Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4.--,. Nr. 12 Der Israelit 21. März 1929 Diesem Umstand verdankt der Gedanke nach Einrichtung von Kultusbeamtenschulen in Verbindung mit der Ausbildung von geistig gehobenen Religionslehrern seine Entstehung. Nur aus diese Weise erhalten unsere schwer ringenden Landgemeinden noch Lehrer- und Kultusbeamte. Wer z. V. in Hessen die Schulstellen in den Gemeinden des Odenwalds, des Rieds- und des Vogelsbergs betrachtet, wer mit Betrübnis die-. Entwicklung des jüdischen Bildungswesens auf dem Lande verfolgt, wo früher blühende Gemeinden mit hervorragenden Lehrkräften heute ohne jeglichen Beamten sind, wie besser gestellte Gemeinden sich unbedenklich mit mangelhaft vorgebildeten Lehrpersonen begnügen, der kann einen Schluß auf das Gelingen der von Herrn Direktor Stoll empfohlenen Methode Ziehen. Bleiben noch die jüdischen Volksschullehrerkandidaten. Für diese geben wir die Notwendigkeit gleichartiger Ausbildung nach staatlichen Sätzen zu. Allein — von allen Bedenken abgesehen- — wie steht es mit der Verwendungsmöglichkeit? Abgesehen von den sporadisch auftauchenden jüdischen Volksschulen bleibt die wirkliche Simultanschule in Deutschland auf unabsehbare Zeit frommer Wünsch/ Wie verhält es sich ferner mit der „Intensivierung des jüdischen Lebens", die nach Herrn Stoll mit der „Intensivierung der Lehrerbildung parallel gehen soll?" In den Großgemeinden München und Nürnberg bestehen zwei trefflich wirkende jüdische Volksschulen, die ausschließlich von den Gesetzestreuen begründet und erhalten, jedoch von den liberalen Kreisen, die für die Idee des Herrn Stoll eintreten, aus assimilatorischen Gründen scharf bekämpft werden. Wo soll bei solchem Verhalten der Liberalen, die in fast allen Großgemeinden die Herrschaft besitzen, der Mehrbedarf an jüdischen Lehrkräften eintreten? Heißt dies „Intensivierung des jüdischen Lebens?" Nein, Herr Stoll, die Mentalität der jüdischen Landgemeinden geht in anderer Richtung. Sie brauchen tüchtige Neligionslehrer, die aucho'vnii7 und v'im find, nur auf diese Weise kann mit religiös gefestetM Charakteren die niivrr noch erhalten bleiben. Die Schaffung von Schulverbänden hat sich von jeher nur schwer durchführen lassen. In der Provinz Starkenburg versieht ein nicht einmal seminaristisch gebildeter Lehrer 7—8 Landgemeinden mit Religionsunterricht undnv'mr?. Ist es auch ein unterrichtlicher Warenhaus-Großbetrieb, so genügt er dennoch den beteiligten Gemeinden, kostet nicht viel, der betr. Gemeindeverband bringt größtenteils die Besoldung auf, und die Gemeinden werden geschont. Wie wird es erst ausfehen, wenn diese Gemeinden (und auch in Bayern ist es vielfach nicht anders) nach Direktor Stolls Rezept zwei Kräfte beschäftigen sollen, einen - akademisch gebildeten Lehrer, der auch Kantox ist, sowie einen vniV-Kantor. Difficll est non. satyram scribere. Nein, Herr Stoll, ein richtiges Wort haben' Sie geprägt'. In geiM-kultureller Beziehung hat sich Dezentralisation.'immer als külturfördernd erwiesen, darum. vermeiden wir jede Uniformierung zum Besten unserer jüdischen Gemeinden. Wer Volksschullehrer werden will, dem bleibe es überlassen, seine Ausbildung nach staatlicher Forderung zu betätigen. Äm übrigen überlassen wir es den jüdischen Gemeinden, sich Lehrer und Kultusbeamten zu wählen. Dann allerdings mit einem entsprechenden Fonds an profaner Bildung, unerschütterlicher begeisterungsfreudig für n->in und erfüllt kommen wir zur..Intensivierung des jüdischen Lebens. . 