Abend sowohlinmaterieller wie in kunstlerstcher Hinsicht'eistest Crfblg gebrächt hast, der über allen Erwartungen 'steht'. Die zur Aufführunggelangte Operette von A. Goldfäden: „Die Zauberin'Bube Jachste"? unter der gediegenen und bewährten 'Leitung des Herrn Frommer, hat den-überaus zahlreich erscUenenen Gästen genußreiche Stunden geboten. HM Schwärz aus Würzbürg in' seiner Rolle äls-'ZaWerist hat glänzend gespiÄt.' So auch FE Rose nfe kd e'v als Mistest ustd -FE Manja Glußmann, Jazmech der Dorfhaufierer \(SB ’ Glüßmänn), Frau Borufka, Herr Rosenbaum 'als Bräutigam, dst' Brüdsr Stäszewski. Auch alle 'andere'n"M-ltwirkeNdsst' hüben ihre Rollen auch fefyr gut -gespielti Jm^ Gänzen - war der; Cmdrück' eist seht guter i und man -muß für - die Leistungen" der dramatischen Sektion des „Scholem Akeichem-Klubs" das gebührende Lob ausfp'rechen? 'Frau Salla Zanger hat'in ihrer «istiksttendön-'ReMMon auch diesmal ein künstlerisches 3Älestt'Meigt. - ' "" Bei den Gästen sah man vergnügte und zufriedene Gesichter. Es war wirklich ein echt ostjüdifcher gemütlicher Abend, der zugleich einen bedieutendest Reinertrag eingebracht hat, der manche Not ^lindern wird. ' Dem ' Ostjüdischen Frauenoerein Esras Rofchim gebührt für seine mühevollen Leistungen Lob und Anerkennung. Rowa. Pürimwunsch. Liebe Jugend! Ihr habt gewiß schon von dem „Deutsch-Israel. Kinderheim" in Diez gehört und zu Chanuckah und Purim Sammlungen für dasselbe veranstaltet; aber nur wenige von Euch oder vielleicht niemand fand bisher Gelegenheit, das Heim selbst und die kleinen Insassen kennen zu lernen. Darum soll Euch heute erzählt werden, auf welche Weise die Kinder unserer Volksschule mit Zöglingen des Diezer Heimes zusammenkamen. Wie alljährlich veranstalteten auch im vorigen Jahre unsere Schulkinder eine Purimsammlung zu Gunsten von Diez. Da wurde von einer Seite der Vorschlag gemacht, das gesammelte Geld dazu zu verwenden, den Kindern des Diezer Heimes ein recht großes Purimvaket mit sogenanntem „Schlach-Monaus" zu senden. Gesagt, getan! Schon am anderen Tage wurde' ein Liebesgabrpaket mit ei-em herzlich gehaltenen Brief, unterschrieben von allen Kindern unserer Schule, Welch große Freude das Paket bei' den Zönlinaen hervorrisf, bewies uns einige Tage später das Schreiben, das wir aus Diez erhielten. Al'.e 24 Kinder sch neben uns und dankten in herzlichen Worten für die Leckereien; selbst der jüngste von 6 Jahren drückt uns seine Anerkennung aus. In mehrrreren Briefen wurden unsere Kinder emgladen, .im Lause des Sommers dem Diezer Heim einen Besuch abzustaiten. Da wir schon immer das. untere Lahntal kennen lernen wollten, machten wir im verflossenen Sommer unseren Auslfug nach Limburg und Diez, um gleichzeitig das Heim zu besuchen. Bei unserer Ankunst in D'ez — Es waren auch einzelne Mütter der Kinder mitgefahren — wurden wir von Herrn Direktor K a d d e n und seiner Gattin aufs herzlichste empfangen. Ganz überrascht waren wir von der schönen Lage der Anstalt, dicht am Walde umgeben von gut gepflegten Garten. Die Jnnenräume sind groß und luftig, und überall herrscht eine mustergültige Ordnung. Von ben verschiedenen Zi-nmern hat man e'ne herrliche * Aussicht in ' das Lahntal. Am besten gefiel uns die schöne, zur Andacht stimmende kleine Synagoge im Hause, in der täglich Gottesdienst stattfindet. Inzwischen