Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6, Nr. 12 . _ ValSstina. Grausame Verfolgung der Juden in Jemen. Jerusalem, 7. März. Aus der südarabischen Halb-ivsel Jemen Hut sich das dort seit. langem geübte grausame System der Verfolgung der Juden in der ätzten Zeit nach verschärft. Die Araber bemächtigen sich mit Gewalt der jüdischen Waisenkinder und führen ihre Bekehrung zum Islam durch. Wenn jüdische Personen in solchen Angelegenheiten intervenieren, 'werden sieverhaftet und in den Gefängnissen grausam mißhandelt. Wenn Juden das Land verlassen, dürfen sie ihre Häuser und Habseligkeiten nicht an andere verkaufen, sondern das Vermögen der Emigranten wird von den Behörden beschlagnahmt. Der Konflikt in Tel Chai. Jerusalem, 7. März. Aehnlich wie vor kurzem in Chedera haben nun auch Beduinen in der Nähe der Mischen Kolonien Tel Chai, bei deren Verteidigung bekanntlich Trumpeldor und seine Kameraden seinerzeit gefallen sind, versucht, die jüdischen Kolonisten von Tel Chai, die mit der Bearbeitung des Bodens beschäftigt waren, von diesem Boden zu vertreiben. Es handelt sich um die Beduinen des Dorfes Halse h/ denen erlaubt worden war, ihre Schafe auf einem Teil des Del Chai-Bodens zu weiden, und die nun behaupten, ein Dokument zu besitzen, das ihnen erlaubt, überall in diesem ganzen Gebiete ihre Schafherden weiden zu lassen. Die Palästina-Regierung hat nun, ähnlich wie beim Chedera-Konflikt, Order gegeben, daß beide Parteien, Juden wie Araber, es solange unterlassen sollen, den strittigen Boden zu bebauen, bis die Besitzverhältnisse zweifelsfrei festgesetzt worden sind. Die Landwirte von Chedera haben inzwischen an den High Commissioner ein Memorandum gerichtet und darin über den Hergang der Dorfälle berichtet China Jüdische Gemeinden im fernen Osten. Shanghai, 3. März. Die jüdischen Gemeinden im Fernen Osten befinden sich noch im Stadium der Entwicklung, befestigen sich aber immer mehr. In Tientsin, wo dte jüdische Gemeinde im steten Wachsen begriffen ist, wurden ein jüdischer dramatischer Klub und ein Kulturklub gebildet. Auch die jüdischen Gemeinden in Südchina wie z. B. iix Kanton, Nanking, Chan kau usw. vergrößern sich durch Zuwanderung sehr stark. Die meisten Juden in diesen Provinzen haben sich als Uhrmacher, Juweliere, Musiker, Friseure etabliert, ein Teil besaht sich mit Handel. In allen I größeren Ltädten Südchmas gibt es jetzt Kolonien russischer Juden. Personalien. Miltenberg, 13. März. Ein Mann von seltenen Charaktereigenschaften hat am mjr. .einen Tag vor seinem achtzigsten Geburtstage, feine edle Seele ausgehaucht: Herz Löb Rofenstock. Bon nah und fern war man herbeigeeilt, ihm das letzte Geleite zu geben, und mit Recht konnte Herr Rabbiner Dr. Breuer-Aschaffenburg in seinem zwar in Anbetracht des kurzen, aber inhaltsreichen Nachrufe vor dem Trauerhause betonen, daß mit ihm einer von den Jehudim allen Schlages, aus unserer Mitte gegangen sei, wie man sie heute leider nicht allzuoft anlrifft. - Tiefinnerliche Frömmigkeit, 'unbedingte Redlichkeit und Ehrlichkeit in Handel und Wandel seien ihm zu eigen gewesen und er, der es verstanden habe, fein Stehen erfolgreich zu gestalten, habe niemals oergesjen, daß o-sn n-rr -naV tn n bv rrl> daß nicht der Erwerb von Gütern allein den Zweck des Lebensausmache. — Der Verstorbene wurde auf feinen Wunsch in seiner Familiengrabstätte in Reistenhausen beigesetzt. Die Bewohner sämtlicher Ortschaften^ in welchen er gelebt und gestrebt halte, waren beim Passieren dss