7? Zum Schluffe richte, ich an diejenigen Kollegen -,im kurhessischen Verein „ I e s chur u n " sowie an diejenigen im I n a b h ä n g i g e n i s - r a e l i t i sch e n L e h r e r v e r e i n im V o l k sst a a t H e s s e n , die den Anschluß an den.Lehrerverband befürworten, die Frage: Wollt Ihr durch Euer Verhalten die Bestrebungendes Verbandes unterstützen, die wie z. B., in der L e hr e r b i l d u n g s f r a g e auf den Ru in der jüdischen Landgemeinde n zielen? Könnt Ihr es verantworten," daß Eure Gemeinden, denen Ihr bisher Eure Kraft geweiht habt, lehrerlos bleiben oder in ungenügender Weise versorgt werden? Könnt Ihr Euch nicht über die Schlagwörter einzelner Schreier zu realem Denken über das, was Euren Gemeinden nottut, erheben? Korrespondenzen « Hacbrichten. Deutsches Reich. Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze. Berlin, 7. März. Im Vürgersaal des Rathauses Groß-Berlin fand am 4. März eine von ca. 300 christlichen Lehrern und Lehrerinnen der Gymnasien, Lyzeen und Volksschulen besuchte Veranstaltung statt, zu der der Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaudens emgeladen hatte. Fünf in den Schulkreisen geschätzte Lehrer haben zu dem Thema „Die Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze durch Erziehung zur deutschen Volksgemeinschaft" Stellung genommen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin, Herr Dr. Bruno Glaserfeld, führte in seiner Begrüßungsansprache aus, die Beeinflussung des Kindes müsse schon in der Jugendzeit beginnen; nur so fei ein Ausbau der Lebensgemeinschaft gewährleistet. Als effter Redner sprach Herr Schulrat Wolfs. Die konfessionellen Gegensätze sind in Deutschland besonders stark.. Der Kampf der Meinung erfordere aber besonders von Seiten des Lehrers und Erziehers ehrenwerte Waffen. Die Seele des Kindes darf nicht durch den Haß vergiftet werden. Die Gegensätze sind da, Gegensätze der Rasse, der Wirtschaft, der Religion, aber Ae Einheit des Rechtsbewußtseins muh den Weg zur Ueberbrückung dieser Gegensätze weisen. Was kann hier die Schuel leisten? Sie r:.uß in die Seele des Kindes die Achtung vor der fremden Ueberzeugung senken. . Herr Rektor Kellermann betonte,, daß der Katholizismus zvon jeher das Bestreben habe,den Boden für die Volksgemeinschaft zu suchen. Der Reichskanzler Marx .hatte die Volksgemeinfch aft zu seinem politischen Programm gemacht. (Obwohl Marx entschieden fiix die Konfessionsschule mntvitt. D. -Red.) Herr Studienrat Dr. L e w i n betonte, daß die deutsche Volksgemeinschaft erst eine Idee und Leine Realität sei. Die Aufgabe der Schule besteht darin, denkünftigen Staatsbürger zu erziehen. Es sprachen noch Herr Studiendirektor Dr: G u t t - mann und Obefftudienrat Landsberg. An die Referate schloß sich -eine sehr lebhafte Dis- Das Schlußwort erhielt Frau Margarete Fried, die besonders die Aufgabe der Frau als Mtztter und Mithelferin bei dem Gedanken" der Erziehung zur Volksgemeinschaft beÄnte: . / . 