war es Mistag geworden, und die Heimkinder kamen aus der Schule. Welch eine Freuds für sie, als sie den unerwarteten Besuch der Marburger Kinder sahen Durch den vöraUsgegangenen Briefwechsel kannten'-sich die Kinder schon mit Namen und 'waren überglücklich, sich jetzt persönlich gegenüber zu' stehen. Zuerst -noch estoas schüchtern, aber - nach einiger Zeit' schon vtzriraUtei, entstand bald ein lebhäster „Gedankenaustausch" zwischen den Kindern. Einer überbot den anderen an Liebenswürdigkeit, sich für unsere Aufmerksamkeit dankbar -zu zeigen. Die Knaben des Heimes erwiesen sich besonders galant zu unseren -Madels, führten sie in den' Garten, zeigten ihnen den Turn- und Sportplatz, aus dem die schönsten Spiele ausgeführt wurden. Bald sollten wir auch erfahren, daß man im Diezer Heim die schönste Tugend der Juden, die Gastfreundlichkeit, zu pflegen weiß. Herr Kadden hatte gewiß seiner Gattin — gleich unserem Stammvater Abraham — zugerusen: ,01-5 'pyi ’pyi nVo nap n^so wbv nnn nimm drei Maß seines Mehl und backe Kuchen. Wäre Herr Kadden ein Herdenbesitzer gewesen, so hätte er gewiß ein „fettes Rind" geschlachtet und uns auch einen Braten vorgesetzt. Ob wir wollten oder nicht, wir mußten uns an die mit Blumen geschmückte Kaffeetafel setzen, und unsere Kinder ließen sich den Kuchen gut schmecken, besonders nach - der vorausgegangenen Wanderung von Limburg nach Diez. Nach der Bewirtung durften wir onch einmal in den Garten; hier konnten wir uns davon überzeugen, wie die Anstaltsleitung unter Mitarbesi der Schüler den größten Teil der Gemüse für den eigenen Gebrauch selbst anbaut. Nicht zu vergessen ist auch die schöne geräumige Sukkoh, die uns gezeigt wurde und die für alle Hausbewohner ausreicht. - Inzwischen war die Zeit gekommen, daß wir uns zum Abschiednehmen rüsteten. „Ach, wie schade!" erscholl es aus aller Munde! In einer kurzen Ansprache dankten wir den verehrten Gastgebern und gaben das Versprechen, der Anstalt weiterhin ein treuer Gönner zu bleiben und äußerten den Wunsch, im nächsten Jahre die Diezer Kinder bei uns in Marburg zu begrüßen. Als Abschiedsgruß wurden unseren Kindern Blumen überreicht, und der Anstaltsleiter gab seiner FreUde über unseren Besuch Ausdruck. Sei es doch die erste jüdische Schule, die das Heim mit einem Besuch erfreut habe. Mit diesem Bericht wende ich mich auf Wunsch der Leitung des-Heimes an Euch, liebe Jugend. Und wenn Ihr hierdurch angeregt werdet, zu Purim recht fleißig für das Diezer Heim zu sammeln — höre ich doch, daß die Ergebnisse der Sammlungen immerkleiner werden, — so würde ich mich freuen - und' Diez noch mehr. Ihr tragt dann dazu bei, daß es der Leitung ermöglicht wird, die Zöglinge zu treuen Juden und tüchtigen Manschen, die im. Leben ihren Mann -stellen, zu erziehen. Marburg-Lahn, Räusch-Ehaudesch Adar . 2. S. Pfifferling. Marz 192$ DM tHehDreupM"""? Von Eugen Tischler-Grabow. Freund warst Du mir Von der "Stunde, Da ich in Dein, Du, in mein Leben tratst. Heimatsklänge! Heimatserinnerungen! Sie waren die Bindung, Die uns zusammenführte. ■ •. Bindungen! die stärker ' Als sogenannte Freundschaft. Sie tfielten uns zusammen Bis an Dein Enoe! Nicht nur geschäftlich Hast Du mich verstanden! Nein! Dü gingst ' mit mir Auch geistig mit! Und manche freie Stunde Hast Du mir gewidmet. Bist mit mir gegangen Meinen geistigen'-FlugV Und manches Wort, Das meine- Arbeiten urchsetzt, es ist von ir prägnanter gestaltet. Nun teurer Freund! Ruhe in Frieden'! Eöstü Dir' die ' Ruhe, DÄ -Du?" Rastloser, ' * Für Deinen Beruf, Nie hast finden wollen, Nie hast finden können. Frankfurt a. M., den 11. 