Leichenzuges sichtlich von tiefster Trauer erfüllt, ein Beweis, welch hohen Ansehens er sich bei Juden und Nichtjuden erfreute. Am -op sprach Herr Lehrer Heß- Berlin. Im Tiergartenhof veranstaltete dek „Hilssverein der deutschen Juden" eine große Kundgebung für seine Wohllällgkcilszweste. — Kammergekichtsrat Leo Wolfs, früher erster, jetzt Vizepräsident der Jüdischen Gemeinde in Berlin und Präsident des Preußischen Landesverbandes, ist beim Ueberschreiten der Straße von einem Auto überfahren und so schwer verletzt worden, daß er in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus gebracht wurde. — Alle größeren jüdischen Institutionen. insbesondere auch die Jüdische Altershilfe Groß-Berlin, veranstalten große Feierlichkeiten ' zu Ehren Albert Einsteins aus Anlaß feines 50jährigen Geburtstages. Die zionistische „Rundschau" hat ihm eine Sondernummer gewidmet, in der besonders sein Verhältnis zum Zionismus und seine Mitarbeit in der Organisation nach allen Seiten beleuchtet wird. — Die am 10. März in Berlin stailgefündene La n de s v e rsa mm lu n g des Keren Hajessod befaßte sich in der Hauptsache mit der Erweiterung der Je wish Agenc y und wählte ein neues Präsidium, dem u.a. an gehören: Dir. Oskar Wassermann, Generalkonsul Eugen Landau, Kurt Blumenfeld, Rabbiner Dr. Beck, Dr. A. Barth, Dr. Bernhard Kahn, Fritz Sondheimer, Frankfurt a. M. München. Im bayrischen Landtage forderte der Nationalsozialist Dr. B u ttm a nn den Numerus c la usus für jüdische Studierende in Bayern. Der Sozialist Dr. Höriger führte Klage über das Ueb>erhandnehmen des Antisemitismus au den bayrischen Hochschulen, wovon auch der beschämende Antrag Buttmanns zeuge. — Dr. E ck e ner, der auf Einladung der Stadt zu einem Besuch in München war, erklärte in einem Vortrag, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin" seine Orientfahrt voraussichtlich am 24. März an treten wird; wenn möglich, wird tn Palästina eine Landung vorgenommen werden. Darmsiadk. In der Sitzung des Hessischen Landtages wurden Zuschüsse für die Synagogengemeinden a b g e l e h n t. Der Staatspräsident gab der Hoffnung Ausdruck, daß in Zukunft bei Regelung der Verhältnisse zwischen Staat und Kirche, auch -die israelitischen Wunsche mehr Berücksichtigung finden werden. London. Auf eine Anftage von Cloone! Wedgwood über die Angelegenheit von Chedera, wo Beduinen sich eines von den Juden bereits vor 30 Jahren erworbenen Bodens bemächtigt haben, erwiderte Kolonienminister A m e x t) int Unterhaus, er habe den Oberkommiffar um einen Bericht ersucht. Stockholm. Prinz Karl von Schweden, der Präsident des schwedischen Roten Kreuzes, hat Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis eine grö ßer e Spende für das jüdische Hilfswerk in der Ukraine überreicht, mit einem Schreiben ,in dem er teilnehmende Worbe für die jüdische Not im Osten hat. Jerusalem. Sowohl das Oberrabbinat von Kuck und Jacob Meier wie Rabbi Chajim S o nne n feld erlassen Ausrufe für die Versorgung der ru s sis che n I u den mi t Mazz o t h. Die Hilfsaktion ist in vollem Gange. — In einme Jerusalemer Privathaus in der Nähe - des Dempetberges wurden mittelalterliche Inschriften entdeckt, und zwar eine Namensliste von Juden, die nach Jerusalem pil-gerteit. — Das oberste Gericht Palästinas befaßte sich dieser Tage mit der Frage, ob Telegramme in hebräischen Lettern zulässig seien. Ein Tel- Awiwer Telegraphenamt hatte hebräische Telegramme zuruckgewiesen. Der jüdische Anwalt stellte des als eine Verletzung der Gleichberechtigung hin, zumal a r a b i f ch e Schrift anstandslos angenommen werde. Das Urteil, auf das man sehr gespannt ist, wird dieser Tage verkündet werden. — Herr Aron Rosen selb in Haifa wurde zum belgischen Vizekonsul von Palästina ernannt. - 21,^ Wrz 1929 , MkÜenberm ivMier^eM^U^stvKHlüMch jx[ ft# schäM.