1 ' Rabbinerbesoldung in Preußen. Berlin, 10. März Im Hauptausschuß des preußischen Landtages bei der Beratung des Unterrichtsetats - betonte Ministerialdirektor Trendelenburg im Namen der Regierung, daß die Ausgaben für die KirchengeMeinfchaftendurch Gesetz und Verfassung festgelget seien. Nach den gleichen Grundsätzen, wie bei den Geistlichen anderer.Konfessionen sei auch die Besoldung der Rabbiner geregelt, mit-dem einen Unterschied, daß ein Lastenaus-g-leich unmöglich fei, da ärmere und reichere Syn-agogengemeinden nicht zusammengeschlossen seien. Besonders -aktuell, sei Me Frage der Verleihung von Körperschaftsrechten an kleinere Re-ligionsgemeind-en, die andem Grundsatz der Aufbringung freiwilliger Beiträge festhieltea. kussion an, in der Schulleiter und Lehrkräfte, sowie der von jüdischem Wissen, die auch ohne -akademischen Direktor des Z-entraL-Bereins, Herr Ludwig- Holländer, Stempel den Willen haben, ihre Gemeinde religiös und sittlich zu heben. Rur. auf diese Weise m gleicher Weise den Gedanken der Achtung! vor Kinde als grundlegend erkannten. dem Generalversammlung des „Verbandes russischer Juden in Deutschland". Berlin, 8. März. Der „Verband russischer Juden in Deutschland" hielt am 6. März ds. Is. seine diesjährige Generalversammlungunter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. V. Mandel ab. Der Vorstand des Verbandes, an desfen Spitze der Wirkt. Staatsrat I. .Teitel steht, erstattete einen ausführlichen, Bericht über die Tätigkeit des Verbandes im Jahre 1928, die recht vielseitig war. Die Wohltätigkeitskomm-Woni des Verbandes verausgabte im Berichtsjahre an ein-m-aligerr und monatlichen- Unterstützungen insgesamt 123.535 Mart, wobei von 1373 Hilfsgefuchen nicht weniger als 1290 staötgegeben wurden. Die Kommission zur Unterstützung von Studierenden in Form von Subfidien und der-g'l. betreute -eine stattliche Anzahl Schüler von Mittel- und Hochschulen und verausgabte zu -diesem Zwecke 15.962 Mark. Die „Arbeitskommissron" betreute die im Jahre 1927 gegründete Rähw-erfftatt -und dte Rähkurse, die allem 60 Schülerinnen fassen (Ausgabe: 6717 Mark). Die „Darlehenskvmmisfion" gewährte einer Reihe von Kausleuten und Handwerkern Darlehen in einer Gesamtsumme von 16.561 Mark, wobei es bemerkenswert ist, daß der Verband zu diesem Zweck auch mit einer Anleihe operierenkonnte, die ihm dank der Vermittlung der Herren Staatsrat Teitel und Dr. Gvldenweifvr von dem Hohen Kommissar für die Flüchtlinge beim Völkerbund im- Betrage von 2500 Dollar gewähnt wurde. Wertere Funktionen, des Verbandes russischer Juden wurden heroorgehoben. Der Vorsitzende des Verbandes, Staatsrat Teitel,. wies in feiner Ansprache auf die täglich wachsende Not der russisch-jüdischen Emigranten hin-. Diese Not zwinge den Verband, jetzt, zum ersten Mal seit seipem Bestehen, sich an die deutschen- Glaubensgenossen zu wenden, in deren Mitte das Schicksal die Emigranten auf lange Zeit hinaus verschlagen hat. Wie sehr die Vesten der'deutschen Jydenheit die ihnen zufallende große) historische- Aufgabe begreifen, zeigte die Rede he s hervorragenden SchÄstftellers Arnold Zweig auf -dem vomnVerband > veranftältetM .„Presse-Tee", die demnächst im, Drück!Mschein-en wird. Verhandlungen - mit hervorragenden: .Repräsentanten der deutschen Juden heit sind im Gange) und von -ihrem Resultate hängt in einem hohen Grad das Schicksal der großen Arbeit des Verbandes ab. Rituelle TNenfa in Bonn. Köln, 1. März. Ein bedauerliches Zeichen unserer -Zeit ist die Abwanderung unserer studierenden Jugend in die Universitätsgroßstädte. Hält die Großstadt durch -ihre mannigfachen Zerstreuungen einerseits den jungen Studenten häufig vom ernsten Studium ab, und -rauben die grvdie Markender Tabgermünder Schokoiadenfabrik Neu aufgenommen nos?!? NV3 Alleinvertrieb durch die Firma «J. Anton Alexander, Berlin N018, Landsberger Straße 91.