3. 29. HMsM 'Mälfff? 'GÄr'MfHl'-PÄrMn-kirch e ü-, öähMfches- 'Hochge-birtzie, M 'durch Anba,u Äöveü» t-end ver-größert wordE' - Jedes Zimmer ist'mit Deß«ndem kalten-' und warmen Waffep, ZentralihsiAung und Balkon versehen. Eröffnung Anfang Juni. - ''BesielluW^ü'- 'tzür''WtE^ndnW'''p'ön Schkichm'oüairSkartdrrt w-Miche noch -an- Puvnnoi-tbSe' aNg«-g>eh>enen Adressen zug-eftellt werdenf können bis Purim, 4 Ühr nachm, erf-o-lgen, -und zwar-unter Tel. Carolus 46 962. Palästina-Zentrale -der- Agudas Jisroel. Meine Freundin auf dem Kasernenhofe. Ich hübe eine Freüridin, ich gestehe es freimütig; sie ist mir sehr lieb und besonders wert; denn ich habe sie von meinen Eltern geerbt. Sie ist nun schon mehr als 90 Jahre alt, doch die Treue zu -unserem Hause ist immer fester. geworden, je wackliger die gute Dame selbst wird. Zu den Festtagen ist sie stets unser Gast, und so kann es geschehen, daß man mich an Seder- und anderen Festabenden nach Mitternacht mit ei-ner Dame am Arm durchs Ostend gehen sieht. Jetzt, wo der Purim naht, denke ich anein drolliges Erlebnis nach -einer späten Purim-Sudoh. Es war in der Kriegszeit. Im Ostend war die sogenannte Flak untergebracht, die Fliegerabwehr-Kompanie. Ich ging mit meiner, damals erst 80jährigen Freundin an promenierenden Soldaten vorbei, ihrer Wohnung zu und nahm vor ihrem Hause 'erleichtert Abschied. Doch, kaum rvar ich ein paar Schritte gegangen, als ich trostlose Hilferufe: „Herr Meier, Herr Meier!" vernahm. Welcher Schreck! Meine Schutzbefohlene hatte ihr Tuch oerloron, ihr unschätzbar wertvolles Tuch! Wenn ich dem Purim-Wein etwas zu reichlich zugesprochen hatte, so fand ich jetzt Zeit, mich abzukühlen, denn ich mußte nun den ganzen Weg nochmals suche-nö zurücklegen. Wie- Joseph auf der Suche nach seinen Brüdern, so fva-gten wir jeden VorWergehendon nach dein verlorenen Tuch. Doch alles Spähen und Fragen war vergebens, nur Hieß es eini-gemale, ein Soldat habe es auf-gehoben. Die Purim-Stimmung meiner Freundinwar verflogen; traurig stieg sie ihre Treppe hinauf. « . Der andere Morgen sah mich in Erfüllung meiner Freundespflicht beim Feld'webel, einer sonst gefürchteten Persönlichkeit. Er versprach, beim Appell die Truppe nach dem Tuch zu fragen, -erzählte mir auch, daß -die traurige Verliere rin ihm schonrecht wortreich ihr Leid geklagt hatte. Zur Appell-Zeit stand ich am Eingang des Kasernenhofes. - ■ Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich mitten auf dem weiten Platze, nebien dem strammen Feldwebel, umgeben von gerüsteten Soldaten, meine alte Begleiterin bemerkte, die selbst gekommenwar, um bei der Untersuchung des Falles Zsug-e zu sein. , " / . Unberührt von den spöttischen Blicken der Soldaten hielt sie -tapfer stand. Die Nachforschung war Vergeblich. Das Tuch b-lieb verschwunden. -Vielleicht' auch ein Opfer des Kri-eges! Wohl'verschaffte ich'-der guten Alten ein neues Tuch. Aber es konnte ihr den Verlust nicht ersetzen, den sie heute noch betla-g-t. Gott gebe ihr noch viel wettere Zeit dazu!

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