^ vÄL^kdÄchtz'N er bechits in seineft Au'Wd-'so/ viM^'-gehörsi'haW än fpäÄrM- Jähsten' ken-' nen letnen. durste. — Möge sein.Geist weiterleben und' .set^xmaiallen denjenigen, .welsche" ihm Mähe standen,, bei-' Stehen! .. ....... .. .^ Zeitlöfs, 12. März. Unsere' Gemeinde'hat wiedeÄm -einend" schweren" Verlust - - zu - beklagen.; Löb G ökd- >n e x:: das älteste. Mitglied unseres ohnehinkleinen^ Kreises, wurde heute' -unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Sein Heimgang ist für uns um so schmerzlicher, als wir'an ihm einen Mann verloren hajben, der sich, namentlich m denletzten Jahren, nicht nur als ".7n's rww und «*np»>ya' uneigennützig in den Dienst: seiner Gemeinde stellte, sondern der auch, als.ehemaliger Schüler dem Thorafchüle in Höchberg/ ein beträchtliches jüdifches Wissen befaß. Eine kleine Zähl Lern'beslissener scharte sich daher allsabbatlich um ihn- und „lernte". Allzufrüh, im 68. Lebensjahre, wurde nun seinem ersprießlichen Wirken ein jähes Ziel gesetzt. n"a-im. Amderecke. Hamans Dursti (Nach dem Midrasch.) Der König Ahasver pflog Rats mit seinen Generälen. Da sprach er: „Haman! Mordechai! Hört, was wir euch befehlen.' Bringt diesen großen Sack voll Geld zu unseren Truppen, die im Feld Dem Feind entgegentreten. Sie haben's sehr vonnöten!" Und so geschah's. Am selb'gen Tag zum Tor hinaus schon sprengten Der Haman und der Mordechai, zu helfen den Bedrängten. Ein jeoer trug die halbe Last, die noch zu schwer für einen säst; Man sah's an ihren Mienen — — Es waren Goldzechinen! Am Abend, von der Reise matt, gelangten sie in eine Stadt. Dort fanden sie ein Nachtquartier. Wie schmeckte, da das medifch Bier! Gar bald ging Mordechai zur Ruh. Doch Haman dachte: „Geh nur zu! Jetzt wird's ja erst gemütlich! Ich trink' und'tu mir gütlich." Dann zechte er die ganze Nacht, bis alles Geld er dürchgebracht. Und als er wieder nüchtern war, fand er sich seiner Habe bar. Frech ging er hin zu Mordechai und sprach: „Ach, Kamerad, verzeih! Mir ist mein Geld verschwunden. Hast du es nicht gefunden?" Doch Mordechai verstand den Wicht und. blickte streng ihm ins Gesicht: „So glaubst du denn du Dummerjan, daßich nicht weiß, was du getan?" Da tat der Haman sehr vergrämt und sprach ganz leise und beschämt: „Ich will's ja auch bereuen. Nur — — kannst du Geld mir leihen?" Der Jude zeigte sich bereit, ein Sümmchen ihm zu geben, Und Haman, nun ein armer Mann, verschrieb dafür sein Leben. So ward des Juden Diener er; nicht allzu strenge war fein Herr, Denn der vergaß die Sache. Doch Haman schwur ihm Rache. Als nun die Botschaft ausgeführt, da taten sie heimkehren.— . Nach gar nicht allzu langer Zeit kam Haman hoch zu Ehren. Voll Ingrimm über Mordechai sprach er: „Jetzt ist's mit ihm vorbei! Ich will den König drängen. Der Jude soll bald hängen!" Doch anders hat es Gott, so steht's im Buch geschrieben. Der Haman an den Galgen kam, mit ihm zehn seiner Lieben/ Des freuten sich die Juden sehr. Die Kunde ging weit über's Meer. Das Lied, das da gesungen, ist heut' noch nicht verklungen! Dr. Joseph Jacobsen. MERGENTHEI M ER- KAR LSQU ELLE;LE tEBER,- F EXTSCK E R - MAGEN DARM Hotel Kürhaüs öffnet am16. April1929